Mit Krebserkrankungen umgehen können

Dieses Thema im Forum "Pflege bei onkologischen und hämatologischen Erkrankungen" wurde erstellt von Verena-Nicola, 21.03.2007.

  1. Verena-Nicola

    Verena-Nicola Junior-Mitglied

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    Hallo,

    ich habe zur Zeit meinen Praxiseinsatz in der Onkologie. Ich komme hier überhaupt nicht zurecht. Ich leide mit den Patienten und ich kann damit einfach nicht richtig umgehen.

    Es ist jetzt so, dass ich auch zu Hause nicht abschalten kann und mit schweißigen Händen und Magengrummeln auf Station gehe.

    Heute habe ich ein Gespräch mit der Stationsleitung und ich möchte sie fragen, ob ich auf eine andere Innere Station versetzt werden kann.

    Was meint ihr dazu?
     
  2. flexi

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    Hallo Verena-Nicola,

    du hast genau die richtige Entscheidung getroffen, in dem du das Gespräch mit deiner Stationsleitung suchst. Vielleicht kann deine Praxisanleiterin auch dabei sein.
    Ich kann mir vorstellen, das du zunächst mal Anregungen bekommen wirst, wie du deine Eindrücke besser verarbeiten und bewältigen kannst. Bleibe unbedingt im ständigen Gespräch mit ihr, so dass sie dir auch bei einem evtl. Stationswechsel behilflich sein kann.
    Vielleicht ist auch ein vertrauliches Gespräch mit deiner Kursleitung gut, denn dich aus der Ferne individuell beraten, ist sehr schwer und verbietet sich eigentlich, da wir dich in deinen Eigenarten nicht kennen.
     
  3. Arme Schwester

    Arme Schwester Senior-Mitglied

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    Hallo Verena-Nicola!

    Mir ging es während der Ausbildung ähnlich. Ich hatte auf allen anderen Stationen nie Probleme, bin nach meinen 8 Stunden heimgegangen und war nur noch Mensch und keine Schwester, die nur das Wohl ihrer Patienten im Sinn hat. Dann kam der Einsatz in der Onkologie... Oh Gott, mir ging es so schlecht. Auch nach Feierabend war ich noch wie betreten vom Schicksal der (oft sehr jungen!!!) Patienten. Auch ich habe das Gespräch mit unserer Lehrausbildung gesucht und konnte die Station wechseln und wurde auch nie mehr auf einer Onkologie eingesetzt. Dafür war ich sehr dankbar. Einige meiner Kollegen in der Klasse waren auf der anderen Seit sehr begeistert von der Onkologie. So hat eben jeder seine "Lieblings"- Fachrichtung gefunden.
    Inzwischen bin ich als Gesundheits- und Krankenpflegerin vorwiegend auf der Chirurgie eingesetzt. Klar hat man da auch Chemo-Patienten, aber nicht ausschließlich auf der ganzen Station. Da kann man das eher verkraften.
    Wünsche dir trotz allem Leid noch viel Spaß bei der Ausbildung! Wir haben einen schönen Beruf und du kannst deinen Erfahrungen zum Trotz einer Super-GuK werden, wenn auch nicht unbedingt auf der Onko ;)

    MFG
    :lol1:
     
  4. Verena-Nicola

    Verena-Nicola Junior-Mitglied

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    Hallo nochmal,

    ich werde die nächsten 3 Wochen auf der Neurochirurgie arbeiten. Die Schule und auch die Stationsleitung von der Onkologie waren sehr verständnisvoll. Von so einer Unterstützung von Seiten der Schule kann man als Schüler echt träumen, einfach klasse :daumen: :daumen: . Mir geht es jetzt um Längen besser und freue mich richtig auf meinen ersten Dienst auf der "neuen" Station. :sdreiertanzs:

    Vielen Dank für Eure Unterstützung!!!

    Es grüßt Euch
    Verena:wavey:
     
  5. friesin

    friesin Newbie

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    Hallo Verena!
    ...ich möchte dir noch eben auf den Weg geben das dich solche Situationen immer wieder auf eine bestimmte Art und Weise begegnen werden. Du musst leider einen Weg wählen mit so etwas um zugehen. Es hat nicht unbedingt etwas mit der Onkologie zu tun, das kann dir genauso passieren auf einer Neurologie oder Allgemeinchirurgie. Immer wieder werden dir Schicksale begegnen dir dir ans Herz gehen werden. Ich arbeite schon sehr lange für mein Alter auf einer Hämatologie und wir haben auf der Station alle einen Weg gefunden mit "harten" Schicksalen umzugehen. Vielleicht für die Zukunft, wenn du die Möglichkeit hast nutze die Chance eine Supervision oder das Gespräch mit Lieben Kollegen die dir ihren Weg mitteilen können. Wenn du später examiniert bist kannst du dich nicht so schnell versetzen lassen. Am Anfang der Ausbildung Dinge mit nach Hause zu nehmen ist völligst normal, das wird dir bald nur noch in Ausnahme Fällen passieren, hoffe ich zumindest für dich!
    So denn...trotzdem viel Spass noch!
    Genieße die Zeit, wir haben nach dem Examen alle gesagt das ging viel zu schnell! :boozed:
     
  6. sr.c.b.

    sr.c.b. Senior-Mitglied

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    Ich habe selbst 10 Jahre in der Knochenmarktransplantation gearbeitet und kam damit viiiiiiiiiel besser klar als z.B. dem qualvollem dahinsiechen mancher alter Menschen auf einer allg. Inneren.
    Wahrscheinlich hat es mich nicht persönlich so verunsichert - die Chance auf Leukämie ist schließlich sehr gering im Gegensatz dazu alt zu werden.
    Ich denke zu einer professionellen Pflege gehört auch eine gewisse Distanz, und da du ja noch in der Ausbildung bist, lernst du das bestimmt auch noch.
    Bei uns wurden Schüler allerdings auch frühestens im 3. Jahr auf onkologischen, intensivpflegerischen und sonstigen sehr belastenden Stationen eingesetzt.
     
  7. josey

    josey Newbie

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    Gynäkologie
    Mein erster praktischer Einsatz war auf einer onkologischen Station. Ich habe damals auch nicht abschalten können, durch viele Gespräche mit Kollegen und reflektieren habe ich damals, die Zeit dort "überstanden". Die Kollegen auf der Station haben damals übrigens auch nicht verstehen können, wie man einen ersten praktischen Einsatz auf ihre Station verlassen kann.
    Mich scheint die ganze Sache aber dann doch irgendwie sehr nachhaltig geprägt zu haben. Heute arbeite ich auf einer gynäkologischen Station mit Schwerpunkt Brustkrebs und der Palliativstation als direkter Nebenstation.
    Es gibt auch heute noch immer Menschen/ Schicksale, die ich mit nach Hause nehme, die einen Nahe gehen. Ich habe meinen Weg gefunden, damit klar zukommen und auch wieder abschalten zu können.
    Würde auf der Palliativstation eine Stelle frei werden, würde ich ohne zögern dorthin wechseln. Zu wissen alles getan zu haben, um einem Menschen bei seinen letzten Gang hier auf Erden qualen zu ersparen. Die letzte Zeit seines Lebens noch so lebenswert wie möglich zu gestalten, halte ich für eine sehr gutes Ziel.
     
  8. Touhy

    Touhy Stammgast

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    Ich komme bei so etwas immer an meine ethischen Grenzen. Weil ich nicht
    immer für gut halte, was Ärzte gut finden. Auf einer richtigen Onkologie mit
    Radiatio bis zum Todestag kann ich mich nicht mehr abfinden. Aber
    Palliativstation oder Hospiz wäre glaub ich eine gute Erfahrung.
     
  9. Hoppetosse

    Hoppetosse Newbie

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    Hospiz
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    Servus.
    Ich arbeite nun seid über 10 Jahren in einem stat. Hospiz, zunächst 5 Jahre im Tagdienst und seitdem als Dauernachtwache.
    Ich hatte mich seinerzeit für diese Arbeit entschieden, weil hier noch die Pflege möglich ist, die ich als für mich ideal und gewollt angesehen habe.
    Ich habe vom Akutkrkhs. erst in die Psychiatrie gewechselt um dann im Hospiz zu "landen".
    Hier steht der Mensch in seiner Gesamtheit im Vordergrund, als das was er ist, nicht als eine Lebensform mit der etwas gemacht werden kann.
    Nichtsdestotrotz bin ich aber im Laufe der Zeit zu der Einstellung gelangt, das das Leben an sich überschätzt wird und sich ausschliesslich aus Sicht des Es-Lebenden für wertvoll und erhaltenswert angesehen werden kann.
    Um zum Thema zurückzukommen.
    Ich bin sehr gut im Trennen von Beruf und Privat, sodass ich spätestens beim Verlassen des Hospizes völlig abschalte und mich meinem Leben widmen kann.
    Wer das nicht kann, sollte in eigenem Interesse evtl. die Berufswahl nochmal hinterfragen, denn es wird immer Momente geben, vor denen man
    nicht "flüchten" kann, denen man sich stellen muss und wer dann privat daran zu knabbern hat, weil er nicht abschalten kann, der steuert auf ein Loch zu das ihn früher oder später verschlucken wird.

    Das Leben ist eines der schönsten, wenn es demjenigen der es führt als lebenswert erscheint....wenn dieser Wert allerdings verschwunden bleibt, kann es auch ganz schön lästig werden es weiterführen zu müssen...

    Gruss von der Hoppetosse
     
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