Medizinisches Personal in Lebensgefahr

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von Elisabeth Dinse, 29.09.2010.

  1. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Der gesamte Beitrag ist durchaus lesenswert. zeigt er doch Problem auf und bietet gleichzeitig (medikamentöse) Ideen zur Intervention ohne die Risiken hierbei zu igonrieren.

    Elisabeth
     
  2. thorstein

    thorstein Poweruser

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    Guter Artikel. Auch in der stationären Altenpflege wird nach meiner Erfahrung meist zu spät reagiert, also erst, wenn schon etwas passiert ist.
     
  3. silverlady

    silverlady Stammgast

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    nach dem Fallbeispiel wurde die Einnahme nicht überwacht. Habe ich das überlesen oder fehlt das hier auch

    silverlady
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich denke mal, dass in dem speziellen Falle die Brisanz der Situation gar keinem bewusst war.

    Elisabeth
     
  5. Sittichfreundin

    Sittichfreundin Poweruser

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    Hab selbst schon mal sowas ähnliches erlebt. Stark aggressiver Patient in einer Art epileptischen Syndrom, so wurde das jedenfalls später diagnostiziert. Rennt über die Station und macht alles kaputt, was er in die Finger kriegt mit einer unheimlichen Kraft (z.B. Kodan-Flasche zerbeult, Urinflaschenständer verbogen usw.). Notfall-Fixierung mit dem zu Hilfe gerufenen Pförtner und Kollegen von den Nachbar-Stationen (war alleine im Nachtdienst). Bei Eintreffen des Arztes (Belegarzt, nicht im Haus) wird Dormicum gespritzt. Anweisung: Wenn er wieder anfängt, etwas Dormicum langsam nachspritzen. Patient ruhig. Trotz meiner Anregung wird er nicht verlegt.
    Arzt geht wieder. Ich bin in irgendwelchen Zimmern unterwegs, muß ein Bett beziehen usw. Komme dann wieder zurück zu dem Pat. (liegt in seinem Bett neben dem Stationszimmer in einem Büro). Ich sehe erschrocken, dass der Patient wieder wach ist und es ihm gelungen ist, seine Fesseln zu lösen (waren wohl nicht korrekt angelegt). Ich schnell die Dormicumspritze und will was nachspritzen, da hat er mich schon an der Gurgel und drückt meinen Hals zusammen mit derselben Gewalt, mit der er die Kodanflasche mit den bloßen Händen zerbeult hat. Mein Kasak reißt auf. Ich schreie so laut ich kann und wehre mich.
    Gott sei Dank, ja , ich weiß, es war Bewahrung Gottes, hat mich meine Kollegin auf der Nachbarstation gehört und ist mir zu Hilfe geeilt. Zusammen konnten wir ihn überwältigen und das Dormicum spritzen. Natürlich wieder Arzt gerufen, der dann die Verlegung veranlasste. Wie nett, ich wäre ja nur beinahe umgebracht worden...
     
  6. Mairae

    Mairae Junior-Mitglied

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    Ist das in der Akutgeriatrie öfters der Fall?

    HILFE wir werden demnächst Akutgeriatrie.

    Das schlimme an den "aggresiven" Verhalten ist aber meist, dass man es den Doks wiederholt mitteilt und dann doch alleine gelassen wird. Was vorallem im Nachtdienst. (Wir sind noch alleine und weit und breit keine Hilfe) Wenn es dann zu spät ist wird gejammert, warum man nichts gesagt hat. oder mein absoluter Lieblingssatz. "Ich dachte du übertreibst". Vielen Dank.

    P.s. ich Liebe Atosil und Haldol.
    Nimm Haldol und du fühlst dich wohl...
     
  7. Sittichfreundin

    Sittichfreundin Poweruser

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    Hallo, da kann ich Dich beruhigen. Wir waren noch eine Abteilung der Inneren Medizin, als das geschah, ist schon an die 12 oder 15 Jahre her, und es war ein relativ junger Patient. In der Geriatrie hat man schon auch mal aggressive Patienten, aber nicht solche, mit denen man nicht fertig werden würde. Mehr hat man einfach verwirrte und demente Leute, aber auch ganz orientierte. Geriatrie ist eigentlich ein sehr schönes Fachgebiet. Weil die aktivierende und anleitende Pflege im Vordergrund steht und man sich über Fortschritte freuen kann.
     
  8. Philipp Tessin

    Philipp Tessin Senior-Mitglied

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    Schonmal was von "Pharmakologischer Fixierung" gehört?
    Solche Aussagen finde ich, wenn sie so unreflektiert in den Raum geworfen werden, ganz schrecklich!
     
  9. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Über diese Brücke würde ich net gehen wollen. Ich erinnere mich noch sehr gut an einen Pat. bei dem sage und schreibe 4 Leuts zum fixieren benötigt wurden. Der gute Mann war über 70.

    Elisabeth
     
  10. Mairae

    Mairae Junior-Mitglied

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    Dann reflektier ich mal:
    Wenn man bei einigen Patienten nicht mit Medikamenten arbeitet, würden müssten wir eine Vollfixierung starten, was den Patienten wirklich stärker einschränkt. Da sie selbst im größten Wahn wissen, dass wir sie festhalten.

    Die Patienten werden ruhiger wenn sie Medikamente bekommen, wodurch dann eine Fixierung nicht nötig ist. Bei uns wird das häufig auch von Angehörigen gewünscht, da die Patienten auf die Medikamente aufgrund verschiedenster Erkrankungen eingestellt sind.

    So hat man vorallem "alleine im Nachtdienst" Nur vier Möglichkeiten.

    - Patient einfach laufen lassen
    Gefahr: Sturzgefahr, Pat. "geht verloren"
    - Mit Patient reden.
    Hat man zwar häufig viel Erfolg aber leider halt nicht immer.
    - Vollfixierung
    Davon halte ich überhaupt nichts, wenn dann eher Bodennahe Pflege
    - oder halt Medikamente
    Die bekommen die Patienten von uns eigentlich nur Nachts vor dem Schlafen. Dadurch werden sie ruhiger machen die Nacht nicht zum Tag, stehen meist nicht auf.

    Eine fünfte Möglichkeit ist da auch noch, wenn man gar nichts machen darf Kommen die Patienten vor das Stationszimmer zur Überwachung.
    Was wirklich schrecklich ist, wenn drei oder vier Patienten auf dem Gang stehen haben.
    Gefahr:
    -Zugluft
    -störendes Licht, dass man als Pflegekraft doch zwischendurch anschalten muss
    - Mitpatienten die vorbeigehen und schauen (Intimssphäre)
    - Lagerungen und Windelwechsel am Gang

    so ergibt sich für mich, lieber den Patienten zum Schlafen Haldol, Atosil oder ähnliches geben.
     
  11. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    @Philipp- wie hättest du das Eingangsbeispiel gelöst? Die "Pharmakologische Fixierung" hat der Pat. anscheinend verweigert.

    Elisabeth
     
  12. thorstein

    thorstein Poweruser

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    Wie will man das im Nachhinein beurteilen? Ich erinnere mich an eine Frau, die ich Monatelang betreut und gepflegt habe. Eines morgens stand sie mit einem Messer vor mir, so dass ich gezwungen war, die Polizei zu rufen. Sie wurde dann geschlossen untergebracht. Der einzige Anhaltspunkt im Vorfeld war, dass sie sich in einen Pfleger verliebt hatte und Anzeichen von Eifersucht zeigte.
    Ich war in 20 Berufsjahen 4 x in wirklich bedrohlichen Situationen, wo ich auch selbst Gewalt anwenden musste. Das klingt zwar wenig, ist es aber nicht, wenn man das auf alle Pflegekräfte hochrechnet.
    Ich rate dazu, den Eingangsartikel auch einmal durchzulesen. Kein Bewohner bekommt bei uns noch Haldol, und zwar schon seit einigen Jahren. Atosil in ganz seltenen Einzelfällen.
    Die Indikation für die medikamentöse Fixierung-zumindest bei Demenzkranken- ist in erster Linie der Personalmangel. Genau das ist mit

    gemeint. Und es ist damit auch ein Hauptgrund, warum viele Kollegen diesen Beruf verlassen.
     
  13. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Es lag wohl an der völlig falschen Beurteilung der Situation und dem daraus resultierenden mangelnden Informatiosnfluss.

    Elisabeth
     
  14. Philipp Tessin

    Philipp Tessin Senior-Mitglied

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    Darauf wollte ich hinaus: dass man solche Situationen reflektiert angeht. Aussagen wie "Haldol, und du fühlst dich wohl" finde ich unpassend, weil sie eben unreflektiert sind.
    Das hier ist ein öffentliches Forum. Und wer solche Aussagen liest, womöglich auch Angehörige, machen sich dann ein entsprechendes Bild.
    Wenn ich mein Vorgehen erkläre, siehts schon wieder anders aus.

    Kann ich aus der Ferne nicht beurteilen. Ich wollte nur die Art der Äußerung kritisieren, nicht das Beispiel oder Vorgehen an sich.

    Gruß
    Philipp
     
  15. kruemel85

    kruemel85 Junior-Mitglied

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    Auch wenn die aggressiven Patienten medikamentös runter gespritzt werden oder die "beruhigenden" Medikamente oral erhalten, sollte man aber immer dran denken dass die Pat. durch das Medikament auch z. T. sturzgefährdet sind, und somit auch Eigengefährdung für den Pat. besteht. Vor allem wenn die normale Dosis nicht reicht, wird ja gern nachgegeben...
     
  16. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Kann man gegen die Sturzgefahr nur so vorgehen, dass man die Dosis reduziert?

    Wenn ich mir vorstelle, dass hier Wahnvorstellungen eine große Rolle gespielt haben, dann stellt sich auch die Frage: ist das für den Pat. keine Belastung?

    Ältere Dame zerschlägt in einem nächtlichen Desorientirungswahn fast ihr ganzes Mobiliar. Bei Aufnahme ist sie extrem unruhig und muss körperlich fixiert werden um überhaupt an sie ranzukommen. Sie wird auf beruhigende Medikamente eingestellt. Die Fixierung konnte aufgehoben werden. Sie hat hinterher erzählt, dass sie furchtbare Angst hatte, dass da ein Verbrecher in der Wohnung wäre der sie umbringen wollte. Und sie hat versucht, sich zu schützen.

    Hätte man die Frau in ihrem Wahn lassen sollen, damit sie nicht med. fixiert werden muss?

    Fixierung- egal welcher Art- ist immer ein zweischneidiges Schwert.

    Elisabeth
     
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