Mitarbeiter stoßen an ihre Grenzen

Diemiez

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hallo an alle!
ich arbeite seit vielen jahren in der altenpflege, hauptsächlich mit schwerst demenzkranken. seit ca einem jahr haben wir einen bewohner, der im fortschreitenden krankheitsverlauf immer aggressiver wird, eigentlich nur gegen frauen. da wir nur 2 männliche pflegekräfte haben, die natürlich nicht immer im dienst sind, gestaltet sich die gesamte pflege immer schwieriger, da dann wirklich nur weibliche pflegekräfte dem bewohner zur verfügung stehen und die haben größtenteils große angst vor ihm, da er auch wesentlich größer und stärker als die damenwelt ist. sein verhalten äußert sich durch schlagen (aber richtig kräftig), zwicken, treten, arme verdrehen, finger knicken und alles ohne vorwarnung! aufgrund seiner erkrankung befindet er sich in ambulanter psychiatrischer behandlung, stationär wird von den angehörigen strikt abgelehnt (sie bekommen diese handlungen nicht mit, wenn sie da sind ist er wie ein lamm), sie haben durchscheinen lassen, daß sie das gefühl haben, wir wollen ihn "abschieben" und sind nicht professionell genug. PDL und heimleitung sind über die vorkommnisse informiert, nehmen diese zur kenntnis, aber mehr auch nicht. die "ausbrüche" des bewohners gehen nie so weit, daß man ihn akut einweisen müßte.

und jetzt zur eigentlichen frage: viele verweigern aus angst um ihre gesundheit die pflege dieses bewohners. darf man das? wieviel darf man sich als pflegekraft "gefallen" lassen? immerhin ist das haus keine "reine" gerontopsychiatrie. ich wäre um eure meinung froh...
 

Bachstelze

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Ich würde damit anfangen, die Übergriffe zu dokumentieren und auch, wenn Blessuren entstanden sind, diese attestieren zu lassen. Vor allem, um die Angehörigen zu überzeugen, dass Ihr Euch die Vorwürfe nicht ausdenkt und auch die PDL handelt vielleicht eher, wenn sie schriftliche "Arbeitsunfälle" angezeigt bekommt.
So was kann man dann wesentlich schlechter einfach abtun.
 
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mary_jane

Gast
Wie viel darf ich mir gefallen lassen?
So drei Schäge auf die Schulter und einer ins Gesicht?

Ich würde mich da ganz entschieden weigern, denn ich wüsste nicht wo steht, dass ich mich verprügeln lassen muss.

Werden diese Vorkommnisse protokolliert bzw. irgendwo dokumentiert?
Werden die Verletzungen irgendwo aufgenommen?
Gehen die betreffenden Kollegen danach zum Arzt?
 

Diemiez

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danke für eure antworten. ja, es wird alles brav dokumentiert, der pflegebericht wird sogar an die angehörigen ausgehändigt (auf wunsch). es führt allerdings zu nichts, obwohl schon mehrere kollegen krank deswegen waren. wir sind am überlegen, ob das team schriftlich niederlegt, daß es die pflege bei diesem bewohner verweigert. gibt es diesbezüglich konsequenzen? immerhin wäre das ja arbeitsverweigerung.
 

Bachstelze

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Das würde mich auch interessieren.
Ich bin gespannt - denn wie die rechtliche Situation aussieht, weiß ich auch nicht.

Arbeitsverweigerung? Unterlassene Hilfeleistungen - Möglichkeiten, Euch einen Strick zu drehen, gibt es sicher viele.
 
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mary_jane

Gast
Arbeitsverweigerung? möglich..
aber kann mich mein AG zwingen meine Gesundheit zu gefährden? Er verletzt doch in diesem Moment seine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern.

Steht ihr alle geschlossen zusammen was dieses Thema betrifft?

Andererseits wären mir Konsequenzen hier egal, denn bei so einem AG würde ich nicht weiter arbeiten wollen.
Ich weiß, nicht jeder kann einfach so den AG wechseln....
 

Diemiez

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strick drehen geht immer...keine frage :wink1: aber andererseits: die würde des menschen ist unantastbar! auch die der pflegenden. uns ist klar, daß dieser bewohner es aus seiner krankheit heraus macht, im grund genommen ist das auch kein problem, wir werden alltäglich mit solchen situationen konfrontiert und können auch gut damit umgehen, bzw schicken kollegen rein, die einfach einen draht zu demjenigen haben, aber der geschilderte zustand dauert schon über monate an, trotz medikamentöser unterstützung und immer nur bei weiblichen pflegekräften - auf die lange dauer gesehen macht einen das auch psychisch fertig, weil man keinen ausweg findet :weissnix:
 

Diemiez

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bei dem thema stehen wir alle geschlossen, das mit fürsorgepflicht ggü dem mitarbeiter ist ein interessanter punkt...wir würden gern alle bleiben, denn bis auf dieses big problem haben wir eigentlich keine!
 

BamBamsche

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dokumentieren,dokumentieren, dokumentieren! Jedesmal,egal was er macht (schlagen, zwicken usw) die Situation ganz genau dokumentieren, die Verletzungen beim Pflegepersonal genauso. Der PDL geben und wirklich jedesmal wenn wieder was war! Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass es der PDL egal ist, dass ihre Mitarbeiter verletzt werden. Wieviel muss man sich gefallen lassen? Sicher nicht soviel! Wenn ich mal einen dementen bei uns habe, der mal agressiv wird, dann kann ich mir das einmal gefallen lassen. Aber soviel, dass man schon Angst haben muss, dort die Pflege zu machen? Nein!
Ich würde es genauso dem Hausarzt des Mannes hinhalten und ebenso den Angehörigen und sie mal fragen, ob sie sich gerne verschlagen lassen auf der Arbeit.
Für mich hört sich dass so an, dass dieser Mann bei euch nicht führbar ist. Sojemand muss auf eine stationäre Gerontopsychiatrie. Und wenn die Angehörigen sich strikt weigern, gibt es ja auch noch andere Methoden. Das geht leider nur, wenn alles genau dokumentiert ist. Denn letztendlich haben die Angehörigen nichts zu melden, solang sie nicht die rechtlichen Betreuer sind. Da muss dann der Arzt tätig werden und den Mann per Beschluß verlegen.
Arbeitsverweigerung wäre denke ich in diesem Fall angebracht, denn immerhin verletzt dieser Mann euch ständig! Nicht nur einmalig. Somit besteht eine akute Gefahr für euch. Dieser Mann ist fremdgefährdend. rechtlich gesehen weiss ich es leider nicht, kann mir aber nicht vorstellen das man von Rechtswegen her sich ständig in Gefahr bringen muss, nur um jemand zu pflegen ....
 

Fleschor_Max

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Vllt. mal mit dem zuständigen Psychiater sprechen und die Medikation verändern, z.B. dem Patienten zusätzliche dezent sedierende Medis geben?
Ist für den Patienten ja auch keine schöne Situation, wenn ihn seine Erkrankung zu so einem Verhalten bringt. Würde es mir so gehen, wäre ich glaub ich lieber etwas schläfriger unterwegs, wenn ich dafür die Helfer nicht angreifen würde. Stationär würde man aller Wahrscheinlichkeit nach die Medikation auch verändern.
 

Maniac

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Der korrekte Weg wäre ja, da die ambulante Behandlung keinen Erfolg hat, eine stationäre Einweisung; wenn nötig mit PsychKG (weiß ja nicht wie es da bestellt ist). Der Patient ist ja schließlich dauerhaft fremdgefährdend...

Wenn die Angehörigen dies tatsächlich erfolgreich verhindern könnten, müsste das Heim sagen, dann können wir den Bewohner nicht weiter versorgen.

Entscheidung: Stationöre Behandlung oder Heim wechseln.

Da eure Vorgesetzten dies aber scheinbar alles nicht interessiert, muss halt erstmal da angesetzt werden. Irgendjemand sollte da mal "Tacheles" reden. Im optimalfall ärztlich unterstützt!!
 

ludmilla

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Ich sehe das ähnlich wie Fleschor_Max. Wenn der Patient sein Verhalten sein Verhalten in Anwesenheit der Angehörigen verändern kann, hat das doch eine Ursache. Fühlt er sich in bedrängt oder übergangen? Hat er Angst? Natürlich kann es nicht sein, dass Pflegende sich schlagen lassen, aufgrund dessen ist hier ein Gespräch mit Betreuer, Angehörigen und behandelnden, versorgenden Personen von Nöten um im Sinne des Patienten eine positive Veränderung zu erreichen. Wenn man regelmäßig aggressiv reagierts, trägt das mit Sicherheit nicht zum Wohlbefinden bei.....
 

tictac

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Der korrekte Weg wäre ja, da die ambulante Behandlung keinen Erfolg hat, eine stationäre Einweisung; wenn nötig mit PsychKG (weiß ja nicht wie es da bestellt ist). Der Patient ist ja schließlich dauerhaft fremdgefährdend...

Entweder auf diesem Weg oder es wird ein Betreuer eingesetzt, der über den Aufenthaltsort bestimmt! Vorrausgesetzt, einer der Angehörigen hat nicht schon diese Position inne.
 

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