Maßnahmen nach Herzinfarkt?

Dieses Thema im Forum "Interdisziplinäre Notfälle" wurde erstellt von Querulanter, 19.06.2012.

  1. Querulanter

    Querulanter Newbie

    Registriert seit:
    07.01.2012
    Beiträge:
    7
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpflegeschüler (2. Jahr)
    Akt. Einsatzbereich:
    Gerontopsychiatrie
    Hallo,

    ist das erste Thema, dass ich hier erstelle. Bin in der Ausbildungs zum GuKP im 2. Lj., es geht um einen Vorfall auf meiner letzten Station (Innere), der mich immer noch beschäftigt:

    Eine Patient 86 Jahre alt, mit kardialer Dekompensation klingelt bei mir im Spätdienst, klagt über Unruhe und Atemnot. Habe bei ihr Vitalzeichen kontrolliert, Examinierter Schwester bescheid gesagt. Kurz darauf ging der Puls der Patientin über 140 - Arzt wurde informiert, EKG geschrieben, Pat. an den Monitor angeschlossen - Diagnose Myokardinfarkt. Sie erhielt einen Haufen Medikamente i.v., Herzbettlagerunng, Blut abgenommen...

    Soweit erstmal, die Patientin hat es überstanden, war am nächsten Tag wieder ansprechbar und vom AZ beinah wie vor dem Infarkt - Kreislauf weitgehend stabil.

    Was mich jetzt an der ganzen Sache beschäftigt ist, dass von ärztlicher Seite am nächsten Tag nichts gemacht wurde. Weder eine Verlegung auf Intensiv oder Kardiologie, keine Untersuchungen - nix. Als sie am nächsten Tag nochmal mit dem Blutdruck runter gerauscht ist wurde nochmal ein EKG geschrieben und das wars.
    Meine Frage ist jetzt, wie ist es bei euch üblich, was werden bei Patient_innen nach einem Herzinfarkt, wenn diese stabilisiert sind für Maßnahmen ergriffen, was für Untersuchungen laufen da?

    Mag jetzt sein, dass ich jetzt zuviel erwarte - mir kam einfach der Umgang mit der Patientin etwas lapidar vor.

    Danke schonmal für eure Antworten!
     
  2. bisauf

    bisauf Gast

    Nun sind 86 Jahre ein stolzes Alter. Und viele Patienten möchten in diesem Alter nicht unbedingt eine Maximalbehandlung. Weißt Du denn, welche Wünsche bezüglich der Behandlung von Seite des Patienten geäußert wurden?
     
  3. Querulanter

    Querulanter Newbie

    Registriert seit:
    07.01.2012
    Beiträge:
    7
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpflegeschüler (2. Jahr)
    Akt. Einsatzbereich:
    Gerontopsychiatrie
    Es hieß offiziell von ärztlicher Seite keine Reanimation. Eine Patientenverfügung lag jedoch meines Wissens nach nicht vor, Angehörige waren nicht erreichbar.
    Die Patientin selbst ist geistig vollkommen fit und hat selbstverständlich mitbekommen, dass sie in einer heiklen Situation war. Sie hat während des Infarkts den Arzt angefleht, sie nicht sterben zu lassen.
     
  4. Marty

    Marty Poweruser

    Registriert seit:
    10.01.2010
    Beiträge:
    1.009
    Zustimmungen:
    12
    Beruf:
    krankenschwester und diplompsychologin
    Akt. Einsatzbereich:
    unavailable...
    Hi, Querulanter,

    frag mal deine Docs, ob es ein STEMI (ST-Hebungsinfarkt) oder ein NonSTEMI war. Danach richtet sich die Dringlichkeit und der Umfang der Behandlung. Während bei ersterem die volle Attacke geritten wird, sprich unverzüglich Herzkatheter oder Lyse... wird bei letzterem der Patient unter Monitoring und Laborkontrolle überwacht. Vorerst. Der Umfang weiterführender Maßnahmen richtet sich dann auch nach dem Alter, wie weit die chronische Herzerkrankung fortgeschritten ist, wie die Prognose aussieht und wie die Begleiterkrankungen sind. (Bei mir auf Station ist es nicht ungewöhnlich, das solche Patienten über 10 Diagnosen haben)
    Stabilisiert sich das klinische Bild, fallen die Laborparameter, wird man sich schon stark überlegen, ob das Risiko einer Herzkatheteruntersuchung oder anderer invasiver Maßnahmen gerechtfertigt ist.
    Man wird vorrangig versuchen, den Patienten medikamentös gut einzustellen.
    Und dann kommt noch dazu, was bisauf schreibt.
     
  5. bisauf

    bisauf Gast

    Was ja offenbar auch gut geklappt hat. Dem Patienten ging es ja wohl besser hinterher!

    Eine Intensivstation ist ein Ort an dem akut kranke Patienten versorgt werden, die kreislaufinstabil sind und eine spezielle Behandlung benötigen, die nicht auf einer Normalstation möglich ist. Zum Beispiel Beatmung, spezielle, oft invasive Behandlungsregime. Alles andere kann auch auf der (entsprechend ausgestatteten) Normalstation ablaufen. Intensivbehandlung bedeutet nicht immer unbedingt "beste Behandlung". Oft herrscht auf der Normalstation mehr Ruhe. Und Stress kann ein Patient mit einem Herzinfarkt nicht gebrauchen.

    Weiterhin müsste man wissen, ob es sich um einen STEMI gehandelt hat oder um einen NSTEMI. Da können sich die Behandlungen unterscheiden.

    Außerdem müsste man wissen, ob der Patient weitere schwere Erkrankungen hat, die den outcome des Patienten beeinflussen.
     
  6. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    04.09.2004
    Beiträge:
    10.442
    Zustimmungen:
    211
    Beruf:
    Krankenschwester, M.A. Pflegewissenschaft, Dozentin
    Akt. Einsatzbereich:
    Palliativstation, Bildungszentrum
    Funktion:
    Praxisanleiterin, Bachelor of Nursing, M.A. Pflegewissenschaft
    Gestorben ist sie ja auch nicht. Ein Aufenthalt auf der Intensiv macht wie schon gesagt nicht immer Sinn. Warum fragst Du nicht auf Station den behandelnden Arzt, warum er sich so entschieden hat?

    Du brauchst keine schriftliche Patientenverfügung, wenn die Patientin in der Lage ist, ihren Willen mündlich kundzutun.
     
  7. Susi_Sonnenschein

    Susi_Sonnenschein Bereichsmoderatorin
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    20.10.2004
    Beiträge:
    2.065
    Zustimmungen:
    9
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpflegerin
    Ort:
    Bayern
    Akt. Einsatzbereich:
    Intensiv
    Funktion:
    Praxisanleiterin
    Oft müssen die Patienten auch erst "rekompensiert" werden bei einer kardialen Dekompensation bevor ein HK gemacht werden kann. Es ist bei Patienten in dem Alter wie in deinem Beispiel nicht ganz ungewöhnlich, dass erstmal auf einen Herzkatheter verzichtet wird.
     
  8. Querulanter

    Querulanter Newbie

    Registriert seit:
    07.01.2012
    Beiträge:
    7
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpflegeschüler (2. Jahr)
    Akt. Einsatzbereich:
    Gerontopsychiatrie
    Danke erstmal für die schnellen Antworten!

    @Marty - wenn ich das richtig verstanden habe handelte es sich um ein NSTEMI.

    Ich habe leider keine Möglichkeit mehr auf Station Nachfragen mehr zu stellen, da mein Einsatz kurz nach dem Vorfall beendet war. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum mich das noch beschäftigt hat.

    Ich hatte mir wohl nach dem "Erlebnis" das erste mal bei einem Herzinfarkt dabei zu sein mehr Aktionismus erwartet. Das Argument von Susi erst auf Rekompensierung zu warten leuchtet mir ein - ein Untersuchungsmarathon wäre tatsächlich eine große Belastung.

    Also vielen Dank nochmal - für mich ist das Thema abgeschlossen.
     
  9. Jirji

    Jirji Newbie

    Registriert seit:
    02.11.2014
    Beiträge:
    1
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    GuK
    Akt. Einsatzbereich:
    Intensiv
    In unserem Haus ist es üblich, beim V.a. Akutes Kornoarsyndrom die Patienten für ca. 6 Stunden intensivmedizinisch zu überwachen, wenn die Kapazität es zulässt. Die Patienten erhalten die üblichen Medis (Heparin, Nitro , ASS ...) und nach 6 Stunden KontrollEKG und Laborkontrollen. Zeigt sich ein Hebungsinfarkt schon am Anfang, wird eine schnelle Verlegung ins HK-Labor angepeilt, wenn der Patient denn einverstanden ist. NSTEMIs werden oft vital stabil etwas später verlegt
     
  10. Nincha

    Nincha Newbie

    Registriert seit:
    19.10.2013
    Beiträge:
    22
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpflegerin
    Akt. Einsatzbereich:
    Kardiologische Überwachungs- und Intensivstation
    Hallo,

    außer den bereits geannten Maßnahmen kämen sonst noch Echo und Röntgen dazu. Das Echo wird gemacht, um die Ventrikelfunktion und eventuelle Einschränkungen bzw. Verschlechterungen zu beurteilen. Im Röntgen würden mögliche Stauungen in der Lunge (bedingt durch einen schlechten Ventrikel) sichtbar werden.
    In ihrem Fall wurde vermutlich bereits geröngt, aber je nach dem wie der klinische Verlauf ist, wird dies auch nochmal wiederholt :-)
    Ich arbeite auf einer Aufnahmestation, wo sich auch die Überwachung und Intensiv befindet. Wenn jemand mit STEMI oder NSTEMI kommt, bleiben sie bis zur Intervention auf jeden Fall erstmal bei uns und am Monitor ;)
    Ich hoffe, ich konnte etwas helfen ;)
     
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen - Maßnahmen nach Herzinfarkt Forum Datum
Verhaltensmaßnahmen nach Hüft-TEP Pflegebereich Chirurgie 20.01.2010
Maßnahmen nach Flucht eines Patienten? Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik 11.04.2009
Pflegemaßnahmen nach Unterschenkelamputation aufgrund Arterio Sklerose Fachliches zu Pflegetätigkeiten 08.03.2009
Umfrage: Sparmaßnahmen im OP OP-Pflege 29.09.2016
News Neuer Maßnahmenplan soll Ausbreitung eindämmen Pressebereich 29.08.2016

Diese Seite empfehlen

  • Über uns

    Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten und mitgliederstärksten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit dem Jahr 2000 eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

    ©2000-2016 - www.krankenschwester.de - Die Online Community für Pflegeberufe

  • Schnellnavigation

    Öffne die Schnellnavigation

  • Unterstützt uns!

    Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!

Ich stimme zu Weitere Information

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.