Krampfanfall

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Neurologie / Neurochirurgie" wurde erstellt von Silvana, 26.05.2002.

  1. Silvana

    Silvana Senior-Mitglied

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    Hallo ihr Lieben!

    Ich habe auf meiner Station eine rege Diskussion in Gang gebracht,und mich würden eure Meinungen mal interessieren.

    Folgender Fall:
    Verlegung einer Patientin von Intensiv nach erfolgreicher Reanimation bei Dialyse zwei Wochen vorher.Patientin hat bereits mehrfach in den zurückliegenden Jahren Krampfanfälle gehabt.
    Auf den Hinweis einer Kollegin,ich müsse noch ein "Krampftablett" richten,kam es zur Diskussion zwischen mir als Frischexaminierte und meiner Kollegin als langjährig erfahrene Schwester.
    Wie ich es gelernt habe:
    Den Pat. vor Verletzungen schützen,alle Gefahrenquellen aus dem Weg räumen,den Doc informieren,Notfallkoffer holen lassen,die Länge des Krampfanfalls messen,und nur dann aktiv eingreifen,wenn es zu einer Atem- und/oder Kreislaufinstabilität oder einem Staus epilepticus kommt.
    Erst nach dem Ende des Krampfanfalls kommen Medikamente etc. ins Spiel.
    Von daher brauche ich ja auch kein"Krampftablett".Auf dem befindet sich laut meiner Kollegin ein Beißkeil,den sie dem krampfenden Pat. in den Mund schieben möchte und Diazepam,daß ihrer Meinung nach zur Beendingung des Krampfanfalls vom verständigten Arzt noch während des Krampfes zu geben sei.

    Wie handhabt ihr das denn auf Station?Gibt es dieses Krampftablett dort auch?

    Bin echt gespannt.
    Liebe Grüsse,Silvana
     
  2. david

    david Senior-Mitglied

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    Hi Silvana...

    Habe das auch so gelernt wie du und habe weder auf meiner neurologischen noch auf meiner neurochirurgischen Bettenstation so eine 'Tasse' erlebt. Wichtig für unsereins ist die genaue Beobachtung, Hinzuziehen eines Arztes und Verletzungsgefahr minimieren.

    Es wird allerdings - wenn es zu einem Krampfanfall kommt - schon medikamentös eingegriffen (wenn es sich zeitlich überhaupt ausgeht). Es wird aber frisch hergerichtet.
    Wenn der Pat. aber gekrampft hat, bleibt für diesen Tag der eventuell verbliebene Rest in der Spritze in Bettnähe liegen um es schneller bei der Hand zu haben.

    +lg, david
     
  3. Skraal

    Skraal Senior-Mitglied

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    Auf der neurochirurgischen Station, auf der ich gerade war, wurde es so gehandhabt:
    Vor Verletzungen schützen, Artz informieren, Krampftablett holen, Valiumrektole geben, Dauer messen, i.v. Medikamente auf ärztliche Anweisung (die spritzt der Arzt natürlich - streng nach Gesetz!:roll:)
    Beißkeil wird nichtmehr verwendet, weil der Patient meistens eh krampft bevor man ihm einen Keil verabreichen kann.
    Das Diazepam bzw. Rivotril beenden den Krampfanfall vorzeitig. Nach einem Krampfanfall (Akut-)Medis zu geben, gibt für mich keinen Sinn.
    Natürlich muss die Krampfschwelle angehoben werden, mittels Tegretal oder ähnlichem (Prophylaxe).
     
  4. Micky

    Micky Gast

    Hallo Silvana,
    habe gerade Deinen Beitrag gelesen. Ich arbeite seit 2 1/2 Jahren auf einer Epilepsiestation und kann Dir nur schreiben, wie wir es handhaben.
    Sicher wird bei uns kein Beißkeil mehr verwendet, da man zum Einen keine Chance mehr hat, ihn zu verwenden und auch die Gefahr einer Erstickung durch eine zurückgedrängte Zunge bestehen würde.
    Sicher steht im Vordergrund die Sicherheit des Patienten bzgl. Verletzungsgefahr, freie Atmung etc. Kommt ein Anfall innerhalb von 3 min. zur Besserung oder gar zum Ende, wird bei uns nichts weiter verabreicht. Antiepileptika sind meist grundsätzlich verordnet. Sollte der Anfall über 3 min dauern, wird entweder eine Rectiole Diazepam 10 mg oder eine Tabl. Tavor expidet 2,5 mg oral verabreicht (löst sich in der Backentasche auf), damit der Anfall unterbrochen werden kann. Das muß geschehen, da so ein Anfall extrem anstrengend für den Körper ist. Valium i.v. wird nur in den allerwenigsten Fällen verabreicht, da die Gefahr einer Ateminsuffizienz schnell gegeben ist und wir dadurch auch schon einen Notfall hatten. Wie gesagt, kommt nur sehr, sehr selten vor. Nach einem Anfall erholen sich unsere Patienten meist in einer absehbaren Zeit wieder.
    Ich hoffe, Dir damit geholfen zu haben. Schreib mir, wenn Du noch mehr wissen willst.
    Viele Grüße, Micky
     
  5. homunkuli

    homunkuli Newbie

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    erstmal tschuldigung, das ich zu einem thema schreibe, das jetzt seit 2002 im forum steht...
    aber ich wollte folgendes loswerden: ich arbeite auf einer neurochirurgische station und wir handhaben das ganze thema so: es reicht schon aus das patienten eine anfallsanamese haben (auch wenn sie mit antikonvulsiva seit jahren anfallsfrei waren) platzieren wir im zimmer ein anfallstablett bestehend aus: material für venösen zugang, diazepan rectiolen (5 und 10 mg), sowie valium und rivotril i.v. ampullen (nicht aufgezogen). (sauerstoffanschlüsse und sets sind bei uns in jedem zimmer serienmässig)
    damit haben wir schon die wichtigsten medikamente im zimmer, und müssen nicht noch den patienten verlassen, den man während eines anfalls ja eher sichern soll, als medikamente zu holen und damit ist einfach zeit für den patienten gewonnen...
    notfall team wird bei uns vorerst nicht gerufen, dafür aber (dienst-)arzt, notfallteam kommt maximal auf weisung des arztes,wenn patient in einen status rutscht
     
  6. Dirk

    Dirk Stammgast

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    Hallo !

    So gut ich diese "Notfalltabletts" auch finde,l aber was machen die armen Patienten, wenn sie denn zuhause mal krampfen ?
    Oder was macht Ihr bei Patienten, die nachts schnarchen (Schlafapnoesyndrom)?
    Ich denke, Vorsicht ist sicher gut, aber man muss es doch icht übertreiben - oder ?

    Liebe GRüsse

    Dirk
     
  7. homunkuli

    homunkuli Newbie

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    @ dirk:
    nun zu hause sieht die situation wieder anders aus, da muss ich dir recht geben, da hängt einfach viel von der compliance des patienten und dessen umfeld aus...

    aber wir sind auf einer akutstation, auf der patienten häufig zuerst durch einen krampfanfall auffällig werden oder postoperativ erhöht anfallsgefährdet sind, und da ist es notwendig (weil zeitersparniss und vor allem sichernd für den patienten) die wichtigsten dinge im zimmer zu haben

    und was haben schnarchende patienten mit krampfanfallen zu tun, sicher wenn jemand post-op schnarcht oder auffälligkeiten in der atmung zeigt, dann ist es sowieso zeit genauer hinzusehen und notfalls zu wecken und zu kontrollieren....
     
  8. sisterNic

    sisterNic Stammgast

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    Krampftablett??

    Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen..

    jetzt haben wir 2005 und ich würde mich freuen, wenn die mehr oder weniger frisch Examinierten unter Euch doch mal schreiben, wie des heutzutage gehandhabt wird.

    Ich selbst habe 2001 mein Examen gemacht (98 begonnen) und wir haben von einem Krampftablett michts mehr gelernt.

    Gibt es bei euch sowas noch??

    Der Beisskeil ist meist eh nicht rechtzeitig einzusetzen, und wenn man es dann mit aller Gewalt versucht, kann man dabei die Zähne abbrechen, und des muss ja nun nicht sein.
    Diazepam-Rectiolen haben wir uns als Pflegepersonal damals eingebildet, vor allem im Wachbreich.
    Und ansonsten habe ich immer eine 5mg-oder 10mg Rectiole in der Kitteltasche drin..

    Und Spritzen und ähnl. haben wir nie in den Zimmern, da wir auch ab und zu Pat. haben,die durchdrehen:schraube: und dann mit allem hantieren,was einem so in die Quere kommt... :kloppen:

    Den Arzt holen wir immer, den Notfallkoffer so gut wie nie..
    Es sei denn,es wird ein Status draus mit Atemstillstand oder ähnl.

    LG, Nic..
     
  9. LucyInTheSky

    LucyInTheSky Junior-Mitglied

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    Also wir haben auch nichts mehr von einem Krampftablett erfahren, aber ich muß dazu sagen, dass ich auch nichts vom Diazepam wußte bis ich auf meiner EXAMENSSTATION(!) die Dinger überall an den Wänden festgeklebt sah (Geronto) und doof fragen mußte, was das denn soll.......
    Tja so is das......
     
  10. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Wir haben gelernt: Pat krampfen lassen, lediglich beobachten/überwachen. Beißkeil ist obsolet, da mehr Schaden angerichtet wird als ohne - es sei denn man würde vor dem ersten Zubeißen den keil reinkriegen, aber das wird wohl sehr selten der Fall sein :-)
     
  11. sisterNic

    sisterNic Stammgast

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    ja..
    meist kommt man ja hinzu, wenn es schon begonnen hat :D
     
  12. sveni

    sveni Newbie

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    Also bei uns gibt es eine Krampfschale noch. Bei jedem Krampfanfall geben wir Diazepam als Rektiole oder i.v. Beisskeil gibt es nicht mehr.

    Sveni
     
  13. Cystofix

    Cystofix Poweruser

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    Moin,

    Beisskeile haben wir alle weggeschmissen - aus dem von Maniac genannten grund...zur Not täte es auch ein Guedel-Tubus.

    Wenn bei uns einer krampft, bekommt er meist etwas Diazepam i.v. - in unseren ITS-Zimmern steht überall ein Wagen, in dem auch die gängisten Medikamente zu finden sind und aufgezogen isses schnell.

    Die Rectiolen hab ich zwar während meiner Ausbildung mal irgendwo gesehen, die gibbet bei uns im Haus allerdings nicht.

    Cys
     
  14. ls.stone

    ls.stone Newbie

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    Krampftablett haben wir irgendwo,Diazepam ist wichtig und gibt man bei uns direkt.den rest würd ich so machen wie du
     
  15. himmlische schwester

    himmlische schwester Junior-Mitglied

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    habe 2003 im praktischen ein krampftablett richten müssen,allerdings stand das im schwesternzimmer. i.v.-kram und rektiolen,sonst nichts.

    bei uns auf der neuro ist das nicht der fall.teilweise haben die leute entweder vagusstimulatoren...war mir ganz neu (inplantiert wie pacer), soll den anfall verkürzen bzw beenden. sonst arbeiten wir erstmal mit dem dienstarzt und der will meist eh diazepam rec. wobei das ja auch sinnvoll ist...sofern es einem nicht sofort wieder entgegenkommt :lol1:
    i.v selten,...eigentlich nur im status.
     
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