Krankmachende Pflege

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Berufspolitik" wurde erstellt von Online-Team, 18.11.2007.

  1. Online-Team

    Online-Team Poweruser
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    „Das solche Zustände in Deutschland möglich sind, ist ein Skandal“ Geschwüre, Abszesse, Stürze: Michael de Ridder, Leiter der Rettungsstelle des Klinikums am Urban, wird täglich mit Betreuungsmängeln konfrontiert


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    17.11.2007 0:00 Uhr


    17.11.2007 0:00 Uhr

    Es ist ein Fotoalbum, das niemand gerne sehen möchte. Michael de Ridder, Leiter der Rettungsstelle des Vivantes Klinikum am Urban in Kreuzberg, zeigt es trotzdem – um deutlich zu machen, wie Pflegemängel aussehen. In dem blauen Ordner sammelt er Bilder von pflegebedürftigen Patienten, die in den vergangenen Jahren ist seine Abteilung gebracht wurden. Fotos von Druckgeschwüren finden sich darin, Bilder von unbehandelten Abszessen oder auch von Menschen, die den Eindruck machen, tagelang nicht gewaschen worden zu sein.

    Herr de Ridder, zeigen diese Bilder Probleme, mit denen Sie tagtäglich konfrontiert werden?

    Manche dieser Fälle sind Extreme. Doch wir müssen täglich Menschen aufnehmen, weil ihre Pflege sie krank gemacht hat. Ich schäme mich, in einem Land zu leben, das jährlich rund 260 Milliarden Euro in sein Gesundheitssystem investiert, und in dem dann trotzdem solche Zustände möglich sind. Das ist ein Skandal.

    Was sind die häufigsten Pflegemängel, mit denen sie konfrontiert werden?

    Druckgeschwüre, Unterernährung, Flüssigkeitsmangel, Depressionen. Auch die Folgen von Stürzen müssen wir häufig behandeln. Diese haben übrigens nicht selten Medikamente als Ursache. Pflegeheimbewohner, die zehn oder zwanzig Präparate gleichzeitig erhalten, sind nicht schwer zu finden und besonders die häufig verschriebenen Entwässerungs-, Blutdruck- oder Beruhigungsmittel können zu Schwindel und dann Stürzen führen. Auch Infektionen durch Blasenkatheter oder Magensonden zur künstlichen Ernährung begegnen wir häufig – und das, obwohl die übergroße Mehrheit der 140 000 Pflegebedürftigen, die über einer Ernährungssonde versorgt werden, mit der nötigten Hilfe selbst Essen und Trinken könnten.

    Warum werden dann so viele Sonden gelegt?

    Für manche Heime ist eine solche Maßnahme bei Zeit- und Personalmangel schlicht der einfachere Weg. Eine große Zahl von Bewohnern mit Magensonden kann deshalb ein Hinweis auf mangelnde Pflegequalität sein. Mein Vorwurf gilt hier besonders manchem meiner Kollegen, die die Indikation zur Anlage einer Ernährungssonde bei weitem nicht streng genug stellen. Implantiert werden die Sonden dann von Gastroenterologen in Kliniken, und die verlassen sich häufig auf die Entscheidung eines nur kurz ins Heim bestellten Kollegen. Es kann aber nicht sein, dass Klinikpersonal – ohne zu prüfen – derart heikle Auftragsarbeiten erledigt.

    Hat sich an der Gesamtsituation in den letzten Jahren etwas geändert?

    Die Menschenrechtskommission des Bundestages hat bereits 2003 festgestellt, dass in der deutschen Altenpflege „strukturelle menschenrechtliche Defizite“ bestehen und eine „flächendeckende Gewährleistung der diskriminierungsfreien menschenwürdigen Grundversorgung“ nicht gewährleistet ist. An dieser Situation hat sich, wie der jüngste Bericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen zur Qualität der Heimpflege zeigt, wenig geändert.

    Was könnte getan werden, um die Situation zu verbessern?

    Ein erster Schritt wäre die Beschäftigung eines Arztes. Ob er fest angestellt wird, oder auf Vertragsbasis arbeitet, ist nachrangig. Entscheidend ist, dass er die Heimbewohner und ihren Zustand kennt und regelmäßig Besuche unternimmt. Bislang verfügen allerdings nur rund 15 Prozent aller Heime in Berlin über einen eigenen Arzt – das ist ein finanzielles Problem.

    Ein eigener Heimarzt muss extra bezahlt werden.

    Natürlich. Auf der anderen Seite könnten Pflegeheime mit einem Arzt aber auch Geld sparen. Wenn ein Mediziner im Hause ist, kann das Heim eine eigene Apotheke betreiben. Dann müssen nicht mehr für jeden Patienten die Medikamente einzeln und teuer eingekauft werden. Darüber hinaus könnten Ärzte die Zahl der Einlieferungen in ein Krankenhaus um ein vielfaches reduzieren. Derzeit sind 80 Prozent aller Einweisungen durch nicht medizinisch geschultes Personal völlig überflüssig. Dadurch entstehen enorme vermeidbare Kosten; und einem pflegebedürftigen Menschen tut man mit einem Transport auch nichts Gutes.

    Welche Vorteile versprechen Sie sich durch die Heimärzte noch?

    Ein Arzt könnte mit dafür sorgen, dass das Übermaß an Pflegedokumentation, das ganz zu Lasten der eigentlichen Pflege geht, eingeschränkt wird. Andererseits fehlen bei Klinikeinweisungen eines Pflegebedürftigen oftmals wichtige Informationen, wie zum Beispiel die Dokumentation des Krankheitsverlaufs, der Wünsche oder Befindlichkeiten des Pflegebedürftigen oder auch nur die Adressen von Angehörigen.

    Das Gespräch führte Moritz Honert

    Michael de Ridder ist Leitender Arzt der Rettungsstelle des Vivantes Klinikum am Urban in Kreuzberg. Zuvor war er unter anderem 15 Jahre als Notarzt tätig, vielfach auch in Pflegeheimen.

    Quelle: Aktuelle Nachrichten Meldungen - Berlin Nachrichten
     
  2. Pinguin

    Pinguin Junior-Mitglied

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    Es muss kein Arzt in einem Heim angestellt werden um den Selbstpflegebedarf eines Patienten festzustellen.
    Dazu gibt es Pflegepersonal!

    Das Heim soll den Kontolleur bezahlen und der soll unabhängig sein?
    Für Kontrollen gibt es deb MDK, der sollte endlich Personal und Sanktionspflicht
    mit gesetzlich festgelegter Verantwortung des Geschäftsführers des Heimes haben.
    Nur so kann genug Druck aufgebaut werden das endlich genug Personal eingestellt wird.
    Aber wir leben ja in Deutschland. wo so etwas totgeredet und als undurchführbar gebrandmarkt wird.
     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Besteht der MDK nicht auch zu einem großen Teil aus Ärzten?

    Was ist Pflegequalität? Wer legt sie fest? Und wer will sie bezahlen?

    Elisabeth
     
  4. Schwester Sonja

    Schwester Sonja Senior-Mitglied

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    ... arbeite in der Notaufnahme und Patienten, die einer Senioreneinrichtung oder Altenheim gestürzt oder aus dem Bett gefallen sind, stehen leider an der Tagesordung.

    Im Protokoll der Rettungsdienste heißt es nur noch Zustand nach Sturz im AH.

    Es heißt noch nicht einmal mehr:
    Herr ? stolperte im Seniorenzentrum? über einen Teppichläufer und zog sich eine Platzwunde zu und klagt über Schmerzen in der Hüfte, ... oder so etwas in der Art.

    Das alleine finde ich schon traurig.

    Schwester Sonja
     
  5. panki

    panki Senior-Mitglied

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    Immer wenn wir in diesem Forum auf "gefährliche" , "krankmachende" Pflege aufmerksam machen, kommen solche Antworten...
    Mir scheint, dass man sich auch gut hinter solchen Schlagwörtern wie "wer soll das bezahlen" oder "Pflegequalität" etc. verstecken kann, vor allem, wenn man nicht mehr an der Basis arbeitet, sondern in der Ausbildung oder dem Management arbeitet.
    Professionalisierung und Qualitätsmanagement sind schön und gut... Aber immer wenn ich darüber in Fachzeitschriften lese und auf Fortbildungen darüber höre, beschleicht mich ein ungutes Gefühl, wenn ich an die Realität im Pflegebereich denke.
    Kommt doch mal den Leuten auf einer völlig unterbesetzten Station mit "ausgelaugtem" Personal, die auch noch schleichend durch minderqualifiziertes Personal ersetzt werden, mit solchen Ansätzen...denen kommt das doch wie hohle Phrasen vor. Oder?
     
    #5 panki, 19.11.2007
    Zuletzt bearbeitet: 19.11.2007
  6. westend

    westend Junior-Mitglied

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    muss panki recht geben. Das sind hohle Phrasen und manchmal ist mir Elisabeth einfach zu provokant. Man kann nicht 7 Tage die Woche nur kämpfen und dann freudestrahlend nach 10 oder 12 Tagen in sein Frei gehen. Hallo?
    Schon mal die Realität gesehen. Alle reden nur. Das ist fast wie bei mir auf Station. Bloss nicht die Ursache bekämpfen, nur das momentane Symtom.
    Toll, kann ich da nur sagen. Wir bekommen auch oftmals Leute zur Reha aus Heimen, wo wir nur mit dem Kopf schütteln, aber zumindest verurteilen wir nicht gleich die Leute dort.

    Naja immer wieder zum aufregen...
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ah ja- was hast du bis jetzt in Angriff genommen zur Veränderung der Situation und nicht nur zur Symptomtherapie?

    Elisabeth
     
  8. westend

    westend Junior-Mitglied

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    Ich backe jedenfalls für mich erstmal kleine Fische und versuche bei mir im Haus etwas zu verändern. Meiner Meinung nach kann man nur im kleinen anfangen. Ich habe jetzt eine Pflegekommission mitbegründet, um die Arbeitssituation erstmal bei uns zu verbessern für die Pflege, denn leider sieht es in der Realität wirklich so aus, dass die Obrigkeiten zu weit weg sind vom geschehen. Sind schon einige gute Ansätze dabei rumgekommen. Im Gespräch ist auch das auszuweiten auf den ganzen Klinikverbund. Alles im Sinne von Mitarbeiterzufriedenheit und Qualität.
    Arbeite in einem privaten Kliniksverbund und dementsprechend brauche ich die Gewerkschaft nicht wirklich, da die hier keinen Einfluss hat. Nein wirklich nicht.

    Das ist für Dich vielleicht zu minimal, aber für mich ist es ein Anfang und wer weiß...
     
  9. pflegeschüler1988

    pflegeschüler1988 Poweruser

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    Hallo,

    auch bei uns in Mainz gibt es gerade einen Altenheimskandal!
    Unterernährung usw.
    Auf die Frage "Wer soll das bezahlen" kann ich nur sagen, wer mit dem financal term argumentiert hat seine Menschlichkeit verloren, wer mit dem real term argumentiert,nämlich täglich sieht wie dreckig und schlecht es einigen Menschen geht.
    Wenn Pflege krank macht stellt sie sich selbst in Frage.
    Wie man das verbessert? Stellt die Systemfrage(ihr kennt mich ja)!
    Die Kassen sind leer, nur hat sich der Reichtum in der BRD verdoppelt, ist halt die Frage wer den Reichtum besitzt.
    Mit moralischen Appellen kommt man nicht weiter, den der Kapitalismus hat
    keine Moral!
    Qualitätsmanagement als Waffe!!
    Bei uns in der Uni Klinik gibt es 2 halbe Stellen für Qualitätsmanagement, daran sieht man wie ernst es mit der Qualität gemeint ist.

    SG Martin
     
  10. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Alles muss klein beginnen... . Hauptsache es passiert überhaupt was und bleibt nicht in der Feststellung der Mißstände stecken.

    Elisabeth
     
  11. Rauber

    Rauber Senior-Mitglied

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    Angesichts der offensichtlichen "Kaputtspar- Politik" darf man sich nicht wundern, dass immer mehr Patienten schlecht versorgt werden.
    Ich hab zwar auch nicht die zündende Idee, woher das Geld kommen soll, aber so kanns nicht weitergehen! Überall in Deutschland werden Pflegestellen abgebaut. In den letzten jahren waren es 50.000 Stellen, die gestrichen wurden.:wut:
    Effizienz schön und gut.
    QM schön und gut.
    Führt das denn auch dahin, dass wir unsere Arbeit auch faktisch beweisbar machen können? Um dann auch mal wieder eine Planstelle mehr zu haben.
    Reicht es auch aus, die permanente Überarbeitung der Pflegekräfte nachzuweisen, und endlich diesen Missstand abzustellen?

    Ich arbeite gern in meinem Haus. Aber mir treibts echt die Tränen in die Augen, wenn ich von Kollegen aus den Niederlanden, der Schweiz oder anderswo höre. Was das arbeiten dort angeht, ist Deutschland nur noch Entwicklungsland !

    Schade Schade !!
     
  12. marianne013

    marianne013 Junior-Mitglied

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    Der Arzt muß bei liegender Sonde die Menge der zuzuführenden Nährlösung anordnen und das sind meist 1000ml Nährlösung, deckt also nicht ganz den Grundumsatz! Vielleicht sollte das in Berichten auch mal erwähnt werden?
     
  13. panki

    panki Senior-Mitglied

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    Zum Nachlesen ein Artikel aus der Berliner Zeitung vom 23.11.07:

    Verbände warnen vor Kollaps des Pflegesystems

    Mangel an Fachkräften führt zu gravierenden Missständen in der Pflege und katastrophalen Arbeitsbedingungen

    Daniel Baumann
    BERLIN. In Deutschland droht das Pflegesystem zu kollabieren. Davor warnten gestern der Deutsche Pflegerat, der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. "Stellenabbau und katastrophale Arbeitsbedingungen haben dazu geführt, dass schon jetzt nur noch die minimale körperliche Grundversorgung der Patienten garantiert werden kann", sagte Verdi-Vorstandsmitglied Ellen Paschke.
    DBfK-Geschäftsführer Franz Wagner betonte, dass nicht nur die Patienten litten, sondern auch die Pfleger. Es sei keine Seltenheit, dass einzelne Pflegekräfte gemeinsam mit Auszubildenden oder Zivildienstleistenden bis zu dreißig Patienten versorgen müssten. Notwendig seien drei bis viermal soviel Personal. Der Mangel an Fachkräften führe nachweislich zu höheren Zahlen an Todesfällen, Fehlbehandlungen und Pflegemissständen, sagte Wagner. "Die Pfleger brennen aus, sie können ihre ethischen und qualitativen Standards nicht mehr erfüllen. Mit Stellenabbau muss jetzt Schluss sein."
    Dass sich dieser Wunsch nicht so schnell erfüllen wird, zeigt eine Studie des Deutschen Krankenhausinstituts der Universität Düsseldorf. Derzufolge bauen vierzig Prozent der Kliniken in diesem Jahr Stellen beim Pflegepersonal ab. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Pfleger in Krankenhäusern seit 1995 um 13,8 Prozent auf 302 346 gesunken. Das bedeutet ein Verlust von 48 225 Arbeitsplätzen. Davon seien 18 000 allein in den letzten zwei Jahren weggefallen.
    Gleichzeitig ist die Zahl der Behandlungen von 15,9 auf 16,8 Millionen gestiegen. Hinzu komme, dass Pfleger immer öfters Aufgaben von Ärzten übernehmen würden, sagte Wagner. Dazu gehöre die Blutabnahme, das Setzen von Spritzen und zunehmend Röntgenaufnahmen. "Die Pfleger sind bereit, diese Aufgaben zu übernehmen, wenn sie dafür ausgebildet und bezahlt werden und wenn mehr Personal eingestellt wird", sagte Wagner.
    Auch in den Altenpflegeheimen muss die Zahl der Pflegekräfte laut Paschke kräftig steigen: "Für Zuwendung bleibt dort keine Zeit mehr, die Pflege ist zur Fließbandarbeit geworden". Nach ihren Angaben wird die Zahl der Heimbewohner bis 2050 von heute 677 000 auf 1,7 Millionen steigen, alleine dafür werde in den nächsten zwanzig Jahren doppelt soviel Personal benötigt. Die Gewerkschafterin kritisierte, dass in den letzten Jahren über 10 000 Ausbildungsplätze weggefallen seien. "Zudem entscheiden sich gut ausgebildete junge Menschen immer seltener für eine Ausbildung zur Pflegekraft", sagte Wagner.
    Ein Grund dafür ist laut Verdi auch die schlechte Bezahlung: Zwanzig Prozent aller Beschäftigten erhielten nur 4,50 bis 5,00 Euro brutto pro Stunde. "Auch die Pflegebranche ist ein Fall für den Mindestlohn", sagte Paschke. Drei Monate lang sollen nun Unterschriften von Pflegern, Patienten und Angehörigen gesammelt werden, um auf die Lage aufmerksam zu machen. Diese sollen dann Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben werden. "Die Pflege muss zur Chefinsache gemacht werden", forderte Wagner.
    Berliner Zeitung, 23.11.2007

    Verbände warnen vor Kollaps des Pflegesystems - Wirtschaft - Berliner Zeitung
     
  14. Rauber

    Rauber Senior-Mitglied

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    Ich für meinen Teil hab mich entschieden, was zu tun. Auch wenn ich allein nicht viel tun kann.
    Aber mit vielen kleinen Schritten und Geduld ist auch schon so manches gewonnen worden.
    Und wenn noch mehr so denken, sollte es doch irgendwann möglich sein, auch mal geschlossen und öffentlich den Mund aufzumachen.
    Solange das Jammern nur in den Abteilungen bleibt, wird sich nichts ändern.
    und wir haben es eben auch selbst in der Hand, wie unsere berufliche Zukunft aussehen kann.
     
  15. Brady

    Brady Gast

    Hallo Rauber,

    ich habe mich auch entschieden was zu tun. Auch wenn es so aussichtslos erscheint und wenn andere es wichtiger halten bunte Arbeitsschuhe auszusuchen, gebe ich nicht auf*gg*.

    Steter Tropfen höhlt den Stein, auch wenn es für mich nur ist und ich daran glaube, so ist es auch meine Haltung und die ich vertrete in allem was ich tue.

    Liebe Grüße Brady
     
  16. Rauber

    Rauber Senior-Mitglied

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    Angestellter
    Prima, damit wären wir schon zwei ! :hicks:
    Aso lets rock the Rhein- Region !
    aber Spaß beiseite.

    Es geht um unsere Interessen,
    auf die wir zusammen auch einwirken können.:nurse:
    die Ärzte vor ein paar Jahren haben es geschafft, die Lokführer kriegen es wohl auch hin.
     
  17. Flocky

    Flocky Junior-Mitglied

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    Köhn Schleswig Holst
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    Es tut mit leid aber
    :gruebel:
    was haben sie geschafft - haben sicht die Arbeitsbedingungen für die Ärzte verändert nur weil sie ein paar Euro mehr in der Tasche haben . Die einzigen für die es sich zumindets finanziell gelohnt hat sind die Oberärzte . Und was ist da das Ergebnis , bei uns in der Abteilung gibt es nur noch einen Oberarzt , die andern beiden sind als Fachärzte angestellt , das heisst die machen faktisch die gleiche Arbeit, werden aber deutlich schlechter bezahlt.Ist nur ein Beispiel am Rande.

    und was bitte schön sind unsere Interessen - wenn ich hier und in anderen Foren die Diskussionn verfolge frage ich mich das immer mehr .
    Laßt uns doch mal ne Art Braistorming machen
    " Was will Pflege eigentlich" ? :gruebel:

    ich bin wirklich neugierig was dabei rauskommt
    Flocky
     
  18. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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