Medikamenten-Überdosierung

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von schizophrenie, 28.08.2005.

  1. schizophrenie

    schizophrenie Newbie

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    :cry: Wer kämpft, kann verlieren; wer nicht kämpft, hat schon verloren! :cry:

    1. Ein Tatsachenbericht aus meiner Beruflichen Tätigkeit.

    Oder besser, ein Tatsache, die nicht selten ist. :evil: :evil:

    Zur Person: :D
    Bewohner über 95 Jahre alt. Von Beruf war nennen wir ihn Anton Beamter in einer größeren Stadt an der Regierung. Ausgeprägte Parkinsonkrankheit, kann aber noch recht gut mit einem Rollator laufen. Benötigt Hilfe beim Waschen und zu Bett gehen. Ein sehr angenehmer Bewohner, bedankt sich bei jeder Gelegenheit die sich bietet. Hilft in der Pflege wo er noch kann. Medikamente, alles was ein Parkinson Kranker an Medikamente benötigt, bekommt und benötigt keine Psychopharmaka.


    So habe ich und kannte ich den Bewohner. Bis ich von seiner Nichte aufgeklärt wurde.

    Anton hatte schon einen Selbstmordversuch hinter sich. Hat alle geschlossenen Psychiatrien hinter sich. Ich konnte es nicht fassen und wurde neugierig! Das konnte nicht der Anton sein, den ich kannte. Ja, sie bestätigte mich, Anton ist eines guten Tages in die Psychiatrie gekommen und wurde mit Psychopharmaka behandelt. Dadurch wurde Anton immer aggressiver schlug um sich und ist an die Wende hoch gegangen. So ist er von geschlossener Psychiatrie zur nächsten gekommen, keiner konnte ihm helfen.

    Bis seine Nichte, die weiter weg wohnte es sich nicht mehr ansehen konnte. Von Beruf ist diese Nichte Krankenschwester. Sie hat über das Gericht gefordert und durchgesetzt, dass alle Psychopharmaka abgesetzt wurden. Nach drei Wochen war Anton ein ganz normaler Mensch mit einer Parkinsonkrankheit. Er wurde aus der Psychiatrie als geheilt entlassen. Heute lebt Anton glücklich und zufrieden in unserem Heim.

    Meine Antwort auf diese Geschichte, Anton war mit Psychopharmaka überdosiert. Die Ärzte haben ihn therapiert, obwohl Anton ohne Medikamente hätte auskommen können.

    Die Antwort von der Nichte war, als ich ihr sagte, ihr Onkel war überdosiert war: „Die Ärzte wollten am Onkel nur verdienen.“ :o :o :o

    Das was ich hier geschildert habe, ist kein Einzellfall. Ich habe es im laufe der Jahre in meinem Beruf nicht selten erlebt, dass Bewohner überdosiert aus der Psychiatrie entlassen wurden. Auch kenne ich persönlich schizophrene, die meiner Meinung nach überdosiert sind. Junge Menschen, die mit weniger Medikamenten bei einer vernünftigen Dosierung ja, eventuell mit einer Mitbehandlung der Homöopathie ein weit aus besseres Leben führen könnten.

    Wobei sich der Satz mal wieder bewahrheitet:
    :cry: Wer kämpft, kann verlieren; wer nicht kämpft, hat schon verloren! :cry:


    Schaut mal auf meiner Schizophrenie Homöopathie Seite. Ein Erfahrungsbericht aus dem Leben.
    www.schizophrenie.de.vu :idea:
     
  2. Ingo Tschinke

    Ingo Tschinke Poweruser

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    Hallo Schizophrenie,

    man kann ja durchaus kontroverse Meinungen gegenüber den Neuroleptika vertreten, die du durch deinen Bericht kritisch betrachtet sehen möchtest.

    Dazu sollte man sagen, das die parkinsionide Wirkung durch die Entwicklung der atypischen Neuroleptika stark nachgelassen hat und man mit dem Abfüllen von Patienten mit Medikamenten kein Geld verdient. Einzelleistungen werden im Krankenhaus nicht vergütet - das ist eine Nullaussage.

    Cheers

    Ingo :D
     
  3. schizophrenie

    schizophrenie Newbie

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    Wer kämpft, kann verlieren; wer nicht kämpft, hat schon verloren!

    Hallo Ingo Tschinke,:flowerpower: :flowerpower: :flowerpower:



    das war nicht meine Aussage. Die habe ich nur übernommen.

    Ich selber war schon in der Psychiatrie 16 Wochen. sechs Jahre Rentner.

    Wie du aus meinem Text lesen kannst, arbeite ich in der Altenpflege.

    Ich kenne einige durch einen Verein, an denen wird verdient.

    Auch kenne ich Vereinskollegen, die sind meiner Meinung nach überdosiert.

    Ich würde jetzt nicht den Fall Parkinson in den Vordergrund stellen, zu diesem Fall müsste man sich noch weiter informieren, was ich bei dem Bewohner in den nächsten Wochen auch mache werde.

    Dass an Kranken, besonders an Schizophrenen sehr wohl verdient wird, kann ich mir gut vorstellen.

    Ein guter Schizophrener, ist ein guter Kunde, der immer wieder kommt. Nicht nur der Psychiater, verdient, ca. 70 Euro die Sitzung, so wurde mir das von meinem Arzt gesagt, dabei hat man schon die Sätze gekürzt. Auch das Krankenhaus hat ihre Betten immer voll. Und erst die Pharmaindustrie, was verdient sie an den Medikamenten.

    Schau bitte auch mal auf meine www.schizophrenie.de.vu Seite.

    Gruß Schizophrenie
     
  4. Ingo Tschinke

    Ingo Tschinke Poweruser

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    Hallo,

    das Problem ist duchaus vielschichtiger zu betrachten. Die neuen atypischen Neuroleptika sind die Medikamente an denen die Pharmaindustrie noch recht viel verdient, weil deren Patentschutz noch nicht abgelaufen ist und sie 10 Jahre Zeit haben ihre Forschungskosten wieder zu erwirtschaften (den sogenannten Break-even-point zu erreichen). Diese Medikamente sind recht teuer und teilweise in den Budgets der behandelnden Ärzte kaum noch abzudecken. Diese Medikamente haben bei weitem nicht so eine große Einschränkung in Bezug auf das "Emotional-Korsett" und die Extrapyramidal NW wie die herkömmlichen Neuroleptika.

    Darin liegt allerdings auch die Krux - die chronisch Kranken Patienten, welche an eine Facharztpraxis angebunden sind führen dazu, dass die Fachärzte recht schnell ihr Medikamentenbudget überschreiten und dann Einbussen hinnehmen müssen, d.h. an den immer wieder kommenden Schizophrenen Patienten, die man mit atypischen Medikamenten behandelt verdient der Arzt auf lange Sicht wenig.

    Deswegen greifen einige Ärzte auf die regulären Neuroleptika zurück, die kaum noch als Mittel der Wahl zu bezeichnen sind, die aber Preiswert sind. So kostet z.B. eine Flasche Haloperidol (150 ml) etwa 3 € und eine gleiche Menge Zyprexa 80 €. Wenn du selbst diese Mediakamente ausprobiert hast, kennst du eventuell den Unterschied. Gerade bei Haldol sind die motorischen und emotionalen Einschränkungen so massiv, das man diese Menschen fast immer als völlig überdosiert empfindet. Eine Spätwirkung dieser Medikamente sind die sogenannten Spätdyskinesien, die massive parkinsonide Zustände hervorrufen. Die Nachwirkungen dieser Medikamente sind massiv.

    Bezogen auf die 70 € per Sitzung muss man aber auch bedenken, dass ein Internist oder Dermatologe in der gleichen Zeit während ein Psychiater einen Patienten behandelt, das vier oder fünffache verdient, weil sie die Patienten wie am Fließband durchhauen. Man muss das stets in Relation zueinander setzen. Mit den Patienten zu reden bringt Ärzten generell viel weniger ein - das ist auch bei den Hausärzten so.

    Bezogen auf das Krankenhaus, dass nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu behandeln hat (Vorschrift des SGB V), verdient dieses an Psychoseerkrankungen eher weniger. Diese Patienten haben eine lange Verweildauer und in der Behandlung ist es notwendig diese Patienten mit den teueren Medikamenten zu behandeln.

    Auf der psychiatrischen Station, auf der ich arbeite, machen die atypischen Neuroleptika etwa 70% unseres gesamten Budgets aus und der Anteil der Patienten beträgt etwa 10%, d.h. das die Kosten für eine ädequate Medikamentenbehandlung eines Psychosepatienten ungleich höher ist als bei anderen psychischen Erkrankungen.

    Was ich grundsätzlich damit sagen will: Patienten mit Schizophrenie mit atypischen Medikamenten überzudosieren macht in einer effizienten Behandlungen keinen sind, bei diesen Patienten zahlt man dann drauf.

    Es ist durchaus richtig, dass Psychosepatienten eine geringe Lobby haben aufgrund ihrer chronischen Erkrankung und aufgrund dessen eher an ihnen gespart wird und sie mit altertümlichen Neuroleptika behandelt werden, weil diese preiswert sind. Das gibt es immer wieder und das ist für die Betroffenen sehr bitter.

    Cheers

    Ingo
     
  5. -yvo-

    -yvo- Stammgast

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    Das ganze mag in diesem Falle vermutlich stimmen, aber ich finde die Aussage mehr als gewagt.
    Ich streite nicht ab, dass es Patienten gibt die Überdosiert sind etc.
    Aber wie viele Patienten denken eh schon sie wären geheilt, setzen die Medikamente ab und plötzlich landen sie als "Springer" bei uns auf Station?
    Es sind viel zu viele!
     
  6. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Danke an Ingo für die sehr gut verständliche Aufklärung dieses Kasus.

    Elisabeth
     
  7. schizophrenie

    schizophrenie Newbie

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    Wer kämpft, kann verlieren; wer nicht kämpft, hat schon verloren!

    Hallo Ingo,:boozed: :boozed:
    hallo yvo,



    auch ich danke für die beiden zutreffenden Aussagen. Man kann keinen Einzelfall sehen.



    Ärzte wie Krankenhäuser werden zunehmend ausgenommen. Sie müssen für unsere Politik bezahlen.



    Doch möchte ich auf die Verordnungen der Ärzte, besonders der Fachärzte sagen: Ich habe alle 14 Tage beruflich mit meinem Psychiater Kontakt. Der hat mir schon einige male gesagt: " Er käme sehr wohl mit dem Geld hin. Einige bekommen sehr wenige Medikamente, andere wiederum mehr.“ Bei uns im Heim werden sehr oft gute, teuere Medikamente verordnet. Zugegeben, einige bekommen billigere, die Müssen aber nicht gerade vom Facharzt verschreiben worden sein.



    Gruß schizophrenie.de.vu :weissnix: :weissnix: :weissnix: :weissnix:
     
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