Interessantes Gespräch

Wieland

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Hatte heute mit einer Kommolitonin im Zug gequascht und wir kamen auf das Gespräch wie man überhaut zum Studium gekommen sind.
Daraufhin erzählte ich ihr etwas von meinen bisherigen Arbeitsleben (Praktika, 3 Jahre Ausbildung und 1 Jahr in der Praxis gearbeitet, sie direkt nach dem Abi zur Uni).

Daraufhin meinte sie, ja sowas hat sie auch gemacht. Sie dachte an ein Medizinstudium und hat schon das Vorpraktikum dafür erledigt (3 monate im KH). Sie war der festen Überzeugung das sie ja alles gemacht hat, was ich auch gemacht habe. Ist ja nix besonders, waschen und putzen.
Blut abgenommen und Spritzen hat sie auch unter Anleitung gegeben. (hat halt wirklich viel Betreuung erhalten) aber sie war wirklich der festen Überzeugung das dass alles Pflege ist und sie damit eigentlich auch alles gemacht hat.

Natürlich keine Ahnung von Prophylaxen, Absaugen, Medikamente, Lagern, Dekubitus usw.

Sie sah dann auch ein das sie doch nicht alles weiß, aber ich fand das Gespräch interessant. So entsteht also das Bild der Pflege. Waschen und putzen, mehr muss man nicht können und mehr gibt es auch nicht. Denke dabei auch das die Pflege hier was falsch gemacht hat und nicht genug gezeigt hat bzw. zeigen konnte was eigentlich Sache in der pflege ist.

Schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht?
 

Daysi

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Hi,

ich glaube jede Pflegekraft hat schon mal so eine Erfahrung gemacht.

Beispiel: Ich arbeite im ambulanten Pflegedienst und habe erst vor kurzen eine neue Patientin aufgenommen. Als sie mich fragte was man als Altenpflegerin denn so alles macht und ich ihr ein paar Sachen aufgezählt hatte, wurden die Augen immer größer. Sie meinte dann, ich dachte sie waschen nur.

Oder ein anderer Satz den ich mir schon mal anhören musste ist: Wiso muss man für Popo waschen 3 Jahre lernen?.:eek1:

Heute steh ich da drüber weil ich weiß das meine Pflege kompetent und gewissenhaft ist, aber direkt nach der Ausbildung haben solche Aussagen sehr betroffen gemacht.

Liebes Grüßle Daysi
 

Teilzeitschwester

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"Ich hätte nie gedacht,daß sie einen so anspruchsvollen Beruf haben..."
"Meine Vorstellungen von Krankenschwestern habe ich komplett geändert-Respekt..."
Aussagen von Patienten an die ich mich erinnere, ob Manager oder Facharbeiter.
Woher sollen sies auch wissen,wenn sie nicht mal im Krankenhaus behandelt wurden.Unsere Darstellung in den Medien bleibt die aufopferungsvolle-vom Arzt weisungsempfangende....:gruebel:
 

Daysi

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huhu,

naja, da ist unser Berufsstamm auch mit dran Schuld, Pflege hat immer ohne viel TARA im stillen Kämmerchen stattgefunden. Wir haben alle den passenden Zeitpunkt verpasst mehr Eigenwerbung zu betreiben, und nun müssen die meisten erst auf uns und unsere Leistung aufmerksam gemacht werden.
 

Elisabeth Dinse

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Wie kommen die Praktikanten zu solchen Ansichten? Sie müssen es ja irgendwo her haben. Leben wir ihnen diese Ansicht nicht vor? Handeln geht vor Denken im Stationsalltag?

Elisabeth
 

Wieland

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Wie kommen die Praktikanten zu solchen Ansichten? Sie müssen es ja irgendwo her haben. Leben wir ihnen diese Ansicht nicht vor? Handeln geht vor Denken im Stationsalltag?

Elisabeth
damit meine ich ja auch meinen vorletzten Satz. Da muss doch von der Pflege was falsch rübergekommen sein, wenn solche Eindrücke entstanden sind.

Naja, hat mich leider auch nur wieder bestätigt den Beruf zu wechseln.
 

Paula Puschel

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Die Pflege verhält sich doch häufig genauso. Selbst bei mir in der Ausbildung fallen Sprüche wie "Wir werden ja eh nur Krankenschwestern", "Warum soll ich das lernen, das muss ich doch nachher eh nicht wissen" usw.
Heute war ein Intensivpfleger als Dozent bei uns, der seinen schier unendlichen Wissensfundus vor uns ausgebreitet hat.
Kommentar einer Schülerin: "Warum muss der denn so Klug******en, kann der dann nicht Medizin studieren?"
Jemand der sich für Abläufe außerhalb der schnöden Oberfläche interessiert, muss gleich ein Mediziner sein.
Pflege kann in den Augen selbst der Azubis nicht von jemandem ausgeübt werden, der sich interessiert und der eigenverantworlich arbeitet. So jemand soll bitteschön medizin studieren.
Na herzlichen Dank, Pflege in Deutschland.
So stellen wir uns selbst da. Da müssen wir uns nicht wundern.
 

Pascal84

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Schön gesagt!
Bin jetzt erst im zweiten Ausbildungsjahr aber genau solche Diskussionen hatten wir Schüler auch schon öfter untereinander. Für mich ist es einfach unverständlich wie mit dem Potential dieser Ausbildung umgegangen wird.
Im Extremfall schalten manche schon auf Durchzug nur weil ein Lateinisches Wort fällt. Physiologische Zusammenhänge zwischen Organe bzw. fächerübergreifendes Denken findet mit Sicherheit bei >50% der Anwesenden nicht statt.

Genau so auf Station, im laufe der ersten 1,5 Jahre meiner Ausbildung war ich leider schon auf zu vielen Fließbandstationen. Es wird einfach gemacht was schon immer gemacht wird. Ob sinnvoll oder wodurch begründbar/gerechtfertigt interessiert einfach immer weniger.
Da lob ich mir doch die Fachstationen :-)

Entsetzte Grüße
 

Pierre

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Tjaja,das liebe Bild der Pflege nach aussen !!!

Leider sorgt niemand,noch nicht mal die lieben Medien für eine Aufwertung unserer Arbeit.
Letztens erlebte ich eine lustige Situation als ich eine Freundin meiner Freundin kennenlernte :

Sie : "Und was machst du so beruflich ?"

Ich : "Ich bin in der Pflege tätig."

Sie (recht überheblich) : Ach so,mit waschen,anziehen und so weiter,
sowas hab ich bei Oma auch mal gemacht."

Ich : "Ich arbeite in der Palliativpflege,das bedeutet ich arbeite meist mit
sterbenden Menschen und begleite sie und ihre Angehörigen."

Sie : "Was ? Sowas könnte ich nicht !!!! "

Tja,auf der einen Seite kann man Pflege auch als Laie leisten,doch man erkennt nicht wirklich was es bedeutet es auch professionell für andere Mensche zu leisten.
 

kräuterfrau

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Warum so abwertend über tätigkeiten wie waschen, ankleiden, essen reichen. das kann NICHT jeder. oder mindestens nicht richtig. hygienevorschriften, besonderheiten bei verschiedenen einschränkungen, prophylaxen. das sind komplexe und verantwortungsvolle aufgaben. stichwort basale stimulation, kinästhetik,...
ich habe es als beruf gewählt und will mich in dem bereich ausbilden lassen.
pflegende sind heute an der front, sie sind bezugspersonen für die klienten und tragen viel mehr als die öffentlichkeit sich so vorstellt.
 

Elisabeth Dinse

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Wir sollten endlich mal aufhören einfache Tätigkeiten wie waschen, füttern trocken legen künstlich aufzublähen. Jeder Ungelernte darf nach kurzer Anleitung selbständig Pat. waschen und lagern. Täglich werden 50% der Pflegebedürftigen in der Häuslichkeit ohne jegliche professionelle Hilfe sehr gut versorgt. Dies ist der beste Beweis, dass man nicht eine großartige Ausbildung braucht zum Pflegen.

Professionelle Pflege definiert sich nicht über Laientätigkeiten, sondern über die Fähigkeit zur Pflegediagnostik und Pflegetherapie. Aber selbst da haben wir Mankos. Diagnostik betreiben wir per Checkliste und Therapie per Drehbuchstandard.
Wer lesen kann, ist glatt aureichend ausgebildet um pflegen zu können- den Eindruck könnte man bekommen, wenn man die Entwicklung in den letzten Jahren beobachtet.

Elisabeth
 

Paula Puschel

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Danke Elisabeth für das Stichwort "Künstlich aufblähen". Kann man denn nicht Pflege einfach mal als das akzeptieren was sie ist? Warum versucht man immer sich die Pflege schön zu reden? Hintern abwischen lässt sich nicht schön reden, na und? Ich mache es gerne!
Es ist eine wichtige, wenn nicht sogar essentielle Tätigkeit für das menschliche Zusammenleben, und ich bin stolz drauf jemandem den Hintern zu waschen, der das nicht mehr selber kann!
 

Pierre

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Danke Elisabeth !

Mit den Mitteln wie Standardisierung bietet man Laien eine "Gebrauchsanweisung" für Pflege !
Das mag für deren Anforderungen reichen.Aber von uns erwartet man Professionalität,Flexibilität,Reflexionsfähigkeit - dass passt nicht wirklich alles zusammen - auch das macht schlechten Eindruck !!!
 

Elisabeth Dinse

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Aber für diese Tätigkeit braucht es nun mal keine großartige Ausbildung. Und ich glaube, dass viele damit ein Problem haben, dass ie Arbeiten verrichten, die ein Laie auch verrichten kann. So reduziert sich das Berufsverständnis für nicht wenige auf eine einfache Dienstleistung, die die Gesellschaft braucht- wofür die Gesellschaft (zu recht?) wenig bezahlen möchte.

Elisabeth
 

Elisabeth Dinse

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Aber von uns erwartet man Professionalität,Flexibilität,Reflexionsfähigkeit -
Wer erwartet das von uns? Der Kunde? Der Pat./ Bew. will Hilfe zur Selbsthilfe, den Ersatz für die sonst von der Familie geleisteten Tätigkeiten. Für den erschöpft sich Professionalität in Empathiefähgkeit- gerade das,w as momenatn am wenigsten vorhanden ist bei der Fließbandarbeit.

Elisabeth
 

Pierre

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Wer das erwartet ? Zunächst mal jeder Arbeitgeber,und die Fähigkeit der Empathie und Hilfe zur Selbsthilfe reicht ja wohl lange nicht aus um die Aufgaben professioneller Pflege zu beschreiben.
Soll ich lachen oder willst du damit provozieren ?

Pierre
 

indy J

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Hallo

Dass ich stolz darauf bin Hintern abzuwischen kann ich nicht unbedingt sagen. Ich mach es, aber eher, weil ich helfen möchte, und nicht weil ich es so gerne mache. Bevor jetzt jemand auf die Idee kommt, dass ich den falschen Beruf habe: Nein, ich mache eigentlich alles gerne :-) Einige Dinge machen aber nun mal nicht so viel Spaß.

Ich persönlich habe kein Problem damit, dass Laien genau so gut waschen können wie ich. Trotzdem bilde ich mir was auf meine Ausbildung ein, nämlich ein entsprechendes Hintergrundwissen, auch medizinisch gesehen. Pflegende erkennen Zusammenhänge besser, wissen mehr über Sinn und Zweck von Prophylaxen und wirken als Pflegende im therapeutischen Team mit.
Dass viele Pflegende dabei nur die ausführende Gewalt der Ärzte sind ist allerdings schade. Da kommt die angesprochene Pflegediagnostik ins Spiel. Und ich habe das dumme Gefühl, dass wir diese in der Ausbildung auch nicht in angemessenem Umfang gelernt haben, wie wir als Pflegeteam aktiv an der Genesung/Behandlung mitwirken.
Leider bekommt man von einigen älteren Kollegen auf Station eher die Haltung vorgelebt, dass die Patienten grundpflegerisch versorgt und Arztanordnungen ausgeführt werden müssen.

Und wenn solche KollegInnen das Bild der Pflege nach außen vertreten braucht man sich über die vorherrschenden Vorurteile nicht großartig zu wundern.
 

Elisabeth Dinse

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@Pierre- wo kommt deine Professionalitöät im Alltag zum tragen? Wo leistest du Arbeiten, die du niemals an einen Laien delegieren könntest und für die du selbst verantwortlich bist- sprich, die also keine Ansetzung eines Docs sind.

Mir fallen im peripheren Bereich kaum welche ein. Das meiste ist ein Ergebnis von häufigem Üben von Routinen/ Althergebrachtem/ Traditionen. Eine Reflektion der eigenen Tätigkeit findet im Alltag kaum noch statt. Zumal es schwierig wird, wenn man nur über ein rudimentäres Hintergrundwissen verfügt. Du findest hier im forum eine Vieltahl von Threads, die meine Meinung stützen. Die Threads, die ich meine, sind selten von Azubis eröffnet worden.

Und ja, es ist provokativ gemeint.

Elisabeth
 

Daysi

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hallöle ich bins wieder,

also erstmal ging es mir bei meinem eintrag ganz ganz am anfang nicht darum das ich waschen, toilettengang usw. (pflegekassenleistungen) abwerten oder aufwerten möchte, sondern das wir auch mehr drauf haben. wir sind die profis und wenn ein kunde uns ordert dann weil er profesionelle pflege möchte. flexibilität ist bei mir in der ambulanten plege täglich das a und o und fliesbandarbeit (rein und raus ohne hallo und tschüß) kann ich mir bei der masse an sozialstationen nicht leisten. Ich bin stolz auf meinen Beruf und stolz darauf was ich täglich leiste.
 

Pierre

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@ Elisabeth

Klar könnte man meinen dass besonders im ambulanten Bereich zumeist Hilfsleistungen in Anspruch genommen werden.
So wie es bei dir auch war,werde ich ebenfalls in Anspruch genommen wenn Laienpflege am Ende war - egal aus welchen Gründen.Waschen usw konnte weiterhin zum Teil durch Angehörige geleistet werden,aber wenn es um Anleitung und Beratung ging war und bin ich erster Ansprechpartner, und das oftmals vor der Ärzten.
Ok,vielleicht liegt es an der Spezialisierung - doch wer ist denn in der Lage den Laien auch eine riesige Verantwortung in der Versorgung abzunehmen ?
Ich kenne genug Angehörige die sehr gut in der Lage sind ihre Eltern oder Ehepartner qualitativ hochwertig zu versorgen,doch das geht nur aufgrund guter Anleitung ! Und die Sicherheit nehmen sie,zur Zeit noch,täglich in Anspruch,da ich vollstes Vertrauen geniesse und das System ihnen das ermöglicht.
Beratung,Anleitung,Verantwortung,Vertrauen,Qualität - das kann ich entgegen jedermann anbieten !
 

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