Lehrbuch zur Neurologie & Psychiatrie

Sinclaire

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13.04.2003
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505
Alter
57
Standort
Celle
Beruf
Fachpfleger Psychiatrie, Dipl. Pflegewirt, MN, MSc
Akt. Einsatzbereich
Ambulante psychiatrische Pflege
Funktion
Fachliche Leitung APP
*(Defekter) Link entfernt*

Titel: Pflege Konkret – Neurologie/Psychiatrie

Autoren/Hrsg.: Stephan Grunst & Anja Schramm

Verlag: Urban & Fischer, 2003

ISBN: 3-437-25551-7

Preis: Gebundene Ausgabe, 506 Seiten, 34,95 €

Bei dem Buch handelt es sich um ein umfangreiches Lehrbuch für die Fachbereiche Neurologie & Psychiatrie. Inhaltlich sind die beiden Fachbereiche getrennt und werden in jeweils zwei anfänglichen Kapiteln in Bezug auf die Diagnose und die pflegerische Behandlung differenziert dargestellt. Der Bereich der Neurologie umfasst alle Erkrankungen des Nervensystems, Tumoren, Schmerzerkrankungen etc. Besonders hervorzuheben ist der umfangreiche Verweis auf Anwendung der Pflegekonzepte der basalen Stimulation bei Koma-Patienten und deren Anwendung sowie der Bobath-Lagerung und der rehabilitativen Pflege.
In dem psychiatrischen Teil werden alle Aspekte der psychischen Krankheitsbilder beleuchtet. Über Affektive Störungen bis hin zu Suizidgefährdeten. In dem psychiatrischen Bereich wird besonders auf den Bereich der Bezugspflege und spezielle Therapieverfahren aufmerksam gemacht. Auch die besonderen Aspekte der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Gerontopsychiatrie und der Forensik werden beleuchtet.
Es handelt sich bei dem Buch um eine sehr umfangreiche Darstellung dieser beiden Fachbereiche. Das Buch richtet sich nicht nur an Schüler, sondern ist auch für Anfänger in der Psychiatrie und Neurologie sowie für bereits psychiatrisch und neurologisch Tätige ein sehr gutes Nachschlagewerk.
Besonders gelungen ist die didaktische Aufbereitung des Buches. Jedes Krankheitsbild wird mit möglichen Pflegeinterventionen dargestellt, wodurch das Buch einen hohen Praxisbezug erhält. Im weiteren gibt es zu jedem Thema einen Literaturhinweis für weiterführende Literatur. Auch besonders kritische Punkte werden klar und deutlich benannt, z.B. der Äußerung von Suizidgedanken und dem darausfolgenden Umgang mit dem Betroffenen. Auch gibt es gute Querverweise im Buch, so dass man immer wieder zu anderen Kapiteln Bezug erhält. Jedes Kapitel endet mit ein paar orientierungsgebenden Fragen zu dem vorangegangen Text, an dem sich das gelesene gut überprüfen lässt.
Das Buch stellt auch die in der Psychiatrie gebräuchlichen Medikamente mit ihren Vor- aber auch Nachteilen sehr aktuell dar. Auch werden z.B. die neueren atypischen Neuroleptika, welche die hochpotenten Neuroleptika mehr und mehr ablösen, berücksichtigt.
Gerade in dem Fachbereich Psychiatrie ist ein umfangreiches Wissen über die verschiedenen Krankheitsbilder, der Wahrnehmung der Patienten und die dazugehörige selbstreflektive Wahrnehmung unabdingbar. Das Buch greift diese Elemente im angemessenen Rahmen auf, wie z.B. die eigene Psychohygiene und die Folgen eines Suizids eines Bezugspatienten. Die Pflegeausrichtung folgt durchgehend der Ausrichtung des Pflegeorganisationsprinzips der Bezugspflege und inwieweit, das Beziehungsgeschehen eine Rolle im Heilungsprozess spielt.
Das Buch ist ähnlich aufgebaut wie das Pflegelehrbuch „Pflege Heute“ – woran der gleiche Verlagsursprung deutlich zu erkennen ist. Dadurch ist es allerdings auch gut möglich, wenn man mit ersterem während der Ausbildung gute Erfahrungen gemacht hat, diese mit „Pflege Konkret“ fortzuführen.

Fazit:
Das Buch ist als Lehrbuch eine umfangreiche Zusammenfassung der Fachbereiche Psychiatrie und Neurologie. Es ist eingängig geschrieben, ohne dabei zu trivial zu werden. Es ist sehr gut für Schüler und alle in der Psychiatrie Tätigen als Nachschlagewerk geeignet. Kritisch kann man noch anmerken, dass besondere Krankheitsbilder etwas zu kurz kommen und nicht in ihrer ganzen breite dargelegt werden konnten, wie z.B. das Borderline Syndrom. Auch wurden einige neue Therapiekonzepte noch nicht erwähnt, wie z.B. die *(Defekter) Link entfernt* beim Borderline Syndrom oder den besonderen Gefahren der Übertragung von Therapieerfolgen der Patienten in der Bezugspflege. Auch das Erwähnung des veralteten Assessment Konzeptes der Glasgow-Koma-Skala ist aufgefallen. Doch diese Auffälligkeiten sind nur sehr wenige und ich war positiv überrascht, was mir dieses Buch nach 15 Jahren in der Psychiatrie noch spannendes zu sagen hatte.
 

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