News "Na, wie geht's uns denn heute?"

Ute

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Krankenschwester, Fachkraft für Leitungsaufgaben in der Pflege (FLP)
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[12.09.05]

"Na, wie geht's uns denn heute?"

Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

"Forschungsoffensive", Teil 11: Wittener Pflegewissenschaftler untersuchen die Sprache der Pflegenden / Tagung zum Thema "Sprache und Pflege" am 14. und 15. Oktober 2005 an der Universität Witten/Herdecke "Pflege ist ein Sprachberuf. Pflegende müssen mit Patienten sprechen, und bei den Übergaben zwischen den Schichten müssen die Pflegenden miteinander sprechen können. Es gibt aber keine 'Pflegesprache', sondern nur Mediziner-Latein und Verwaltungsdeutsch." Für Dr. Angelika Zegelin-Abt vom Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke ist diese Sprache der Pflegenden Gegenstand der Forschung.

Sie verwundert es nicht, wenn Pflegende von "Patientengut", "Überalterung" oder "Verhinderungspflege" sprechen. Wo es keine eigene Fachsprache der Pflegenden gibt, leiht man sich die Worte von anderen. Für Zegelin liegen die Gründe in der Geschichte der Pflegeberufe: "Pflege hat sich immer als verlängerter Arm der Ärzte verstanden, nie als eigener Berufsstand. Wenn früher das Fach 'Krankenbeobachtung' unterrichtet wurde, dann waren da Fieberkurven gemeint und nicht etwa die Frage, wie der Patient als Mensch mit seiner Erkrankung umgeht oder ob seine Familie ihn besuchen kommt." Doch es gibt noch eine andere Funktion von Sprache für die Pflegenden: Schutz vor dem Alltag.

Wenn Patienten "fertig gemacht" oder "abgeklatscht" werden, dann ist das - auch in einem Krankenhaus - kein Grund zur Beunruhigung. Es geht nur um eine Pflege nach Plan bzw. um abreiben mit Franzbranntwein. Wenn Patienten "gepampert" werden, weil sie "geschwommen" haben, dann geht es im Slang der Pflegenden um Inkontinenz und um einen Schutz: Der Zynismus hilft mit alltäglichen Situationen umzugehen. Ein Patient, der dauernd zum Trinken aufgefordert werden muss, wird "begossen", ein "Zoohändler" hat Parasiten und "platt" ist der Patient, wenn er ein Schlafmittel erhalten hat.

Zegelin und ihr Kollege, der Philosoph Prof. Dr. Martin W. Schnell, haben darüber ein Buch geschrieben, das - völlig neu überarbeitet - ab September im Huber-Verlag erscheinen wird. Ihnen geht es darum zu zeigen, wie Pflege stumm und sprachlos geblieben ist. Doch das Thema hat nicht nur historische Aspekte: Heute kommen viele Pflegende aus Osteuropa oder Asien. Sie sprechen manchmal nur wenig Deutsch und verstehen daher oft nicht, was Ärzte, Vorgesetzte oder Patienten zu ihnen sagen. "Da wäre oft ein Kurs 'Deutsch am Krankenbett' angebracht. Ich habe ein Seminar zum Thema 'Sprache und Pflege' angeboten, da kamen ganz viele, die meinten, das sei ein Sprachkurs. Da weiß man dann nicht, ob man lachen oder weinen soll", beschreibt Zegelin die Situation.

Weitere Informationen: Dr. Angelika Zegelin-Abt, 02302/926-379 (Sekr.)
Das Buch "Sprache und Pflege" Zegelin-Abt/Schnell (Hrsg.) wird ab September im Huber-Verlag erscheinen. Die Universität Witten/Herdecke wird am 14. und 15. Oktober eine Tagung zu diesem Thema ausrichten.

Hinweis: Besuchen Sie uns im Internet. Eine Übersicht aller Pressemitteilungen der letzten sieben Jahre und viele weitere interessante Informationen finden Sie unter www.uni-wh.de -> Presse und Kommunikation
Weitere Informationen: http://notesweb.uni-wh.de/wg/medi/wgmedi.nsf/name/SprtacheUndPflege05-DE - Tagung "Sprache und Pflege"

Quelle: www.uni-protokolle.de
 

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Vielen Dank für die Info.

Wenn ich Zeit finde, werde ich nach Witten fahren!
 

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