In der Psychosomatik/Psychiatrie arbeiten obwohl früher selbst betroffen?

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von juliee83, 29.11.2007.

  1. juliee83

    juliee83 Gast

    Hallo,

    wollte mal eure Meinungen dazu hören:
    Würde nach dem Examen sehr gerne in der Psychosomatik/Psychiatrie arbeiten. Hatte früher selbst mit psychischen Problemen (Depression und Essstörung) zu kämpfen. Nun beschäftige ich mich natürlich mit der Frage, ob mich das von vornherein disqualifiziert oder im Gegenteil erst recht dazu befähigt, in diesem Bereich zu arbeiten. Ich denke, dass ich durch meine bisherigen Lebenserfahrungen (hört sich blöd an mit 24, aber hab doch schon einiges hinter mir) erst recht viel Einfühlungsvermögen und Krankheitsverständnis mitbringe. Oder meint ihr, dass man als selbst Betroffener eher nicht in diesen Bereich gehen sollte?

    Liebe Grüße Julia
     
  2. Harry68

    Harry68 Gast

    Hallo,

    ich habe ja 6 Jahre in der Psychiatrie gearbeitet, und kann mir vorstellen das es von Nutzen aber auch viel von Nachteil sein kann. In der Psychiatrie müssen manche Dinge umgesetzt werden ohne wenn und aber. Wenn dann jemand dabei ist der den Patienten zeigt, hallo ich verstehe euch ich kenne das, werden die Patienten sich nur noch an dich wenden und auch Druck auf dich ausüben nach dem Motto "du mußt uns doch verstehen". Ich persönlich war immer sehr froh wenn die Probleme der Patienten nicht all zu Nahe an mich heran kamen. Wenn du dich zu sehr mit Problemen der Patienten beschäftigst, kannst du schlecht abschalten.
    Versuche es vieleicht mit der psychiatrischen Aufnahme, da wechsel die Patienten, und man wird nicht so mit deren Problemen konfrontiert.

    Harry
     
  3. Brady

    Brady Gast

    [FONT=&quot]
    nein. Alleine diese Idee, dass man aus dieser Erfahrung, bzw. der Erkrankung heraus Nutzen ziehen kann, ist in der Behandlung des Patienten schon die falsche Einstellung zum Beruf.

    Gerade klare Grenzen von Distanz und Nähe sind wichtig. Du gibst dich der Gefahr aus, ständig in einem innerpsychischen Konflikt zum Patienten oder zum Team zu sein. Ob du dies schon erkennen kannst, bezweifel ich.

    In der Mitarbeit einer Selbsthilfegruppe, da kann ich es mir gut vorstellen, aber nicht in der täglichen Arbeit mit psychiatrischen Patienten.

    Auch wenn Patienten es von Dir erfahren, dass Du auch schon diese Probleme hattest, wird dem Team gegenüber schon eine Wertung passieren, die nicht von Vorteil für der Behandlung ist. Zum Beispiel: "Diese Pflegeperson versteht mich besser, sie weiß wie es mir geht". So kann es nicht funktionieren. Mechanismen kommen zum tragen, die noch nicht absehbar sind. Schlimmer noch, Kollegen werden misstrauisch, ob wirklich professionell oder aus dem Bauch heraus gearbeitet wird.

    Könnte noch viele Argumente bringen, aber letztendlich hast Du dies selber zu entscheiden.

    Zumal was heißt früher zu kämpfen? Es ist ein schmaler Grat zwischen gesund und krank und auch jetzt wirst Du dort eine verletzliche Seite haben.

    Da musst auch in der Somatik gut auf Dich aufpassen und für Dich sorgen.

    Alles Gute für Dich und liebe Grüße Brady
    [/FONT]
     
  4. Abstract

    Abstract Newbie

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    also ich finde wenn du heute nicht mehr diese Probleme mit Depressionen und Essstörung hast und du über den Dingen stehst, kannst du natürlich auch dort arbeiten...

    aber ist auch schon gesagt worden- gerade in dem Bereich ist Nähe/Distanz und der richtige Umgang damit wichtig... sowas bedarf der Erfahrung, mehr nicht...


    Leidenschaft unnd Disziplin sind das Geheimnis des Erfolgs :-)

    lg M.:-)
     
  5. Mietze-Katze

    Mietze-Katze Senior-Mitglied

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    Ich würde es mir an deiner Stelle sehr genau überlegen dort an zufangen.
    Es ist oft schon schwierig als " Gesunder " die Tatsachen richtig zu verarbeiten. Und auch die richtige Distanz zu entwickeln und zu halten.
    Bist du noch in Behandlung? Vielleicht kann dich dein Arzt oder Therapeut in der Hinsicht beraten, ob du für diese Aufgabe stark genug bist.
     
  6. rudi09

    rudi09 Stammgast

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    Hallo Juliee83,
    für mich steht die Frage, welches Fachgebiet der Psychiatrie. Nimm deine früheren Probleme doch als pubertär bedingte Entwicklung, die nun abgeschlossen ist. Ich kenne genügend Mitarbeiter/-innen aller Qualifikationen, die psychische Erkrankungen durchgemacht haben. Die können sehr wohl das Thema Nähe und Distanz richtig einschätzen. Im Rahmen der Teamsupervision ist das Thema auch präsent.
    Oben genannte Mitarbeiter sind nach meiner Beobachtung empathischer als MA ohne diese Erfahrung.
    MfG
    rudi09
     
    #6 rudi09, 12.03.2008
    Zuletzt bearbeitet: 12.03.2008
  7. Abstract

    Abstract Newbie

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    Zentrum für affektive Erkrankungen- geschützter Bereich
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    Praxisanleiter/ Fachkrankenpfleger für Psychiatrie
    von dem allem mal absehend. Disqualifizieren kann dich für den Bereich sowieso niemand, sofern du dein Examen und dein Zertifikat in der Tasche hast.
    aber mit einer Erkrankung wie Ess-Brechsucht oder ähnlichen ist man gesundheitlich ungeeignet und man darf laut KrPflG nicht die Berufsbezeichnung tragen... lg M.
     
  8. kleiner-Schussel

    kleiner-Schussel Senior-Mitglied

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    Hallo!

    Ich leide unter Ess- Brechsucht, bislang hat mir aber keiner gesagt, dass ich diesen Beruf deshalb nicht ausüben darf...
    Ich würde nicht im Bereich Psychiatrie arbeiten wollen, aber wieso sollte ich in einem anderen Bereich "ungeeigneter" als andere sein?:eek1:
     
  9. Lin

    Lin Poweruser

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    Das wär mir aber auch neu. Eine solche Diagnose muss nicht unbedingt etwas damit zu tun haben, wie ich in diesem Beruf arbeite oder das ich ungeeignet bin.
    Ich glaube es kommt auch darauf welche Abteilung angestrebt wird. Ich hatte selbst Essstörungen, hatte aber nie in der Arbeit ein Problem damit (gut bin zwar nicht in der Psychiatrie/Psychosomatik, habe aber auch einiges an psychiatrischen "Patientengut"). Mein Chef weiß sogar über meine Erkrankung Bescheid (kanns auch schwer verbergen), aber er hat mich - wahrscheinlich ihm unbewusst - sehr unterstützt.

    Warum sollte ich z.B. mit einer Essstörung (die therapiert ist, deren Auslöser ich mir bewusst bin und ich weiß, wie ich damit umzugehen habe) nicht auf einer Entzugsstation arbeiten? Habe selbst diese Erfahrung machen dürfen und mir hat es sehr gefallen und bin am Überlegen, ob ich nicht auch in diese Richtung was mache.
    Psychiatrie ist ja nicht gleich nur Essstörungen oder Depressionen.

    Ich denke, eine Ess-Brechsucht sieht man einem ja nicht unbedingt an und man wirds wohl kaum den Pat. auf die Nase binden.

    Gruß,
    Lin
     
  10. Abstract

    Abstract Newbie

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    ja war ein blödes Beispiel mit der Ess- Brechsucht. Will damit ja nur sagen dass man für den Beruf gesundheitl geeignet sein muss. Jetzt egal mit welcher Erkrankung- solange sie dich normal arbeiten lässt und du deine Patienten nicht gefährdest, kannste haben was de willst

    Ich denke man muss ne Erkrankung immer von ihrer Intensität abhängig machen, ob man dort (wo auch immer) arbeiten kann....=):mrgreen:


    lg. M.
     
  11. Schlafmütze

    Schlafmütze Junior-Mitglied

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    hallo,
    ich hatte in der Ausbildung eine Kollegin die hatte eine Insulin-pumpe und kam auf die Idee später auf der Diabetes-station zu arbeiten, viele Kollegen die auch mal mit Asthma zu tun hatten wurden später in der Asthma-schulung aktiv und bildeten sich dafür weiter...
    IM Fernsehn hab ich eine Schwester gesehen, die Querschnittsgeähmt war und im Rollstuhl sass und auf der Neurologie arbeitete. Auf einem Kongress traf ich eine Schwester mit Epilepsie (!), die hatte eine Art persönlichen Rufalarm bei sich für den Fall eines Anfalls und natürlich arbeitete sie auf der Neurologischen Epilepsie-station.
    In unserem Kurs war eine Schwester die wollte gerne ihren Einssatz auf der Kinderspychiatrie machen, da durften aber nur wenige "ausgewählte" hin... sie wurde ausgewählt...sie ging aber vorher hin um die Kollegen zu informieren ,dass ise Jahre zuvor selbst mal Patientin dort gewesen sei.....das führte dazu dass die Kolleginnen sie dort nicht mehr haben wollten und den Einsatz ablehnten....da sie auch mal auf der Erwachsenen-Psychiatrie war ( weshalb sie wohl die Kinderabteilung bevorzugte, weil sie auf der anderen Abteilung auch noch schlechte Erfahrungen machte...) wollte sie natürlich nicht ihr Examen gefährden und sagte nichts um den Einsatz machen zu können. Sie hatte wohl die beste Beurteilung innerhalb ihrer ganzen Ausbildung während dieser 3 Jahre und hätte gerne ihre Erfahrung mit den Mitarbeiter geteilt. Aber auch da herrschte überwiegend die Meinung, dass "ehemalige" da nichts zu suchen hätten.
    Ich selbst bekam nach meiner Ausbildung die Diagnose Narkolespei und durfte nicht im Schichtdienst arbeiten bzw sollte nicht. Ausgerechnet eine Stellenanzeige eines Schlaflabors brachte mich auf die IDee aus der Not eine Tugend zu machen:mrgreen:
    Seit 1997 bin ich nun auf "Schlafkrankheiten in der Pflege" spezialisiert, und arbeite im Schlaflabor, habe aber auch schon für Firmen gearbeitet die so Geräte dafür entwickeln...
    Es gab zwei Mitarbeiter denen sich die Kollegin in der Psychiatrie anvertraute, das waren die Diakone - die mussten schweigen:mrgreen: deren Kommntar dazu war nur: "wer grundsätzlich immer meint das ehemalige nie geeignet sein können glaubt nicht daran das die Arbeit in der Psychiatrie auch mal Erfolg haben kann"
    Ich gebe zu, natürlich ist es ein Unterschied ob man an Schizophrenie, bipolarität, oder einer pubertären Krise gelitten hat/leidet...das sagten die natürlich auch. Da fällt mir noch ein - ein Kollege in unserem Kurs war früher Alkoholiker und dann trocken geworden - er hatte seinen Psychiatrie-Einsatz auch erfolgreich absolviert.

    Mütze
     
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