Interessanter Bericht zur Diskussion über den Pflegenotstand

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von spielemann, 26.07.2004.

  1. spielemann

    spielemann Senior-Mitglied

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    Krankenpfleger
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    Schleswig-Holstein
    Hallo an alle!
    Lest doch bitte mal den Bericht aus der Welt über den Pflegenotstand in Deutschland und den Leserbrief zu dem Artikel vom Bundesgeschäftsführer des DBfK und tretet in eine Diskussion ein.
    Gruß
    Axel

    http://www.zeit.de/2004/29/Pflegenotstand

    Hier der Leserbrief des DBfK!
    DBfK - Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe!

    Ihre Nachricht

    Leserbrief zu ZEIT-Artikel über Pflegenotstand



    In einem Artikel in DIE ZEIT "Ende ohne Gnade" beschreibt Frank

    Drieschner die Zustände in Altenheimen und die aus seiner Sicht falsche

    Gewichtung von Ausgaben bei Intensivmedizin und Langzeitpflege.


    Der DBfK hat auf diesen Artikel mit einem Leserbrief reagiert ...



    Leserbrief zum Artikel von Frank Drieschner ‚Ende ohne Gnade’ in DIE

    ZEIT vom 8. Juli 2004





    Herzlichen Dank für Ihren aufrüttelnden Beitrag zur Situation der

    Altenpflege. Mit den von Ihnen ausgewählten, sehr drastischen Beispielen

    wird ein Teil des Alltages alter, pflegebedürftiger Menschen in einem

    der reichsten Länder der Erde aufgegriffen. Der Deutsche Berufsverband

    für Pflegeberufe (DBfK) kritisiert seit Jahren, dass die pflegerische

    Versorgung vor allem in der ambulanten Pflege und in der stationären

    Altenhilfe immer stärker reglementiert und kontrolliert wird.

    Gleichzeitig werden weder ausreichende finanzielle Ressourcen für die

    eingeforderte Qualität bereitgestellt, noch eine gesellschaftliche

    Diskussion darüber geführt, welche Art von Pflege wir alten, kranken,

    behinderten oder pflegebedürftigen Menschen zugestehen wollen.





    Damit ist deutlich, dass nicht alle Funktionäre sich an der

    Beschwichtigungsstrategie beteiligen.





    Die Probleme der Altenversorgung wurzeln vor allem in mangelhaften

    Rahmenbedingungen. Weil nicht genügend Geld vorhanden ist, fehlen vor

    Ort ausreichendes und auch ausreichend qualifiziertes Pflegepersonal und

    es findet sich häufig eine Ausstattung, die nicht den Bedürfnissen und

    den aktuellen Anforderungen entspricht. Eine Pflegefachkraftquote, die

    für mindestens 50% des Pflegepersonals eine dreijährige Ausbildung

    verlangt, reicht bei den Pflegebedürfnissen der Bewohner schon lange

    nicht mehr aus. Es kann nicht angehen, dass mit bis zu 50%

    unqualifiziertem oder wenig qualifiziertem Hilfspersonal

    Schwerstpflegebedürftige betreut werden müssen. Es wird verkannt, dass

    in den vergangenen Jahren wegen der Maxime der Vermeidung von

    Fehlbelegung in Krankenhäusern in den Alten- und Pflegeheimen zunehmend

    Menschen betreut werden, die früher auf den Intensivstationen eines

    Krankenhauses lagen.





    Mit dem Killerargument, es seien keine zusätzlichen Mittel vorhanden,

    werden strukturelle Verbesserungen blockiert. Pflegende geraten in

    Generalverdacht, dass sie sich schlicht nicht genug engagieren. Außen

    vor gelassen wird hier die Verantwortung der Träger für ein

    sachgerechtes Management und die Unterstützung der Pflegedienstleitung.





    Insgesamt ist das System überfordert. Defizite können somit nicht

    pauschal Einzelnen, schon gar nicht den einzelnen Pflegenden angelastet

    werden. Viele Verantwortliche schließen die Augen oder erschrecken erst

    dann, wenn es sie im persönlichen Umfeld (be)trifft. Auf dem Rücken der

    pflegebedürftigen Menschen und des Pflegepersonals leisten wir uns

    menschenunwürdige Zustände. Sicher sind die angeführten Beispiele extrem

    und nicht für alle Pflegeinrichtungen repräsentativ. Aber selbst als

    Einzelfall ist dies nicht tolerierbar.





    Pflege hat keine Lobby, Pflege ist nicht attraktiv, weil Alte, Kranke

    und Schwache nicht attraktiv sind. Pflegen kann doch jeder - das glauben

    zumindest die Stammtischexperten. Es wird nicht gesehen, was Pflege an

    Lebensqualität schaffen könnte (und trotz aller Widrigkeiten auch heute

    schon schafft), wenn die (vergüteten) Anforderungen höher wären als

    warm, satt und sauber.





    Es ist ein ermutigendes Zeichen, dass sich eine renommierte Zeitung wie

    DIE ZEIT des Themas annimmt. Vielleicht gibt es doch noch Hoffnung für

    eine große gesellschaftliche Diskussion, die der ethischen Dimension des

    Problems Rechnung trägt. Es darf nicht den Schwächsten – also den

    Pflegebedürftigen und auch den Pflegenden – aufgezwungen werden,

    individuelle und häufig defizitäre Lösungen für den Missstand zu suchen.

    Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe! Wir werden das alle

    spätestens dann merken, wenn aus demographischen Gründen niemand mehr da

    ist, der professionell gegen Bezahlung pflegt.





    Franz Wagner

    Bundesgeschäftsführer

     
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