"Mein Patienten-Mutmachbuch"

Dieses Thema im Forum "Tätigkeitsberichte" wurde erstellt von Hedi, 27.02.2007.

  1. Hedi

    Hedi Newbie

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    Hallo zusammen,
    ich bin eine 42jährige Krankenschwester und habe nach meiner Elternzeit (drei Kids) in meinen ehemaligen Krankenhaus in München wieder zu arbeiten begonnen. Ich wurde als Springerin im ganzen Haus eingesetzt, und war plötzlich eine absolute unwichtige Schwester geworden, die hauptsächlich als Waschmaschine fungierte.
    Am PC konnte ich auch nicht arbeiten, da ich die ersten Jahre kein eigenes Passwort erhielt. Ich hatte wieder einen Schülerstatus erreicht und durfte mich ausschließlich um die grundpflegerischen Belange der Patienten kümmern. Eine Pflegeschülerin fragte mich mal sehr erstaunt "Darfst du denn überhaupt einen eigenen Bereich übernehmen"?
    Trotz allen Nachteilen die ich nun hatte, bemerkte ich bald, dass ich über einen Luxus verfügte den man sich im Krankenhaus immer wünscht aber nur sehr selten hat. Ich hatte plötzlich Zeit! Ich nahm mir die Zeit die ich brauchte, ich ließ mich nicht hetzen, weder von meiner Station noch vom PC der mal wieder gefüttert werden wollte. Ich kümmerte mich ausschließlich um die Patienten und die merkten sehr bald, dass da jemand war der sich Zeit nimmt. Erst jetzt merkte ich was die Patienten für Ängste und Nöte haben, wie sehr Sie durch eine falsche Bemerkung von Pflegepersonal oder Arzt in Ihrem Gesundwerden zurückgeworfen werden, oder wie wichtig doch eine guttuende Berührung oder ein motivierendes Wort für die Patienten ist. All dieses geht unter im regen Klinikalltag, für diese Dinge ist keine Zeit mehr, zumindest kann man sie nicht richtig abrechnen. Für die PPR ist sie nicht wichtig, also mittlerweile auch für uns nicht mehr. Leider haben sich schon viele angepasst. Wir die eigentlich am engsten und intensivsten mit den Patienten zu tun haben - wir nützen unsere Möglichkeiten nicht mehr unsere kranken Menschen zu motivieren und Ihre Selbstheilungskräfte zum Gesundwerden zu aktivieren. Wir sitzen nun nicht mehr neben den Patienten sondern vor dem PC und geben im dafür unsere ganze Aufmerksamkeit und drücken schön die Tasten und nicht den Patienten.
    Ich habe in meiner "Springerzeit" sehr viel gelernt und habe das ganze in einen "Patienten Mutmachbuch" verpackt. Es soll gut auf einen Krankenhausaufenthalt vorbereiten und enthält viele Tipps und Infos, die durch diese Zeit führen soll. Leider habe ich dafür in meinen Krankenhaus nicht viel Unterstützung gefunden, auch konnte ich nur einen BoD Verlag für meinen Ratgeber finden. Mittlerweile bin ich wieder fest auf einer Station angekommen, und genieße es auch. Diese zweite Lehrzeit die ich hatte war für mich dennoch die Wichtigste.
    Vergeßt den Menschen hinter den Patienten nicht!
    Mit lieben Grüßen Hedi
     
  2. Nadja

    Nadja Junior-Mitglied

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    liebe hedi,

    dass was du geschrieben hast ist vollkommen richtig.
    Ich bin zwar noch Schülerin, aber mir fällt natürlich auch auf, wie es an manchen Tagen abläuft: alles ruck zuck, angebotene Gespräche von Patienten werden unhöflich abgebrochen...

    Mir ist es mal passiert, dass ich mit einer Schwester heftig aneinander geraten bin, weil sie der Meinung war, ich solle bei einer Patientin nur Gesicht und Intim-Pflege durchführen, aufgrund angeblich mangelnder Zeit.
    Ich war so wütend, und antwortete: Wenn, dann schon richtig! Ich selber möchte auch nicht im Krankenhaus so behandelt werden
    (...aber so manches Pflegepersonal denkt an so etwas nicht...)
    - Und machte das auch. Da war mir der Kommentar im Abschlußgespräch ("Nadja widerspricht argumentationslos") vollkommen egal.
    Im Gegenteil, ich habe der Schulleitung meine Sicht erklärt und sie war begeistert!


    ...der Mensch hinter dem Patient wird oft vergessen...LEIDER!!!

    liebe grüße
     
  3. Keen01

    Keen01 Senior-Mitglied

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    Ja Ja
    ein altes aber stetiges Problem.

    Der eine will das es wirtschaftlich ist der andere will den Patienten gut pflegen. Es ist wichtig dazwischen das genaue Mittelmaß zu finden.
    Meißt verliert aber dabei derjenige der alles gründlich machen will weil er leichter zu ersetzen ist als einer in der höheren Position.

    Ich kenne das Problem aber man muss leider sagen es besteht schon lange und es wird mit der jetzigen Politik nicht aufhören.

    MFG Keen01
     
  4. monaluna

    monaluna Poweruser

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    Hallo,
    Sag mal kann man dein Buch bestellen, ISBN? Was kostet das?

    Finde was du sagst ist viel wares dran.
    Liebe Grüsse
     
  5. pummelfee

    pummelfee Newbie

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    Hy ich bin KPH und habe auch mehr oder weniger zeit für meine Pat und würde gerne dein Buch lesen
    Finde ich gut das jemand so etwas festhält

    leider vergessen die meisten Schwestern/Ärzte das sie es mit Menschen mit Gefühlen zu tun haben.

    Oft habe ich schon erlebt dass ein Pat. nach der Visite zu mir sagte der Arzt hat zwar gesprochen aber das was er gesagt hat habe ich nicht verstanden
    oder was für eine Untersuchung wollen die morgen mit mir machen ?

    Ohne die Pat. hätten wir keinen Arbeitsplatz :nurse:
     
  6. Hedi

    Hedi Newbie

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    Hallo Pummelfee,

    mein Verlag hat mich aus der Serie genommen, und jetzt habe ich die restlichen Bücher daheim ( heute angekommen) gerne schicke ich Dir eins zu.
    Alle Patienten die es gelesen haben finden es eine sehr gute Hilfe, leider klappt es halt mit der Werbung nicht gut.
    Nichts desto trotz sollte man die Motivation gute Pflege machen zu wollen nie aufgeben. Ich wünsche Dir eine gute Zeit und Patienten denen es gut tut von Dir geflegt zu werden.
    Liebe Grüße
    Hedi:nurse::nurse::nurse:
     
  7. pummelfee

    pummelfee Newbie

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    ja ich würde es gerne lesen was möchtest denn du dafür haben ?

    Ich hatte neulich einen Artikel in der Zeitung gelesen das es eine Internetseite gibt
    ( leider weiß ich nicht mehr genau welche , kann mich aber nochmal Umhören ) und zwar stellst du dein buch im Internet vor und wenn genug L:nurse:eute es kaufen wollen
    wird es gedruckt und verkauft

    Nicole
     
  8. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
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