Mythen in der Krankenpflege

Dieses Thema im Forum "Talk, Talk, Talk" wurde erstellt von Elisabeth Dinse, 01.07.2008.

  1. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ganze Heerscharen von Azubis sind drangsaliert worden/ werden drangsaliert mit Vorgaben wie:
    herzwärts waschen
    erst den entfernten arm waschen, dann den nahen
    usw.

    These: Waschrichtung
    Man muss sich abheben vom Laien. Dieser wäscht je nach Befinden des Pat. mal herzwärts, mal entgegen. "Professionelle Pflege" wäscht herzwärts.

    These: Reihenfolge beim waschen
    Wenn zwei Pflegekräfte waschen, ist es wichtig das die waschende Kollegin am entfernten Arm anfängt damit die abtrocknende Kollegin diesen sofort trocknen kann... während die waschende Kollegin bereits den nahen Arm wäscht. Man kommt sich nicht ins Gehege.

    Wer kennt noch andere Mythen? Wie entstanden diese Mythen?

    Elisabeth
     
  2. dieEv

    dieEv Poweruser

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    Wie wurde das Herzwärts-Waschen eigentlich begründet?
     
  3. Susi_Sonnenschein

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    Hallo ihr zwei,
    das herzwärts-Waschen ist als eine beim Waschen bereits integrierte Thromboseprophylaxe entstanden. Ich hab auch in der Schule gelernt: Bereits beim Waschen mit leichtem Druck vom Fuß zum Knie waschen, das ist dann bereits Thrombosepropyhlaxe.

    Das mit dem entferneten Körperteil zuerst waschen hat darin seinen Ursprung, dass man mit dem tropfenden Waschlappen nicht mehr über bereits gewaschene und abgetrocknete Körperteile greifen muss.
     
  4. dieEv

    dieEv Poweruser

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    Und es ist ein Mythos, weil es nicht belegt ist? - Venen ausstreichen ist aber schon sinnvoll, weil nachgewiesen? Müsste es also heißen: beim Waschen Venen ausstreichen? (Ich habe als Schülerin nämlich auch herzwärts gewaschen, klaro!)

    Zwar kein Mythos, aber am schlimmsten war die Diskussion, wie viele Waschschüsseln, wann Waschwasserwechsel usw. - die Examinierten auf Station haben nur den Kopf geschüttelt.
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Venen ausstreichen ist ebenfalls nicht nachgewiesen, dass es eine Thrombose verhindert. Thromboseursache: VirchowTrias. Aktuell gibt es diverse Diskussion wie groß der Anteil der Stase an der Entstehung einer Thrombose ist. Die kritischen Stimmen gab es übrigens schon in den 50igern.

    Waschwasserwechsel- ebenfalls ein Mythos. Das Wasser gilt als kontaminiert, sobald du das erste Mal den Lappen ausspülst.

    Elisabeth
     
  6. dieEv

    dieEv Poweruser

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    Ja, deshalb nimmt man am besten noch jede Menge Einmalwaschlappen:mrgreen:!
     
  7. Pinselchen

    Pinselchen Junior-Mitglied

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    Hallo,

    ich wasche herzwärts grundsätzlich nicht bei Beinen (bin auf Gefäßchirurgie), evtl. Thromben könnten sich lösen und auch nicht bei Herzinsuffizienz, da uns erklärt wurde, dass das zu Komplikationen führen kann.

    Ob das auch so ein Mythos ist?

    Wenn es der Pat. möchte mache ich das Wasser etwas kühler, eine kühle Dusche belebt ja auch. :-)
     
  8. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Herzinsuffizienz ist nicht gleich Herzinsuffizienz. Die Einschränkung gilt bei dekompensierter HI.

    Elisabeth
     
  9. Finja

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    Hallo...

    im Krankenhaus muß man den Schülern ja irgendetwas beibringen. Dann hält man herzwärtswaschen für unglaublich wichtig.
    Wie wäscht man sich denn selbst? Wie wäscht der Pat. sich zu Hause ?
    Und wehe die Reienfolge stimmt nicht, dann... tja was dann :gruebel:
    Sorry für diesen Sarkasmus :mrgreen:
    Lg Finja
     
  10. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Vielleicht werden sie vermittelt in der Fehlannahme, dass feste Strukturen stets Sicherheit bieten.

    Siehe:
    Für den ersten Kontakt mit der Pflegematerie mag es stimmen... aber nach drei Jahren Ausbildung sollte im Bereich der Grundpflege schon ein mindestens kompetent Pflegender herauskommen, der sich von der Eingangshilfestellung ( Waschrichtung und Ablauf) reflektiert trennen kann.

    Elisabeth
     
  11. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Weitere Pflegemythen:

    Zur Pneumonieprophylaxe: ASE- Atemstimulierende Einreibung, Einreibung mit Franzbranntwein und ähnlichen Substanzen.

    Elisabeth
     
  12. adalbert

    adalbert Stammgast

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    Kurzer Einwurf: Patienten verhalten sich im Krankenhaus anders als zu Hause, das kann man nicht vergleichen.

    Bsp: Unser HNO Arzt hat den Patienten immer eine Trental Infusion über 8 Stunden angehängt. Auf Nachfrage ob Trental bei Tinnitus überhaupt einen Effekt hätte sagte er nur das es eigentlich egal sei ob Trental drin ist, Hauptsache die Patienten kommen mal 8 Stunden lang zur Ruhe und stressen sich nicht...

    Gruß
     
  13. Catharina

    Catharina Junior-Mitglied

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    Ich habe gelernt, Herzwärts nur morgens waschen, das zählt zur basalen Stimmulation:
    Herznwärts: anregende/belebende waschung
    Herzfern/gegen den Haarstrich: wirkt beruhigend und entspannend
     
  14. Huhu,

    wir haben zum Beispiel gelernt, das herzwärts waschen ein bisschen anregegemd wirkt, wenn man keine komplette Waschung nach der basalen Stimulation machen will. Ich habe aber auch gelernt, dass man beim Waschen nie die Venen ausstreichen sollte, weil man nie genau weißt ob der Patient eine thrombose hat oder nicht außer es ist sicher nachgewiesen. Denn beim Venen ausstreichen kann man jeder Zeit einen Thrombus lösen.

    Liebe Grüße Sandra
     
  15. Sternchen1983

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    auch ganz klassisch: Der Kirschkern, der zu einer Appendizitis führt :-)
     
  16. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wenn die Haarwuchsrichtung so anregend bzw. beruhigend wirken würde, dann hätten wir statt Schlafmedis sanfte Babybürstchen und statt Antidepressiva Wurzelbürsten. Und je nach Wunsch würden die Haare gelegt. Ulla und ihre Kassenonkels wären begeistert ob der Sparmöglichkeit.

    Übrigens: wie funktioniert "anregendes" waschen ohne ausstreichen der (oberflächlichen) Venen?

    Elisabeth
     
  17. -Claudia-

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    Den tollsten Pflegemythos fand ich den zweistündlichen Lagerungswechsel, den der Expertenstandard entlarvte.

    Der Lagerungswechsel an sich ist natürlich richtig. Der Zwei-Stunden-Abstand ist jedoch nie untersucht worden. Florence Nightingale benötigte in ihrem Feldlazarett zwei Stunden, bis sie bei allen Verwundeten mit dem Lagern durch war und wieder von vorn beginnen konnte. Hätte sie 90 Minuten oder fünf Stunden gebraucht, hätten wir jahrzehntelang in diesem Intervall gearbeitet.
     
  18. Maniac

    Maniac Poweruser

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    "MIT"

    :-)
     
  19. Lillebrit

    Lillebrit Bereichsmoderatorin
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    @Claudia:
    Genau so ist es ... leider ist dieses noch nicht bis auf alle Stationen vorgedrungen.
    Ausserdem sind die evidenten Maßnahmen (Mikrolagerung, Erstellen eines individuellen Bewegungsplanes) nicht näher (und praxisnah) ausgeführt und so auch 8 Jahre nach Einführung des Expertenstandards in Deutschland noch nicht flächendeckend implementiert.
     
  20. Rüdiger

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    Wenn zwei Pflegekräfte waschen, ist es wichtig das die waschende Kollegin am entfernten Arm anfängt damit die abtrocknende Kollegin diesen sofort trocknen kann... während die waschende Kollegin bereits den nahen Arm wäscht. Man kommt sich nicht ins Gehege.

    Nun, das zu zweit waschen leider gängige Praxis ist kann ich nur bejahen, aber sollte das der Grund sein, wo man doch immer lehrt niemals zu zweit an einem Patienten gleichzeitig zu pflegen?
     
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