MRSA Screening und Isolation - NL vs. BRD

Dieses Thema im Forum "Hygiene im Krankenhaus / Infektionskrankheiten" wurde erstellt von mary_jane, 15.05.2014.

  1. mary_jane

    mary_jane Poweruser

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    Hallo,

    in Rahmen einer Recherche bezüglich MRSA und der unterschiedlichen Handhabung in der BRD und in den Niederlanden, stellen sich mir folgende Fragen:
    Wann wird ein Patient der stationär aufgenommen wird schutzisoliert?
    Seit der Neuerung des Infektionsschutzfgesetz 2011 sind die Empfehlungen des RKIs verbindlich.
    Ich habe mich bisher mit diesen Empfehlungen beschäftigt: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt...ownloads/MRSA_Rili.pdf?__blob=publicationFile
    --> wird ergänzt durch:


    Ich habe leider nichts dazu finden können, inwieweit verbindliche Regelungen existieren, wann Risikopatienten, nicht nur gescreent, sondern auch schutzisoliert werden sollten. Ich selbst habe es so erlebt, dass auf den Intensivstationen die Erfüllung der oben zitierten Kriterien (ungefähr) zur Schutzisolierung führte bis ein negatives Ergebnis vorlag.
    Wie wird das in anderen Bereichen gehandhabt?
    Habe ich womöglich eine Empfehlung diesbezüglich übersehen?
    Ich habe es so verstanden, dass die einzelnen Kliniken die allgemeinen Empfehlungen auf die lokalen Gegebenheiten anpassen sollten.

    Bei den Recherchen zu den Niederlande bin ich auf folgendes gestoßen:
    Die Strategie "Search and Destroy" unterscheidet sich also nicht maßgeblich, von den Empfehlungen des RKIs wenn ich das richtig interpretiere?
    Nur waren die Niederlande wesentlich früher dran, mit ihrem Vorgehen. Ebenso ist der Antibiotikaeinsatz in den Niederlanden geringer, die Behandlung wird auch ambulant intensiv weitergeführt und ebenso wird dort stärker die Einhaltung der Richtlinien kontrolliert.
    Kann man dies so sagen?
    Ich bitte um Ergänzungen und/oder weitere Anregungen
    Vielleicht kann ja jemand, der in den NL tätig ist, etwas aus der Praxis berichten! Besonders der Punkt Antibiotikaeinsatz interessiert mich sehr.

    Freue mich auf Antworten und Feedback
     
  2. matras

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    Versuch Deine sehr komplexe Frage aufzudröseln:
    eine verbindliche Aussage wann ein Risiko-Patient anaolog zum niederländischen Vorgehen isoliert sein soll gibt es in D definitiv nicht. Auch bestehen durch Vorgaben der Sozialministerien der Bundesländer auch nicht die benötigten Resourcen (Einzelzimmer). Laut Wendt ist aber in den ersten 24h nach Aufnahme nur eine geringers Risiko der Übertragung. Begründung dazu liefert sie nicht, kann aber mit dem Schutz der gewohnten Residualflora zu begründen sein (schwammig).
    Die Antibiotikatherapie in NL ist das Resultat einer Leitlinienmedizin gegen deren Einführung sich die Ärzteschaft und Pharmalobby in D in der Vergangenheit erfolgreich gestemmt hat. Es dürfen in den NL bei bestimmten Erkrankungen wenn überhaupt nur ausgewiesene Antibiotika verordnet werden. In den Kliniken nur durch entsprechend ausgebildete Ärzte! Das versucht jetzt Deutschland mit dem Antibiotical Stewardship nachzubilden. Wird allerdings erst greifen, wenn Pflicht vorliegt oder/und Vorteile erkannt sind.....
     
  3. mary_jane

    mary_jane Poweruser

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    Lieber Matras,

    vielen Dank für deine Antworten. Du hast mir wirklich sehr geholfen!
    Hab gestern den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr gesehen und bin ertrunken in den ganzen Richtlinien.

    Mich hat nur verwirrt, dass auch in den NL nicht jede Aufnahme unbedingt präventiv isoliert wird. Hatte da etwas anderes im Kopf. Es kommt also hier auf diese Risikoeinteilung an, wobei ein Patient aus Deutschland immer isoliert wird, bis zum negativen Ergebnis des Abstriches.
    Weißt du zufällig inwieweit auch andere MRE dort getestet werden? Das Vorgehen wird vermutlich ähnlich sein?

    Viele Grüße
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wie kann ich bei der heute vorhandenen Verbreitung von MRSA erkennen, dass kein Risiko vorliegt? Man erinnere sich, wie MRSA verbreitet wird. Ich müsste in Erfahrung bringen, welche gesicherten Kontakte vorliegen. Und wenn ich mir überlege, dass jeder Patient vor seinem Krankenhausaufnahme ein- oder mehrmals eine Praxis aufsucht und dort nur der Doc seine Hände zwischen den Patientenkontakten desinifiziert ... .

    Ich halte es für einen absoluten Wunschgedanken, absolut sicher einen MRSA vor der Klinikstür zu lassen. Selbst wenn du alle Patienten generell in Einzelzimmer verfrachtest, musst noch davon ausgehen, dass der Keim von A nach B kommt. ... Sei kein Braehmer - MRSA - YouTube . Ehrlicherseits muss man sagen, dass die Verbreitung nicht nur durch Akademiker erfolgt. Bekanntlich hat der Doc ja nur wenig Kontakt mit dem Pat.

    Elisabeth
     
  5. mary_jane

    mary_jane Poweruser

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    Richtig Elisabeth, kein Risiko gibt es eigentlich nicht.
    Ich wollte in diesem Thread jedoch keine Diskussion über Sinn und Unsinn dieser Maßnahmen, sondern wollte etwas über die unterschiedliche Handhabung erfahren - ohne Wertung.
    Experten sind sich ja auch nicht einig, welche Maßnahmen wirklich zur Eindämmung von MRSA führen.
     
  6. matras

    matras Bereichsmoderator
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    Da MRGN und VRE ein globales Problem darstellen vermute ich wie Du ein ähnliches Vorgehen.
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Einen Konsenz dürfte es sogar global geben: Optimierung der Händehygiene, der Hygiene im Gesundheitswesen überhaupt. Wohlgemerkt im Gesundheitswesen. In einem Pflegeheim die gleichen hygienischen Anforderungen wie in einem Krankenhaus zu stellen halte ich für weltfremd. Ein Pflegeheim ist ein Zuhause und wer desinfiziert in seinen eigenen Räumen schon so wie im Krankenhaus.

    Was mich viel mehr interessieren würde- wie wird das Thema Mikrobiologie und Hygiene in den verschiedenen Ländern vermittelt? Wird das andernorts auch so stiefmütterlich behandelt oder lernt man da neben Checkliste und Standard auch noch mehr- z.B. welche Umgebung der Keim braucht um zu überleben.

    Elisabeth
     
  8. mary_jane

    mary_jane Poweruser

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    Was genau haben deine Ausführungen inklusive Verallgemeinerungen nun mit meinen Fragen zu tun?

    Ich stellte die obigen Fragen für einen Vortrag über MRE, da ich u. a. Vergleiche zu anderen Ländern ziehen wollte, speziell eben die Niederlande. Wenn es dich beruhigt, ein ganz großes Thema des Vortrages ist die Händehygiene.
     
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