Intensiv/IMC - Erfahrungen zu Patientin mit Anorexia nervosa

Dieses Thema im Forum "Intensiv- und Anästhesiepflege" wurde erstellt von amezaliwa, 22.02.2012.

  1. amezaliwa

    amezaliwa Poweruser

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    DAS THEMA:
    Wer hat Erfahrungen, Erfahrungswerte mit Patienten auf Int./IMC mit Anorexia
    in einem sehr fortgeschrittenen, massivst reduziertem Zustand


    DIE FRAGEN an Pflegekräfte im Intensiv/ IMC-bereich:
    Wie geht es Euch, wie erlebt ihr die Situation, die Betreuung der Patienten, der Angehörigen, die Familiensituation…
    Der Verlauf, bisherige Erfahrungen, auch das würd mich interessieren….

    MEINE PROBLEME:
    …es beschäftigt mich gerade sehr, aus vielerlei, zum teils widersprüchlichen Empfindungen.
    Die Patientin ist trotz allem sehr anspruchsvoll, beansprucht viel Zeit und Mühe.
    Nerven kostete es auch, jeden Tag, neben der Patientin die Mutter mit zu betreuen, die auch ständig dazwischengackerte, die Patientin nicht für sich selbst sprechen ließ, ihr keinen Raum ließ, keine Ruhe gönnte. Realitätssinn, gering.
    Hat auch keine andere Beschäftigung, scheinbar.
    Der Lebensgefährte – geht so, auch hoher Gesprächs- und Informationsbedarf, jeden Tag. Der Realitätssinn, etwas höher.

    Falls jemand hier schon nicht weiter kommt, o.k., dann einfach das Fenster wieder zumachen.

    Wem es jetzt schon zuviel wird, den sehr langen Rest zu lesen, aber was hilfreiches beitragen kann, auch o.k.

    DIE PATIENTIN:
    Bis vor 2 Tagen betreute ich, in der internistischen IMC, wieder, zum 2. Mal innerhalb von 2 Wochen, eine Frau mit Anorexia.
    Dazwischen war sie 1 Woche in der Psych, kam in einem noch schlechteren Zustand wieder zurück.
    Nein, es ging dort nicht.
    Einerseits hat sie eine Patientenverfügung, es wurde beim 1. Mal besprochen:
    Keine Reanimation/ Intensiv.
    Mit der Patientin und der Mutter.
    Jetzt beim 2. Mal, deutlichere Worte, sie wurde gefragt: Entweder ZVK oder Magensonde.
    Entscheidung – klar, der ZVK.
    Also ZVK und volles parenterales Programm. O.k., vorübergehend. Das war vor über einer Woche.

    ERSCHWERNIS:
    Es wurde (in dieser 1 Woche in der Psych) eine (Fremd)Betreuung eingerichtet – die jetzt gültig ist.
    JETZT soll wieder ALLES gemacht werden (auch ein Teil meiner Krux) gegen den Wunsch und Willen der Patientin.
    (Randbemerkung: Ich hab ja nix gegen Schwangere – aber diese Betreuerin ist hochschwanger.
    Ist man da nicht auch eingeschränkt – in seiner objektiven Sichtweise, hormonell bedingt?)

    Inzwischen kann die Pat., u.a., die Fernbedienung des Bettes selbständig benutzen, sie könnte auch klingeln,
    kann einfache Bedürfnisse sehr klar formulieren,
    sie verweigert (bis auf 1 Tag) bislang jede orale Zufuhr …..
    Außerordentlich eingeschränkt war sie aufgrund massivster Eiweißmangelödeme, ÜBERALL, das ist jetzt besser.
    Damit kann sie auch aktiv mithelfen, bei der Körperpflege, Lagewechsel - geht aber nur nach Aufforderung.
    Wechseldruckmatratze wegen initial höchstgradigen Rückenschmerzen.
    Neu, letztes Wochenende: Zunehmende Atemnot, zunehmender Sauerstoffbedarf,
    Erklärung fand sich – Pleuraergüsse.
    Das punktieren auf IMC - war den Ärzten zu heikel, sie wurde deswegen auf die Intensiv verlegt.
    (Keine REAnimation/Keine INTensiv + Patientenverfügung einerseits, Betreuung andererseits)
    2l hat man entnommen.
    Sie ist jetzt immer noch auf der Intensiv, den 3.Tag.
    Da die Intensiv nebenan ist – geh ich, jetzt grad im ND, rüber und frag nach wie’s ihr geht.
    Ins Zimmer möchte ich nicht, in der Nacht.
    Es ist jetzt auch immer jemand anwesend, entweder die Mutter oder der Lebensgefährte.

    Wie soll das bloß weitergehen, frag ich mich.
    Kein Wille was zu tun, Verweigerungshaltung wo sie noch Kontrolle drüber hat (was sehr, sehr wenig ist)
    aber auch kein Recht mehr, div. Maßnahmen zu verweigern (wg. Betreuung)
    Der Aufenthalt auf Int./ IMC IST vorübergehend, da führt kein Weg dran vorbei.
    Rückverlegung in Psych - im Moment noch unmöglich.
    Demnächst muss sie wieder anfangen mit Essen/Trinken oder sie wird doch eine Ernährungssonde erhalten.
    Gegen ihren Willen.
     
  2. Marty

    Marty Poweruser

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    Ist sie nicht mehr auf deiner Station? Und wenn du nicht gerade Nachtdienst hättest, würdest du sie auch besuchen und nicht nur nachfragen, wie es ihr geht? Warum? Besuchen, meine ich.
     
  3. Susi_Sonnenschein

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    @Amezaliwa: Schwieriges Problem, ich hatte bislang zwar noch keine Patientin mit Anorexia, auf die das zutraf mit der Patientenverfügung, aber ich kann mir vorstellen, in welchem Zwiespalt du gefühlsmäßig steckst. Wie alt ist denn die Patientin?

    Ich denke, eure Ärzte wollen sie wieder so fit kriegen, dass sie wieder in die Psychiatrie zurückkann und dort eine Therapie anfangen / weiterführen kann. Wie lange hat die Patientin schon die Anorexie?
     
  4. amezaliwa

    amezaliwa Poweruser

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    Vielen Dank für die Rückmeldungen
    gestern nachmittag ist die Patientin, die etwa 50J. alt war, auf der Intensiv verstorben
    Mit meinen Spätdienst Kollegen (der IMC), konnte ich kurz sprechen, sie haben mitbekommen dass sie verstorben ist. Mehr hab ich nicht.

    Wie lange sie krank war, weiß ich nicht genau, jedoch kannte eine meiner (IMC) Kolleginnen die Patientin - meinte Jahrzehnte.
    Ich freue mich schon irgendwo mit der Frau, weil sie schon lange Zeit keinen Lebenswillen mehr hatte.
    Sie wollte das ja alles nicht.
    Erfahren habe ich gestern, dass sie die Pleurapunktion überhaupt nicht wollte, sie hatte mehrfach NEIN gesagt.
    Die Betreuerin hatte aber zugestimmt, also MUSSTE sie sich allem fügen, der Verlegung auf die Intensiv (weil es den Ärzten zu heikel war) der Punktion (weil not-wendend)

    Eine schwierige Familiensituation, Pat. mit sehr starkem Willen und Kontrollbedürfnis + entsprechend Diskussionen um jeden einzelnen Punkt - ist krankheitsbedingt nicht unüblich.
    Die für uns als Pflegende und für die Patientin schwierige, konfliktbehaftete Kombination:
    Bestehender Patientenverfügung+dokumentiertem KREA/KINT (Keine REanimation/Keine INTensiv) <-> Betreuung - schon.

    Ich hatte eigentlich angenommen, dass sie sich weiter erholt, es wurde ja vieles gemacht, sie dann wieder zu uns auf die IMC verlegt wird. Dann, nach einiger Zeit und stabilisiert, in die Psych zurück geht.
    Vielleicht, vielleicht - hat sie sich komplett aufgegeben weil sie komplett entrechtet wurde, ich weiß es nicht.

    @Marty
    WIR, die Stroke/internistische IMC und die internistische Int. gelten als 1 Station, obwohl wir räumlich getrennt sind.
    Trennen tut uns allerdings nur das Treppenhaus, 2 Türen.
    Die Stroke/IMC ist eine, letzten Monat erst, neu eröffnete Station, intern. IMC gab es bislang gar nicht, mein bisheriger Einsatzbereich war Stroke/Neuro - in einem anderen Stockwerk.

    Ich muss sowieso immer wieder mal "rüber" weil ich irgendwas brauch was wir grad nicht da haben,
    oder eine Frage habe zum - noch ungewohnten - Ablauf,oder sonst irgendwas...hilft auch die neuen Kollegen bisschen kennenzulernen.

    Anrufen, nachfragen, kurz besuchen - besuchen aber eher dann, wenn der Patient auch was davon hat/haben könnte.
    Hier hat es mir gereicht nachzufragen, ins Zimmer wollt ich nicht rein.
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Bleibt dieses Gefühl jetzt so oder habt ihr die Möglichkeit, euch Hilfe zu holen für eine professionelle Verarbeitung?

    Elisabeth
     
  6. amezaliwa

    amezaliwa Poweruser

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    Möglichkeit wäre Fallbesprechung Palliativ, das ist relativ neu.
    Da kann man aber nicht einfach hingehen, man muss sich erst anmelden, sehr begrenzte Teilnehmerzahl.
    Man kann einen eigenen "Fall" selbst einbringen, der dann besprochen wird.
    WIE man da vorgeht, hab ich noch keine Ahnung.

    Verarbeitung: Drüber schreiben hilft, sich das Gesamte vor Augen halten, mit Kollegen sprechen...
    ....gedanklich ein paar :kloppen: verteilen.
     
  7. Marty

    Marty Poweruser

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    Sie hat ihren Frieden gefunden.
     
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