Interdisziplinäres Belegungsrecht

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von Fearn, 13.09.2009.

  1. Fearn

    Fearn Poweruser

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    Seit ca 1 Jahr herrscht in unserer Klinik ein interdisziplinäres Belegungsrecht. Die Klinikbetten sind mittlerweile so ausgelastet, daß wir die eigenen Patienten, die in unsere Fachabteilung gehören würden in die Kinderklinik verlegen müssen usw-(eine Folge der Privatisierung der Kliniken). In der Praxis sieht das nun so aus, daß man zig Patienten von anderen Fachrichtungen bekommt, auf die die Grundausstattung der Station überhaupt nicht ausgelegt ist.
    Das macht ja nichts, denn man kann ja leihen gehen.- Sagt sich sehr einfach. Aber wenn man mit der 32 Betten Abteilung alleine ist, dann ist das übelst, weil das Haus im Pavillionsystem erbaut wurde. Ganz so einfach gestaltet sich dieses Ausleihen nicht, denn man kann nicht einfach mal die Abteilung alleine lassen um sich seine Pflegeutensilien und Medikamente zusammenzusuchen. Die Lagerkapazitäten einer Abteilung sind auch nicht so groß als das man ALLES im Vorrat haben könnte. Natürlich versucht man in allem recht fit und auf dem Laufendem zu bleiben. Aber mal ehrlich, wer von Euch ist denn in allen Behandlungsstandards fix und weiß was genau auf bei jeder fachfremden Behandlung nötig ist? Es ist zwar abwechslungsreich aber recht gruselig in einem solchen System zu arbeiten. Ich frage mich, was das nächste sein wird, was einem als " tolle Neuheit " präsentiert wird? Natürlich sollen die Kliniken am besten zu 100 % ausgelastet sein und das trotz eines Sommerlochs, Sonn- und Feiertagsbelegung. Dementsprechend oft hat man ein immer buntgwürfelteres Patientenklientel. Damit die Patienten nicht wie bei einer Völkerwanderung durchs Haus ziehen müssen, dürfen diese auch nicht auf die Fachabteilung zurückgeholt werden. So liegen diese dann verstreut in alle Winde durch das Haus verteilt. Ein weiterer Nachteil ist natürlich die Dienstplanung für die Abteilung. In der Praxis schafft man eine 32 Bettenstation der Augenklinik mit einer Mininalbesetzung wenn man sich ein bißchen zerrt. Mit derselben Besetzung lassen sich aber nicht 10 Schwerstkranke der anderen Abteilungen versorgen, die in derselben Schicht die 2 oder 3 fache Besetzung auf der Abteilung haben. Sorry, daß sich das nach " Jammern " anhört. Soll es auf keinen Fall sein. Es ist eine Information darüber wohin uns die Klinikprivatisierung führt und wie es sich in der Praxis damit arbeiten läßt. ( Ich bin kein millitanter Gegner der Privatisierung,- das hat auch gute Aspekte), aber natürlich steht hinter allem ein sehr finanzielles Interesse der neuen Träger. Früher hatte so eine Abteilung eine bestimmte Struktur mit Zeitfenstern in denen man gewisse Tätigkeiten so rationell wie möglich ausführen ließen. Heute geht es lustig munter quer durchs Beet drunter und drüber. Lg Fearn
     
  2. PflegeagenturWest

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    Sicher,wenn sich die Abteilung Augenheilkunde nennt,sollten schon wenigstens 80% der Patienten etwas in dieser Richtung haben. Aber im Grunde sind wir als exam.Pflegepersonal doch interdisziplinär ausgebildet und deswegen auch interdisziplinär einsetzbar,deswegen kann ich den Klinikträger im Grunde verstehen. Er hat ja,dadurch,daß er interdisziplinäres Personal beschäftigt,die Voraussetzung zur fachgerechten Versorgung der unterschiedlichsten Krankheitsbilder und kann somit auch verlangen,daß eine Augen-oder HNO-Schwester sich in Chirgie oder Innere oder Orthopädie fit macht,um auch solche Patienten versorgen zu können. Natürlich immer vorausgesetzt,der Klinikträger sorgt für die entsprechende WB des Personals. Ich kann meine Freiberufler auch interdisziplinär vermitteln,ohne daß sie sagen : "Öh,das ist ja Onko,das kann ich nicht!" Sicher,in unserem Fall spielt WB eine große Rolle,jedoch mit dem Unterschied,daß wir unsere WBs selbst finanzieren müssen,um fachlich auf der Höhe zu bleiben,während Ihr als angestellte Kollegen bestimmt betriebsinterne WBs angeboten bekommt.
     
  3. sigjun

    sigjun Gast

    Ich glaube nicht, dass eine interdisziplinäre Bettenbelegung ausschließlich in privat geführten Häusern angestrebt/durchgeführt wird. Ich kenne es auch von anderen Häusern.
    Es ist so, dass jedes leerstehende Bett kostet und jedes belegte Bett Geld bringt. Betriebswirtschaftlich gesehen also eine durchaus sinnvolle Maßnahme.
    In Eurem Haus scheint allerdings einfach die Losung:"Alles wird belegt" ausgegeben worden zu sein, ohne weiter danach zu schauen, dass die Voraussetzungen dazu auch geschaffen werden.

    Eine Lösung des Problems für genügend Personalbesetzung wäre beispielsweise die Stationen in Levels einzuteilen. Das bedeutet, dass die Personalbesetzung an den Leveln ausgerichtet wird. Die Levels entsprechen dabei dem pflegerischen Aufwand.
    Das Erlernen fachfremder Behandlungsstandards kann auch erreicht werden, indem rotiert wird.
    Ketzerisch gesagt muss dann evtl. auch der Arzt mal wieder mitdenken und kontrollieren ob alles da ist. Nach meiner Erfahrung ordnen Ärzte gerne Standards an, von denen sie nicht zwangsläufig den gesamten Inhalt kennen.
     
  4. Fearn

    Fearn Poweruser

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    Eines der Probleme die auftauchen ist, daß etwas auf dem Blatt Papier unheimlich gut aussieht, daß sich auf dem Schreibtisch mal wieder sehr gut rechnet, für das aber einmal wieder keinerlei praktische Vorraussetzungen geschaffen wurden und das nur halbdurchdacht durchgesetzt wurde, wie so manches im Krankenhausablauf.
    Jede Krankenschwester und jeder Pfleger sollte sich rasch auf einer Abteilung einarbeiten können. Das ist nicht das Probelm.
    Der sogenannte Lufthansa- Standard besagt, daß man sein " Flugzeug " dann aber bitte auch so ausstattet, damit man in den verschiedenen Flugzeugen blind arbeiten kann, ohne daß man ständig auf der Suche sein muß wo sich etwas befindet und wo man etwas bekommt. Das betrifft auch Fortbildungen. Der gesamte Ablauf der Abteilungen muß dann vereinheitlicht werden und für diese Art zu arbeiten müssen die Gundlagen geschaffen werden. Das heißt nicht einfach: "Mach mal irgendwie und such Dir Dein Wissen und Dein Material irgendwo zusammen, als wären wir im Feldlazarett oder befänden uns im Kriegszustand." So eine Flugzeugbesetzung muß auch nicht von einer Minute auf einen Starfighter, oder einen Kampfhubschrauber wechseln, nur weil diese auch in der Luft herum fliegen und aus der ähnlichen Gattung stammen.- Deren Besetzungsmannschaft muß sich dann auch nicht mitten im Flug darum kümmern, ob genug Treibstoff da ist, oder ob man mit seinem Gerät auch Schießen kann, daß man da gerade benutzt."
    Das betrifft überigens auch das eingesetzte Fremdpersonal, das von einigen immer so angepriesen wird. Ich habe gerade unter den Folgen solch einer Fremdbehandlung als Patient zu leiden, bei dem die Standardabäufe zwar so gut wie möglich versucht wurden zu kompensieren, und bei dem der Fremdarbeiter die Feinheiten eben nicht kennen konnte. Der war ebenfalls der Ansicht die Vorgehensweise nach der Operation sein SO wie auf anderen Abteilungen.- Dabei spielt natürlich eine Rolle, daß die Vorgehensweisen nach der Operation eben doch feine Unterschiede haben, und bei denen die Ärzte sich seit Jahrzehnten auf das Pflegepersonal verlassen haben. So ein Vorgehen bedarf einer ganz besonders intensiven Planung Organisation.Um diese Umzusetzen muß man sich bei der Planung dann auch mal vom Schreibtisch erheben um sich die Feinheiten anzusehen. Es nutzt dem Patienten herzlich wenig, wenn die Aufgaben und Verantwortung dann untereinander von einem auf den anderen verschoben werden und wenn man sich gegenseitig die Schuld dafür in die Schuhe schiebt. Die Dienststellen die soetwas organisieren müssen sich schon um die perfekte Umsetzung kümmern und nicht einfach planen und dann abschieben in der Art: " Macht mal einfach irgendetwas daraus!" Dann müssen im Vorfeld auch Kommunikationen zwischen dem ärztlichen Personal und dem Pflegepersonal stattfinden in denen die Ressourcen besprochen werden und wie man sie umsetzt. Man kann nicht für die Organisation ausgebildet sein, bezahlt werden und dann seine Aufgabe nur halb erledigen, so nach der Art: Die werden das schon irgendwie umsetzen, was ich mir hier ausgerechnet habe.
    Jede Hausfrau weiß:" Ich kann keinen Kuchen backen, wenn ich keine Eier und kein Mehl habe und wenn der Backofen nur auf 35 Grad läuft. " Und Krankenpflegepersonal ist auch keine eierlegende Wollmilchsau.
    Allerliebste Grüße Fearn
     
  5. Fearn

    Fearn Poweruser

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    Die Ibf bietet keinerlei Fortbildungen zu dem Thema an.- Es gibt auch keine fachübergreifende Geräteeinweisung und es ist nicht so, daß ich mir meine Fortbildungen nur von der IBF hole. Ich fahre regelmäßig zur AAD und belege dort Fortbildungen,- mach ich auch gerne fachübergreifend, wenn die dann finanziert werden. Die Teilnahme an den außerbetrieblichen Fortbildungen der AAD kosten mich zwischen 200 und 400 € die nicht mehr vom Betrieb finanziert werden, weil der Topf leer ist.Ich muß mit meinem Budget ebenfalls haushalten. Es ist nicht so, daß mein Topf in den man von allen Seiten hineingreift unermeßlich groß ist. Ich würde von meinem Lohn auch gerne nebenbei meinen Lebensunterhalt bestreiten. Ich denke, die Planer sollten mir ganz einfach mal vorarbeiten wie das funktionieren soll, dann mach ich das ganz einfach nach.- Vielleicht bin ich ja nur zu dumm dazu. - Das mit dem Rotieren ist eine Superidee. Wenn ich mit den 52 Stationen durch bin, hab ich am Ende ganz sicher den Überblick über ALLES vor allem über das was man in der Zwischenzeit wieder verändert und umorganisiert hat.
    Vielleicht gebe ich einmal ein Beispiel für die Schwierigkeiten die sich in der Praxis ergeben. Es beginnt da, wo man jedem einzelnen Arzt eine eigene Funknummer gibt um ihn zu erreichen und wo man sich zunächst den Dienstplan des betreffenden Arztes suchen muß, der zuständig sein könnte, falls der den Dienst nicht getauscht hat, bevor ich den notfallmäßig anfunken kann, damit dieser sich um seinen Patienten kümmern kommt. Das ist unheimlich gut durchdacht und organisiert und daß wird auch von einem Fremdarbeiter nicht besser gehandhabt werden können. Diese Argumente kenne ich und sie dienen der Vermarktung seiner Dienstleistung die man anbietet. In der Praxis sehe ich wie viel "besser und flexibler" das alles wirklich ist. Ich hab früher meine Nachtdienste auch auf allen Abteilungen und in verschiedenen Krankenhäusern aus dem Stegreif gemacht. - Das hört sich gut an, nicht? Ist es aber in der Praxis nicht, sondern nur auf dem Papier, wo man dann die Zahlen hinterher zusammenzählt. Allerliebste Grüße Fearn
     
  6. amezaliwa

    amezaliwa Poweruser

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    du kannst nur so gut arbeiten wie gewünscht wird dass du arbeitest.
    Scheinbar ist es ziemlich egal WIE gearbeitet wird, hauptsache man kann künftig alle Mitarbeiter ÜBERALL einsetzten.

    Solltest Du das machen und rotieren, dir dann jeweils ALLES merken können und dieses Wissen danach JEDERZEIT wieder abrufen können, dann, ja dann kriegst den SUPI Orden. Melde dich dann bitte in ein paar Jahren wieder. (Das solltest du dir dann übrigens auch problemlos merken können:roll:)
    Könnte man das was euer AG betreibt nicht einfach unter dem Thema Kostenreduktion zusammenfassen lassen? Je mehr Leute überall arbeiten können desto öfters werden sie dann auch überall eingesetzt, da lässt sich richtig Geld sparen.
    "Wir" haben eine kleine Zusammenlegung hinter uns, ist jemand krank steht jetzt jeweils der doppelte Pool zur Verfügung, ist doch genial !!! :daumen:

    Auch eure Ärzte müssen lernen Standards festzulegen, die sollten ja auch mitkriegen was los ist?!

    Wenn ich was nicht weiß - dann verweise ich auf den Stationsarzt, am Telefon wird sofort weiterverbunden. Inzwischen bemühe ich mich noch viel mehr mir nicht jeden Schuh anzuziehen, kein Arzt übernimmt meine Tätigkeiten, also muss auch ich schaun, dass nicht mir immer alles reingedrückt wird.

    @PflegeagenturWest:
    Freilich krieg ich's auch gebacken wenn ein internistischer Patient zu versorgen ist, aber ein chirurgischer, da geht's schon los. Neph - ui, Uro, au weia, Gyn - puuuh, Hämatologie, hmmm, Gefäßchirurgie, au weh............
    Aber ist es eigentlich nicht gerade der Vorteil für die Patienten* von Personal versorgt zu werden, das sich auskennt?
    Logisch hat jeder mal eine allgemeine Ausbildung gemacht, in allen Bereichen, aber danach, nach dem Examen fängt das eigentliche Arbeiten an und das ansammeln von Fachwissen.
    Wär doch mal lustig: Eine Station die nur aus frischexaminierten Kräften besteht - ham ja alle gerade ihre interdisziplinäre Ausbildung beendet.:mryellow:

    *und um die sollte es doch ausschließlich gehen
     
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