Inkontinenzauflage auf Weichlagerungsmatratze?

birdy

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Unser Team ist sich nicht einig. Inkontinenzauflagen, z.B Molton sollte man bei Wechseldruckmatratzen nicht benutzen, sowie das Bettuch nur auflegen, nicht einstecken.
Doch wie ist das mit den Weichlagerungsmatratzen? Verändert eine über der Matratze liegende Auflage den Druck?
Gibt es dazu schriftliche Vorgaben?
 

Elisabeth Dinse

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Ein typischer Irrglaube. Ich glaube kaum, das jemand ein Tuch so straff einspannen kann, dass dies reelevante Druckveränderungen mit sich bringt. Schon gar nicht bei einer Wechseldruckmatratze. Auch Inkontinenzhilfsmittel haben nicht die Dicke.

Elisabeth
 

narde2003

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Wo steht das Elisabeth und warum sagen die Hersteller, dass auf ihren Teilen nix zusätzliches drauf soll?
 

Joerg

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Das würde mich jetzt aber auch interessieren Elisabeth.
Wenn Du da was schriftliches hättest, wäre das wunderbar.
 

Elisabeth Dinse

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Steht nirgendwo- ist Erfahrung und gesunder Menschenverstand.

Überlegt doch mal selbst bzw. probiert es aus. Wenn das Tuch so straff wäre, dass es druckmindernd wirken könnte, dann dürfte sich dieses Tuch keinen Zentimeter bewegen.
Wie groß mag die relevante- und darauf kommt es ja an- Druckreduzierung sein, wenn man dem Pat. eine Inkounterlage unterlegt?

Ich seh übrigesn noch ein anderes Problem bei den "übergeworfenen" laken. Sie rutschen schneller zusammen udn bilden dann ungwollte die schönen Falten- vor allem da, wo sie sich nicht bilden sollen. Punktuelle Druckerhöhung ist nicht selten dei Ursache für einen Deku.

These: Die Firmen haben ehedem zu ihren WD-Matratzen auch Laken geliefert. Wenn man dem Kunden sagt, dass ein normales Bettuch zur Druckminderung führt kann man seine Laken auch los werden. Wenn man dann noch Inkounterlagen als druckmindernd ausgibt, erhöht man den Absatz noch.

Es dürfte übrigens meines Erachtens auch schwierig sein, eine Studie zu erstellen, die Bettlaken und Inkoeinlage verteufelt. Das Problem ist die Relevanz der Druckveränderung. Die ist bei jedem Pat. eine andere. Gesunde Probanden sind da wenig hilfreich. Die Frage wäre ja: ab welchem Druck kommt es zu einer Gefäßschädigung? Jeder von uns kennt das Problem, dass Pat. trotz bester Prophylaxe einen Deku entwickelt.

Mal ganz davon ab, dass Wechseldruckmatrazen nicht mehr state oft arte sind. Der Druck hat sich als zu hoch herausgestellt. Der Trend geht in Richtung Low-Air-Loss mit Pulsation. Bei deisen Matratzen wäre tatsächlich zu überlegen, wie dick eine Inkounterlage sein darf, weil die Pulsation meines Wissens keine so großen Druckschwankungen aufweist.

Wobei- ich habe eine solche Matraze noch nicht in Betrieb gesehen. Ich kenn nur die Low-Air-Loss. Da sinkt der Pat. ein.. das Bettlaken wird ihm folgen. ... Es sei denn jemadn benutzt Spanngurte zum fixieren des Lakens.

Elisabeth

PS Ich lass mich natürlich gerne eines besseren belehren, wenn jemand eine entsprechende unabhängige Studie mit mehr als 20 Probanden vorweisen kann.
 

narde2003

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Elisabeth, wer Thesen in den Raum wirft muss diese auch verteidigen.

Es geht hier aber um Weichlagerungssysteme und nicht Wechsledruckteile.

Also, wo steht geschrieben, dass oder dass ich nicht eine Inkoauflage drauf legen darf.
 

narde2003

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birdy

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Schön, dass ihr Euch auch nicht so einig seid. Aber um unser Problem zu konkretisieren nun zu einem "Fallbeispiel":
Auf einer Weichlagerungsmatratze liegt noch eine zur Hälfte geschlagene Steppdecke, darauf ein , ebenfalls zur Hälfte geschlagener Deckenbezug, der re. und li. unter dem Bett festgesteckt ist. Angeblich hätte diese Weichlagerung große Erfolge gegen Dekubitus erzielt?!
Unsere Überlegung: Wie kann der Matratzenhersteller sagen, keine Inkounterlagen, o.ä., aber diese "Deckenlagerung" soll dann (laut unserer PDL) so wirkungsvoll sein?!
 

Maniac

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Ah, überlesen, sorry... :-)
 

Elisabeth Dinse

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Ops. Weichlagerung überlesen.

Nichts desto trotz: Seid ihr wirklich der Meinung, dass eine ca. 0,5-1cm dicke Inkontinenzunterlage eine relevante Druckanderung bringt ... auch bei Wichlagerungsmatratzen?
Glaubt ihr wirklich, dass man ein Bettlaken so fest einspannen kann, dass eine relevante Druckminderung auftritt?
Welche Wirkung haben dann wohl die Falten, die bei locker aufgelegten Tüchern oft kaum zu vermeiden sind?

Ich bin ja sonst kein Freund der Selbsterfahrung. Hier würde ich es glatt einfordern. Erinnert mich übrigens an einen Doc, der einen Selbstversuch starten wollte bevor er so eine Matratze anordnet.

Warum ich aber eine Steppdecke unterlegen soll, entuieht sich meiner Vorstellungskraft. Ist hier vielleicht die Unterstützung der Seitenlagerung gemeint. Pat./Bew. soll ja nicht konsequent auf dem Rücken liegen- auch wenn er auf einer Antidekubitusmatratze liegt.

Elisabeth
 

narde2003

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Schade Elisabeth, ansonsten lässt du auch nur gelten was belegt werden kann.
 

Elisabeth Dinse

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Es kann hier keine eindeutige Antwort geben, weil es unmöglich ist, den tatsächlich relevanten Druck zur Entstehung eines Dekus anzugeben. Dieser ist individuell.

Das Prinzip, welches aktuell verfolgt wird, geht davon aus, dass die Auflagefläche möglichst vergrößert wird. Dies erreichst du durch die Weichlagerung- der Pat. "sinkt ein".

Ein Bettlaken aus Baumwolle gibt als Stoff erst mal nicht nach- korrekt. Man kann aber ein solches Bettlaken nicht so fest einspannen, dass es keinerlei Bewegungen mehr zulässt- schon gar nicht bei einer Matratze, die in sich selbst weich ist.
Bei einem Spannbettlaken aus Jersey (bereits in einigen Kliniken vorhanden) stellt sich die Frage erst gar nicht. Hier ist das material selbst schon elastisch.

Inkontinenzunterlagen sind heutzutage so dünn, dass m.E: kaum eine Druckreduzieruing erreicht werden kann.
Hinzu kommt der Aspekt "Nutzen": einen inkontienten Pat./Bew. jeglicher Hilfsmittel zu berauben um die Ausscheidungen aufzufangen führt unweigerlich zu einer Schädigung der Epidermis. Diese wiederum führt zu einer lokalen Entzündung in deren Folge eine Minderduchblutung des Gewebebereiches hervorgerufen wird. Ergo: Erhöhung des Risikos einer Dekubitusentstehung.

Elisabeth
 

birdy

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Die Steppdecke wird nicht zur Seitenlagerung genutzt, sondern soll nur der noch weicheren Lagerung dienen. Zur Seitenlagerung wird dann eine zusammengerollte Wolldecke, oder ein Großes Kissen einseitig unter die Matratze gelegt. Damit der Patient dann nicht "rumrollt" wird auf der anderen Seite sein Oberkörper mittels einer gerollten Decke abgestützt.
Ich habe ja schon viel erlebt, aber eine solche Lagerung, die dann auch noch ach so toll sein soll, und so von der PDL angeordnet wurde, kam mir noch nicht unter. Bisher habe ich mich geweigert, so zu lagern, bezog mich dabei auf meine vielen Fortbildungen. Aber nun müsste ich es schriftlich haben, dass man so nicht auf einer Weichlagerungsmatratze lagern soll. Mir gehen die Argumente aus.
 

Elisabeth Dinse

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Weicher als weich geht nur im Clinitron-Bett. Die Decke dürfte zu dick sein, um den Effekt der Low-Airl-Loss zu verstärken. Ich denke, sie behindert eher die maximal zu erreichende Auflagefläche. Außerdem sprechen auch Kostengründe gegen solche Ideen. Entweder es ist eine möglichst weitreichende Vergrößerung der Auflagefläche nötig, dann Low-Air-Loss, wenn nicht Air-Fluidised-Therapie. Oder das Risiko ist geringer und es reicht eine weichere Matratze wie z.B. Tempur. Eine Steppdecke ist meiner Meinung nach zu dünn um eine relevante Vergrößerung der Auflagefläche zu erreichen. Da wäre sogar die 5-bzw. 6-Kissen-Methode vorzuziehen.

Welche Begründung gibt denn die PDL- außer Dienstanweisung? Gibt sie vielleicht ein Quelle an?

Elisabeth
 

Paula Puschel

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@5- bzw 6-Kissen-Lagerung: Aus reiner Neugier, wie bekomme ich einen absolut immobilen Patienten auf diese Kissen? Ich finde das Prinzip klingt gut, da unsere Teamleitung sich sehr gegen Superweichöagerungsmatratzen sperrt und ich bei manchen Patienten manchmal die Indikation für eine Weichlagerung sehe. Ich frage mich nur, wie ich die Kissen möglichst faltenfrei unter den patienten bekommen soll.
 

Elisabeth Dinse

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Gute Frage... nächste Frage?

Elisabeth
 

Paula Puschel

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Hmm, Schade :(
 

birdy

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Leider bekommt man von unserer PDL weder eine Quelle, noch eine Begründung, außer " es gibt tolle Erfolgserlebnisse".
 

Elisabeth Dinse

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... die sicher auch so toll gewesen wären ohne ein zusätzlich verwandte teure Matratze.
Kannst nix machen. Unsere Managmentebene glänzt leider oft durch mangelndes Fachwissen (inKombination mit mangeldner Führungsqualität).

Auch wenn es schwer fällt. Du schadest dem Pat. erst mal nicht. Und wenn deine PDL es anweist, dann tu dir was gutes und denk nicht weiter drüber nach. Ich glaube, dass nennt man Innere Kündigung. Der kannst du oft nur entrinnen, wenn du den AG wechselst in der Hoffnung, dass die nächste PDL anders ist.

Elisabeth
 

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