In die Rolle der Patienten versetzen

Dieses Thema im Forum "Ausbildungsinhalte" wurde erstellt von Lisa Bornhofen, 28.09.2008.

  1. Lisa Bornhofen

    Registriert seit:
    28.09.2008
    Beiträge:
    1
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenschwester
    Ort:
    Ibbenbüren
    Akt. Einsatzbereich:
    Altenpflege
    Hallo zusammen,

    ich habe meine Ausbildung zwar schon vor ein paar Jahren beendet und arbeite nun seit ein paar Jahren in der Stationären Altenpflege.

    Eine unsere Auszubildenen kam neulich auf mich zu und hat sich über Ihre Schule beklagt. Die Lehrerrinen hätten den Schülern vorgeschlagen das Waschen des Patienten quasi am eigenem Körper zu erleben. Unsere Auszubildene ist in einer reinen mädels Klasse also sollte das ja kein Problem sein. Sie meinete ob das bei uns auch damals so war. Ich muss sagen wir haben es damals an Puppen gelernt ist das denn nun in der aktuellen Ausbildung standart das quasi Live am eigenem Körper zu erleben ?
    Wenn ja fände ich das sehr gut da mann dadurch ein viel besseres Gefühl bekommt wie sich die Patienten fühlen.
    Ich habe unsere Auszubildenen dann auch vorgeschlagen sie sollte doch ruhig mal für eine Woche die gleichen Inkontinenz Slips benutzen wie die Patienten. Zu meinem erstaunen macht sie das sogar. Habe mit unsere Pflegeleitung gesprochen und die hat das ok gegeben das sie sich die Slips aus unserem BEstand dafür nehmen kann. Seit letzer Woche kommt sie mit Inko Slip zur arbeit und sie trägt sie auch Privat so wie sie sagte. Ich finde so viel persönlichen Einsatz toll und werde auf jedenfall eine Positve Bewertung über sie abgeben.
    Wie läuft das bei euch ?
    Wie versetz ihr euch in die Lage der Patienten auch schon mal die Slips getestet über ein paar Tage ?

    Gruß und einen schönen Sonntag Lisa
     
  2. Berthild

    Berthild Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    27.02.2007
    Beiträge:
    114
    Zustimmungen:
    2
    Beruf:
    Krankenschwester
    Ort:
    Bad Wildungen
    Akt. Einsatzbereich:
    außerklinische Intensivpflege
    Hallo Lisa,

    grundsätzlich finde ich es wichtig, diese Selbsterfahrungsmöglichkeiten auch zu nutzen und bewundere die Auszubildende, die Du da erwähnst. Ich weiß nicht, ob ich bereit wäre, eine Woche lang die Inko - Einlagen wirklich sinngemäß zu verwenden ;). Jedenfalls kann ich sagen, dass ich während meiner Ausbildung ebenfalls etliche Selbsterfahrungsmöglichkeiten angeboten bekam und sie auch gerne genutzt habe. Dabei erinnere ich mich auch an ein Seminar, während dem wir uns in einer selbstgewählten Lieblingslage einrichten durften, danach aber nicht mehr bewegen und warten mussten, bis Kollegen kamen und die Lage verändern. Das hat mir viel klar gemacht! Zudem haben wir uns gegenseitig eine transnasale Magensonde gelegt und auch diese Erfahrung ist mir wichtig. Eine Kollegin auf Station (Altenpflegerin) erzählte aus ihrer Ausbildung, dass sie einen Tag lang sich in Rollstühlen fortbewegt haben, um einmal diese Perspektive zu erobern und dass sich das sehr heilsam auf ihr Verhalten gegenüber Rollinutzern ausgewirkt habe.

    Sich in die Rolle des Patienten zu versetzen ist ein unverzichtbarer Bestandteil meiner Arbeit. Allerdings gelingt es mir nicht immer, auch die Schlussfolgerungen umzusetzen, aber das Bewusstsein darum bewirkt schon, dass man deutlich empathischer mit den Patienten umgeht. Es geht dabei nicht um Mitleid, sondern um Mitgefühl. Darin sehe ich einen großen Unterschied, denn wem hilft es, wenn ich mitleide? Das ist aber das üblichere Wort für das, was ich hier meine, aber ich finde es eben nicht treffend, deshalb differenziere ich das mal ganz deutlich.

    Es gibt hier im Forum eine Signatur, die mir sehr gut gefällt und genau dies ausdrückt:
    Pflege so, wie Du wünschen wirst selbst einmal gepflegt zu werden, wenn Du in diese Situation kommst.

    Das ist es, was ich meine und wovon wir hier sprechen, oder sehe ich das falsch?

    Ganz liebe Grüße von

    Berthild

     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

    Registriert seit:
    29.05.2002
    Beiträge:
    19.812
    Zustimmungen:
    167
    Beruf:
    Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
    Akt. Einsatzbereich:
    Intensivüberwachung
    Empathie in einer Pflege-/ Therapiesituation lernt man nicht durch Selbsterfahrung. Das ist ein immer wieder kolportierter Trugschluss.

    Die heißgeliebten Selbsterfahrungsübungen in vielen Seminaren sind oft nichts weiter als Füllmaterial bzw. Üben von Handlungsrezepten. Der Selbsterfahrende lernt lediglich etwas über sich- wenn er denn will-, wie er in dieser Situation reagieren würde. Diese Erkenntnisse auf andere Menschen übertragen zu wollen ist unmöglich.

    Ich würde dieses Engagement des Azubi sofort unterbrechen, da es eindeutig in die falsche Richtung geht.

    Elisabeth
     
  4. mary_jane

    mary_jane Poweruser

    Registriert seit:
    14.06.2007
    Beiträge:
    1.436
    Zustimmungen:
    35
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpflegerin/M.Ed.
    Akt. Einsatzbereich:
    BFS
    Funktion:
    Lehrerin
    Hallo Lisa,

    ich kann mich Elisabeth nur anschließen.

    Man lernt etwas über sich selbst, wie man sich fühlt wenn man gewaschen wird, aber diese Erfahrung kann man nicht auf Frau Maier und Herrn Huber übertragen.
    Menschen sind da viel zu individuell, was man ja bei seiner täglichen Arbeit mit Menschen immer wieder feststellen kann.
    Dass man Schülern vorschlägt, Inkontinenzslips mal ein Woche zu testen, halte ich nicht für pädagogisch wertvoll, tut mir leid.

    lg mary
     
  5. Berthild

    Berthild Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    27.02.2007
    Beiträge:
    114
    Zustimmungen:
    2
    Beruf:
    Krankenschwester
    Ort:
    Bad Wildungen
    Akt. Einsatzbereich:
    außerklinische Intensivpflege
    keineswegs möchte ich den Eindruck hinterlassen, dass ich mich in den Patienten so einfühlen könnte, dass ich mich fühle, wie er. Das kann nicht klappen und das meinte ich auch gar nicht. Warum dies von Elisabeth so interpretiert wird, dass ich mich dem Patienten gleichmachen möchte oder in ihn eindringen, kann ich nicht nachvollziehen und es lässt eigentlich nur Rückschlüsse auf Elisabeth`s eigene Erlebniswelt zu, nicht auf die meinige.

    Aber das Mitfühlen, die Empathie ermöglicht mir im Rahmen meiner Erkenntnis - und Wahrnehmungsmöglichkeiten zu erfassen, was eine bestimmte Situation mit einem Menschen macht. Da gibt es durchaus Erfahrungen, die übertragbar sind, auch wenn im spezifisch individuellen Erleben natürlich Unterschiede gemacht werden müssen.

    Eine differenzierte Darstellungs- und Ausdrucksweise ist mir schon sehr wichtig und ich möchte nicht voreilig in die falsche Ecke gestellt werden. Sachlichkeit meint hier den konkreten Bezug auf einen Sachverhalt, der aber immer noch subjektiv erlebt wird.

    Aber wenn - wie offenbar auf der scheinbar so sicheren Sachebene immer noch und in allerschönster und behindernder Regelmäßigkeit angenommen wird - die einerseits parallele und andererseits eben nicht zu trennende Gefühls - und Vernunftebene ungesund getrennt werden, dann bleibt immer der Mensch, der gar nicht anders kann, als beides und dann noch gleichzeitig zu erleben, auf der Strecke.


    Gruß Berthild:idea:
     
  6. Maniac

    Maniac Poweruser

    Registriert seit:
    09.12.2002
    Beiträge:
    9.602
    Zustimmungen:
    81
    Akt. Einsatzbereich:
    Krankenhaus
    Funktion:
    Führungskraft
  7. Unitarier

    Unitarier Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    19.02.2007
    Beiträge:
    30
    Zustimmungen:
    0
    Wenn jemand in der Ausbildung sich der Mühe unterzieht, diese Selbsterfahrung zu machen, dann macht er eben selbst eine Erfahrung! Logisch, deswegen heißt sie ja so. Das bedeutet, das es seine eigene Erfahrung ist und natürlich nicht die des Patienten oder Bewohners. Es ist doch so, das unter dieser Prämisse nur ein annähernder Erfahrungswert zustande kommt. Das bleibt umbestritten! Trotzdem hat der- oder diejenige eine Vorstellung davon, wie es sich anfühlen könnte. Das zu erleben ist allemal besser als gar nichts und hilft schon eine ganze Menge weiter. Und für die Entwicklung eines unverzichtbares Mitgefühl, ist das meiner Meinung nach nur von Vorteil. Ich kenne keine Begründung, die nachweislich das in Frage stellen könnte. Es zu untersagen finde ich da persönlich nicht den richtigen Weg! Sozusagen dem engagierten Bemühen entgegen eine andere Wertung vorzunehmen, mag schon verblüffen, ist aber meiner Meinung deswegen kein Indikator für eine bedeutsame Anweisung. Immerhin bleibt die Meinung darüber schon herausragend.


    Mit freundlichen Grüßen
    Der Unitarier
     
  8. dieEv

    dieEv Poweruser

    Registriert seit:
    01.09.2007
    Beiträge:
    1.091
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenschwester
    Ort:
    Hessen
    Akt. Einsatzbereich:
    OP
    Was soll das bringen, eine Woche Inkontinenzslips zu tragen, wenn man nicht inkontinent ist?
    Wie sich 'ne dicke Binde in der Unterhose anfühlt, weiß ich auch so, haha!
     
  9. Berthild

    Berthild Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    27.02.2007
    Beiträge:
    114
    Zustimmungen:
    2
    Beruf:
    Krankenschwester
    Ort:
    Bad Wildungen
    Akt. Einsatzbereich:
    außerklinische Intensivpflege
    @dieEv:

    ... qualifizierte Beiträge werden immer wieder gerne gelesen ...
    :cry:

    Gruß Berthild
     
  10. NiCkMuC_

    NiCkMuC_ Stammgast

    Registriert seit:
    15.07.2007
    Beiträge:
    356
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Gesundheits u. Krankenpfleger
    Ort:
    München
    Akt. Einsatzbereich:
    Chirurgie
    Sorry aber das find ich zu hart und auch ein wenig blöd. Findest du nicht das dieses eine Demütigung ist? Auch vor der PDL.

    Ergo. Wir haben die Körperpflege auch an uns selber im Kurs durchführen können jedoch mit Badehose bzw. Bikini. Gezwungen wurde keiner.
     
  11. Angel78

    Angel78 Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    24.07.2005
    Beiträge:
    70
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenschwester
    Akt. Einsatzbereich:
    Endoskopie
    Funktion:
    in Weiterbildung zur Stationsleitung
    Lisa hat es ja auch nur der Schülerin vorgeschlagen und sie nicht gezwungen. Die Schülerin hat für sich selbst entschieden diese Erfahrung zu machen. Das sie die PDL fragte sehe ich eher unter dem Aspekt, das es so nee Vorlagen nur zu einem teureren Preis im Drogeriemarkt gibt und wenn die Schülerin sich welche aus dem Bestand nimmt ohne Wissen der PDL wäre es Diebstahl.

    Ich finde es bleibt jedem selbst überlassen ob er diese eigenen Erfahrungen machen möchte. Ich fands zu meiner Schulzeit sehr gut, denn wir haben uns sogar gegenseitig Magensonden gelegt. Allein die Erfahrung zu machen was dabei zu Beachten ist denke ich bringt einen schon selbst weiter da man beruhigend auf den Pat einwirken kann wenn man es selbst schon mal versucht hat. O.k. man kann niemanden beruhigen der auf Inkontinenzvorlagen angewiesen ist, aber man kann nachvollziehen das da auch sehr viel Schamgefühl mitspielt und man kann selber schauen ob es da nicht noch andere Vorlagemöglichkeiten gibt. Meiner Meinung nach sollte man Schüler die soviel Engagement und persönliche Initiative zeigen nicht ausbremsen sondern unterstützen, denn das sind die Schwestern von morgen und ich persönlich möchte lieber von so einer gepflegt werden.
     
  12. NiCkMuC_

    NiCkMuC_ Stammgast

    Registriert seit:
    15.07.2007
    Beiträge:
    356
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Gesundheits u. Krankenpfleger
    Ort:
    München
    Akt. Einsatzbereich:
    Chirurgie
    Ja da finde ich aber ist es etwas anderes sich eine Magensonde mal kurz zu schieben. Das habe ich auch gemacht. Trotzem würde ich nicht eine Woche mit einem Inkontinenz Slip rumlaufen. Ich finde das geht ein wenig zu weit und ist sicher nicht nützlich. Solange sie nicht auch den zweck für so eine Binde durchführt...

    Hier ging es aber in erster Linie um das Waschen eines Patienten.
     
  13. Angel78

    Angel78 Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    24.07.2005
    Beiträge:
    70
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenschwester
    Akt. Einsatzbereich:
    Endoskopie
    Funktion:
    in Weiterbildung zur Stationsleitung
    Also ich habe das eher als allgemeine Frage empfunden und nicht nur aufs waschen empfunden, daher habe ich auch das Beispiel mit der Magensonde aufgenommen! Naja ich denke schon das sie gewisse Erfahrungen damit machen kann, zwar nicht im Bereich der Inkontinenz aber was das Schamgefühl anbelangt. Denn ich denke nicht das man sich nicht unbedingt so ein "Brett" in den Slip legt wenns nicht unbedingt sein muß, jede Frau hier die noch nicht in der Menopause ist könnte das bestimmt bestätigen. Denn wir selber achten doch auch sehr darauf das diese Dinger an "gewissen Tagen" im Monat nicht auffallen oder benutzen halt andere Mittel. Nur leider sind die Firmen was das Thema inkontinenz anbelangt noch nicht soweit und es gibt da halt nur Vorlagen für die Frau, bei Männer sieht das wieder anders aus, die könnten Kondomurinale benutzen und nen Beinbeutel und keiner bemerkt etwas. Aber vielleicht entwickelt die Industrie für die Frau ja auch noch was anderes außer Vorlagen oder DK!:mrgreen:
     
  14. Chiquita86

    Chiquita86 Newbie

    Registriert seit:
    08.02.2007
    Beiträge:
    18
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenschwester (Azubi)
    Ort:
    Karlsruhe
    Akt. Einsatzbereich:
    Anästhesie
    Funktion:
    Schülerin
    ich finde selbstversuche in dieser art immer gut, um sich selbst ein bild davon zu machen, wie man sich in der situation des patienten fühlen würde. natürlich ist jeder mensch anders, das ist ja auch das tolle an dem beruf aber es gibt trotzdem dinge, die man bestimmt anders macht, wenn man selbst seine erfahrungen gemacht hat.
    wir machen bei uns in der schule fast alles an uns selbst. schon allein die mundpflege ganz am anfang hat uns gezeigt, dass wir manche tätigkeiten zu leicht nehmen. das ist nämlich ziemlich unangenehm, wenn da jemand fremdes im mund rumstochert. und deswegen wird man danach sicher vorsichtiger sein beim patienten.
    man reißt auch den patienten beim waschen oder lagern nicht mehr von einer seite auf die andere, wenn man selbst gewaschen wurde und gesehen hat, wie unsicher man ist, wenn man sich nirgends richtig festhalten kann und angst hat, aus dem bett zu fallen.
    man vergisst niemanden mehr auf dem steckbecken, wenn man selbst mal eine viertelstunde oder länger drauf saß.
    man erzählt keinem patienten, dass es nicht schlimm ist, eine magensonde zu bekommen, wenn man selbst eine bekommen hat und musste dabei würgen und weinen, sondern kann ihm genauer sagen, wie es sich anfühlt.
    und ich finde, da passen auch die dicken einlagen dazu. auch wenn die nicht feucht oder nass sind sind sie bestimmt nicht angenehm zu tragen und je nachdem, was für eine hose man trägt, sieht man sie wohl auch. gar nicht schlecht, finde ich, damit manche leute auch einmal merken, was schamgefühl bedeutet. dann vergessen sie nämlich auch nicht mehr, die vorhänge zuzuziehen oder die tür zu schließen.
    im prinzip sollte auch jeder mal eine nasse windel (wasser natürlich) für ein bis zwei stunden anziehen und dabei im bett liegen bleiben.

    das könnte man ewig so weiter führen. aber ich denke ihr versteht, was ich damit sagen möchte. eigene schwachstellen- da achtet man auch bei anderen menschen am ehesten drauf, unbewusst. und wenn man sich an eigene erfahrungen erinnert achtet man auch bei den patienten drauf. und zwar individuell, dem patienten angepasst.
    haltet mich für naiv, aber ich glaube, das könnte was bringen. :emba:
     
  15. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

    Registriert seit:
    29.05.2002
    Beiträge:
    19.812
    Zustimmungen:
    167
    Beruf:
    Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
    Akt. Einsatzbereich:
    Intensivüberwachung
    Man kann nur den Kopf schütteln, ob soviel Selbstlosigkeit im Bereich der Selbsterfahrung.

    Elisabeth

    PS @Berthild- ein wenig Psychologie sollte man schon können, wenn man ein Verfechter der Selbsterfahrung ist.
     
  16. Unitarier

    Unitarier Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    19.02.2007
    Beiträge:
    30
    Zustimmungen:
    0
    Also, ich meinte das eher grundsätzlich mit der Selbsterfahrung. Von Fall zu Fall läßt sich ja durchaus der Nutzen diskutieren. Ich kann daher, Elisabeth Dinse nicht so recht zustimmen. Es gibt ja auch z.B. diesen Anzug, den man sich überstülpen kann, um das Alter und seine Behinderungen zu simulieren. Diese Montur gibt es ja nicht aus Jux und Dollerei, sondern wurde allseits begrüßt und das, weil es eben eine sehr nützliche Erfahrung ist, das auch simuliert erleben zu können. Es fördert das Verständnis ganz ungemein.
    Selbsterfahrung bedeutet ja auch einen Rollentausch vorzunehmen. Auf Selbsterfahrung ganz allgemein kann man eigentlich nicht verzichten meine ich. Sie ist die Voraussetzung dafür, das ich überhaupt verstehen lerne!

    Liebe Grüße
    vom Unitarier
     
  17. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

    Registriert seit:
    29.05.2002
    Beiträge:
    19.812
    Zustimmungen:
    167
    Beruf:
    Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
    Akt. Einsatzbereich:
    Intensivüberwachung
    Bleibt die Selbsterahrung bei dem selbst erfahren- und leider ist das oft so- dann lernt man nur etwas über sich selbst.

    Wird die Selbsterfahrung reflektiert, wird sich ausgetauscht untereinander- auch unter dem Aspekt nonverbale Kommunikation- dann kann es sicher hilfreich sein.

    Nichts desto trotz bleibt die Selbsterfahrung ein heißes Eisen und wird viel zu oft in den Seminaren/ Unterricht unreflektiert angewandt und ztw. auch als Machtinstrument mißbraucht (ich zeig dir mal wie es sich anfühlt, wenn man so pflegt wie ich meine, dass du es tust).

    Elisabeth
     
  18. silverlady

    silverlady Stammgast

    Registriert seit:
    12.07.2005
    Beiträge:
    204
    Zustimmungen:
    0
    ich habe Selbsterfahrungen anderer Art durchgeführt.:mrgreen:

    Da wurden Placebos gemörsert und in den Jogurt gerührt, Früchtetee aufs Leberwurstbrot gegossen damit es einweicht, da wurde Saft auf peckigen Bechern gereicht usw.

    Zumindest eine Zeit hat es geholfen
    silverlady
     
  19. Unitarier

    Unitarier Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    19.02.2007
    Beiträge:
    30
    Zustimmungen:
    0
    Immerhin erfährt man was über sich selbst. Man erfährt wie es sich anfühlt. Wie auch immer, jeder bleibt da in der Verantwortung, das erfahrene auch in der Arbeit zu berücksichtigen, so gut es geht. Ich denke eine bessere Methode scheint es nicht zu geben, um wenigsten so nahe wie möglich an den Erfahrungen der Bewohner und Patienten dran zu sein. Natürlich kann man sagen: ich weiß auch so, wie es ist, wenn man in dieser oder jener Situation Unverständnis erntet. Aber: auch dafür ist eine Selbsterfahrung nötig.
    Der mögliche Mißbrauch spricht auch nicht dagegen, Methoden zur Selbsterfahrung sein zu lassen. Falsch machen können wir alle was!

    Der Unitarier
     
  20. Lin

    Lin Poweruser

    Registriert seit:
    28.12.2007
    Beiträge:
    1.528
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenschwester
    Akt. Einsatzbereich:
    Urologie
    Ich kann das nicht ganz nachvollziehen. Ich habe noch nie eine Magensonde gehabt, trotzdem sage ich zu keinem Pat, das es angenehm ist. Ich bin noch nie auf dem Steckbecken gesessen, trotzdem lasse ich keinen Pat. länger als nötig darauf sitzen. Dass Wurstbrot mit Saft eingeweicht grauslich schmeckt, weiß ich auch ohne es zu probieren. Dass Mundpflege unangenehm ist (besonders bei meinem ausgeprägtem Würgereiz) wusste ich auch schon bevor wir das aneinander ausprobieren mussten.
    Ich denke auch diese Selbsterfahrungsübungen bringen nicht viel. Sicher, wenn es darum geht Fortimel und co. zu kosten, um den Geschmack kennenzulernen, ok. Aber als Krankenschwester bzw. angehende weiß man doch, dass inkontnenz mit sehr viel Scham verbunden ist, da muss ich es doch nicht erst selber sein???
    Und die Vorlage ist daran noch das kleinste Problem für Betroffene. Ich denke hier wie Elisabeth. Es ist unmöglich die gesamte Gefühlswelt eines anderen Pat. nachzufühlen.

    Ich erlebe jeden Tag, wie unterschiedlich inkontinente Pat. mit dieser Situation umgehen. Es gibt die, die nicht darüber reden wollen und die man nicht ansprechen darf. Es gibt die, die sagen: "Es gibt schlimmeres. Hauptsache ich bin gesund." Es gibt die, die anfangen zu weinen, weil sie mit Inkontinenz auf keinem Fall leben wollen. Es gibt die, die alles versuchen (Operationen, konservative Therapien). Es gibt die, die wahre Profis bei der Verwendung von Inkontinenzmaterialien werden, jedes neue Produkt gleich ausprobieren und uns dann ihre Erfahrungsberichte abliefern. Es gibt die, die lieber einem DK haben wollen. Und es gibt die, die es stillschweigend hinnehmen und es als Begleiterscheinung des Älterwerdens sehen.
    Diese Liste kann man beliebig lang fortführen.
    Und jetzt möchte ich wissen, wie ich das alles fühlen kann, nur weil ich mir eine Vorlage in die Hose gebe?
    Besser wäre es, zu lernen, wie man auf jeweilige Situation reagiert. Ich hab auch das erste Mal blöd geschaut und nicht gewusst was ich sagen soll, als ein Pat. meinte: "Wenn die Inkontinenz so bleibt, springe ich aus dem Fenster."
    Es fühlt jeder Mensch anders und man kann versuchen zu verstehen, aber hineinversetzen können wir uns nicht.

    Gruß,
    Lin
     
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen - Rolle Patienten versetzen Forum Datum
Pupillenkontrolle bei neurologischen Patienten Intensiv- und Anästhesiepflege 05.02.2007
News Medienbericht : Verhindern Pflegedienste Kontrollen ? Pressebereich 27.07.2016
News Abrechnungsbetrug: Schärfere Kontrollen Pressebereich 25.04.2016
News Lauterbach will Kontrollen "an der richtigen Stelle" Pressebereich 20.04.2016
News Häusliche Pflege: Mit Kontrollen gegen den Abrechnungsbetrug Pressebereich 18.04.2016

Diese Seite empfehlen

  • Über uns

    Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten und mitgliederstärksten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit dem Jahr 2000 eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

    ©2000-2016 - www.krankenschwester.de - Die Online Community für Pflegeberufe

  • Schnellnavigation

    Öffne die Schnellnavigation

  • Unterstützt uns!

    Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!

Ich stimme zu Weitere Information

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.