Medikamente geben ohne ärztliche Verordnung

Dieses Thema im Forum "Außerklinische Intensivpflege" wurde erstellt von jasmi123, 12.09.2014.

  1. jasmi123

    jasmi123 Newbie

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    Hallo zusammen,
    Meine Patientin möchte ein Medikament bei bedarf verabreicht bekommen, was der Arzt nicht verordnet (und das zurecht). Jetzt habe ich mit der PDL Rücksprache gehalten und sie meint, wenn sie bzw ihr Betreuer es unterschreibt, dass sie es trotz aller Risiken wünscht müssen wir das verabreichen. Ist das so?
     
  2. flexi

    flexi Administrator
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    Der Arzt weiß offensichtlich, das es schädlich sein kann im Zusammenhang mit der sonstigen Therapie, und du weißt das auch, dann machst du dich ggf. der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig. Niemand darf dich zu einer strafbewehrten Handlung nötigen!
     
  3. jasmi123

    jasmi123 Newbie

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    Danke für die schnelle Antwort, Flexi! genau, für mich war es ja auch neu, dass ich ein Medikament verabreichen darf, wofür der Patient bzw. der Betreuer unterschrieben hat, dass er es wünscht.
     
  4. jasmi123

    jasmi123 Newbie

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    Jetzt hat die Betreuerin unterschrieben, dass sie möchte dass das Medikament auch ohne ärztliche Anordnung gegeben wird, sie ist über die Risiken aufgeklärt. Und die PDL meint dass wir mit dem Schreiben abgesichert sind und es geben müssen.
    Wie würdet ihr jetzt handeln? Das ist doch nicht umsonst verschreibungspflichtig und wird vom Arzt nicht verordnet.

    Grüße Jasmi
     
  5. Susi_Sonnenschein

    Susi_Sonnenschein Bereichsmoderatorin
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    Woher hat sie denn die Medikamente, wenn sie verschreibungspflichtig sind und nicht vom Arzt verordnet werden? Um welches Medikament geht's denn (bzw. welche Medikamentengruppe)?
     
  6. Chris8421

    Chris8421 Stammgast

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    Wenn es verschreibungspflichtig ist, ist es doch klar. In der Apotheke bekommst du auch nichts Verschreibungspflichtiges, wenn dir das dein Betreuer unterschreibt.
    Bei rezeptfreiem würde ich mich ja eventuell noch auf eine Diskussion einlassen, aber nicht bei rezeptpflichtigem.
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wie weit darf die Entmündigung der "Kunden" gehen? Hier gibt es eine klare und eindeutige Äußerung zum Willen des Pflegebedürftigen/Betreuers. Was soll denn nun noch folgen?

    Elisabeth
     
  8. flexi

    flexi Administrator
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    Diese deine Einlassung versteh ich nun garnicht.
    Wenn der Betreuer die Gabe möchte, dann soll er es soch selbst tun, aber nicht jemand beruflich
    Handelnden nötigen, eine Straftat (hier vorsätzliche Körperverletzung) zu begehen.
    Verantwortlich ist immer derjenige, das sollte dir auch bekannt sein, Elisabeth, der das Medikament konkret dem Patienten verabreicht, und nicht der, der mangels Fachwissen die Verabreichung eines bestimmten, verschreibungspflichtigen und vom behandelnden Arzt klar abgelehnten Medikaments verlangt.

    @jasmi123: Hole dir ggf. anwaltliche Hilfe!
     
  9. jasmi123

    jasmi123 Newbie

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    So denke ich auch und nur weil ich was verschreibungspflichtiges nicht in der Apotheke bekomme bin ich doch nicht gleich entmündigt.

    Es geht um Spasmex. Und noch dazu sie möchte es völlig kontraindiziert bei Unterleibsschmerzen.
    Das bringt ihre Schwester aus der Arztpraxis mit.

    Nicht der Betreuer möchte die Gabe, sondern die Patientin selbst, der Betreuer hat nur in ihrem Namen unterschrieben.
     
  10. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

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    Sie wollen Dich zu einer strafbaren Handlung anstiften und das ist nicht in Ordnung. Ich unterstreiche voll und ganz Flexis Rat.
     
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  11. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    @flexi: ich hoffe, dass du auch noch so denkst, wenn du selber auf den guten Willen deiner Pflegekraft angewiesen bist.

    Aber fragen wir mal anders herum- was wurde bisher getan, um die offenbar belastenden Schmerzen zu behandeln. Der Arzt verweigert eine Behandlung? Oder wie kommt es, dass die Patientin zu dieser Form der Selbsttherapie greift/ greifen muss.

    Wurde denn bis jetzt überhaupt Kontakt mit dem behandelnden Arzt aufgenommen und dort der Wunsch der Patientin vorgebracht? Hat man ihn davon in Kenntnis gesetzt, dass die Patientin sich die Medikamente selbst besorgt hat? Ist er nicht zuständig zu entscheiden, was geht und was nicht?

    Elisabeth
     
  12. renje

    renje Poweruser

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    Das Ganze wird immer verwirrender.

    Situation:
    Ein rezeptpflichtiges Medikament, das nie verschrieben wurde, wird von der Schwester in der Arztpraxis in der sie anscheinend arbeitet geklaut und du sollst es verabreichen?
    Was würde denn eigentlich die beklaute Ärztin/Arzt dazu sagen?
    Ich glaube da ist ein Job in Gefahr?
    Der Betreuer deckt das auch noch und befürwortet illegal beschaffte Medikamente zu verabreichen?

    Das dies alles nicht in Ordnung sei kann, erschließt sich von selbst.
    Da würde ich doch meiner PDL ein ganz klares NEIN entgegen rufen.
     
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  13. flexi

    flexi Administrator
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    Und das soll nun das strafbare Fehlverhalten decken? Jaja, sagst nicht gerade du immer, das Pflege sich gerade hinstellen soll?

    Der Arzt verweigert die Behandlung? Ich glaub, du musst deine Brille mal putzen, und dann ganz langsam lesen, bevor du so einen Blödsinn schreibst.
    Der Arzt hat laut Eingangsbeitrag die Rezeptierung begründet verweigert.

    Auch hier hilft langsam lesen: Der Arzt kann wohl nur dann die Rezeptierung verweigern, wenn man die Bitte an ihn herangetragen hat.

    Wohl noch nicht, denn dann sind arbeitsrechtliche ggf. sogar berufsrechtliche Massnahmen notwendig.

    Das ist der einzige sinnvolle Satz in diesem deinem Post..

    Abgesehen davon wissen wir vom Patienten weiter NIX, aber auch rein GARNIX, wie weit das angedachte Medikament sinnvoll ist.
    Wenn es dem Betreuer, dem Patienten, der Schwester so wichtig ist, dann sollen sie es doch selbst geben, oder wissen die nicht wie es geht.
     
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  14. jasmi123

    jasmi123 Newbie

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    Ich danke euch, vor allem dir Flexi für die zahlreichen Argumente, die werden mir weiterhelfen. Ich wusste ja das man dies nicht einfach verabreichen darf, ich wollte mir nur noch ne Zweitmeinung einholen.

    Liebe Grüße und noch ein schönes Wochenende
    Jasmi
     
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  15. Beetlejucine

    Beetlejucine Stammgast

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    Neben den bereits genannten Punkten, die strafrechtliche Folgen haben und bei Schaden auch eine Haftung nach sich ziehen, noch ein anderer Aspekt:

    Die Qualitätsprüfrichtlinien sagen dazu in 10.16, dass eine ärztliche Verordnung vorliegen muss. Im Falls von nichtverschreibungspflichtigen Medikamenten ist es möglich sich mit Einverständnis des Klienten/Betreuers abzusichern, in dem man den Wunsch dokumentiert. Da es dort explizit heißt, bei nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten, heißt das im Umkehrschluss, dass es für verschreibungspflichtige Medikamente nicht geht.

    Die QPR ist - neben den zivil- und strafrechtlichen Folgen für dich und die verantwortliche Pflegefachkraft- , quasi die Bibel.

    Selbst wenn nichts passiert, so gilt in der MDK-Prüfung hierfür der Punkt als nicht erfüllt und damit mangelhaft, weil die Anforderung nicht erfüllt ist.

    http://www.mds-ev.de/media/pdf/2010-04-29_MDK-Anleitung_ambulant_korr.pdf
    MT19/B

    10.16
    Entspricht die Medikamentengabe der ärztlichen
    Verordnung?

     
  16. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen gilt nicht nur bei der Patientenverfügung.

    Elisabeth
     
  17. flexi

    flexi Administrator
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    Wozu hat der Patient denn dann einen Betreuer, der hier sogar für die missbräuchliche Medikation die Verantwortung übernehmen will??

    Elisabeth, bleib doch einfach mal bei der Frage der Kollegin, dazu hast dich nämlich im Gegensatz zu anderen bisher noch nicht geäussert.
     
  18. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich bin mal ganz besonders neugierig. Die Patientin hat Beschwerden. Was wird denn bisher dagegen getan? Wieso kommen die Angehörigen darauf, dass man zur Selbstmedikation greifen muss.
    Und worin besteht die akute Gefahr, wenn man dieser Patientin das Spasmex gibt? Welche Risiken kann die Betreuerin nicht einschätzen?

    Elisabeth
     
  19. Beetlejucine

    Beetlejucine Stammgast

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    Die Frage ist ja hier nicht, was bereits getan wurde, sondern ob die Pflegekraft Medikamente verabreichen darf, die der Arzt nicht verschrieben hat. Diese Frage wurde beantwortet, es gibt rechtliche Gründe dagegen.

    Ob der Pflegedienst nun weitere Schritte unternimmt und ob der Betreuer diese Medikamenteneinnahme toleriert oder nicht, ist doch gar nicht die Frage. Es ändert sich nichts an der rechtlichen Seite der Medikamentengabe ohne ärztliche Verordnung.

    Darüber hinaus kann der Pflegedienst ja durchaus zusammen mit der Dame und dem Betreuer weitere Schritte einleiten, z.B. einen Facharzt konsultieren oder die Tochter gibt eben das Spasmex.


    Du verwechselst hier einfach ein paar Dinge. Die Selbstbestimmung betrifft ja nur die Patientin, daraus resultiert ja keine zwingende Verpflichtung für den Pflegedienst, der muss sich nunmal an Recht und Gesetz halten und an die neusten medizinisch und pflegerischen Erkenntnisse. Ich würde ja auch keinem Patienten Kot in die Wunde schmieren, weil er mal gelesen hat, dass das hilft. Kann er selbst gerne, der Pflegedienst wird es nicht tun.

    Ich bin ganz bestimmt für Selbstbestimmung, aber andere Menschen dürfen deswegen nicht in die Bredouille geraten.
     
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  20. HenryDunant

    HenryDunant Newbie

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    ich muss in das thema gleich mal einhaken und meine frage hier stellen!
    ich bin jetzt bei einem neuen pflegedienst, und die schwestern hier dürfen rein garnix anwenden was nicht vom arzt verordnet oder angeordnet ist, auch keine frei verkäuflichen sachen auf patientenwunsch. bin ich jetzt der einzige der das für quatsch hält, oder ist das gesetzlich tatsächlich so?

    ein beispiel um es konkreter zu machen:
    patientin war gestützt, hat nun ein kleines hämatom am steis und möchte nun, dass wir das mit hepathromb eincremen... und hepathromb ist ja freiverkäuflich. wie ist eure meinung dazu, kann man das einfach machen oder brauch ich dafür tatsächlich eine ärztliche anordnung?? danke schonmal :-)
     
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