Implantierter Defi - Auslösung

Dieses Thema im Forum "Interdisziplinäre Notfälle" wurde erstellt von Sunshine84, 30.04.2008.

  1. Sunshine84

    Sunshine84 Newbie

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    Hallo,
    haben momentan einen Pat. auf Station, der zu uns gekommen ist, weil sein implantierter Defi ausgelöst hatte und er deshalb bewusstlos war.
    Heute war wieder so ein Ereignis...
    Er fühlte sich schlecht, legte sich auf's Bett und plötzlich war er weg... (kein Puls, keine Atmung etc.) Kurze Zeit später... es waren nur ein paar Sekunden eigentlich, löste sein Defi aus. Er zuckte kurz zusammen und erwachte daraufhin auch gleich wieder total benommen.
    Meine Frage ist nun: Kann ich ebenfalls einen Stromschlag abbekommen, wenn ich diesen Pat. gerade berühre? Z.B. zwecks Reanimationsmaßnahmen?
    Schließlich hatten wir den Rea Knopf schon gedrückt und ein Artzt war gerade auf Station.
    OK, heute wussten wir, dass dieser Pat. einen Defi hat, aber wenn mir draußen so etwas passiert? Einer fällt um, ich kontrolliere die Vitalzeichen und sein defi löst aus...???
    Was passiert mit mir??? :nurse:

    Grüße Steffi
     
  2. narde2003

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    Hallo Sunshine,

    bei einem implantierten Defi bekommst du keinen Schlag ab.

    Liebe Grüsse
    Narde
     
  3. Gerrit

    Gerrit Senior-Mitglied

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    Das kann ich nicht bestätigen - es 'zupst' ggf. etwas, dürfte aber keine Gefährdung für Dich darstellen. Der Schreck überwiegt auf beiden Seiten...

    Habe ich ein mal selbst erleben 'dürfen'. Der Patient schwitzte stark, da der Defi schon mehrere male ausgelöst hatte und ich war am EKG-Kabel überprüfen als ich mich an der RTW-Türe wiederfand weil ich vor Schreck zurückgezuckt habe beim Auslösen.
    Ein anderes mal hat die Physiotherapie bei mir auf Station bei der Atemgymnastik einen leichten Schlag bekommen. Daraufhin sagte der Patient "das macht das Gerät schon seit gestern immer mal wieder..." :eek1:

    Grüße,

    Gerrit
     
  4. mary_jane

    mary_jane Poweruser

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    Hallo,

    hatten mal ne ähnliche Situation.
    Der Patient hatte Kammerflimmern, war bewusstlos und der Arzt fasste den Patienten grad auf die Brust als der Defi auslöste.
    Der Arzt hatte schon nen minimalen "Schlag" abgekommen.
    Ist aber nicht weiter gefährlich, er hat sich nur sehr erschrocken.
    Das sollte aber kein Grund Patienten mit AICD nicht mehr anzufassen:mrgreen:

    lg mary
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich hatte auch Zweifel an Nardes Aussage. Der Körper leitet doch den Strom. Ich könnte mir auch nur eine Minderung der Ladung vorstellen.
    Gibts hier physikalisch begabte Kollegen, die uns das Phänomen erklären können?

    Elisabeth
     
  6. Dirk Jahnke

    Dirk Jahnke Poweruser

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    Moin,Moin

    Wenn ein ICD richtig schockt nutzt er immerhin um 35 Joule. Bei entsprechender Leitfähigkeit z.B. durch starkes schwitzen ist es da kein Wunder, dass man bei Kontakt einen gewischt bekommt. Wenn man extern defibrillieren kann warum sollte die Leitfähigkeit des Körpers nicht auch in die umgekehrte Richtung funktionieren. Da weniger Energie aber halt auch weniger Abgabe bis zur Haut.

    Aber der ICD muss ja nicht gleich "richtig" schocken. Kardiovision oder Overpacing also Antitachycardestimulation werden mit weniger Energie durchgeführt.

    Bin selbst auch schon beim reanimieren erwischt worden. Ist kein angenehmes Gefühl, so das ich bei Schockabgabe mit Ansage(Monitor) lieber einen Schritt zurück gehe.
     
  7. Gego

    Gego Poweruser

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    Hallo zusammen!

    Auf besonderen Wunsch ;) gebe ich auch meinen Senf dazu:
    Bei der Anwendung eines Externen Defi werden ja schon mal 350 oder 400 Joule abgegeben.
    Daher würde ich annehmen, daß etwa 1/10 der Energie, die äußerlich abgegeben wird "am Herz ankommt", das würde bedeuten, daß auf dem Weg von der Körperoberfläche bis zum Herz 9/10 der Energie "verloren" gehen.
    Das Ganze sollte auch auf dem umgekehrten Weg vom Herz zur Körperoberfläche der Fall sein.
    Das würde also bedeuten, von den direkt am Herz abgegebenen 35 Joule sollten nur etwa 1/10, also 3,5 Joule, an der Körperoberfläche ankommen.
    Das Ganze ist nur eine grobe Abschätzung, ohne genaue Details zu kennen.

    Dann kommt noch hinzu, daß ein "geschlossener Kreislauf" nötig ist, daß so richtig ein elektrischer Strom fließen kann. Wenn ich den Patienten also nur mit einer Hand anfasse, sollte nichts passieren, wenn ich ihn mit beiden Händen anfasse, kann es je nach Berührungsstellen schon zu mehr oder weniger großem Stromfluß kommen.

    Die an der Körperoberfläche abgegebene Energie bei einem implantierten Defi dürfte also keine wirkliche Gefahr darstellen, aber um einen gehörigen Schreck zu bekommen reicht es wohl noch. Wahrscheinlich ist der Schreck durch die plötzliche Zuckung des Patienten größer, als durch den möglichen leichten elektrischen Schlag.

    Ich hoffe etwas die Angst genommen zu haben, ein nachtdienstgeschädigter Gego.
     
  8. Gego

    Gego Poweruser

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    Ach ja, noch so zur Veranschaulichung, was 1 Joule heißt:
    Wenn ein Gewicht von 100 g (z. B. 1 Tafel Schokolade, lecker...:mrgreen:) aus einem Meter Höhe herunterfällt, wird etwa die Energie von 1 Joule freigesetzt.​
    Mit anderen Worten, wenn 3,5 Joule auf den Menschen einwirken, entspricht das etwa 350 g aus 1 Meter Fallhöhe. Da kann mensch schon ganz schön erschrecken, aber passieren tut nicht wirklich was.

    Schönen Gruß, Gego.
     
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