Multiorganexplantation bei hirntoten Patienten

Dieses Thema im Forum "OP-Pflege" wurde erstellt von Medi78, 24.03.2012.

  1. Medi78

    Medi78 Newbie

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    Mein Problem an der ganzen Sache ist nicht der Zweifel am Hirntod des Patienten, sondern eher der würdelose Umgang mit selbigem während der Operation.

    Ich arbeite seit mitlerweile zehn Jahren in einer Klinik die auch Organexplantationen vornimmt. Jedesmal hatte ich das Gefühl, ich müßte mich beim Patienten selbst oder bei seinen/ihren Angehörigen entschuldigen oder um Verzeihung bitten.
    Ich hatte nicht ein einziges mal das Gefühl dem Patienten wird in irgendeiner Art und Weise der nötige Respekt oder auch nur ein Funken Dankbarkeit entgegen gebracht.
    Es wurde gelacht, gequatscht und sich zum Kaffee verabredet, die nötige Arbeit verrichtet und gegangen. Kein "Dankeschön" an alle Beteiligten oder ein "kann ich nochwas helfen". Jedesmal stehen sämtliche OP- und Anästhesie-Pflegekräfte alleine da.

    Mir ist schon klar das es auch einen gewissen Zeitmangel gibt, weil die Empfängerpatienten schon auf das lebensrettende Organ warten.

    Trotzdem bin ich der Meinung das man den MENSCHEN die sich dazu bereit erklären sich "ausweiden" zu lassen um anderen Menschen das Leben zu retten, den nötigen Respekt zollen sollte und pietät- und würdevoll mit den sterblichen Überresten des Patienten umgehen sollte.

    Die Patienten liegen auf dem OP-Tisch aufgerissen und völlig dargeboten. Alle kümmern sich um die Wertvollen "Erstatzteile". Keiner interressiert sich mehr für den Spender. Fäden werden nicht abgeschnitten, Mullkompressen nicht entfernt. Es ist sogar nichtmal mehr nötig das ein Arzt den Wundverschluß vornimmt?
    Das grenzt meiner Ansicht nach schon an Ausschlachterei.

    Auch wenn ich meist als egoistisch dargestellt werde habe ich auf meinem Organspendeausweiß angekreuzt das eine Organspende für mich nicht in Frage kommt. Jedenfalls möchte ich nach meinem Ableben nicht SO behandelt werden. Ob ich es nun mitbekomme oder nicht. Zu einer Lebendspende bin ich natürlich jederzeit bereit. Vielleicht würde sich meine Meinung ändern wenn ich selbst oder ein naher Angehöriger ein neues Organ bräuchte.

    Zum Abschluß bleibt nur zu wünschen das der ganz Vorgang einer Multiorganexplantation würdevoller abläuft und vielleicht ab und an mal danach gefragt wird wie es uns Pflegekräften dabei geht.

     
  2. matras

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    Du sprichst damit ein sehr brisantes, aktuelles und berechtigtes Problem an! Es gibt viele Kliniken in denen Organe entnommen werden, womit sich die Anzahl der damit betrauten und mit den Problemen allein gelassenen Personen sehr groß wird. Allerdings gehen nicht alle Kliniken und Einrichtungen so damit um. Ein empathischer und verantwortungsvoll agierender Transplantationsverantwortlicher kümmert sich auch um das Personal. Wenn das bei Euch nicht so ist, sollte dieser oder im Fall des Nichterfolges der ärztliche Direktor auf das Problem aufmerksam gemacht werden. Sollte auch das nichts bringen: es kann Dich niemand zwingen gegen Dein Gewissen Handlungen vorzunehmen, die sich mit Deinen ethischen, religiösen oder moralischen Grundsätzen nicht vereinbaren lassen!
     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Mit der Gesetzänderung wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, eine nachfolgende professionelle Betreuung für ALLE Beteitligten- Angehörige vom Spender, Pflegepersonal/Ärzte, Empfänger und dessen Angehörige, zur Pflicht zu machen. Mir ist schon klar, dass das einen finanziellen Mehraufwand bedeutet. Aber die Achtung vor dem Menschen gebietet das einfach in meinen Augen.

    Elisabeth
     
  4. Eisenbarth

    Eisenbarth Poweruser

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    volle zustimmung!


    und meine ergänzung:

    dass genau das nicht geschehen ist, lässt mich an der "die sind bei der nächsten wahl garantiert nicht wählbar - liste" für die fdp (herzlichen glückwunsch, herr bahr) einen weiteren haken machen.

    der bundesgesundheitsminister ist hochbezahlt, profi, hat einen stab von profis, im zweifel unbeschränkte wissensressourcen und zugriff auf jedes netzwerk, auf das er zugriff wünscht. fazit für mich: arbeit einmal nicht gut gemacht -> naja ok, zweimal defizitäre ergebnisse -> hm!, das dritte mal versagt -> eigentlich nicht mehr wählbar, der vierte griff ins klo -> eigentlich nie wieder wählbar.

    [auf wunsch käme ich gern mit vielen weiteren, teuren, die menschenwürde einfach mal außer acht lassenden gesetzesentwürfen und vorschlägen von d. bahr]

    ich hoffe, wir quittieren unseren gewählten vertretern ihr versagen.
     
  5. matras

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    Auf die Politik und deren Unzulänglichkeiten zu schimpfen ist zwar naheliegend aber nicht unmittelbar hilfreich. Bis sich nach einer zielgerichteten Einmischung der Politiker etwas für den Einzelnen zum Positiven ändert, vergeht für eben Diesen zu viel Zeit!
    Hilfe zur Selbsthilfe ist m. E. effektiver und bringt u. U. deutlich schneller ans Ziel...
     
  6. Eisenbarth

    Eisenbarth Poweruser

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    hilfe zur selbsthilfe hinsichtlich der gesetzlichen regelungen des transplantationsgesetzes? scheint mir zumindest in teilen nicht machbar.
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Hilfe zur Selbsthilfe dürfte hier an den notwendigen Geldern scheitern. Eine professionelle Begleitung für die Angehörigen des Spenders und den Empfänger dürfte sich eher sehr selten auf einen einzigen Termin beschränken. Und selbst dieser Termin ist net umsonst- es sei denn, du findest ehrenamtlich Tätige. Die Kassen werden diese Begleitung ablehnen- siehe §12 SGB V.

    Elisabeth
     
    #7 Elisabeth Dinse, 26.03.2012
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 30.03.2012
  8. squaw

    squaw Poweruser

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    Das Ganze hat nach meiner Ansicht überhaupt nichts mit Gesetzen zu tun, sondern viel eher mit (medizin-) ethischen Themen! Dazu vielleicht ganz interessant:
    http://www.amazon.de/Der-entseelte-Patient-moderne-Medizin/dp/3351025874/ref=pd_sim_b_1

    Was ist ein Mensch, auch ein hirntoter, wert... ist er überhaupt noch ein Mensch oder bereits ein Ersatzteillager?
    Der passende Link zu dieser Aussage:
    http://www.amazon.de/Ausgeschlachtet-Die-menschliche-Leiche-Rohstoff/dp/3430200407/ref=pd_sim_b_3

    Ich denke, daß der Umgang mit den Spendern sehr viel über die Abteilung als solche und ihre Chefs aussagt. Es gibt durchaus Einrichtungen, die sehr pietätvoll mit der Situation umgehen wollen und es auch tun.
     
  9. squaw

    squaw Poweruser

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  10. flexi

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    Ich möchte nur mal auf die Fragestellung hinweisen, siehe Eingangsbeitrag des Threaderstellers.
     
  11. squaw

    squaw Poweruser

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    Stimmt. Also zurück zur Medizinethik und der Einstellung der Behandler zum Spender.
     
  12. lusche

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    Hallo Medi78,
    in manchen OP´s scheint es so, als gäben die Operateure ihren Anstand in der Umkleiden ab.

    Da wird über die figürlichen Proportionen der Patienten hergezogen, der Zahnstatus bemängelt usw. usw. Es ist teilweise unerträglich, welcher Resektlosigkeit die schlafenden Patienten hilflos ausgeliefert sind. Das pflegerische OP-/bzw Anästhesiepersonal wird von diesen Kandidaten mit ebensowenig Wertschätzung bedacht.
    Ich finde ein derartiges Verhalten schon bei „normalen“ Operationen unsäglich, umso schlimmer und erschütternd ist es, wenn es um Organspender geht.
    Für mich geht es nicht mal, um ein geheucheltes „Danke“ nach der OP (schon lange nicht mehr), aber ein respektvoller Umgang mit allen im Raum sollte doch möglich sein.

    Ich selbst habe in solchen Situationen versucht mit Gesprächen weiter zu kommen, was meist an mangelnder Einsicht scheiterte.
    Der nächste Schritt war die meine direkte Vorgesetzte, danach war die PDL dran.
    Parallel dazu Gespräch mit den Ärzten....Chefarzt...
    Wenn dies alles nichts fruchtet kann ich, in Form einer schriftlichen Eingabe, den Gang zur Geschäftsführung empfehlen.
    VG lusche
     
  13. squaw

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    Lusche, was ich in Deinen Beitrag lese, tut mir direkt weh. Es gab füher mal einen Ehrenkodex, ein ungeschriebenes Gesetz, daß man so so etwas nicht macht darf. Und es wurde nicht gemacht! Das haben alle (bis auf sehr wenige, eher sehr einfach gestrickte) Leute auch eingehalten. Hat es mal einer nicht getan, hat er es gemerkt und nicht mehr wiederholt. Heute...
    War in dieser Hinsicht vielleicht doch die gute alte Zeit...
     
  14. matras

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    ....und in der "guten alten Zeit" gab es auch mal eine "gute Kinderstube" - ....
    es ist jedem seine eigene Sache sich morgens im Bad auch noch im Spiegel begegnen zu können, - und deshalb schieb ich auch nicht alles auf andere ab, sondern versuche an der Stelle zu verändern an der ich stehe und verändern kann!
     
  15. squaw

    squaw Poweruser

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    Dann kann ich Dir nur ganz viele Möglichkeiten dazu wünschen!!!
     
  16. squaw

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    Heute früh fiel mir dazu noch etwas ein: Viele Kliniken schmücken sich doch mit dem Leitmotiv: "Beii uns steht der Mensch im Mittelpunkt"
    Fragt sich nur, welcher... Das muß durchaus nicht immer der Patient sein...
     
  17. squaw

    squaw Poweruser

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  18. -Claudia-

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    Ist ja auch richtig. Der TE scheint sich u. a. auch mehr den Mitarbeiter im Mittelpunkt zu wünschen.

    Einen Arbeitgeber, der allein den Patienten in den Mittelpunkt stellt, ohne Rücksicht auf seine Arbeitnehmer, bei dem wäre ich nicht lange.
     
  19. squaw

    squaw Poweruser

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    Ich meinte hierbei weniger den Arbeitgeber als solchen, sondern eher die Chefs der Abteilung! Mit denen steht und fällt nämlich ein solches Verhalten den Patienten gegenüber. Gewisse Verhaltensweisen müssen dann eben vorgelebt und vor allem auch eingefordert werden. Wenn das ein junger OTA tut...
    Und ich sehe es so, daß sich der TE viel mehr Respekt den Patienten gegenüber wünscht. Vor allem, daß man ihre Würde wahrt, ist in jedem Falle absolut unverzichtbar. Nicht nur, aber vor allem dann, wenn sie ihre Organe spenden...
     
  20. matras

    matras Bereichsmoderator
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    Wer den Menschen an sich achtet, achtet Patienten und Mitarbeiter gleichermaßen. Auch Besucher, putz- und technisches Personal usw.
    Dann macht es auch keinen Unterschied, ob es sich um einen hirntoten Patienten handelt, dessen Organe einem anderen Menschen ein bessereres und würdevollereres Leben ermöglichen soll!
    Auch der Umgang der Mitarbeiter die sich mit dem Leichnam beschäftigen müssen, sollte dann nicht in Frage gestellt sein. Oft ist es nur die Gedankenlosigkeit derer die hierarchisch ein oder zwei Stufen über diesen Mitarbeitern stehn, die notwendige Hilfe anzufordern.....
    Fordert sie auf und drängt sie zur Handlung, oft rennt Ihr offene Türen ein!
     
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Wer kann sich das vorstellen: Übernahme der Pflege einer hirntoten Patientin? Leben und Tod im Krankenhaus, Umgang mit Sterbenden 03.04.2002

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