Moralische Dilemmata

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von _mulan_, 05.04.2010.

  1. _mulan_

    _mulan_ Newbie

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    Hallo zusammen!
    ich bin nun im 2.ABJ, und bereite mich nun auf meine Fachbereichsarbeit vor.

    ich habe vor, über Moralische Dilemmata im Pflegealltag zu schreiben.

    Nun wollte ich euch fragen, ob ihr solche Situationen aus dem Stationsalltag kennt, und mir Beispiele geben könnt, auf die ich auch näher eingehen kann? In welchen Situationen steht ihr vor einem inneren moralischen Konflikt?

    Beispiel: Fixation eines Patienten - moralisch Korrekt? (Freiheitseinschränkung vs. Sicherheit des Patienten).
    ein anderes Beispiel wären Placebos in der Schmerztherapie (PP verletzen grundlegende Prinzipien der Wahrhaftigkeit und Loyalität dem Patienten gegenüber - trotzdem wirkt es?) ich möchte auch ein wenig auf die gesetzliche Lage eingehen (gutes Beispiel eben die Fixation bzw Seitengitter)

    Danke schonmal im voraus, lg Mulan :flowerpower:
     
  2. Marty

    Marty Poweruser

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    Hallo,
    ich hatte während meines Berufslebens schon einige Untersuchungs- und verurteilte Häftlinge.
    Unter anderem zwei, bei denen durch ihren Bekanntheitsgrad und die Presse alle unappetitlichen Einzelheiten öffentlich zugänglich waren.
    Bei dem einen hätte es mir nicht so viel ausgemacht, den anderen hätte ich nicht betreuen wollen, weil er so furchtbar unsympathisch und...
    war, das ichs gar nicht beschreiben will.
    Beide sind aber normal bei der Patientenverteilung an mir vorbei gegangen.
    Mein Dilemma:
    Darf ich es für mich auch an Persönlichkeitsunterschieden festmachen. Da werte ich ja. Also, die Straftaten sind gleich abscheulich, nur einer ist sympathischer?
    Wir sind alle Menschen, jeder hat das Recht auf Hilfe. Trotzdem kann ich nicht immer gegen mein Gefühl handeln.
    Mein Dilemma wurde bis jetzt immer entschieden, zu meinen Gunsten, aber trotzdem muß ich mich auseinandersetzen. Hoffe aber, das es weiter an mir vorbei geht.
     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Placebos (soweit indiziert)wirken dummerweise nur, wenn der Pat. dran glaubt. Willst du ihn dieser Therapiemöglichkeit berauben?

    Wahrhaftigkeit und Loyalität ist keine Einbahngasse.
    Beispiel: Einen fortgeschritenn dementen Pat. wirst du auch nicht immer wieder drauf hinweisen: das ist aber falsch, was sie sagen. Du wirst in seine Welt eintauchen und ihm dort begegnen.

    Elisabeth
     
  4. _mulan_

    _mulan_ Newbie

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    hmm... ja das mag wohl stimmen. aber ich hab das eher auf die Palliativpflege bezogen. naja wir haben es im Unterricht so gelernt, und im Buch steht es so:

    Zitat: "Die Verabreichung von Placebos bringt Pflegepersonen in einen moralischen Konflikt, da sie grundlegende Werte und Prinzipien, u.a. die Wahrhaftigkeit und Loyalität gegenüber den PatientInnen, verletzen müssen. Sobald der oder die Patientin im Glauben ist, von der Pflegeperson ein Schmerzmedikament zu erhalten (auch wenn sie es nicht ausdrücklich betont), ist sie dieser Gewissensfrage ausgesetzt.
    Kernaussage: Die Verabreichung von Placebos in der Schmerztherapie ist absolut abzulehnen."

    vielleicht hab ich mich nicht so klar ausgedrückt, dass ich die Placebos auf die Palliativpflege beziehe!! Sorry :emba:

    lg, mulan :flowerpower:
     
  5. hk-um

    hk-um Senior-Mitglied

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    Es gibt bei Ärzten den Spruch: "Wer heilt hat Recht" und so sehe ich das bei Placebos. Es gibt Patienten, die ihre Tropfen brauchen und bei denen es egal ist, ob sie Wasser oder Haldol bekommen. Hier sehe ich keine ethische Problematik, weil das Ziel ist es entweder den Patienten zu heilen, oder aber Symptome zu lindern ohne dem Patienten zu schaden. Wenn meine Handlung dem dient, ist es für mich vertretbar.
    Problematisch wird es, wenn ich z.B. einen Trockenverband aus Gaze mit Zinksalbe am Patienten anwenden muss bei einer nässenden übelrichenden Wunde und eigentlich alle für ein Silberalginat stimmen, nur die Kasse dies nicht zahlt.
    Weil hier hat man das eigentliche Problem, auf der einen Seite muss ich dem Patienten dienen, auf der anderen Seite aber auch der Allgemeinheit.
    Ein anderes Beispiel wäre, wenn jemand sich nicht impfen lassen will, aber zur Seucheneindämmung die allgemien Impfung angeordnet wurde. Welches wäre jetzt das höhere zu schützende Gut die Freiheit der Person, oder die Gesundheit der Allgemeinheit.
    Diese Überlegungen betreffen das diplomierte und Hilfspersonal nur peripher, aber sie müssen den Arzt ja unterstützen, oder glaubt jemand, dass der Arzt alles selber macht.
     
  6. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Buchautor? Erscheinungsjahr? Hintergrund der Aussage? Erfahrung des Autors mit dieser Therapieform?
    Als Alleintherapie ist ein Placebo in der Palliativmedizin nicht möglich. Das weiß aber selbst jeder Laie.
    Unter dem beschriebenen Aspekt wird dir auch jeder Schulmediziner erklären, dass in den honöopathischen Mittelchen keine wirksame Substanz mehr drin ist und das die Wirkung auf den Placeboeffekt zurückzuführen ist. Trotzdem findest du diverse Mittelchen in der Palliativpflege.
    Wer heilt hat recht. Ich bin ja ein Verfechter der Tatsache, dass man Wirkungen detailiert erklären können muss, wenn man etwas anwendet. Ich schließe mich z.B. den Schulmedizinern an bezüglich der Homöopathie und verteufle diese trotzdem nicht... sofern sie als Zusatztherapie angeboten wird.

    Ich halte es immer für schwierig, siolche Allgemeinsaussagen zu treffen und den Auszubildenden in ein moralisches Dilemma zu drücken.

    Elisabeth
     
  7. hk-um

    hk-um Senior-Mitglied

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    Wenn ich mich recht erinnere so sind in Dtl. homöopathische Medikamente aus der Nachweispflicht ihrer Wirksamkeit herausgenommen. Es kann aber sein der Stabsarzt a.D. das unterdessen geändert hat.
    Ansonsten ist es selbstverständlich das die Wirksamkeit eines Medikaments abschließend in einer klinischen Doppelblindstudie nachzuweisen ist und wenn es ein vergleichbares Medikament auf dam Markt gibt es preislich zumindest in AT um ich glaube 40 % unter dem Orginalpräperat liegen muss.
    Aber zurück zum Placebo. Ich schrieb nicht, dass dieses die alleinige Therapie darstellen soll.
    "Es gehört zu den Eigentümlichkeiten einer medikamentösen Therapie beim Menschen, dass auch durch die Gabe von Arzneimitteln ohne pharmakodynamisch wirksame Stoffe, sog. Placebos, in einem nicht geringen Prozentsatz (bis zu 50!), der von der Art der Erkrankung, der Persönlichkeit des Patienten und von der Suggestivwirkung des Arztes abhängt, Besserungen, ja sogar Heilungen hervorgerufen werden können. Die Medikamentenwirkung beim Patienten ist somit u.U. mit einem hohen Anteil an Suggestivwirkung verbunden."..." Besonders interessant ist dabei, dass Placeboeffekte an das Bewußtsein gebunden sind: Beim bewußtlosen oder narkotisierten Patienten treten sie nicht auf.
    Die Ursache der Placebowirkung ist nur teilweise bekannt. Vor einiger Zeit konnte gezeigt werden, dass endogene Stoffe, die Endorphine (s.S.222 f.), wesentlich an der Placebowirkung beteiligt sind und offensichtlich auf Placeboos ansprechen, den sog. Placebo-Responder, durch Gabe eines Placebos vermehrt freigesetzt werden. Dementsprechend wird der analgetische Effekt eines Placebos - zumindest bei einem erheblichen Teil der Patienten - aufgehoben, wenn man zusätzlich Opiodantagonisten, z.B. Naloxon, gibt."
    Zitiert nach Mutschler "Arzneimittelwirkungen Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie" 9., vollständig neu bearbeitete und erweitere Auflage Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2008 Seite 132
    Mit diesem Satz wäre zumindest in der Schmerztherapie die Möglichkeit gegeben mit Placebos zu arbeiten, wobei ich nicht die Größen der Studienpopulation usw. kenne und wieweit die Ergebnisse als signifikant zu bezeichnen sind.
    Ansonsten will ich niemand in Verlegenheit bringen, falls das so herüber gekommen ist. Nur ich sehe die ethischen Probleme eben eher in anderen Bereichen, also wenn ich ein wirkstofffreies Präperat, oder ein schlechter wirksames Präperat geben muss aus haushalterischen Überlegungen und nicht aus medizinischen.
     
  8. fabayo

    fabayo Newbie

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    Hallo,
    können es auch andere moralische Dilemmata sein ? Mir fällt da ein anderes moralisches Dilemma ein.... Urinal-Kondom anstelle von Dauerkatheter....

    Habe 3 Patienten - im ambulanten Bereich, die Urinal-Kondome benutzen müssen. Ihre Ehefrauen wollen das, damit die Betten trocken bleiben.
    Den Männern ist es peinlich. Und mir anfangs auch. Ich habe vorher nie damit gearbeitet. Anfangs waren die Betten trotzdem naß. Die Kondome haben bei mir nicht gehalten. Ich habe mich geschämt, daß ich den widerstrebenden Männern die Gummis über den Penis stülpen muß, vor allem, wenn die Ehefrauen zugeguckt haben. Hab's selber widerwillig gemacht, mit verletztem Schamgefühl.
     
  9. _mulan_

    _mulan_ Newbie

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    grüß euch!

    danke schonmal für die bisherigen Antworten!

    @ fabayo, ich glaube der Umgang mit Scham und Ekel ist auch ein wichtiger Aspekt. Vorallem die Scham von beiden Seiten (Patient/Klient - Pflegeperson) Fast keine andere Berufsgruppe wie unsere greift teilweise so tief in die Intimsphäre des Patienten ein. und jede Pflegeperson hat nun andere Werte oder Vorstellungen wie er/sie in solchen Situationen umgeht!

    hoffe auf weitere antworten:-)
    lg mulan:flowerpower:
     
  10. mother

    mother Newbie

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    Hallo
    haben in der ambulanten Krankenpflege eine Pat die tagsüber im Rolstuhl sitz und abends dann ins Bettgebracht wird.
    Nur leider steht die dann selber auf und will in den Stuhl (irgendwann so gegen 1 Uhr)
    Sitz dann die ganze Nach mit bettgewand herraussen und friert wqenn wir kommen.
    Manchmal ist sie auch dann schon gefallen..zog sich aber glücklicherweise keine schweren Verletzungen bisher zu.
    Was ist sinnvoll?
    den Rollstuhl wegstellen ausser Reichweite damit sie nicht raus kann ode stehen lassen und warten bis Oberschenkelhalsbruch kommt?
    was ist wenn Feuer ausbricht oder sonstwas passiert und sie raus müßte?
    wir sind da geteilter meinung im team
    :gruebel:
     
  11. Neuron

    Neuron Stammgast

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    Ich denke da an "Essensanreichungs"-Methoden mit Spritzenkolben bei Pats mit extremer Schluckproblematik bei sichtbarer Abwehrkörperhaltung und Mimik. Ich habe so etwas kennengelernt und weiß worüber ich spreche.

    Das ist eine, so sehe ich es, grausame Grauzone im Pflegealltag und es ist wert, sich auch darüber ernsthafte auch schriftliche Gedanken zu machen.

    Viele, viele andere noch viel extremere Dinge gibt es ja da auch noch.

    Gruß Neuron
     
  12. *nursi*

    *nursi* Junior-Mitglied

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    eine ms-patientin lebt schon viele jahre im heim, kann sich, außer über lidschläge, nicht mehr äußern und steht unter betreuung. leidet immer wieder an erstickungsgefühlen. sie ist beinahe austherapiert, erhält schon längere zeit btm und erhält regelmäßig besuch einer eherenamtlichen sterbebegleiterin. als ein knoten in der brust bemerkt wird, muss sie, gegen ihren willen, zur biopsie. ein mamma-ca wird festgestellt. alle verantortlichen meinen, dieser müsste therapiert werden. die patientin selbst wünscht dies jedoch nicht. und nun? was ist nun unethisch? den patientenwillen respektieren und der krankheit ihren lauf lassen oder eine therapie gegen ihren willen? wer darf das entscheiden?
     
  13. kräuterfrau

    kräuterfrau Poweruser

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  14. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Da gibt es bei genauer Betrachtung kein Dilemma: Die Patientin entscheidet. Dafür benötigt sie gar keine Multiple Sklerose.

    Ich musste mich in der Ausbildung mal mit dem (wohl realen Fall) auseinandersetzen: Hochschwangere Frau soll aus medizinischen Gründen einen Kaiserschnitt bekommen. Bei der Einleitung fällt der Schwangeren auf einmal auf, dass sie eine Nadelphobie hat, und sie wehrt sich und will keine Kanüle bekommen. Und nun? Auf der einen Seite hast Du da eine Patientin, die selbst über ihren Körper entscheiden möchte, und dies sollte man respektieren. Auf der anderen Seite ist in der Patientin ein Baby, für das man ja ebenso verantwortlich ist, und das muss schleunigst da raus.
     
  15. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ja- moralische Dilematas sind weit entfernt von der eingangs erwähnten Problemetik der Placebogabe.

    Zeuge Jehovas verweigert lebensrettende Bluttransfusion. Die Entscheidung liegt beim Pat. bis zur endlichen Konsequenz.

    Pat. wird reanimiert obwohl jeder weiß, dass ein Überleben nur noch im WachkomaZustand möglich sein wird.

    Hochbetagte Menschen werden noch intubiert obwohl bereits präfinal.

    PEGs werden gelegt bei Pat., die sich bereits im Endstadium von M. Alzheimer befinden.

    Aber du findest auch das ganze Gegenteil.

    Keine Betäubung bei einer Zahnextraktion bei einem Wachkomapat..

    Reduzierte parenterale Ernährung bei alten multimorbiden pat., die sich nicht in einer Sterbesituation befinden.

    Alle Erlebnisse aus 30 Berufsjahren. Die ethisch-moralische Belastung hat in den letzten Jahren mit den Errungenschaften der modernen Medzin rapide zugenommen.



    Elisabeth
     
  16. hk-um

    hk-um Senior-Mitglied

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    Claudia rein juristisch, ist der von dir beschriebene Fall kein Problem. Weil das Recht der lebenden Person das Recht des Ungeborenen überwiegt.
    Moralisch sehe ich hier den Arzt verpflichtet, der Mutter die Folgen ihres Handelns zu verdeutlichen und ihr zu erklären, dass ihr beharren auf ihrer Selbstbestimmung für das Kind lebenslange Folgen haben kann und hier ist halt einmal Gyn, Anästhesie und Psychiatrie gefragt um eine Brücke zu bauen, soweit dies möglich ist. z.B. Einleiten mit Inhalationsnarkotika und dann erst Gabe von weiteren Medis i.V.
     
  17. Sr. isabel

    Sr. isabel Junior-Mitglied

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    Für mich ist es untragbar, dass Patienten gegen jegliche Vernunft diagnostiziert und therapiert werden, nur weil die 72 jährige Tochter ihre 96 jährige Mutter nicht verlieren will. Diesen Fall haben wir momentan auf meiner Station.
    Die 96 jährige seit Jahren immobil mit Kontrakturen und Riesendedubiti soll jetzt auf Wunsch der Tochter noch coloskopiert werden, um einen Darm TU Verdacht zu bestätigen oder auszuschließen. Sollte die Diagnose sich bestätigen stimmt die Tochter einer OP oder Chemo unbedingt zu und die Ärzte akzeptieren es.

    Ebenso ist es für mich ein Dilemma, dass ich der kleinen mittellosen orientierten 88 jährigen alten Dame,ohne Angehörige, aufgrund ihrer Regelleistungskrankenversicherung, weder Obst noch Saft noch Zeitung bestellen darf/kann. Sie liegt mit einer Privatpatientin zusammen, die sich all das bestellt und versteht nicht, dass sie aufgrund ihrer Versicherung keinen Anspruch hat.:angryfire:
     
  18. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Wir sollten das nach verschiedenen ethischen Prinzipien auseinanderdröseln, also den Fall von allen Seiten beleuchten. Da kann man sehr wohl der Meinung sein, dass das Ungeborene das Recht zu leben hat (vor allem handelte es sich ja bei diesem Fall um ein Kind in der 39. Schwangerschaftswoche).

    Andererseits ist (bei anderen Erkrankung) die Frage: Rette ich die Mutter oder das Kind? auch ein interessantes Thema für ethische Erörterungen.
     
  19. fabayo

    fabayo Newbie

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    @ mulan, Scham und Ekel sind die tiefsten Gefühle - aber es sind auch noch andere Gefühle am Werk, wenn es sich um einen Eingriff in die Intimsphäre zwischen Patient/Klient - Pflegeperson handelt, je nachdem, in welcher Stimmungslage sich jeder von beiden gerade befindet, z.B.:
    im Schwung sein und ausgebremst werden; happy und zuversichtlich sein - plötzlicher Umschwung und genervt und frustriert fühlen; von starken Gefühlsschwankungen heimgesucht werden. Bei mir ging das anfänglich soweit, daß ich so irritiert war, daß ich keinen Bock mehr hatte und versucht war, den Job zu schmeißen. Dann habe ich mich so gut es ging mit der Situation arrangiert und das ganze durchgezogen. Mit der Zeit habe ich gelernt mit der Situation umzugehen und meine Gefühle zu differenzieren, habe dann sogar manchmal ein Lob bekommen. Eine Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen immer mal wieder, entweder von meiner Seite aus in Streßsituationen oder von seiten der Patienten/Klienten in Unpäßlichkeiten.
     
  20. fabayo

    fabayo Newbie

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    Als ein moralisches Dilemma sehe ich auch: innere Konflikte zwischen Berufs- und Privatsphäre.
    Da heißt es dann wie schon so oft: "Ach haben Sie an Ihrem freien Tag/freien Wochenende schon etwas geplant. Herr..../Frau..... haben sich krankgemeldet!! Könnten Sie einspringen ???
    Bei einem 100 % Deputat ein ziemliches Dilemma - oder nicht ???
     

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