Intoxikationen und Hirnödem

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Innere Medizin" wurde erstellt von scherbatsky, 01.10.2013.

  1. scherbatsky

    scherbatsky Newbie

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    Halloo..


    Kann mir jemand die Frage beantworten, weshalb sich bei einer Intoxikation ein Hirnödem bilden kann? Oder weshalb ein Herzstillstand eine Folge sein kann. Was verursachen diese Toxine genau im Körper?

    Dankee :-)
     
  2. calypso

    calypso Stammgast

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    Toxine haben keine einheitliche Wirkung, deshalb kannst du hier keine allgemeingültige Antwort erwarten.

    Manche Toxine wirken z. B. lähmend auf die Muskulatur (-> Herz-, Atemstillstand) oder führen zu massivem Flüssigkeits- und Elektrolytverlust, was ebenso zum Herzstillstand führen kann, wenn nicht gegengesteuert wird. Manche heben die Blut-Hirn-Schranke auf (-> Hirnödem). Manche Toxine werden in geringer Dosis therapeutisch genutzt (das bekannteste ist wohl Digitalis).
     
  3. Beckenbodenbernhard

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    Toxine = Gifte.
    Intoxikation = Vergiftung.

    Abhängig vom zugrundeliegenden Stoff hat eine Intoxikation ein anderes Gesicht:

    Staphylokokkentoxine wirken als starke Pyrogene (fiebertreibende Mittel)
    Tetanus- und Botulinumtoxin (beide von verschieden Clostridienstämmen) wirken in erster Linie an motorischen Nervenendigungen. So verursacht Botulinumtoxin A eine Skelettmuskellähmung und Tetanustoxin eine spastische Tonuserhöhung der Skelettmuskulatur. Beides führt langfristig zum Atemstillstand.

    Das Hirnödem wäre klassisch bei einer "Wasserintoxikation" (natürlich gibt es eine ganze Bandbreite an Stoffen und Wirkmechanismen die zum Hirnödem führen). Nimmt man zuviel Wasser zu sich, egal ob enteral oder parenteral, wird das Plasma hypoton. Durch Osmose dringt nun Wasser aus dem hypotonen Plasma in Körperzellen (hier Gehirnzellen) ein. Dadurch schwellen die Zellen an --> Ein Hirnödem ist entstanden.

    Ein Herzstillstand kann beispielsweise durch Überdosierung bestimmter Medikamente, allen voran die Digitalispräparate, verursacht werden. Diese Präparate hemmen ein bestimmtes Transportmolekül an den Herzmuskelzellen und erhöht dadurch den Calciumgehalt in den Zellen. Dadurch werden Schlagfrequenz und Reizleitungsgeschwindigkeit gesenkt, bei Überdosierung sogar bis zum Herzstillstand.
     
  4. Fleschor_Max

    Fleschor_Max Poweruser

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    Auch ein normwertiger Digitalisspiegel kann dann Überdosierungssymptomatik machen, wenn das Kalium unter dem Normwert ist. Da Digitalis oft mit Diuretika in Kombination gegeben wird, muss man da immer dran denken, wenn jemand zu stark abbremst.

    Alkoholintox kann z.B. zum Elektrolytverlust führen, und somit dann zum hypoosmolaren Blut (ich bevorzuge diese Bezeichnung, weil sie eindeutiger ist, als hypoton), und damit zum Hirnödem, und das niedrige Kalium kann zusammen mit Digitalis zur starken Bradykardie führen.
     
  5. Beckenbodenbernhard

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    Das ist selbstverständlich korrekt. Darum sollte auch in regelmäßigen Abständen der Kaliumspiegel kontrolliert werden und je nach Indikation mit Spironolacton zusätzlich zum verwendeten Diuretikum(egal ob Schleifen- oder Thiaziddiuretikum) therapiert werden.

    Ich kann mich jetzt auch irren, aber eine Hypokaliämie bewirkt nach meinem Wissenstand eigentlich eine Tachykardie und in Kombination mit Digitalisglykosiden ergibt sich sogar eine Proarrhythmische Wirkung(Cave: positiv bathmotrope Wirkung von Digitoxin) ;)
     
  6. Fleschor_Max

    Fleschor_Max Poweruser

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    Die Digitalisüberdosierung steht im Vordergrund, wenn das Kalium nicht sehr tief unterm Normwert ist (war IIRC bei 3,2) und Digitalis nahe an der oberen therapeutischen Spiegelgrenze. Hab ich erst vor paar Monaten gehabt den Fall. Hab jetzt keine Lust mich in die biochemischen Vorgänge einzulesen, kann dir nur versichern, dass ich in so einem Fall eine starke Bradykardie mit einer Kalinor erfolgreich behandelt habe.
    Beim kurzen Googlen findet man eine Verstärkung der inotropen Wirkung, und damit auch der Herzfrequenzsenkung durch die Hypokaliämie.
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Bei einem zytotoxisch bedingten Hirnödem wird der Zellstoffwechsel gestört- speziell die Na-K-Pumpe. Es kommt zu einem intrazellulären Anstieg des Natriums in der Zelle. Dies bewirkt einen Wassereinstrom.

    Als Ursachen kommen nicht nur die Zellgifte selber in Frage sondern auch der O2-Mangel- z.B. bei einer CO-Vergiftung.

    Elisabeth
     
  8. sufentanil

    sufentanil Junior-Mitglied

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    Vielleicht gehts hier auch um Drogen? Hätte ich mir zumindest bei dem Titel des Threads gedacht.

    Kokain ist die Hauptursache für Herzinfarkte bei jungen Menschen (30-45 Jahre). Die Gründe dafür dürften bekannt sein, Kokain wirkt sich nicht gerade günstig auf die Durchblutung des Herzmuskels aus.
    Ein großer Teil unserer Wochenendkundschaft kommt mit der Diagnose Intoxikation (alles was das Drogen- und Medikamentenalphabet so hergibt).
     
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