Kurzinformationen zu Darmerkrankungen

Dieses Thema im Forum "Gastroenterologie" wurde erstellt von Dorothee, 04.07.2002.

  1. Dorothee

    Dorothee Stammgast

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    Postoperative Betreuung eines Patienten nach Ösophagektomie und MHZ


    Bei Übernahme aus dem OP:
    - Anschluss an den Respirator, DKV-Modus
    - Monitoring nach Standard
    - Thoraxdrainagen auf Sog nach Anordnung, wobei jede Thoraxdrainage möglichst einzeln angeschlossen wird. Y-Verbindung zweier Drainagen nach Rücksprache.
    - Magensonde: Sog nach Anordnung, sonst normaler Ablaufbeutel. Die Magensonde ist im Bereich der Anastomose platziert. Kontrolle der Fixierung (s.u.). Beobachtung des Sekretes auf Menge, Farbe und Konsistenz. Ggf. Tonometriemessung (bei Fragen: OA Dr. Schröder), stdl. Dokumentation des Wertes in der Tageskurve
    - Tip: folgende Medikament werden bestimmt benötigt – Lasix 40mg, KCL 40 mval, Dopamin 250 mg

    Anastomoseninsuffizienz
    - Magensonde: absolut sichere Fixierung, Patient über Notwendigkeit der Magensonde aufklären, bei Durchgängigkeit Fixierung des Patienten nach Anordnung
    Magensonde auf Sog (nach Anordnung)
    - Beobachtung von thorakalen und abdomienellen Schmerzen
    - Zeichen einer Sepsis
    - Einbringen einer Drainage, ggf. Saug-Spül-Drainage
    - Operative Revision

    Pneumonie

    Begünstigende Faktoren für die Ausbildung einer Pneumonie sind:
    - vorbestehende Lungenerkrankungen/Nikotinabusus
    Bei vielen Patienten ist die Lunge vor allem durch Nikotinabusus vorgeschädigt. Trotz präoperativem Lungentrainings besteht eine starke Gefährdung.
    - Aspiration
    Bedingt durch die Regurtiation kann es präoperativ zur stillen Aspiration und somit zu einer Vorschädigung der Lunge kommen
    - Sekretverhalt im Bronchialsystem
    Bedingt durch Schmerzen und u.U. eines reduzierten Allgemeinzustandes fällt es den meisten Patienten schwer, das Bronchialsekret hochzuhusten. Erschwerend hinzu kommen Schwellung und trockene Schleimhäute im Mund-Nasen-Rachen-Raum bedingt durch die Folgen der Intubation als auch durch die Nahrungskarenz und einen unausgewogenen Wasser-Haushalt

    Respiratorische Insuffizienz

    Begünstigende Faktoren sind:
    - Intraoperativ Einlungenbeatmung
    - verminderte Ventilation durch Schmerzen
    Schmerzen vor allem im Thoraxbereich (mindestens zwei Thoraxdrainagen) verhindern eine ausreichende Ventilation der Lunge und fördern die Bildung von Atelektasen.

    Pflegerische Maßnahmen
    - Frühestmöglicher Übergang auf einen Spontanatemmodus und zügige Respiratorentwöhnung. Die postoperative Nachbeatmung beträgt zwischen 12-15 Stunden, um dem Patienten eine „Erholungsphase“ nach der recht langen Operation zu bieten.
    - Schmerzarme und atemerleichternde Lagerung und Wechsellagerung
    - Ausreichende Analgesie
    Nach Eingriffen im thorakalen Bereich ist der Einsatz von Opioiden angezeigt. Dabei ist zu beachten, dass der Patient weiterhin wach und kooperativ ist (sonst funktioniert das Atemtraining nicht mehr) und die Atmung ausreichen tief ist (atemdepressive Wirkung),
    - Atemtraining, Hustentraining, Atemgymnastik (Birdtherapie)
    - Frühestmögliche Mobilisation
    - Regelmäßige Mundpflege, Anleitung des Patienten zur selbständigen Durchführung, Voraussetzung dabei ist ein orientierter und kooperativer Patient, da eine strikte Nahrungskarenz gilt (und die Ösis haben so einen Durst)

    Der Wasserhaushalt

    Die meisten Patienten mit Ösophaguskarzinom kommen mit einem Albumin < 20 aus dem Op. Der Grund liegt zum einen am relativ schlechten Ernährungszustand, in dem sich die Patienten präoperativ befinden. Bei bestehender Alkoholkrankheit kann diese zum insgesamt schlechten Allgemeinzustand des Patienten beitragen. Dies mag eine Erklärung sein, warum bei einer positiven Bilanz eine erhöhte Neigung zum Lungenödem besteht.
    Daher gilt für alle „Ösis“: negativ bilanzieren.

    Herz-Kreislauf

    Bedingt durch das Operationsverfahren als auch aufgrund bestehender Vorerkrankungen wie KHK, kommt es bei „Ösis“ vermehrt zur TAA. Diese tritt meistens zwischen dem 5 – 7 postoperativem Tag auf. Wir reagieren folgenderweise auf diese Ereignis:
    - EKG schreiben
    - Herzenzyme und Troponin-T (je nach Arzt)
    - Nach Anordnung: 1 Amp. Inzolen (Arzt), 3 Amp. Magnesium (über 30 Min. im Perfusor), ggf. auch Substitution von Calcium
    - Aufdigitalisierung mit Novodigal

    Postoperative Psychose/Delir
    - Alkoholanamnese beachten
    - Ggf. adäquate Fixierung um eine Selbstgefährdung zu verhindern
    - Ggf. medikamentöse Therapie (Catapresan)
    - Kontrolle des Flüssigkeitshaushaltes

    Anmerkung:
    Diesen Vortrag halte ich im Rahmen der Fachweiterbildung Intensivpflege/Anästhesie. Die Quellen sind verschiedene Beiträge aus Büchern/Fachzeitschriften/Internet. Einige Angaben beruhen auf den Richtlinien, die in "meiner" Klinik vorgegeben sind. Und natürlich auch aus eigener Erfahrung.
     
  2. Rabenzahn

    Rabenzahn Poweruser

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    Hallo Dorothee, selten habe ich einen so schön und klar gegliederten Vortrag gelesen. Super Leistung und sehr informativ.
    Hut ab.

    Aber eine Frage sei mir gestattet.

    Werden diese Patienten nicht speziell gelagert um die Anastomosennähte zu entlasten ?
     
  3. Dorothee

    Dorothee Stammgast

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    Hallo Rabenzahn,

    eine spezielle Lagerung zum Schutz der Anastomosennaht ist nicht erforderlich. Zumindest wird bei uns keine angewandt und ich habe bisher keine Literatur gefunden, die eine spezielle Lagerung empfiehlt.
     
  4. Rabenzahn

    Rabenzahn Poweruser

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    Hallo Dorothee,

    ich habe nochmals gesucht und auch gefunden, dass bei diesen Eingriffen die Oberkörperhochlagerung empfohlen wird. Der Kopf sollte nicht überstreckt werden, um einen Zug auf die Anastomosennähte zu vermeiden.
     
  5. david

    david Senior-Mitglied

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    Hallo...

    Ich kenne zwar keine entsprechende Literatur, aber ich denke der Patient wird ohnehin die OK-Hochlage einfordern (eben wegen der Wundentlastung).
    Also genaugenommen denke ich es nicht nur, ich weiss es ;)

    +lg, david
     
  6. Dorothee

    Dorothee Stammgast

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    Hallo Rabenzahn,

    kannst Du mir mitteilen, wo genau Du zu diesem Thema fündig geworden bist?
    Danke im voraus.
     
  7. Rabenzahn

    Rabenzahn Poweruser

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    Darmerkrankungen

    Ileus:

    Def.:
    Darmverschluß durch ein mechanisches Hindernis oder Darmlähmung.

    Mechanischer Ileus:

    Ursache:
    Strangulation (Abschnürung) des Darmes von Außen (z.B. durch: Hernien, Briden), oder Verlegung des Darmes = Okklusionsileus (z.B. durch: Tumoren, Narben, Fremdkörper oder Invagination).

    Klinik:
    Heftige wehenartige Leibschmerzen, Erbrechen, Stuhl- und Windverhalt, Meteorismus, massive Darmgeräusche, Schocksymptome, evtl Koterbrechen (Miserere).

    Diagnostik:
    Typische Anamnese und klinisches Bild.


    Paralytischer Ileus:

    Ursachen:
    Thrombose oder Embolie der Darmgefäße, diffuse Bauchfellentzündung (Peritonitis) duch Eitererreger, Ulcusperforation, Gallenblasenperforation, akute Pankreatitis.

    Klinik:
    Leibschmerzen, Abwehrspannung, Blässe, Erbrechen, Meteorismus, Stuhlverhalt.

    Diagnostik:
    Darmgeräusche ausschlaggebend:
    -Bei mechanischem Ileus: verstärkte Darmgeräusche
    -Bei paralytischem Ileus: keine Darmgeräusche („Totenstille im Bauchraum“!)

    Therapie:
    Parenterale Ernährung, Entlastung durch Absaugen des Darminhaltes, OP!


    Sprue (Zöliakie beim Kind):


    Def.:
    Chronisch mit Fettstühlen und Malabsorbtion eingehgehende Dünndarmerkrankung.

    Ursache:
    Symptome durch Gluten-Unverträglichkeit ausgelöst (=Klebereiweiß in Weizen und Roggen).

    Klinik:
    Chronische Durchfälle mit Fettstühlen und Mangelerscheinungen. Fettmangel:
    - Gewichtsabnahme
    - Defizit an fettlöslichen Vitaminen,
    - Mangel an wasserlöslichen Vitaminen,

    Eiweißmangel:
    - Muskelschund,
    - Ödeme,
    - Eisen-,
    - Kalium-,
    - Kalziummangel.

    Diagnostik:
    Dünndarmbiopsie, Nachweiß einer Steatorrhoe (Fettanteilausscheidung im Stuhl)

    Therapie:
    Fettarme, glutenfreie Kost, parenterale Zufuhr von Vitaminen, Elektrolyte und Eisen.

    Morbus Crohn (Crohnsche Krankheit; Ileitis terminalis):

    Def.:
    Chronisch entzündliche Erkrankung, die vorwiegend den untersten Ileumabschnitt befällt, jedoch auch des gesamten Magen-Darm-Trakt betreffen kann.

    Ursache:
    Unklar, möglicherweise Immunkrankheit.

    Klinik:
    Meist jüngere Menschen, schubweise Schmerzen im re. Mittel- und Oberbauch, Durchfälle, Fieber, Gelenksschmerzen, Fistelbildung! Bei längerem Verlauf Malabsorbtionserscheinungen.

    Diagnostik:
    Röntgen, Endoskopie, Biopsie („Pflastersteinrelief“)

    Therapie:
    Im Akutstadium parenterale Ernährung, sonst Diät, Ballaststoffreich, Zuckerfrei.
    Kortikosteroide, Salofalk-Klysmen, evtl. OP (bei Fisteln, Perforation, Stenosen).

    Merke: Die Crohnsche Krankheit ist wegen ihrer Fistelbildung gefürchtet.


    Colitis ulcerosa:

    Def.:
    Unspezifische, meist chronisch rezidivierende entzündliche Erkrankung von Kolon und Rektum. Befall vorwiegend jüngere und intelligente Menschen.

    Ursache:
    Fam. Disposition, Nahrungsmittelallergie, Autoimmunprozesse, psychische Belastung.

    Klinik:
    Blutig-schleimige Durchfälle bis 20 x pro Tag, Eiterabgang, kolikartige Bauchschmerzen, Fieber, Gewichtsabnahme, Polyarthritis, Hauterscheinungen.

    Komplikation:
    Toxisches Megakolon!, Abszesse im Analbereich, Fistelbildung, Perforation, Anämie, paralytischer Ileus, Kolonkarzinom.

    Diagnostik:
    Endoskopie, Biopsie, Röntgenkontrastdarstellung.

    Therapie:
    Diät: Schlackenarme, kalorienreiche, leicht verdauliche Kost „Astronautenkost“.

    Kolondivertikel:

    Def.:
    Umschriebene Wandausstülpungen der Darmschleimhaut (vorwiegend im Sigma).

    Klinik:
    Erste Beschwerden bei Komplikationen wie: Entzündung, Abszesse, Perforation.

    Diagnostik:
    Kontrasteinlauf, Endoskopie.

    Therapie:
    Wärme, leichte Kost, milde Abführmittel, Antibiotika, evtl. OP.
     
  8. Rabenzahn

    Rabenzahn Poweruser

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    Kolonkarzinom:

    Def.:
    Bösartiger Dickdarmtumor.

    Ursache:
    Präkanzerose:
    - Colitis ulzerosa,
    - Morbus Crohn,
    - Kolonpolypen.

    Klinik:
    Uncharakteristische Frühsymptome, Darmblutungen, Schmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten, Meteorismus, Ileuszeichen, Subileus.

    Diagnostik:
    Endoskopie und Röntgen.

    Therapie:
    OP wenn möglich (meist li. oder re. seitige Hemikolektomie).


    Durchblutungsstörung der Mesenterialgefäße:

    Ursache:
    Vom Herzen ausgehende Embolie in den Mesenterialarterien, Thrombose von Mesenterialvenen.

    Klinik:
    Ernährungsstörungen der Darmwand, Schmerzen, paralytischer Ileus, Peritonitits, Schock.

    Diagnostik:
    Sehr schwierig! (Anamnese, RR, Labor, Röntgen, Sono)

    Therapie:
    Bei rechtzeitiger Diagnose, Resektion der betroffenen Darmabschnitte.


    Rektumkarzinom:

    Def.:
    Häufigster Dickdarmtumor, vorwiegend ab dem 6. Lebensjahrzehnt, Männer überwiegen.

    Ursache:
    Präkanzerose:
    - Kolitis ulzerose,
    - Polyposis.

    Klinik:
    Blutige Stühle, schmerzhafter Stuhlgang, abnorme Stuhlentleerung, Meteorismus.

    Diagnostik:
    Fingeraustastung des Rektums, Rektoskopie, Hämocult-test.

    Therapie:
    OP (Kolostomie: Anschliesend meist Anus präter erforderlich).


    Akutes Abdomen:

    Def.:
    Umschriebene oder diffuse Bauchfellreizung bzw. Entzündung.

    Ursache:
    Ileus, Appendizitis, Tubenruptur, Perforation, Mesenterialinfarkt.

    Klinik:
    Bauchschmerzen, Erbrechen, Abwehrspannung, Meteorismus, Schock.

    Therapie:
    Wichtig! Rechtzeitige Diagnostik der Ursache und Entscheidung zur Op
     

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