Intimpflege bei extrem adipösen Patienten

Gerrit

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Hallo Forum,

mich würde aus aktuellem Anlass mal interesieren wie ihr bei extrem adipösen männlichen Patienten eine Intimpflege durchführt.
Wir haben einen Patienten mit 180 kg bei etwa 160 cm Körpergröße bei dem der Penis unter - muss man so schreiben - Fettmassen im Intimbereich unauffindbar verschwunden ist - es ist nur noch ein Loch an der Stelle zu sehen.
Die Pflege des vom Urologen (unter zugegeben schwierigen Bedingungen mit viel Geschick, etwas Glück und zugegeben mit viel fluchen :wink1:) blind gelegten DKs gestaltet sich halt nun etwas schwierig. Auch wenn sie nötig wäre...
Der Patient selbst kann wenig sagen wie er das zuhause gemacht hat da er einen Schlaganfall hatte.

Spülen (kommt doch nie wieder alles raus, kann ich nicht nachkontrollieren was da lokal passiert) ist vielleicht keine so tolle Idee...
Habt ihr Tipps - Ideen?

Grüsse,

Gerrit
 

Tobias

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Moin,
das ist schon echt schwierig!
Spülen mit Octinisept, denn bohren mit Tupfer und Pinzette bringt es auch nicht!

Ich glaube da sind dann irgend wann die Grenzen erreicht!

LG Tobias
 

lops15

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Hallo Gerrit,

ja, da benötigt ihr wohl 2-3 starke Helfer/innen:gruebel:
Den Patient seitlinks auf die Bettkante setzen, Beine spreizen (die des Patienten :sflouts: ). Ein Helfer kniet hinter dem Patienten auf dem Bett und greift unter dessen Armen hindurch und zieht die Fettschürze nach oben. Dabei gibt er dem Patienten Halt und dieser kann weder seitlich noch vorwärts/rückwärts kippen. Der 2. Helfer faltet ein Laken, legt es um die Lenden (weit unten) und zieht das Gesäß in Richtung Bettkante. (Achtung!! Scherkräfte beachten!!)
Nun könnt ihr fummeln. :D

MfG
Lops15
 

Elisabeth Dinse

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Frage an lops15:

Hast du das schon mal in Realität ausprobiert? 180 kg auf 1,60 verteilt? Ich befürchte, da werden die Arme der Kollegen etwas kurz sein und das Risiko, dass der Patient aus dem Bett rutscht etwas groß.

Ich würde wahrscheinlich auch vorsichtig mit Octenisept vorspülen und Nacl 0,9% nachspülen. Wenn dann Nacl am Ort verbleibt bzw. langsam heraustropft - was solls.

Manipulationen mit Gerätschaften würde ich vermeiden. Bei einer Drainsspülung muss ich aich darauf gefasst sein, dass nicht alles wieder die Wundhöhle verlässt. Da gehe ich ja nicht mit Tuper und Pinzette zu werke.

Elisabeth
 

pflegeschüler1988

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Vielleicht einen Lifter zur Hilfe nehmen? Allgemein denke ich dem Patienten wird die Intimpflege sowieso peinlich sein, wenn dann noch 2 Leute an ihm herumzerren :weissnix: ? Dies is doch ein Pflegeproblem wo es noch keinen Standard gibt, vielleicht mal ein paar Pflegewissenschaftler fragen, was für Ideen die haben. Ich google mal.
 

MarcoS

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Elisabeth Dinse schrieb:
Ich würde wahrscheinlich auch vorsichtig mit Octenisept vorspülen und Nacl 0,9% nachspülen. Wenn dann Nacl am Ort verbleibt bzw. langsam heraustropft - was solls.

Also ehrlich gesagt: Von dieser herangehensweise halte ich nichts.
1. wird sich jeder Pilz oder anderes Bakterium sehr sehr wohl fühlen in diesem schönen wärmen feuchten Milieu
2. fördert dieses Maßnahme einen Intertrigo, weil bei einem solch adipösen Patienten nunmal Haut auf Haut liegt und dann noch zusätzlich evtl. Pkt 1. bei der ohnehin schon angegriffenen Haut

Finde es sehr schwer eine geeignete Lösung zu benennen, dafür müsste ich den Patienten vor mir liegen haben, kann es mir zwar ungefähr vorstellen, aber das hilft mir noch nicht die Ressourcen des Patienten auszuloten.
Kann nur sagen, wenn Spülungen dann darauf achten, dass die Haut danach nicht mehr feucht ist, evtl. Tupfer zwischen die aufeinanderliegenden Hautschichten, sonst fällt mir grade auch nix ein.
 

Elisabeth Dinse

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Also ehrlich gesagt: Von dieser herangehensweise halte ich nichts.
1. wird sich jeder Pilz oder anderes Bakterium sehr sehr wohl fühlen in diesem schönen wärmen feuchten Milieu
2. fördert dieses Massnahme einen Intertrigo, weil bei einem solch adipösen Patienten nunmal Haut auf Haut liegt und dann noch zusätzlich evtl. Pkt 1. bei der ohnehin schon angegriffenen Haut

Das hatte ich jetzt primär so nicht bedacht. Vorlegen einer aufsaugenden Vorlage schafft viellicht Abhilfe?

Elisabeth
 

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