Keine Wiederbelebung im Altenheim?!

H

Hülsi

Gast
[FONT=Verdana, Arial, Helvetica, Geneva, sans-serif][SIZE=-1][SIZE=+1]Heute im Spiegel online gelesen :
Ärzte wollen Wiederbelebung von Alten einsparen
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Von Markus Becker

Sollten Seniorenheim-Bewohner nach einem Herzinfarkt nicht mehr wiederbelebt werden, um Kosten zu sparen? Britische Mediziner haben diese These jetzt in einem renommierten Fachblatt vorgestellt.
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Hantiert man mit einem explosiven Argument, können nüchterne Zahlen zur Entschärfung beitragen, müssen sich Simon Conroy und seine Kollegen gedacht haben. Höchstens sechs Prozent der Bewohner von Altenheimen, das besage die Statistik, überleben eine Herz-Lungen-Wiederbelebung. Die meisten litten anschließend an Hirnschäden. In Krankenhäusern betrage die Überlebensquote immerhin 14 Prozent.


[/SIZE][/FONT] [SIZE=-2]Altenheim-Bewohnerin mit Pfleger: Kann auf Wiederbelebung verzichtet werden?[/SIZE]

[FONT=Verdana, Arial, Helvetica, Geneva, sans-serif][SIZE=-1]Deshalb müsse man ernsthaft überlegen, ob man in den Seniorenheimen überhaupt noch generell Opfer eines Herzstillstands wiederbeleben sollte - oder das dafür erforderliche Geld und Personal nicht besser anderswo einsetzt, schreiben Conroy und seine Kollegen im renommierten "British Medical Journal".

Conroy, der am Queen's Medical Centre in Nottingham lehrt, und seine Kollegen schlagen eine Doppelstrategie vor, die sich einerseits auf Pflegeeinrichtungen und andererseits auf deren Bewohner bezieht. In manchen Seniorenheimen etwa könne man darüber nachdenken, grundsätzlich keine Wiederbelebungsmaßnahmen mehr anzubieten. Denn das Personal und die entsprechende Ausbildung kosteten die Institutionen Geld, das an anderer Stelle zur Steigerung der Qualität eingesetzt werden könne.

Den potenziellen Bewohnern des Heims könne man die "Hauspolitik der Nicht-Wiederbelebung" vorher mitteilen. "Sie könnten sich dann überlegen, ob sie akzeptieren oder ablehnen", heißt es in dem Artikel. Wie man sich das in der Praxis vorstellen soll, erläutern die Mediziner freilich nicht - etwa die möglichen juristischen Folgen, sollte eine Pflegekraft in einem Seniorenheim einem sterbenden Bewohner die Hilfe verweigern.

[/SIZE][/FONT][FONT=Verdana, Arial, Helvetica, Geneva, sans-serif][SIZE=-1]In manchen Einrichtungen wie etwa städtischen Krankenhäusern könne man natürlich nicht grundsätzlich Wiederbelebungsmaßnahmen ausschließen, räumen auch Conroy und seine Kollegen ein. Deshalb sollten Mediziner vor der Lebensrettung die Erfolgschancen abschätzen, auch wenn es dabei, wie die Autoren einräumen, an Präzision mangeln könnte.

Komme man aber zu dem Schluss, dass die Erfolgschancen niedrig seien - "vielleicht weniger als zwei oder fünf Prozent" - könne man "ohne weitere Diskussion" entscheiden, auf eine Wiederbelebung zu verzichten, "es sei denn, der Heimbewohner oder Patient verlangt danach". Nur wenn die Erfolgsaussichten höher seien, solle man grundsätzlich wiederbeleben. Aber dies auch nur, wenn der Patient sich nicht vorher dagegen ausgesprochen habe.

Der Tübinger Medizinethiker Urban Wiesing bringt nur wenig Verständnis für die Argumentation seiner britischen Kollegen auf. Ob ein Mensch wiederbelebt wird, könne sich nicht danach richten, in welchem Seniorenheim er wohne. "Das ist völlig inakzeptabel", sagt Wiesing im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Damit würde man die individuellen Bedürfnisse der Patienten missachten."

Eine grundsätzliche Diskussion darüber, welche Behandlungsformen angebracht sind und welche nicht, hält Wiesing für durchaus wünschenswert - auch wenn es um die Frage der Wiederbelebung geht. "Das muss man aber äußerst behutsam und einfühlsam mit den Patienten besprechen", betont der Vorsitzende der Zentralen Ethikkommission der Bundesärztekammer. "Ob jemand in einem staatlichen oder privaten Heim liegt, darf kein Kriterium sein."
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[FONT=Verdana, Arial, Helvetica, Geneva, sans-serif][SIZE=-1]Was haltet ihr davon ? Seit ihr auch so entsetzt !? Wie war das...."sozialverträgliches Frühableben".... Manchmal kann ich nur den Kopf schütteln ...oder laut schreien ...
und manchmal fehlen einem glatt die Worte....
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[FONT=Verdana, Arial, Helvetica, Geneva, sans-serif][SIZE=-1]Hülsi
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silverlady

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keine Wiederbelebung im Altenheim

Auch ich bin platt. Was kommt denn dann als nächstes? Keine medizinische Versorgung in Behindertenheimen? Oder Steichung aller Medikamente für Leute ab 40. Ich glaube das Leute die so etwas veröffentlichen an fortgeschrittenem Hirnfraß leiden.
Zur Zeit ist es doch so das die Ärzte sogar Patiententestamente oft genug nicht beachten wie soll das denn andersrum laufen. Ich hoffe das diese Typen mal in so einer Situation sein werden wo andere darüber bestimmen ob Leben lebenswert ist oder nicht.
 

narde2003

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Hallo,
das ist ein sehr heißes Eisen in meinen Augen.
Nur weil jemand in einem Altenheim lebt, nicht reanimieren?
Wo soll die Grenze gezogen werden?

Stellen wir uns jetzt als Herr über Leben und Tod?

Ich finde es eine sehr mutige Aussage.

Schönes Wochenende
Narde
 

Elisabeth Dinse

Poweruser
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Hat wohl weniger einen ethischen Hintergrund, sondern einzig und alleine die Kostenexplosion im Gesundheitswesen treibt mal wieder gedankliche Stilblüten. Und nichts ist im Journalismus wichtiger als für ordentlich Rimmel zu sorgen: hebt die Verkaufszahlen.

Und ich denke, dass Reanimationen bei moribunden Patienten unterbleiben sollten - auch ohne das dies gesetzlich festgelegt ist.

moribund
engl.: moribund
sterbenskrank, sterbend.
© Urban & Fischer 2003 – Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl.

Es liegt nun mal in der Sache selbst, dass diese Patientenklientel sich öfter im Alten- und Pflegeheim befindet. Und wenn man den Beitrag der englischen Docs unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, dann wird er sehr wohl nachvollziehbar: sowohl unter ethischer als auch unter finanziellen Gesichtspunkten.

Wir Deutschen können uns nicht entscheiden, was wir wollen: nicht dahinsiechen oder leben um jeden Preis. Da ist die Last unserer Vergangenheit allgegenwärtig und hindert uns an manchen Gedankenspielen.

@narde2003
Stellen wir uns jetzt als Herr über Leben und Tod?
Tun wir dies nicht, indem wir der Natur ins Handwerk pfuschen und einen Prozess unterbrechen mittels einer Reanimation. Ist wie immer alles eine Ansichtssache.

Elisabeth
 

Nasonex2001

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Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Unter Kostensicht ist die Meinung der engl. Docs sicher nicht zu vertreten, aber im Sinne der Ethik kann ich es mit mir selber vertreten einen 95 Jährigen Patienten nicht mehr zu reanimieren. Ich denke damit vertrete ich (22 Jahre) die Meinung der meisten älteren Menschen, die lieber sterben als ein völliger Pflegefall zu werden.
 

tomb

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Wiederbelebung

Hallo,
ich kann mich Elisabeth's Meinung nur anschließen. Wir werden hier nie eine allgemeine Regelung finden, die ethisch, juristisch, menschlich und individuell akzeptabel ist. Vorallem dürfen wir uns nicht ausschließlich von ökonomischen Gesichtspunkten leiten lassen, denn hier stoßen wir ein Tor auf, was wir nie wieder schließen können. Denn wenn z.B. Alte aus ökonomischen Gründen nicht mehr wiederbelebt werden sollen, warum dann nicht auch Behinderte, Alkoholiker, Junkies, Dicke... usw. Den potentiellen Erfolg einer Reanimation als Auswahlkriterium zu machen ist genauso schwierig, da häufig Vorinformationen (wie lange schon tot) fehlen und daher viele Reanimationen auf blinder Hoffnung beruhen. Daher nimmt meiner Meinung nach eine Patientenverfügung einen wichtigen Stellenwert ein. Es muß hier möglichst schnell durch den Gesetzgeber Rechtsverbindlichkeit und einheitliche Form geschaffen werden, um den "Rettern" Entscheidungshilfe geben zu können.

Grüße
tomb
 

chaotinde

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Entsetzen, Angst, oder Gott !!!!

Hallo...

Ich habe lange überlegt ob ich dazu meine Meinung schreiben soll...
Es gibt Situationen wo ich der Meinung bin das sollte niemand entscheiden, sondern nur derjenige selber, eine Patientenverfügung ist in jedem Fall das beste.., nicht jeder hat sie und nicht jeder ist mehr in der Lage seinen Willen zu äußern, gäbe es diese Appetate nicht würde die Natur entscheiden..
Ich habe erst erleben müssen wie man eine Bewohnerin die tot war... auf die Erde gelegt hat und versucht hat sie wiederzubeleben... schrecklich... mit gut erst 78... Kontrakturen, PEG und 38 Kg... wozu... frage ich mich...?
Diese Dame wollte seit langem nicht mehr leben, man hat ihr gegen den Willen die PEG gelegt, ist das menschenwürdig? Bestimmt nicht.
Man ist in diesem Sinne hin und her gerissen, was nun das Beste ist, keiner kann das wissen... man steckt nämlich nicht in den Köpfen der Menschen drin...
Schönen Abend
 

Coco206

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Ein interessantes Thema,das ich gerne nochmal aufgreifen würde.

Ich habe selbst schon in verschiedenen Altenheimen gearbeitet, zuletzt Ende letzten Jahres.
Ich hatte mich bei der Stationsleitung nach einem Notfallkoffer erkundigt. Den gebe es nicht, nur den Verbandkasten. hat mich etwas überrascht, hab dann noch nach Sauerstoff und Ambubeutel gefragt.
Nein, gibt es alles nicht. Eigentlich bin ich von allgemeinen Notfallgeschehen ausgegangen, als ich diese Frage gestellt habe, doch bin ich dann explizit auf die Reanimation eingegangen.

Die Meinung der Stationsleitung (ex. Krankenschwester) lautete in etwa, es wird nicht reanimiert, da bei der HDM sowieso nur Rippen gebrochen werden, die dann innere Organe verletzen könnten.
Außerdem kommt der Notarzt ja sowieso, denn den alarmiert man vorher und der würde ja eh keine Reamaßnahmen einleiten...
Dies lasse ich jetzt mal so stehen, kann man ja drüber denken, wie man möchte.

Der Ansatz "nicht im Altenheim" reanimieren,ist ja grundsätzlich nicht falsch, nur kann nicht so pauschal stehen gelassen werden.
Es handelt sich nunmal auch in Alten- und Pflegeheimen nicht nur um moribunde Bewohner. Es gibt durchaus "junge" Bewohner, die sich zum größten Teil noch selbst versorgen und die, wenn die Natur nicht dazwischenkommt, durchaus noch 10-15 Jahre leben können. Warum sollte man genau diese Patienten nicht reanimieren? Wie die Erfolgschancen aussehen steht auf einem anderen Blatt. Ich gehe von dem Idealfall aus, dass der Herz-Kreislaufstillstand beobachtet wird und gleich Basis- evtl auch erweiterte Maßnahmen ergriffen werden. (Auch wenn dies wohl meistens nicht der Fall ist.)

Die finanzielle Geschichte lasse ich jetzt mal außer Acht,darüber wurde ja schon geschrieben.

Ich denke, gerade im Altenheim hat man die Möglichkeit, sich neben den sterbenden Bewohner zu setzen und ihm die Hand zu halten und ihn in Ruhe gehen zu lassen, anstatt auf Teufel komm raus, dieses Leben zu "retten".
Und sollte man doch den Rettungsdienst alarmieren und es ist ein guter NA dabei, wird auch dieser nicht mehr machen, als dem Patienten das Sterben zu erleichtern (NICHT Sterbehilfe, sondern evtl Medikamente bei Atemnot oder dergleichen).


Mein Beitrag ist vielleicht etwas verwirrend zu lesen, könnte daran liegen, dass ich zu diesem Thema sehr viele Gedanken im Kopf habe, aber ich hoffe,es ist angekommen, was ich damit sagen wollte. :-)
 

Tröte

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Die Engländer sind da relativ radikal, was solche Sachen angeht. In England kommt auch niemand über 60 (oder 65?? weiß nicht mehr so genau) an die Dialyse - es sei denn, er kann sich die Dialyse aus eigener Tasche leisten. Und wir dialysieren 85jährige an. Und tun uns dann schwer, bei der nächsten, schweren Erkrankung zu sagen, wir hören jetzt mal auf oder ziehen nur noch Wasser und lassen dem Menschen eine reelle Chance auf einen einigermaßen würdevollen Tod. *schulterzuck* Liegt evtl. an der deutschen Vergangenheit.

Sicherlich kommt es auf den Einzelfall an - aber oftmals wird's auch übertrieben mit der Reanimation. Meine Oma war 86, vom Alzheimer so zerfressen, dass sie ihre eigenen Kinder nicht mehr gekannt hat, nicht mal mehr wußte, dass sie jemals verheiratet war, größtenteils bettlägerig und als sie dann ne Lungenembolie hatte, hat der Notarzt eine dreiviertel Stunde an ihr gearbeitet und hat dann erst, als die Altenpflegerinnen meinten, es sei doch jetzt mal langsam gut (womit sie Recht hatten, finde ich) aufgehört mit der Reanimation. Muss das wirklich sein? Ich glaube und hoffe nicht. Engagement in allen Ehren, aber ich finde, dass jeder ab einem gewissen Alter und mit gewissen Vorerkrankungen schon die Chance auf ein würdevolles Sterben verdient.

Liebe Grüße,

Tröte
 

AS (GSF)

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Coco206 schrieb:
Die Meinung der Stationsleitung (ex. Krankenschwester) lautete in etwa, es wird nicht reanimiert, da bei der HDM sowieso nur Rippen gebrochen werden, die dann innere Organe verletzen könnten.
Außerdem kommt der Notarzt ja sowieso, denn den alarmiert man vorher und der würde ja eh keine Reamaßnahmen einleiten...
Dies lasse ich jetzt mal so stehen, kann man ja drüber denken, wie man möchte.
Desweiteren gehört das Haus geschlossen, sorry aber ohne Notfallgerät ich weiß nicht, was sagt der MDK dazu? Und was ist wenn einer der "fitteren" etwas bekommt?

Tröte schrieb:
Sicherlich kommt es auf den Einzelfall an - aber oftmals wird's auch übertrieben mit der Reanimation. Meine Oma war 86, vom Alzheimer so zerfressen, dass sie ihre eigenen Kinder nicht mehr gekannt hat, nicht mal mehr wußte, dass sie jemals verheiratet war, größtenteils bettlägerig und als sie dann ne Lungenembolie hatte, hat der Notarzt eine dreiviertel Stunde an ihr gearbeitet und hat dann erst, als die Altenpflegerinnen meinten, es sei doch jetzt mal langsam gut (womit sie Recht hatten, finde ich) aufgehört mit der Reanimation. Muss das wirklich sein? Ich glaube und hoffe nicht. Engagement in allen Ehren, aber ich finde, dass jeder ab einem gewissen Alter und mit gewissen Vorerkrankungen schon die Chance auf ein würdevolles Sterben verdient.

Ich finde es ist eine schwierige Entscheidung für den Arzt, diesmal spielt nicht aus freien Stücken "GOTT", er ist an einen Eid gebunden. Am Besten wenn es noch ein AIP´ler ist. Wir haben 2 Reanimierte bei uns. 1 hat eine Hemieplegie. Die andere liegt im Wachkoma seit 3650 Tagen mit Tracheostoma und PEG, ich weiß leider nicht wo man reanimieren soll oder nicht. Es sollten viel mehr PAtientenverfügungen erstellt werden, damit nicht mehr diese Frage gestellt wird.

AS
 

missie85

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Auch wenn das Thema schon etwas älter ist, muss ich hier mal meinen Senf abgeben.

Die Diskussion, ob Menschen wiederbelebt werden sollen oder nicht, stellt sich ja nicht nur im Altenheim. Auch bei sehr alten Menschen, hab ich im Krankenhaus erlebt, wie diskutiert wurde, ob man denn da noch "draufspringen" sollte oder unauffällig "Weitergehen", so tun, als würde nichts gesehen...

An sich ist das ein ziemlich ernstes Thema. Und wie man es auch dreht und wendet, es gibt keine Durchschnittslösung. Wer gibt mir, oder anderen, das Recht über Leben und Sterben anderer zu entscheiden? Wo soll eine Grenze gezogen werden? Das erinnert mich an den zweiten Weltkrieg, als Behinderte als "lebensunwertes Leben" vergast wurde. Können wir entscheiden, wer es wert ist, weiter zu leben? Oder wer schon zu alt/behindert/eingeschränkt ist. Wenn wir bei älteren Menschen, die im übrigen, vor allem in Deutschland viel erleiden mussten und die hart für uns geschufftet haben, anfangen zu trennen, nach leben und Sterben, dann dauert es nicht mehr lange und wir fangen bei Behinderten so an.

Wo liegt das Durchschnittsalter, für Menschen, die ich sterben lasse?
Wie behindert darf ein Mensch sein, um leben zu dürfen...Wenn man anfängt, solche Diskussionen zu führen und derartiges Verhalten wirklich in Erwägung zu ziehen, dann öffnet man damit die Büchse der Pandora. Wer Menschen, aus welchem Grund auch immer, das Leben verweigern will, ist nicht besser als ein Diktator oder ein Terrorist. Die morden auch meist ohne Rücksicht...

Liebe Grüsse missie
 

stern2012

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Hallo missie

Du hast vollkommen recht es ist ein sehr schweres thema als ich deinen Text hier ließ
kam mir so jener gedanke in den Sinn. Dennoch kann man die frage nicht beantworten Wie Behindert einer sein darf oder das Durchschnittsalter? Über solche Fragen hat sich schon eingewisser H... Gedanken gemacht. Jeder hat das Recht zu Leben.

Die würde des Lebens ist unantastbar.
 

jackdanielsx84x

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Gibt man einer 93 jährigen Frau mit multiplen internistischen Krankheitsbildern und komplett ans Bett gebunden Würde, wenn man sie reanimiert?


Gruß
Dennis
 

missie85

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Gute Frage, aber genau das ist es, was wir nicht zu entscheiden haben. Keiner weiss, ob sie noch "Leben" möchte oder nicht mehr. Und es steht niemandem zu, darüber zu urteilen und dann (nicht) zu handeln.
 

Susi_Sonnenschein

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Hallo,
für solche Fälle kann man nur jedem empfehlen, eine Patientenverfügung zu erstellen oder ausführlich darüber mit Angehörigen zu sprechen. ICH weiß, dass meine Oma nicht wünscht, dass man sie reanimiert, wenn sie mal als Pflegefall im Bett liegt, 93 ist und multiple internistische Krankheitsbilder hat!
Ich kann nur jedem empfehlen, früh genug darüber mit Angehörigen zu reden!!
 

jackdanielsx84x

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Darum kann man das vorher mit dem Patienten, Bewohner ggf. klären, mit Angehörigen und Ärzten. Eventuell gibt es dazu auch eine Patientenverfügung.
Man sollte auch mal bedenken, wie oft klappt es denn? Mal salopp ausgedrückt.


Gruß
Dennis
 
I

I. R. Rigator

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Wenn es sinnvoll erscheint, sinvoll nach Abwägung aller Umstände, und außerdem keine gegenteilige Äußerung des Betroffenen vorliegt, sollte man reanimieren.
Wenn es nicht sinnvoll erscheint, zu reanimieren, sollte man es nicht tun. Den fünfzigjährigen Apalliker mit irreversiblen Kontrakturen, diversen Decubitus, rezidivierenden Pneumonien mit resp. Insuffizienz sollte man nicht reanimieren. Dadurch spielt man sich nicht zum Herrn über Leben und Tod auf. Auch nimmt man dem Betroffenen nicht die Würde.
Man erhält die Würde. Zumindest für wenige Minuten; für die Minuten, in denen der Mensch friedlich in die Ewigkeit gehen darf.
Ohne daß einer versucht, seine Arme durch die kontrakten Arme des Patienten zu fummeln, um ihm den Brustkorb einzudrücken, damit er weiterhin in Würde (?) apallisch sein darf.
Es würden sich genug weitere Beispiele finden. Es ist aber sicher sehr schwierig, eine Entscheidung zu treffen, wenn keine Willensäußerung des Patienten vorliegt. Ich bin oft froh, daß ich sie nicht treffen muß.
Ab und zu ist es auch schade, daß ich sie nicht treffen darf.
 

Susi_Sonnenschein

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Wenn es nicht sinnvoll erscheint, zu reanimieren, sollte man es nicht tun. Den fünfzigjährigen Apalliker mit irreversiblen Kontrakturen, diversen Decubitus, rezidivierenden Pneumonien mit resp. Insuffizienz sollte man nicht reanimieren. Dadurch spielt man sich nicht zum Herrn über Leben und Tod auf. Auch nimmt man dem Betroffenen nicht die Würde.
Man erhält die Würde. Zumindest für wenige Minuten; für die Minuten, in denen der Mensch friedlich in die Ewigkeit gehen darf.

In diesem Fall stimme ich I.R.Rigator zu. Ich denke nicht, dass man solchen Patienten die Würde nimmt. Ich denke, es kommt immer auf den Allgemeinzustand des Patienten an. Der Aussage: "Keine Wiederbelebung im Altenheim" würde ich nicht allgemein zustimmen, das zu entscheiden, steht keinem zu. Aber oft kennt man die Patienten und auch die Angehörigen schon länger (gerade im Pflegeheim) und ich denke, da hat man im Vorfeld schon des öfteren Äußerungen der Bewohner mitgekriegt und kann dann im Falle eines Falles sagen: Die Person wollte reanimiert werden/wollte nicht reanimiert werden und danach sollte man sich richten.
 

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