News Krankenkassen riskieren Pflegenotstand in Kliniken

Ute

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03.11.2005

KRANKENKASSEN RISKIEREN PFLEGENOTSTAND IN KLINIKEN

DKG und DPR zum Scheitern der Verhandlungen mit der GKV zu Richtwerten für Ausbildungsplatzkosten

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Deutsche Pflegerat (DPR) haben das Scheitern der Verhandlungen der Selbstverwaltungspartner zu Richtwerten für die Kosten von Ausbildungsplätzen im Krankenhaus scharf kritisiert. DKG-Hauptgeschäftsführer Jörg Robbers betonte, die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die Private Krankenversicherung (PKV) hätten das Scheitern offensichtlich bewusst provoziert, indem sie es kategorisch ablehnten, über detaillierte und nachvollziehbare Richtwert-Vorschläge der DKG und des DPR zu verhandeln. Stattdessen hätten die Kostenträger auf ihrem inakzeptablen, da inhaltlich widersprüchlichen, Angebot beharrt. Robbers wies darauf hin, dass die Richtwert-Vorschläge der Kassenseite wesentliche Kostenbestandteile der Ausbildungsstätten unberücksichtigt gelassen hätten.

Die Präsidentin des DPR, Marie-Luise Müller, warnte: „Qualifizierte Pflegeausbildung gibt es nicht zum Nulltarif. Hilfebedürftige Menschen – und diese nehmen zu – haben ein Recht auf sichere und angemessene Pflege. Wer den Krankenhäusern, die sich verantwortlich der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe verpflichten eine realistische Finanzierung verweigert, provoziert vorsätzlich die Unterversorgung und den Pflegenotstand“. Der DPR habe sich verantwortlich zur konstruktiven Zusammenarbeit für bundeseinheitliche Richtwerte ab 2006 bereit erklärt. Die gemeinsam mit der DKG erzielten Ergebnisse seien realistisch und orientierten sich an den gesetzlichen Vorgaben, so Müller weiter.

Der DKG-Hauptgeschäftsführer machte deutlich: „Die Kassenseite verfolgt die Strategie, durch die Verhinderung von bundesweiten Richtwerten, bei den Budget-Verhandlungen mit dem einzelnen Krankenhaus Druck auszuüben, um niedrigere Werte zu erzielen. Durch die fehlenden Richtwerte sind die Schulen in den Krankenhäusern dann ernsthaft gefährdet, sich selbst zu tragen.“ Dies beträfe insbesondere die Kosten der Ausbildungsstätten und die zwangsläufigen Mehrkosten, die seit dem Jahr 2005 aufgrund der gesetzlichen Vorgaben entstehen.

Robbers bezeichnete die Verhandlungstaktik der Krankenkassen als nicht verantwortbar. Wenn die Finanzierung der Ausbildung auf Dauer nicht kostendeckend sei, müssten sich viele Träger über kurz oder lang aus der Ausbildung verabschieden. Die Folgen seien ein drastischer Kapazitätsabbau bei den Ausbildungsplätzen und eine Verschlechterung der Ausbildungsqualität. Vor dem Hintergrund des zunehmenden Bedarfs an Patientenversorgung aufgrund der Überalterung der Gesellschaft hätten die Kassen daher ein fatales Signal gesetzt. Die Haltung der Krankenkassen sei völlig kontraproduktiv, da hierdurch das Ziel, auch zukünftig ein bedarfsgerechtes Angebot an qualifiziertem Personal sicherzustellen, massiv gefährdet werde. Ein Mangel an ausgebildeten Fachkräften betreffe das gesamte Gesundheitswesen, da die Kliniken auch für viele andere Bereiche mit ausbilden. Die Krankenhäuser als Träger der Ausbildungsstätten müssten in die Lage versetzt werden, mit einer auskömmlichen Finanzierung ihre Aufgabe zur Nachwuchsausbildung wahrzunehmen.

Die gesonderte Finanzierung der Ausbildungsstätten ist durch die Einführung der fallpauschalierten Finanzierung im Krankenhaus erforderlich geworden. Mit den DRG-Fallgruppen (DRG:Diagnosis Related Groups) werden seit dem Jahr 2005 im Gegensatz zur früheren Finanzierungsform keine Ausbildungskosten mehr abgegolten. Der Gesetzgeber hat den Selbstverwaltungspartnern die Aufgabe erteilt, Richtwerte für die Kosten der Schulen im Krankenhaus zu vereinbaren. Diese umfassen die Aufwände zur Ausbildung in den nicht-ärztlichen Berufen – im wesentlichen die Berufe der Gesundheits- und Krankenpflegerin/des Krankenpflegers, der Hebamme, der Krankenpflegehelferin und der medizinisch-technischen Assistentin. Nachdem in diesem Jahr die Ausbildungskosten aus den Klinikbudgets ausgegliedert und eigenständige Ausbildungsbudgets gebildet werden mussten, ist vom Gesetz künftig eine Angleichung dieser individuellen Ausbildungsbudgets an Richtwerte vorgesehen, welche von den Selbstverwaltungspartnern (DKG und GKV/PKV) ermittelt werden sollen.


Quelle: www.dkgev.de
 

Elisabeth Dinse

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Wer übernimmt und bezahlt dann die hochqualifizierten Pflegekräfte?

Bedarfsgerechte Ausbildung würde für mich nicht gleichbedeutend sein mit dreijähriger Ausbildung. Und überhaupt, was meint der DPR eigentlich mit professionelle Pflege? Wo kann man die Pflegedefinition einsehen? Soweit mir bekannt, kann doch niemand sagen, was gemeint ist: Grundpflege und Behandlungspflege. Was ist der Inhalt der Behandlungspflege? Ist mit Grundpflege Essen reichen, waschen und Inkontinenzmaterial wechseln gemeint?

Elisabeth
 

SUNNY-SZ

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Hallo Elisabeth,
mit Grundpflege ist gemeint: waschen und kleiden, Toilettengänge, Nahrungs-+ Flüßigkeitszufuhr, Betten/lagern... Behandlungspflege: Tbl.Gabe, RR+BZ- Kontr., Injektionen s.c.+i.m., Kompressionsstrümpfe an-ausziehen...

MfG, Sonja
 

Elisabeth Dinse

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Und warum bedarf es für diese von dir aufgeführten Tätigkeiten eine spezielle Ausbildung?
"waschen und kleiden, Toilettengänge, Nahrungs-+ Flüßigkeitszufuhr, Betten/lagern... "... das kann jeder ohne spezielle Ausbildung. Früher hats die Hausfrau auch gekonnt.
"Tbl.Gabe, RR+BZ- Kontr., Injektionen s.c.+i.m., Kompressionsstrümpfe an-ausziehen"- auch dafür brauchts keine dreijährige Ausbildung. Jeder Zivi/ FSJler übernimmt diese Tätigkeiten nach kurzer Unterweisung.

Ich kann keinen Grund finden in deinen Angaben, die eine teure Qualifikation von Pflegekräften begründen würde. Mit diesen Argumenten werden wir den Krankenkassen kaum Geld entlocken können.

Elisabeth
 

narde2003

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Hallo Elisabeth,

was soll dann die vollexaminierte Pflegekraft deiner Meinung nach machen?

Grundpflege die PH, Behandlungspflege die KPH

Administratives vtl. die Arzthelferin

verstehe ich dich richtig?

Schönes WE
Narde
 

Elisabeth Dinse

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So haben wir es doch mittlerweile aussenstehenden vorgelebt. Und das kommt jetzt als Bumerang zurück. Vielleicht wachen jetzt einige Kollegen auf... aber es ist leider bereits 5 Minuten nach 12.

Unser PD wollte in unserem Haus ein festes Standbein für Pflegekräfte begründen. Sie sollten sich intensiv um die Koordinierung des Pflege- und Behandlungsprozesses kümmern, Pflege sichtbar machen im Pflegeprozess, Verantwortung übernehmen. Aufgabe sinnvoll delegieren: einfache Grundpflege abgeben, Pflegetherapie selber durchführen bzw. andere anleiten zur Übernahme dieser Aufgaben.
Die Resonanz ist fast null. Als wichtig wird von den Pflegekräften erachtet, ärztl. Tätigkeiten zu übernehmen. Grundpflege/ BehandlungsPFLEGE wird im Akkord durchgeführt- Hauptsache die Zeit reicht für BE, i.v. Spritzen, aufwändige Verbände. Alles was nicht "niveauvoll" ist, wird an "ungelerntes" Personal (Azubis, Zivi, FSJ, Praktikant) delegiert. Und alles wird begleitet vom ewigen Jammern nach mehr examinierten Pflegepersonal. Wozu brauche ich es denn, wenn Pflege eh vom "Hilfspersonal" übernommen wird? Wenn Pflegekräfte lieber Arzthelfertätigkeiten übernehmen braucht man dafür nun mal nicht zig Pflegekräfte, sondern eine begrenzte Anzahl. Und diese begrenzte Anzahl muss eigentlich nur die technischen Fertigkeiten für diese "wertvollen" Tätigkeiten besitzen- Arzthelferin sein.

Grundpflege die PH, Behandlungspflege die KPH

Administratives vtl. die Arzthelferin
Die Realität haben wir uns längst geschaffen. Und die Politik bedankt sich dafür... nur nicht bei uns.

Elisabeth
 

narde2003

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Hallo Elisabeth,

was ist an an Blutentnahmen und i.v. Spritzen so toll?
In meinen Augen ist dies eine ärztliche Tätigkeit, eine recht unbeliebte sogar, diese wird gerne deligiert, warum wohl?

Warum aber machen es die PK eigentlich so gerne? Kann ich leider nicht beantworten.

Ich sehe Pflege als mehr wie "satt und sauber". Ich persönlich bin der Meinung wir haben andere Aufgaben als ärztliche Hilfstätigkeiten.
Wir mischen uns nicht ein in die Entscheidungen der Ärzte (z.B. wie operiere ich bei Frau X. die Galle), genausowenig hat sich der Arzt darin einzumischen wie ich die Pflege bei Frau X. zu planen und durchführen habe.

Wenn die Hausfrau die Pflege wieder übernehmen möchte, können wir ja richtig sparen und brauchen keine exam. PK mehr.

Vtl. sollte doch der Barbier wieder wie früher das operieren übernehmen, der konnte es doch genauso gut, oder?

CU
Narde
 

Elisabeth Dinse

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Ich sehe Pflege als mehr wie "satt und sauber". Ich persönlich bin der Meinung wir haben andere Aufgaben als ärztliche Hilfstätigkeiten.
Wir mischen uns nicht ein in die Entscheidungen der Ärzte (z.B. wie operiere ich bei Frau X. die Galle), genausowenig hat sich der Arzt darin einzumischen wie ich die Pflege bei Frau X. zu planen und durchführen habe.
Dieser Ansicht ist allerdings nur ein geringer Teil der Pflegekräfte an der Basis.

Wenn die Hausfrau die Pflege wieder übernehmen möchte, können wir ja richtig sparen und brauchen keine exam. PK mehr.
Genau meine Meinung: die Politik dankt es uns, dass wir uns selbst überflüssig gemacht haben. Und nicht nur die Politik- in der Regel ist die Bevölkerung der gleichen Meinung, wenns ums bezahlen von Pflegetätigkeiten geht. Da kann die ambulante Pflege bestimmt ne Menge zu sagen.


Elisabeth

PS Irgendwie reagiere ich bei diesem Thema wohl ein bischen über. Aber der Frust braucht manchmal ein Ventil.
 

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