M. M. wird pflegebedürftig ...

Dieses Thema im Forum "Der Alltag in der Altenpflege" wurde erstellt von Haus Maranatha, 14.12.2006.

  1. Haus Maranatha

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    Auf dem Hintergrund des aktuellen Geschehens stellen wir uns einmal folgende Situation vor:

    M.M. sitzt seine Strafe von 15 Jahren ab. Er kommt anschließend in Sicherungsverwahrung, wenn er weiterhin als gefährlich eingestuft wird. Es stellt sich nach einer gewissen Zeit heraus, daß er nicht mehr verwahrt werden muß. Schließlich wird er mit 75 Jahren pflegebedürftig in Pflegestufe 2. Wie sollen Pflegekräfte mit dieser Situation umgehen?

    Gruß

    Johannes Paetzold
     
  2. Brady

    Brady Gast

    Hallo Maranatha,

    ihn in der Pflegestufe 2 mit allen erforderlichen Maßnahmen pflegen. Seine Strafe ist verbüsst und wenn es keine Vorkommnisse oder Beobachtungen gibt die Anlass zur Besorgnis haben, dann werden wir auch dort unsere Arbeit leisten.
    Oder siehst Du konkretere Probleme oder Befürchtungen? Dann nenne diese...


    Mit freundlichen Grüßen Brady
     
  3. stefan1981

    stefan1981 Senior-Mitglied

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    Wenn er 75 Jahre alt ist und die ganze Zeit in Sicherheitsverwahrung ist, dann hat er wohl doch genug gebüsst.

    OBWOHL MAN DAS ALS AUSSENSTEHENDER SCHWER SAGEN KANN WANN MAN GENUG GEBÜSST HAT.

    Wiederrum welcher Mensch kann sagen wann es genug? Die Angehörigen sind zu sehr subjektiv in ihrem Urteil und die aussenstehenden können die Schwere nicht richtig einschätzen.

    Wenn man ihn dann pflegen muss sehe ich da eigentlich kein Problem.
    Ich pflege ja nur den Menschen und nicht seine Kriminelle vergangenheit..?!

    Sollte man in diesem Arbeitsbereich nicht generell reltaiv tolerant sein?
    Da ist es doch egal welche Sexuelle Gesinnung, Hautfarbe, Ansichten, kriminelle Vergangenheit der Mensch hat!? Ich hatte auch schon 2-3 mal mit Gefängnisinsassen zu tun. Hatte da keine Probleme mit denen. Habe ihn wie jeden anderen auch behandelt ( nur das man halt nen bissl besser aufpasst - Spritzen, Medikamentengabe, alggemeine Vorsicht..)

    Das ist vielleicht auch von Mann zu Frau verschieden.....!

    Das ist aber generell nen schwieriges Thema...

    mfg Stefan
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Die Gefängnisstrafe beträgt 15 Jahre- 15 Jahre Busse. Danach geht es um den Schutz der Gesellschaft vor dem Täter da er als nicht therapierbar eingeschätzt wird. Bei der Sicherheitsverwahrung von Busse für die Tat zu sprechen finde ich makaber.

    Das Opfer wird ein Leben lang mit den Folgen zu kämpfen haben.

    Elisabeth
     
  5. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Geben die Stichworte "professionelle Pflege" oder vielleicht besser "Professionalität bei der Pflege", nicht schon die Behandlung vor?

    Wir pflegen einen Menschen! Nicht mehr und erst recht nicht weniger!!


    ---

    War man persönlich betroffen, sieht das Ganze schon anders aus, aber das ist ein Ausnahmefall, der gesondert diskutiert werden müsste; meiner Meinung nach. Mein Tipp wäre in diesem Fall die Pflege (durch diese Person) nicht durchführen zu lassen.
     
  6. midnightlady24

    midnightlady24 Stammgast

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    Also ich weiß, dass in Bad Fröndenberg ( NRW ) in dem JVA-Krankenhaus auch eine Pflegestation eröffnet werden sollte/wurde.
    In dieses Krankenhaus werden 'Einsitzende aus einem ziemlich großem Einzugsgebiet ( genauer bin ich dazu nicht informiert ) gebracht, wenn sie krank werden.
    Und ich denke, wer in einem JVA-KH arbeitet weiß, dass er mit jeglicher Art von Straftätern zu tun hat und kann dann auch damit umgehen, wenn dieser Mensch später mal auf der Pflegestation liegt.

    Lieben Gruß, Monika
     
  7. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Möchte nur anmerken das mein Heimatstädtchen ohne ein "Bad" davor auskommt! Wir sind doch nicht im Münsterland ^^
    Einfach nur Fröndenberg!!

    :ccol1:
     
  8. midnightlady24

    midnightlady24 Stammgast

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    Ach entschuldige ... du hast natürlich Recht. Ich hab ausser in Wickede auch mal in Schmallenberg gewohnt und dort hieß das Nachbarstädchen "Bad Fredeburg" und wurde ebenfalls Frdgb abgelürzt und seit diesem Zeitpunkt hab ich mit den beiden Namen so meine Verwirrungen.
     
  9. Doreen1996

    Doreen1996 Newbie

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    Hallo Johannes,

    ich schließe mich Maniac an. Wir leisten profesionelle Pflege. Wer weiß denn, was die Pflegebedürftigen heute, im Krieg alles getan und erlebt haben? Was zählt ist der Mensch in seiner jetzigen Situation, der unsere Hilfe braucht.
    Gruß Doreen
     
  10. zottel85

    zottel85 Newbie

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    Da stimme ich doreen vollkommen zu. wenn man sich mal überlegt, mit wievielen menschen man im krankenhaus schon zu tun hatte und noch zu tun haben wird, möchte ich nicht wissen, was manche in ihrer vergangenheit getan haben. ein patient erzählte mir einmal, dass er in der gestapo war, ihm aber alles leid tut, was er damals gemacht hat (und ich will nicht weiter ausführen, was das alles war...). trotzallem verurteile ich den menschen nicht dafür.
    natürlich finde ich es eine sauerei, dass ein mensch einem anderen so etwas angetan hat und eigentlich hätte er nichts anderes verdient, als dass man ihm den sch...z abschneidet, aber das steht nicht in meiner macht und wenn m.m. seine strafe abgesessen hat soll es das für mich gewesen sein- ich würde ihn normal pflegen. was soll man denn machen? man hat sich nunmal einen beruf ausgesucht, in dem man mit vielen menschen zu tun hat, deshalb sollte man sich vielleicht vorher überlegen, was das eigentlich bedeutet oder bedeuten kann...
    na gut, das wird nun auch immer länger und ist sicherlich anlass zu einer grundsatzdiskussion, weil jeder eine andere meinung dazu hat. trotz allem eine gute überlegung, denn solche fragen sollte man sich stellen, bevor man einen menschen wie m.m. pflegt..
     
  11. EvaQ

    EvaQ Newbie

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    Hallo,

    direkt neben unserer Klinik gibt es die "Saarländische Klinik für forensiche Psychiatrie", dass heißt dort kommen so Leute wie Mario M. hin (anschließende Sicherheitsverwahrung) hin.

    Ich weiß von einem Bekannten, der Heimleiter in einem örtlichen Altenheim ist, das sie schon öfters Leute von dort "übernommen" haben, weil sie einfach alt waren. Die kommen dann allerdings wenn sie noch mobil sind weiterhin auf eine geschlossene Pflegestation. Dort sind dann auch andere Bewohner die einen gerichtlichen Beschluss haben, nicht unbedingt weil sie straffällig waren.

    Die Menschen werden gepflegt, wie jeder andere auch, ich denke auch dass das in der professionellen Pflege selbstverständlich sein muss. Wie ich als PP dann persönlich damit klarkäme weiß ich auch nicht, aber in der "normalen" Psychiatrie hat man es ja meist auch nicht mit Lämmchen zu tun!

    Viele Grüße
    Eva
     
  12. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich oute mich mal: ich pflege den Pat. in so einer Situation rein somatisch. Jegliche emotionale Zuwendung fällt dann flach. Die kann ich ihm nicht geben. Ich wäre in so einer Pflegesituation sehr distanziert. Obs ein Außenstehdenr bemerken würde? Wahrscheinlich nicht.

    Wir sollten von dem: alle bekommen dieselbe Pflege, nur dann bin ich professionell- mal weg kommen. Auch wir sind Menschen und haben ein Recht auf eine Einstellung.

    Wenn ich merke, da gibst erhebliche Probleme in der Interaktion (Übertragung- Gegenübertragung) dann ziehe ich mich zurück und werde den Pat. ggf. abgeben an eine andere Kollegin. Geht dies nicht, formuliere ich in der Regel das Problem und versuche mit dem Pat. einen Kosenz zu finden. Dieser ist meist der oben beschreibene: korrekte somatische Pflege.

    Elisabeth
     
  13. midnightlady24

    midnightlady24 Stammgast

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    Also ich finde, mehr als rein somatische Pflege ist in solchen Fällen nie drin.

    Für mich gehört zur Pflege ja auch nicht gleich, dass ich jeden Menschen tröstend in die Arme schließe oder mich mit ihm zum Kaffee trinken in der Kantine treffe. Das mache ich selbst mit nicht-straffälligen nicht, wieso also mit Menschen, die sich solche Verbrechen auf die Karte geschrieben haben.
     
  14. Brady

    Brady Gast

    In welchen Fällen?
    Wer gibt mir da das Urteil zu richten? Natürlich mag keiner Mörder oder Vergewaltiger, besonders die nicht von Kindern.

    In der psychiatrischen Pflege und in der forensischen Pflege erst recht gehört es dazu. Sich mit Dingen auseinander zusetzen die einem nicht gefallen. Deshalb sollte man auch sehr gut überlegen, ob man dort arbeiten möchte.

    Es hat immer mit einem selber zu tun. Wenns nur darum geht, es bezieht jemand Sozialhilfe...es ist jemand Alkoholiker, es ist jemand der seine Frau/Kinder geschlagen hat, usw...Oder vielleicht harmloser? Ein Jugendlicher der eine Tankstelle überfallen hat....Ein türkischer Landsmann der aus der Tradition heraus seine Töchter gegen ihren Willen verheiratet? Auch dieser denkt, dass er das "Richtige" für seinen Nachwuchs macht....dies könnte ich unendlich so weiter fortsetzen....

    Deshalb gerade hat Teamarbeit bei uns einen sehr hohen Stellenwert. Weil wir aus den unterschiedlichsten Elternhäusern/Sozialisationen kommen. Wir nicht nachvollziehen können, warum ein Mensch so reagiert und nicht anders und genau dort fängt unsere Arbeit an.

    Finde es gut, wenn man in der Somatik dann den Patienten abgibt, das ist professionell. Nicht nur weil man damit selber nicht klar kommt, sondern weil man dem Patienten keinen Gefallen damit tut und ihm eventuell auch Unrecht antut.

    Keinen Patienten schliesst man in die Arme, das ist nicht unsere Aufgabe. Sie bekommen auch keine Absolution von uns. Sie müssen sich schon mit ihrer Tat auseinandersetzen, manchmal ist eben auch keine Erkenntnis/Reue da, manchmal in der Entwicklung dessen was der Patient erlebt hat garnicht möglich. Oder auch so schmerzhaft, dass er garnicht hingucken kann ohne sich selber zu zerstören oder weiter zu zerstören.

    Man kann dort nur im Einzelfall schauen....
    Mir fallen dazu viele Beispiele ein. Wo man erst auf den 2ten Blick sagt, ja das kann ich verstehen.
    Aber das bedarf nun mal auch Fachwissen und kann so nicht einfach vorausgesetzt werden und auch immer einer kritischen Überprüfung von einem selber.

    Deshalb sind auch Supervisionen sehr wichtig um den "Umgang" zu finden der therapeutisch oder/und inhaltlich für den Patienten wichtig ist.


    Liebe Grüße Brady
     
  15. midnightlady24

    midnightlady24 Stammgast

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    Natürlich gibt es da ne lange Liste von Leuten, die endlos fortzusetzen ist.
    Mein "in solchen Fällen" bezog sich eben auf diese Starftäter. Und Sorry ... Pflegen/Versorgen/Hilfestellung geben tu ich auch in "solchen Fällen" ... da kann ich sehr gut mit umgehen. Nur werde ich eben nicht weiter gehen ... mal ganz krass gesagt :
    Für die Dinge, für die ich in meinem Beruf dann bezahlt werde, die dürfen diese Leute auch von mir verlangen. Kein Problem ... aber nit nen Handschlag, der nicht nötig wäre.
    Hört sich Herzlos an, aber so denke ich in diesem Falle nunmal. Und ich denke nicht, dass ich deswegen ne schlechte PK bin ... nur behalte ich die Dinge, die ich freiwillig mal nebenbei mache für meine Pat dann eben nicht. Warum auch ... sagt ja dann schon der Begriff "freiwillig".
     
  16. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Und was wären das so für Dinge?
     
  17. Felidae

    Felidae Newbie

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    Also mir kam schon oft der Gedanke wie viele ehemalige oder immer-noch Nazis ich wohl schon gepflegt/versorgt habe.
    Tja, ich weiß es nicht, und das ist gut so!
    Wenn ich aber wüßte, daß ich einen Menschen wie Mario M. zu versorgen hätte...?
    Ich würde versuchen, jede Emotion draußen zu lassen, es wäre wirklich eine rein "mechanische" Pflege, die ich da leisten könnte.
    Und ob ich das lange aushalten würde?
    Ich glaube eher nicht.
    Also hoffe ich ganz einfach, daß ich NIEMALS in eine solche Situation gerate oder daß ich's einfach nicht weiß, "wen ich da vor mir habe"!

    Feli
     
  18. Brady

    Brady Gast

    Hallo midnigthlady,

    was für Dinge die Du freiwillig machst? Ich mache keine Dinge freiwillig, ich mache sie wenn sie pflegerisch notwendig sind und auch in meiner psychiatrischen Arbeit pflegerisch-therapeutisch sinnvoll sind. Ich lehne Dinge auch ab, die in meinen Augen nicht sinnvoll sind. Ich bediene nicht jemanden von den Patienten mehr, weil ich sie vielleicht bisschen besser leiden kann. Das ist nicht zu akzeptieren, dann werte ich meine eigene Arbeit ab.

    Es gibt Situationen, wo wir befangen sind. Aber das ist eben auch in der Psychiatrie/Forensik unsere Arbeit zum Beispiel mit Straftätern. Aber deshalb ist es auch ein Fachbereich, wo man genau überlegen sollte ob man es kann.

    Ich stelle es mir z.B. auch sehr schwer vor auf einer onkologischen Kinderstation zu arbeiten.

    Dann die Missbrauchkinder, die ich mir auch vor Augen führe.....wobei es aber auch nicht die Seltenheit ist, dass aus diesen auch wieder Täter werden. Und genau dort ist meine Arbeit. Dort diesen Kreislauf vielleicht auch zu unterbrechen. Verantwortung wieder für sich zu übernehmen und nicht aus einer Opferhaltung zum Täter aus Rache, oder aus sonstigen Gründen zu werden.

    Es ist meine pflegerische Aufgabe, meine Vorurteile im Team zu bennen, mich persönlich damit auseinander zu setzen. Meine Grenzen auch zu erkennen.
    Ansonsten wie wäre, wer wirft den ersten Stein? Wer sagt, wer ist krank? und welches Leben ist wertlos?

    Aber setze mal voraus, dass du eben keinen Einblick in der Psychiatrie hast.
    Alles was wir nicht kennen macht uns auch Angst.

    Ich sage auch global....der Präsident aus....einem grossen Land, der alkholkrank ist...den sollte man auch sonstwo hinjagen und noch andere Dinge.

    Wenn ein Patient aber zu uns kommt, nehme ich ihn erstmal als Mensch an....

    Im Falle des Bewohners im Altenheim, sollte man dies im Team besprechen. Das kann schon eine grosse Hilfe sein. Denn auf mehreren Schultern trägt es sich auch immer besser.

    Liebe Grüße Brady
     
    #18 Brady, 20.12.2006
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 20.12.2006
  19. midnightlady24

    midnightlady24 Stammgast

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    Brady ich habe sehr wohl Einblicke in die Psychiatrie gehabt ... Haus 8 & Haus 42 Im WZfPPP in Dortmund ( Forensik und geschlossene Aufnahme Station ).

    Wir reden aber gerade aneinander vorbei.
    Du redest von Deiner Arbeit in der Forensik, ich spreche davon, wenn Menschen aus der Forensik auf die Pflegestationen eines normalen Pflegeheimes kommen.
    Und in einem normalen Pflegeheim ist es so ( in meinen Augen ) wenn ich die Zeit habe, mich einfach nur mal zu nem Bewohner zu setzen und mir seine Geschichten aus "alten Tagen" anzuhören, dann ist das für mich keine primäre Pflegerische Tätigkeit sondern einfach nur eine menschliche. Aber sowas sind die von mir als "freiwillig" bezeichneten Dinge, die ich bei jemandem, der mir aufgrund seines Strafregisters eben bitter aufstösst, nicht tuen würde. Und ich meine mit den "freiwilligen" Dingen ja nicht, dass ich bei dem einen eine Prophylaxe mehr anwenden würde als bei dem nächsten - nein ... ich unterlasse eben nur die winzigen Extras, die eben nicht notwendig sind.

    Und klar das ich ein Team um mich rum habe, mit dem ich mich kurzschließen kann. Aber ich habe bisher ausser in der Ausbildung, in einem Haus gearbeitet, in dem ich alleinge examinierte Kraft war und nur unausgebildete, angelernte Hilfskräfte um mich rum hatte und soll ich denen, die oftmals keinerlei Einblicke in Psychologie und professionelle Pflege haben, diese Leute überlassen. Kollegen, die einfach nur "Laienpfleger" sind ... die damit vermutlich noch weniger umgehen können als ich. Neee, die Verantwortung die ich als Schichtleitung in diesen Moment gehabt hätte, hätte ich nicht tragen wollen ... denn ich habe in diesen Momenten ja nicht nur die Verantwortung für meine Patienten sondern eben auch für meine Kollegen.

    LG, Monika
     
  20. Pe3

    Pe3 Newbie

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    Hi!
    Ich habe vor ein paar Jahren in einem psychiatrischen Krankenhaus gearbeitet in dem es auch einen großen forensischen Bereich gab! Wenn die Leute so lange einsitzen mußten, daß sie aufgund ihres Alters pflegebedürftig wurden, kamen sie, sofern noch ein richterlicher Beschluß (Unterbringung) vorlag, erstmal auf eine geschlossene Pflegestation und wurden dort gepflegt wie jeder andere "normale" Patient. Irgendwann wurde der Beschluß bei vielen aus verschiedenen Gründen aufgehoben und dann konnten sie natürlich auch auf eine offene Station!
    Natürlich ist es nicht schön was diese Menschen irgendwann mal "angestellt" haben (es waren teilweise auch ziemlich heftige Taten dabei) und manchmal ist es auch schwer sich mit deren Vergangenheit auseinanderzusetzen, aber im Grunde hat jeder das Recht auf eine angemessene Pflege im Alter. Auch diese Menschen. Wenn man das nicht einsehen kann, bin ich der Meinung man muß den Bereich (nicht den Beruf!!!) wechseln.
    Viele haben ihre Buße getan und sind überaus dankbar wieder normal behandelt zu werden! Ich bin damit ein paar Mal konfrontiert worden! Es ist nicht immer leicht, aber es geht!

    In diesem Sinne,
    Lieben Gruß,
    Pe3
     
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