Informationspflicht von Ärzten an Pflegepersonal?

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von Bluna, 16.08.2014.

  1. Bluna

    Bluna Newbie

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    Haben Ärzte eigentlich die Pflicht, das Pflegeteam über den Patienten zu informieren?

    Ich arbeite auf einer Psychotherapiestation und habe vor einiger Zeit einen Patienten auf Station gehabt, wo im Nachhinein bekannt wurde, dass er vorbestraft war, wegen eines Sexualdelikts. Grund, dass dies nicht "an die große Glocke " gehängt wurde, war die Befürchtung, dass Personal zu ängstlich wird und nicht mehr alleine ND machen will.:schraube:

    Gibt es schriftlich irgendeine Anweisung, wo Ärzte verpflichtet sind, das PP ausreichend zu informieren? Ich habe natürlich Bedenken, dass so etwas noch mal vorkommt.
     
  2. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Es gibt für niemanden irgendwelche pauschalen "Pflichten", Informationen über Voerkrankungen, Vorstrafen, oder Schuhgrößen zu verteilen.

    Ob es bei eich im Haus schirftliche Anweisungen diesbzeüglich gibt müsstest du ... :fidee: bei euch im Haus erfragen.


    War das relevant? Auch relevant für die pflegerische Betreuung, dann im Nachhinein vielleicht nochmal durchkauen das Thema, denn es sollte nicht sein, dass durch fehlende Informationen das Therapieziel gefährdet wird.

    Wenn nicht, warum hast du Bedenken?
     
  3. anästhesieschwester

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    @ Maniac:

    Ich schätze deine Antwort jetzt mal so ein, dass du noch nie von Patienten sexuell belästigt wurdest. Das freut mich für dich.
    Wenn ich an Stelle der TE und ihres Teams wäre, hätte ich mich wohl auch geweigert, bei Anwesenheit eines Sexualstraftäters alleine Nachtdienst zu machen. Ich finde das völllig legitim. Und ja, meiner Meinung nach sollte es im Behandlungsteam üblich sein, relevante Vorstrafen zu kommunizieren.

    Gruß
    Die Anästhesieschwester
     
  4. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Ich kenne Versuche diesbezüglich, mehr nicht.

    Wie ist das mit Gewaltverbrechern, Raub, Ähnlichem?
    Pflegt man hier, ebenfalls nach verbüßen der geeigneten Strafe, ebenfalls keinen normalen Umgang mehr? Was meinst du wieviele deiner Patienten bereits wegen irgendwas vorbestraft sind? Dann darfst du nurnoch zu zweit Nachtdienst machen.

    Da ist das Vorenthalten solcher Informationen durchaus verständlich...

    IdR haben die Vorstrafen ja auch nichts mit dem Aufenthalt zu tun und sind niemandem bekannt, das mag hier anders sein, das war ja nicht deutlich.


    Edit: Des Weiteren ist ein Sexualstraftäter ja nicht generell ein Sexualstraftäter, man muss ja auch nicht gleich vom Schlimmsten ausgehen. Und: Wie lange gilt er als STraftäter? Die meisten Vergehen werden ja irgendwann getilgt...
     
  5. yoyoyoyo

    yoyoyoyo Stammgast

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    Nicht nur muss der Arzt nichts sagen, er darf gegebenenfalls auch gar nicht! Die Schweigepflicht gilt prinzipiell auch gegenüber Pflegekräften und ärztlichen Kollegen und umfasst selbstverständlich auch die Vorstrafen.
    Wenn der Patient es dem Arzt explizit verbietet, kann man auch nicht mehr wie üblich von einer konkludenten Einwilligung ausgehen.
     
  6. anästhesieschwester

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    @ Maniac: es geht hier auch nicht um meine Tätigkeit, sondern um die Tätigkeit der TE in einer Psychiatrie. Da wundert es mich sowieso, dass man dort alleine Nachtdienst macht. Und gerade dort muss ich doch viel mehr damit rechnen, dass Patienten in irgend einer Form handgreiflich, gewalttätig, o.ä. werden.

    @yoyo...: Gesetzt den Fall, in der Klinik der TE hätte es nun einen Zwischenfall mit dem genannten Patienten gegeben. Meinst du nicht, dass auch der Arzt der die Info bewusst zurückgehalten hat, große Probleme kriegen würde? Ich denke doch.
    Und nenne mir doch bitte eine Quelle dafür, dass Ärzte eine Schweigepflicht gegenüber den zuständigen Pflegekräften haben. Davon höre ich zum ersten Mal. Grundsätzlich sollten alle an der Behandlung beteiligten den gleichen Informationsstand haben, vor allem wenn es sich - wie bei der TE - um für die Versorgung relevante Informationen handelt.
     
  7. GKP2012

    GKP2012 Stammgast

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    Ich finde, dass gerade sowas eine wichtige Information ist und ich das wissen muss.
    Bei diesem Arbeitgeber der das unterstützt würde ich sofort kündigen.
    Mir geht meine eigene Sicherheit definitiv vor.

    Bequemer ist es für den Arbeitgeber natürlich auf die beschriebene Art und Weise. Ggf. müsste ja sonst der Dienstplan angepasst werden!
     
  8. Bachstelze

    Bachstelze Poweruser

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    Eine kaputte Nachtwache ist sicher billiger, als eine zweite Nachtwache für einen längeren Zeitraum.
     
  9. yoyoyoyo

    yoyoyoyo Stammgast

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    Wie ich bereits sagte, geht man gegenüber Pflegekräften in der Regel von einer konkludenten Einwilligung aus (z.B. Kugelstadt: Berufseinstieg Arzt, 2014, S. 26). D.h. wenn der Patient nichts sagt, kann der Arzt die Information weitergeben. Muss aber nicht. Das dürfte natürlich die absolute Regel sein.

    Wenn der Patient dem Arzt aber explizit untersagt, die Information weiterzugeben, fallen auch Pflegekräfte selbstverständlich unter die Schweigepflicht. Genauso wie auch ärztliche Kollegen, auch wenn sie den selben Patienten behandeln! (vgl. § 9 (4) der Musterberufsordnung für Ärzte; da steht das explizit)

    Um diese Verschwiegenheitspflicht auszuhebeln, braucht es ein höheres Rechtsgut. Das wäre zum Beispiel gegeben, wenn der Patient ankündigt, die nächste Pflegeperson die er trifft sofort umzubringen. Eine vergangene Verurteilung reicht dafür sicher nicht aus.

    Der Arzt muss also nicht sagen, und darf auch nicht, wenn der Patient es verbietet.
     
  10. anästhesieschwester

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    Oh Gott! Bin ich froh, dass ich nicht in der Psych arbeite!
    In meinem Arbeitsbereich wird über sowas zum Glück gesprochen...
     
  11. renje

    renje Poweruser

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    und du meinst alle Pat. die bei dir im Bett liegen, das sind alles unbescholtene Bürger?
    bzw. kennst deren Lebensgeschichte und/oder Strafakte
    - Träum weiter.

    Ach übrigens die meisten sex. Übergriffe geschehen durch Personen die (noch) nicht verurteilt sind oder waren.
     
    #11 renje, 16.08.2014
    Zuletzt bearbeitet: 16.08.2014
  12. yoyoyoyo

    yoyoyoyo Stammgast

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    Sehr guter Punkt.

    Du musst in der Klinik sowieso immer damit rechnen, dass die Patienten schon rein krankheitsbedingt jederzeit hochaggressiv und delinquent werden können. Und so irgendwann mal straffällig waren, ist dann auch egal...

    Im sonstigen Leben weißt du absolut nichts über dein Gegenüber. Dein Nachbar könnte genauso gut Serienvergewaltiger sein wie deine Patienten. Und niemand würde dir etwas davon sagen. Und dein Nachbar ist ein paar Meter von dir entfernt wenn du schläfst.
     
  13. AntjeX

    AntjeX Junior-Mitglied

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    Ich finde es nicht in Ordnung, wenn das PP bei solchen Patienten nicht informiert wird.
    Habt ihr denn keinen Zugang zu allen Patientenunterlagen?
    So eine Info sollte aber eigentlich völlig normal sein.
     
  14. schlitzkompresse

    schlitzkompresse Poweruser

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    Ich finde diese Diskussion völlig unsinnig. Jeder Patient ist gleich zu behandeln unabhängig von Herkunft bzw. Vorstrafen. Wir hatten auch einen verurteilten Mörder auf Station. Er war zwar in Begleitung von den Justizbeamten, trotzdem wurde da jetzt kein großer Aufstand gemacht. Wie einige meiner Vorschreiber schon gesagt haben, ich möchte nicht wissen was ein Teil meiner Patienten auf dem Kerbholz hat. Haben auch einige gehabt die auf Grund gef.KV. im Knast saßen, na und? sie haben Ihre Strafe verbüßt und so sollte man sie dann auch behandeln.
     
  15. anästhesieschwester

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    Schon auffällig, dass die Meinungen von Männern und Frauen zu diesem Thema so unterschiedlich sind. Die Männer scheinen das alles ganz locker zu sehen...
     
  16. GKP2012

    GKP2012 Stammgast

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    Pat. in Begleitung von Justizvollzugsbeamten habe ich auch manchmal. Natürlich behandle ich die Patienten wie alle anderen, denn ich weiß, dass mir nichts passieren kann.
     
  17. AntjeX

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    Wenn man nachts alleine arbeiten muss ist es gut, über so viel Information zu verfügen wie möglich.
    Das hat nichts mit der Gleichbehandlung aller Patienten zu tun.
     
  18. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Es ging ja darum, dass hier zwei User die Arbeit verweigert hätten wenn sie alleine im ND gewesen wären und die Information gehabt hätten.
     
  19. AntjeX

    AntjeX Junior-Mitglied

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    Ist schon klar, die Möglichkeit sollte den Leuten dann auch offen sein finde ich.
    Auch wenn es für mich kein Grund wäre.
     
  20. amezaliwa

    amezaliwa Poweruser

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    Ich mag mich jetzt nicht in die Thematik vertiefen, weil TE exakt 1 Beitrag, den zur Eröffnung, geschrieben hat.

    Was irritiert - Einsatzbereich KuJPsych - war der Patient denn ein Jugendlicher?
    Was auch schwammig formuliert ist - das Gesamtpaket.
    Keine Infos zum genauen Sachverhalt, damit kann ich nicht mal ansatzweise nachvollziehen - womit ihr es zu tun hattet.
    Hattet ihr denn genaue Informationen?
    Und ja - eine nicht abwegige Vorverurteilung hat Konsequenzen für den Patienten bzw. das Therapieziel - womit man exakt bei dem Punkt ist, das nicht "an die große Glocke" zu hängen.
    Der Patient hat die Information gegeben/ sie lag bereits vor, der Arzt war in der Pflicht zu beurteilen, ob eine potentielle Gefährdung vorliegt - oder nicht.
    Liegt eine Gefährdung für das Personal/ Patienten vor, muss die Behandlung am ungeeigneten Ort - abgebrochen werden.
    Der Vergleich mit Patienten der JVA - hinkt ziemlich. Zu jeder Zeit ist die eigenmächtige Mobi - verhindert. Außerhalb vom Bett - Fußfessel. Mehr wie langsames gehen - ist nicht drin. Der Beamte ist immer anwesend und nah am Patienten um ggfs. eingreifen zu können.
    Auf was für einer Station war das - offen oder beschützt? Beschützt - bei uns - sind immer mindestens 2 PP anwesend. Keiner macht dort alleine ND. Für Notfälle kann jederzeit eine weitere PP dazugeholt werden.
    Wie immer, bei allen Problemen - wär es sinnvoll das zu besprechen im Behandlungsteam, u.a. auch um Informationen zu bekommen, wie ärztlicherseits gehandelt wird um eine Gefährdung des Personals, der Patienten zu verhindern.
    Kenntnisse zur Vorgehensweise - schaffen Sicherheit und Vertrauen. Vertrauen in die Kompetenz der Beurteilung.
    Ansonsten - wird es bei der Befürchtung künftig unwissend einer potentiellen Gefahr ausgesetzt zu werden - bleiben. Trotz ärztlicher Kenntnisse.
    Kein gutes Empfinden.
    Es ist jetzt auch nicht wirklich hilfreich, dass man von Menschen, wo auch immer, nicht weiß wie sie tatsächlich ticken.
    Ich lauf nicht rum und seh in jedem einen potentiellen Straftäter. Auch nicht in der Psychiatrie.
     
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