"Hyperglykämischer" Schock

Dieses Thema im Forum "Interdisziplinäre Notfälle" wurde erstellt von littlejess, 06.04.2006.

  1. littlejess

    littlejess Junior-Mitglied

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    hallo,

    hatte bei meinem letzten Einsatz einen Patienten der im Überzucker war. Er war nicht mehr ansprechbar, erstarrt und fing dann noch an zu krampfen.
    Was tut man in der Regel als erstes als Pflegekraft, natürlich nachdem man den Arzt alarmiert hat und den BZ gemessen hat???

    littlejess
     
  2. narde2003

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    Hallo Littlejess,

    wie hoch war der Blutzucker?

    Wie habt ihr dann reagiert, nach der Arztbenachrichtigung?

    Schönen Abend
    Narde
     
  3. Lambdanaht

    Lambdanaht Junior-Mitglied

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    Als erstes bei einem Krampf auf die Uhr schauen, um die "Krampfzeit" zu wissen. Wir verabreichen bei einem Krampfanfall sofort 10 mg Diazepam als Rectiole. Ausserdem sollte man darauf achten, dass sich der Patient während des Krampfes nicht verletzt.

    Therapie der Hyperglykämie nach ärztlicher Anordnung

    Gruss Lambdanaht
     
  4. flexi

    flexi Administrator
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    Hallo zusammen,
    Narde ist schon auf der richtigen Spur....

    Umfassendes kann man hier auf www.diabetes.de lesen.

    Aus den vorliegenden Informationen kann man meiner Meinung nach nicht auf ein epileptisches Krampfgeschehen schließen.
    Aber das ist nicht Gegenstand dieses Threads.
     
  5. Gerrit

    Gerrit Senior-Mitglied

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    Hallo,

    am wahrscheinlichsten erscheint mir ein "Läuse und Flöhe-Prinzip" - hat der Patient ein Krampfleiden?
    Wie war der pH (Ketonkörper)? Hat er schon mal Insulin gehabt und jetzt abgesetzt?
    Da gibt's sicher ein paar Möglichkeiten was nun der Grund für das Krampfen war.

    Um Deine Frage zu beantworten: Notfallverlegung auf Intensiv vorbereiten ist sicher kein Fehler, Patient vor Verletzungen schützten wurde schon aufgeführt.

    Weisst Du wie's weiterging?

    Grüsse,

    Gerrit
     
  6. littlejess

    littlejess Junior-Mitglied

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    Ich hab ihn gleich ins Bett geführt,er lief rot/blau an und fing dann erst an zu krampfen. Atmung war flach, BZ bei 350 ungrad. Während dem Krampf, etwa 1 1/5 Minuten schrie er laut, nach Revotrilgabe war er ruhig und atmete gar nicht mehr. Intensivnotteam hat ihn intubiert und beatmet und was gegen den hohen BZ gegeben,weiss leider dicht mehr was,denn es war alles so schnell gegangen. Der Pat. verstarb paar Tage später auf der Intensiv.
    Er war eigentlich wegen eines Fahrradunfall eingeliefert worden und niemand,nicht mal der Hausarzt und er selber wussten,dass der BZ nicht in Ordnung war bzw. ging der Pat. nie zum Arzt.. Auf der Chirurgie wird leider nicht beim Standardlabor gecheckt wie der BZ ist.
    Wurde der Krampf nun vom Überzucker ausgelöst (der Pat war kein Anfallspatient)?
    Geht das überhaupt?
    Gibt es davor Warnzeichen, dass das gleich passiert? Er war nur nicht mehr ansprechbar voerst und erst im Bett hat er gekrampft...

    littlejess
     
  7. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    hallo Littlejess,

    was für Verletzungen hatte sich der Patient bei seinem Fahrradunfall zugezogen?
    Hatte er vielleicht auch eine Gehirnerschütterung oder Verletzung am Kopf?

    Eine Hyperglycämie kündigt sich schleichend an.
    Die Patienten haben z.B. sehr grossen Durst, müssen häufig Wasserlassen.
    Schau mal auf den Link den Flexi eingestellt hat

    Schönen Abend
    Narde
     
  8. littlejess

    littlejess Junior-Mitglied

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    Er hatte sich "nur" 2 Rippen gebrochen...keine Kopfverletzungen und nichts.
    Deshalb bin ich auch so irritiert.Erst dachte ich ich hätte was falsch gemacht bzw was vergessen oder übersehen,aber mein Mentor meinte,das wäre nicht der fall gewesen und ich hätte richtig reagiert...hmm

    :sbaseballs:littlejess
     
  9. Gerrit

    Gerrit Senior-Mitglied

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    Hallo,

    also mit einem BZ von 350 mg% habe ich noch nie ein Koma bei einem solchen Patienten erlebt!
    Bestenfalls kannst Du wenn Du kein Insulin mehr selbst produzieren würdest (IRS-Patienten, also z.B. Typ I-Diabetiker, Patienten ohne Pankreas) bei diesem Wert eine Ketoazidose haben, aber kein Hyperglykämisches Koma.
    Da würde ich doch sogar aus der Entfernung Wetten dass die Ursache irgendwo anders zu suchen ist.

    Um ehrlich zu sein habe ich noch nie von einem Patienten gehört der während eines (generalisierten) Krampfanfalles geschrieben hätte... Also das mit dem Krampfanfall würde ich mal etwas Vorsichtig sehen. Und nach einem hyperglykämischen Koma klingt das erst recht nicht.
    Da könnte man jetzt über Hirnblutungen durch den Fahrradunfall rupturierte zerebrale Aneurysmen oder solche Diagnosen wilde Mutmaßungen anstellen, aber den Zucker würde ich da mal als akute Ursache vergessen.
    Der sollte dann in der Intensivmedizin zügig gut eingestellt werden, weil ein gut eingestellter BZ wichtig ist für das Outcome von schwerkranken Patienten, gerade neurologischen.

    Bei uns auf Station kommen immer mal wieder Patienten zur Diabeteseinstellung an mit Blutzuckerwerten von 400 oder 600 mg% und denen geht's meist recht ordentlich. Patienten die komatös waren habe ich erlebt mit Werten ab 1.000 mg%... wobei es natürlich auch schon früher interessant werden kann, aber nicht wenn der Patient noch Fahrrad gefahren ist. :lol:

    Du hast eine Notfallsituation gehabt die keiner alleine bewältigen kann (und soll!), hast umgehend Hilfe geholt und hast bis dahin gemacht was Du konnstest, oder?
    Dann kann ich mich von der Ferne aus nur der Meinung Deines Mentors anschliessen...

    Grüsse,

    Gerrit
     
  10. littlejess

    littlejess Junior-Mitglied

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    hallo,

    ich denke auch nicht,dass die Hauptursache der hohe BZ war. hyperglkämisches koma war es ja nicht.
    wie geritt es gesagt hat,kann viele Uswirkungen haben,die mir leider kein Arzt und niemand erklären konnte...schade eigentlich.

    littlejess
     
  11. Dirk Jahnke

    Dirk Jahnke Poweruser

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    Moin,Moin

    Interessante Situation!

    Selbst der BZ wäre primär für mich nebensächlich. Steht man als erster vor dieser Situation wäre man wieder bei den Basics - und dafür ist die Ursache erst einmal uninteressant! Also primär Hilfe organisieren (rufen!? Klingelanlage auf Alarm / Notfalltelefon) im Krampf vor Verletzungen schützen - Vitalzeichen überwachen nach dem Krampf Atemwege sichern ggf. Reanimation einleiten primär Herzdruckmassage bei fehlenden Lebenszeichen.

    Grundsätzlich ist das bis entsprechendes Personal und Equipment eintrifft immer dasselbe unabhängig vom Auslöser.

    Der Grund für diese Reaktion hilft einem ja in den ersten Minuten nur wenig weiter.

    Ansonsten muss ich zustimmen - ein BZ von 350 führt nicht zum hypersomolaren Koma. Ein hypersomolares Koma entsteht nicht plötzlich.
    Man wird dem Patienten auch nichts zum BZ senken in der Akutsituation gegeben haben. Im Endeffekt hat man nur die Basics fortgesetzt. Atemwege sichern - Vitalfunktionen überwachen und ggf. reagieren - ab auf die Intensiv und dort Ursachen Forschung.

    Handelt es sich um eine schwere Ketoazidose - der Patient wäre aber auch dann vorher schon recht auffällig geworden - steht vor der Zuckersenkung auch die Volumentherapie ,evtl. Ausgleich der pH Verschiebung und Elektrolytsteuerung. Die BZ Senkung findet in allen Fällen nur recht vorsichtig statt (nicht mehr als 100 mg/% die Stunde). Aber riecht ja tatsächlich nach einer anderen Ursache.

    Die Sache mit der Medikation bei unklaren Grand Mal Anfall sollte gerade bei diesem Verlauf auch kritisch betrachtet werden. Bei bekannten Krampfleiden - o.k. - aber in dieser unklaren Situation ohne entsprechendes Personal am Bett ?

    Tschau
    Dirk Jahnke
     
  12. blue-velvet

    blue-velvet Newbie

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    Ich schließe mich dem an. Das ist kein BZ-Wert der tödlich ist, noch dazu bei sofortiger Therapie. Der Krampf ist auch zu "laut". Und das der Patient auch noch daran verstirbt???
    Im Vorfeld schien alles richtig zu laufen.
    Aber es ist ja nicht selten das der Pat. was hat was vorher nicht erkannt wurde aus verschiedenen Gründen.
    Kannst Du nicht auf der ITS anrufen(oder lassen) was bei dem Patient diagnostiziert wurde, bzw.die Todesursache war? Dann kommst Du besser damit zurecht.
    Gruß
     
  13. littlejess

    littlejess Junior-Mitglied

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    hallo,

    estmal danke für eure Beiträge.
    Ich hatte da schonmal angerufen und gefragt,aber die Ärzte und Schwestern konnten sich nur vage daran erinnern und was mir grad wieder eingefallen ist,dass der Pat. Asthma hatte!!!Könnte das der Grund gewesen sein für den "anfall" ?Daran sterben kann man ja auch,aber man hätte es an diesem Tag doch merken und behandeln müssen?Wie steht Asthma mit einem hohen BZ in verbindung???
    tut mir leid dass ich euch die Info vorenthalten habe,aber war so lange her und ist mir grad eben erst eingefallen...sorry.

    littlejess

    littlejess
     
  14. Dirk Jahnke

    Dirk Jahnke Poweruser

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    Moin littlejess

    Die Sache mit dem Asthma macht es nicht wirklich übersichtlicher :-)

    Egal welche Erkrankung/Akutsituation - der dadurch entstehende Stress kann alleine schon zum BZ Anstieg führen - ohne das ein Diabetes mellitus vorliegt!


    Tschau
    Dirk Jahnke
     
  15. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Ganz kurz Offtopic:
    Gibt es Zeichen die auf eine Ketoazidose hindeuten? Also unterschiedlich zur "normalen" Hyperglykämie und dem BZ-Wert?

    Edit: Acetongeruch ist mir grad schon selbst eingefallen :-) Sonst noch was?
     
  16. Dirk Jahnke

    Dirk Jahnke Poweruser

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    Moin Maniac

    offtopic on :

    Zeichen der Ketoazidose die mir noch einfallen :

    klassische Kußmaulsche Atmung - Hyperventilation aufgrund der Azidose

    Der beste pCO2 den ich mal gesehen habe war 7 :spopkorns:

    und ja eher allg. bei BZ Entgleisung - Polyurie und -dypsie - allg. Exikose

    offtopic off

    Tschau
    Dirk Jahnke
     
  17. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Pat. hat asthmaähnliche Atembeschwerden.
    Pat. hatte Fahrradunfall... Ursache unbekannt... Folge: Rippenserienfraktur, kein sichtbares SHT.
    Pat. ist nicht ansprechbar... kann aber noch bis zum Bett gebracht werden.
    Pat. hat ca 1,5 min lang generalisiert tonisch- klonisch gekrampft?.
    Rivotrilgabe mit Folge Atemstillstand.
    BZ liegt bei 350 mg/dl (19,4mmol/l).

    Astmaähnliche Beschwerden
    (der Volksmund nennt gerne jede Dyspnoe Asthma) = Dyspnoe. Ursache? Lunge? Herz?
    Ursache Fahrradunfall
    Synkope? TIA?
    kein sichtbares SHT
    hat nichts zu sagen: http://www.neuroscript.com/index.htm?http://www.neuroscript.com/epidural.htm&XTraumen.htm

    ...

    Wir können hier noch viel rätseln: die Datenlage ist denkbar dürftig. Was mir aber auffällt: jeder hat eine fokussierte Sicht auf die Dinge- ich bin MA einer Stroke gewesen- ich schaue nicht primär auf den BZ. Was will ich damit sagen: Wichtig sind nicht die Spezialisierung im Fachgebiet, sondern das erkennen der Basics. Rückschlüsse ziehen aus den diagnostischen Parametern- dafür gibts Leute die haben das 6 Jahre und mehr studiert.

    Elisabeth
     
  18. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Danke Dirk!!
     
  19. Tobias

    Tobias Poweruser

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    Und ich sage auch Danke für den Worte Elisabeth.

    E wirds wahrscheinlich nie zur Aufklärunge kommen! Was feststeht das es wahrscheinlich keine Hyperglykämie sein kann.
    Wenn ich jetzt noch meine Verdachtsdiagnose wie : Fahrradsturz durch Kammerflimmern und der spätere "Krampfanfall" wieder durch Kammerflimmern verursacht und Pat. später auf ITS gestorben, weil kardiogener Schock durch zu spätes erkennen eines Herzinfarktes und jetzt Haupstamm zu, dann würde dieser Thread nie enden!

    Ich würde ihn an dieser Stelle schließen!

    LG Tobias :spopkorns:
     
  20. Piratte

    Piratte Gast

    anaphylaktischer Schock aufs Rivotril?
     
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