Mobilisierung und ihre Tücken

Dieses Thema im Forum "Intensiv- und Anästhesiepflege" wurde erstellt von bubblecatcher, 30.04.2009.

  1. bubblecatcher

    bubblecatcher Newbie

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    vor kurzem spielte sich folgendes ab: ein älterer herr, der mit einer "venturimaske" mit 60%er sauerstoffgabe gerade mal eine sättigung von +/- 91% hatte, bei dem noch ein perfusor mit suprarenin vonnöten war und der eine steigende CK hatte, wurde von einer kollegin versucht in den sessel zu mobilisieren. versucht. denn leider ist der arme mann auf dem weg zum sessel kollabiert und wir haben ihm dann gerade noch zurück ins bett helfen können. zwei stunden später war der patient wieder intubiert. schöne ******e.
    "ja, aber der muss raus!" ist oft die begründung für was weiß denn ich, wenn man patienten auf die bettkante mobilisiert, ohne darauf zu achten, ob das nicht aufgrund diverser fakten zuviel sein könnte.
    letzte woche habe ich einen mann betreut, der nach seiner bypass-op überaus knappe sättigungen hatte (mit dem "opti-flow" und 80%-o2-gabe 90%) und sich ziemlich kraftlos abmühte, sekret zu mobilisieren. "den setzen wir gleich mal auf die bettkante!", begeisterte sich meine kollegin und ich konnte sie gerade noch bremsen. ich habe den mann in den "pilotsitz" verbracht, regelm. gelagert und den rücken kühl abgerieben. nix mit bettkante.
    habt ihr eine art "regelwerk", so etwas wie "wer wann wie?" oder macht ihr das - hoffentlich - mittels einer suffizienten krankenbeobachtung? und was habt ihr für erfahrungen gemacht, wenn das ganze doch etwas zu früh und/oder zuviel war?

     
  2. mutters-kind

    mutters-kind Poweruser

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    :knockin:Oh ja , ich kenne das , nesonders das Problem der übereifrigen Kollegen , die alles und jeden aus dem Bett zerren , egal , wie die Vitalzeichen sind , was an Katecholamienen läuft usw. ! Meiner Meinung nach , sollte der Pat. erst im Bett mobilisiert werden und dann langsam auf die Bettkante , wenn das gut klappt , stehen vor dem Bett , ein paar Schritte vielleicht laufen...Klappt das alles gut , kann man ihn in den Sessel packen für kurze Zeit ( ähm...alle Massnahmen bitte nicht beim 1.Mal Mobolisation)
    Wenn er dann im Sessel gelandet ist , bitte nicht vergessen , dem Patienten die Klingel zu reichen....Und idealerweise erstmal im Zimmer bleiben (Bett machen o.ä.) ! So Hauruck-Methoden sind mir immer suspekt:-)Das mobilisiert werden muss ist ja auch gar keine Frage , aber bitte nicht von 0 auf 100...

    :knockin::knockin:
     
  3. bubblecatcher

    bubblecatcher Newbie

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    im moment habe ich oft den eindruck, dass nicht auf den patienten geguckt wird, sondern auf die eintragungen in der kurve vom vortag, "aaaha, mobilisiert worden, muss ich das also auch machen." das verunsichert in hohem maße die neuen kollegInnen, die dann befürchten, wenn sie das nicht machen, gibt es ein paar hinter die ohren oder man denkt, sie seien "faul". aber dann alles superperfekt und kinästhetisch und pipapo. nur ist der patient dabei leider kollabiert. wie beknackt ist das denn?
     
  4. Sr. Lillifee

    Sr. Lillifee Newbie

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    ich halte die mobilistaion durchaus für extrem wichtig
    und bei uns auf Station wird da auch sehr viel wert darauf gelegt

    persönlich ueberdenke ich diese euphorie immer!
    ein pat. der keinerlei körperspannung hat muss nicht passiv mobilisiert werden meiner meinung nach!
    Tubus, CiCa oder ähnliches sind für mich aber auch keine grundsätzlichen ausreden jemanden nicht zu mobilisieren


    der gute mittelweg machts
     
  5. Cystofix

    Cystofix Poweruser

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    Ich denke auch, dass die Mobilisation wichtig ist - aber eben eine differenzierte Betrachtung der Patienten-Gesamtsituation auch.

    Und ich denke auch - und das vermisse ich gelegentlich auch, gerade auf meiner ICU - dass der Patientewille bspw. nicht mobilisiert werden zu wollen ( sofern verbal / nonverbal zu verstehen gegeben ) durchaus auch eine Gewichtung finden sollte.

    Aber auch wenn ich nicht vorbehaltlos zustimmen kann, an bubblecatchers Aussage ist was Wahres dran.

    Cys
     
  6. bubblecatcher

    bubblecatcher Newbie

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    es geht mi beileibe nicht darum, die mobilisierung komplett zu unterlassen, weil man ein wie auch immer geartetes "komisches gefühl" dabei hat und sich nicht sicher ist. vor kurzem haben wir eine patientin betreut (z.n. implantation einer linksherzpumpe), die ganz vorsichtig peu à peu mobilisiert werden sollte. da lief vormittags ein absolutes hardcore-programm mit den krankengymnasten etc. und die frau war danach für den gesamten rest des tages völlig k.o.. ich hatte im spätdienst dann zu überlegen, was ich der frau noch zumuten kann und habe mich dann an den stationsarzt gewandt. der hat sich dann angeguckt, was die patientin am vormittag schon alles geleistet hat und war mit mir der ansicht, dass es sinnvoller wäre, nachmittags mit der frau atemtrainig zu machen und motorische dinge einzuüben wie z.b. das zähne putzen. das schien mir ein gangbarer weg zu sein, von dem auch die patientin profitiert hat. am nächsten tag bin ich dann vom frühdienst gefragt worden, warum ich die frau nicht auch am nachmittag in den sessel mobilisiert hätte und ich hatte den eindruck, ich müsse mich um kopf und kragen reden. das hat natürlich enorm genervt, letztlich aber dazu geführt, dass wir einen plan erstellt haben, in welcher schicht was gemacht werden soll. die frau hat das ja auch signalisieren können, was sie möchte und was nicht. ich habe einmal auf die mobilisierung bei einem älteren mann verzichtet, der die nacht zuvor kein auge zugetan hatte, weil auf dem nachbarbettplatz reanimiert wurde. der war völlig erledigt. der frühdienst hatte volles programm geboten, am nachmittag lag der mann im bett und sagte, "schwester, ich bin so müde und so fertig, ich will einfach nur schlafen." ich habe den mann dann schlafen lassen und ihn abends zum essen in den sessel mobilisiert. dieses "nee, nix da, herr x., jetzt mal raus aus dem bett" empfinde ich als äußerst übergriffig. bei dem minimalen maß an selbstbestimmung, die den patientInnen auf einer intensivstation verbleibt, finde ich es fair, mit den menschen vorerst gemeinsam abzusprechen, was und wieviel gemacht werden soll (und kann). das heißt nicht, dass ich jemanden, der grundsätzlich nicht will, auch im bett liegen lasse, sondern dass ich mit der person bespreche, warum das wichtig und sinnvoll ist. ich störe mich lediglich an dieser soll-erfüllenden kurvenkosmetik, von dem der patient in der regel nicht profitiert. die tagesform variiert ja beim intensivpatienten durchaus mal... viele grüße, käthe
     
  7. Baeumchen

    Baeumchen Newbie

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    Ich finde auch, daß man durchaus mit den Pat. gemeinsam einen "Mobilisationsplan" erstellen kann und individuell auf die Tagesform eingehen sollte.
    Bei uns wird in der Regel auf dem Visitenbogen vorgegeben, in wie weit die Pat. mobilisiert werden können und dürfen. Bei post-operativen Pat. versuchen wir spätestens am nächsten Morgen die Mobi an die Bettkante und eventuell auch vors Bett, bei Pat. nach Langzeitbeatmung steigern wir langsam von Tag zu Tag, auch in Kombination mit KG, oft ist Mobilisationsintervall aber auch vom Arbeitsaufkommen auf Station abhängig, bei knapper Besetzung ist oft nicht immer das möglich, was wir uns und die Pat. sich wünschen.
    Sedierte Pat. werden bei der Grundpflege und von der KG immer passiv durchbewegt, ansonsten ist alles von den Ressourcen des Pat. abhängig.
     
  8. Lin

    Lin Poweruser

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    @bubblecatcher:
    Wird das bei euch nicht dokumentiert?
    Wenn Pat. nicht mobilisiert wird, dokumentierst du warum nicht, z.B. Pat. lehnt Mobi ab, da ..., Pat. äußert Schwindel, RR niedrig, passive Bewegung im Bett durchgeführt, usw.
    Wenn du den Pat. mobilisierts, dokumentiere, was ihr gemacht habt, wie lange, wie es dem Pat. ging, ...
    So können deine Kollegen nachlesen, was du warum gemacht hast und du musst dich nicht 100mal etwas rechtfertigen und man ist auf dem neuesten Stand.

    Gruß,
    Lin
     
  9. Inti38

    Inti38 Stammgast

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    Praxisanleitung
    Ja zu dem Thema fiel mir wieder eine echt tolle Geschichte aus meiner Lehrzeit ein, welche mich natürlich im Nachhinein prägte!
    Schwesti vom Dienst voller Elan mobilisierte einen frisch operierten (Beinamputierten mit Stumpf) an die Bettkante, das klappe so gut, dass dieser voller Schwung mit seinem frischen Stumpf gegen die Heizung krachte weil er von der Bettkante rutschte! Was ihm eine erneute Op und und uns gegenüber viele, nicht jugendfreie Schimpfwörter einbrachte....
    Völlig verständlich und seit da überlege ich mir das sehr genau, bereite gut vor und räume alles aus dem Weg!
    Mobilisation ist super wichtig und oft die erste Masnahme bei vielen Prophylaxen (Deku, Pneumonie, Kontrakturen etc.) aber nicht immer und um jeden Preis!
     
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