Hygiene in der Psychiatrie

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von Brady, 06.09.2007.

  1. Brady

    Brady Gast

    Hallo zusammen,

    viele unserer somatischen Kollegen schlagen bei uns wohl die Hände über den Kopf zusammen.

    Ich arbeite in einem Haus, wo somatische und auch psychiatrische Stationen untergebracht sind.

    Auf der einen Seite herrschen Hygiene-Vorschriften, auf der anderen Seite stimmen sie aber mit den milieutherapeutischen Auftrag der psychiatrischen Pflege überhaupt nicht überein.

    Schlimmer noch, verhindern oder erschweren unsere Arbeit. Wir machen Dinge heimlich, bzw. sie werden teilweise akzeptiert oder eben auch es wird offen gesagt, dass dies nicht in einem Krankenhaus geht.

    Das Tragen von Armbanduhren brauchen wir alleine schon oft, um Struktur selber einzuhalten, was für unsere Patienten auch sehr wichtig ist. Natürlich könnte man sagen; hängt Uhren überall auf. Es geht aber in unserem Bereich darum "Normalität" zu schaffen, dies vorzuleben.

    Ich pendel also immer wieder zwischen Vorschriften und meiner Einstellung zur psychiatrischen Pflege.

    Dies wird natürlich auch immer wieder sehr deutlich um die Weihnachtszeit, keine Kerzen, kein Adventskranz. Wobei es das ist, was ich meinen Patienten nahe bringen möchte, soll. Das Erleben von Festen, von alten Dingen, die für ihn vergessen, verloren oder auch sonstwas sind...

    Wie sieht es bei euch aus?

    Liebe Grüße Brady
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wieso sollte ich in der Psychiatrie keine Armbanduhr tragen?

    Elisabeth
     
  3. rudi09

    rudi09 Stammgast

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    Guten Morgen,
    ja das ist ein Problem.
    was ich allerdings auch erlebeist, dass die Hygiene ernster genommen wird als in somatischen Häusern. (Ausser ITS, OP u.ä.)
    Für Weihnachten haben wir eine stillschweigende Vereinbarung mit der Klinikleitung. Bedingung ist, dass Kerzen nicht ohne Aufsicht sind. Also ist das an 3 Tagen im Jahr in Gemeinschaftsräumen durchaus möglich.
    Die Armbanduhr ist unter bestimmten Vorraussetzungen erlaubt, allerdings ist die Formulierung sehr schwammig. Ansonsten sind die auch verboten, so wie laut Hygienerichtlinien überall. (Denise das war für dich)
    Da zunehmend multimorbide Patienten von somatischen Häusern eingewiesen werden, nimmt die Infektionsrate zu. Deshalb ist ein gutes Hygienemanagement mit entsprechenden Checklisten für alle möglichen Keime dringend erforderlich. Zusätzlich richten wir noch ein Notfallpaket Hygiene für akute Infektionen ein. (Schutzkittel, Mundschutz, usw.)

    MfG
    rudi09
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    *grübel* Die Privatkleidung hält Einzug in die Psychiatrie... und Armbanduhren sind verboten?

    Ich halte nichts von starren Richtlinien. Man muss verstehen wie ein Keim von A nach B kommt und dann die Richtlinien anpassen können an die Gegebenheiten der Station- gilt sowohl für Psychiatrie als auch für Somatik.
    Selten sind diese Richtlinien aus meiner Sicht auf jede Stationsgegebenheit 1:1 anwendbar.

    Elisabeth
     
  5. rudi09

    rudi09 Stammgast

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    Hallo E.D.,
    schön mal wieder was von dir zu hören. (lag aber an mir)

    Privatkleidung ist bei uns kein Thema, ausser in den Tageskliniken.
    Vorschriften zum Hygienemanagement bei Keim X mache das und das (Einwegkittel, Desinfektion, Entsorgung,...) sind sehr wohl umsetzbar, müssen es auch sein. Es wäre äusserst fatal, in der Gerontopsychiatrie die Keime weiterzuverbreiten.
    MfG
    rudi09
     
  6. schattenblume

    schattenblume Stammgast

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    hallo,

    also ich muss sagen ich hab den eindruck, dass die hygiene in der psychiatrie nicht so genau wie in der somatik genommen wird. eine ausnahme bildet vielleicht die gerontopsychiatrie (dies ist auch der einzige bereich in dem berufskleidung getragen wird -bei uns).
    für bestimmte keime haben wir auch notfallpakete (mrsa, norro), damit alles da ist falls es mal überraschend gebraucht wird. aber generell hab ich den eindruck, dass die hygiene auf die leichte schulter genommen wird...
    kerzen zu weihnachten sind auch unter aufsicht bei uns erlaubt.

    lg. schattenblume
     
  7. Brady

    Brady Gast

    Guten Morgen,

    was ich jetzt nicht meine sind die normalen Hygiene-Vorschriften in Bezug auf Händedesinfektion oder auch im Umgang mit pflegerisch-somatischen Dingen, wo es vorgeschrieben ist Hygiene einzuhalten. Da denke ich, halten wir in der Psychiatrie schon die Dinge ein.

    Nur der Widerspruch im Sinne von Tragen von Armbanduhren. Auf meine Frage weshalb? Habe ich auch keine Antwort bekommen und trage weiterhin meine Uhr.

    Es ist die Gestaltung des Milieus, wo Patienten selber den Frühstücksdienst übernehmen. Dinge in den Kühlschrank packen oder auch herausnehmen.

    Wo ich es auch nicht ständig im Blick haben kann, ob der Patient es jetzt hygienisch einwandfrei gemacht hat. Wobei das natürlich auch im Sinne des Milieus angesprochen wird, sollte ich es sehen oder kommt es zu Beschwerden von Mitpatienten.

    Auf unserer Suchtstation wurde auch wieder Tablettsystem eingeführt. Was eigentlich gegen dem Sinn der Milieutherapie spricht. Aber natürlich ist es immer wieder ein Abwägen, was ist jetzt wichtiger.

    Unsere Patienten bereiten aus dem Essenswagen, das Essen in Schüsseln auf den Tisch und es wird gemeinsam gegessen.

    @Rudi was meinst du mit Privatkleidung ist kein Thema, außer in den Tageskliniken?

    Liebe Grüße Brady
     
  8. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich verstehe unter Psychiatrie nicht nur die Gerontopsychiatrie- da sieht es sicher anders aus. Es wird auch sicher nicht die Norm sein, auf einer psychiatrischen Station gängig infektiöse Pat. zu betreuen. Ich hatte an die restlichen Bereiche gedacht, welche Brady ja schon beschrieben hat.

    Elisabeth
     
  9. rudi09

    rudi09 Stammgast

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    Hallo,
    wir hatten voriges Jahr eine Infektionswelle, die sich durch alle Stationen und Bereiche zog. Das hat so manchen (nicht alle) wachgerüttelt.
    Mittlerweile ist auch die normale Erwachsenenpsychiatrie oft mit alten Leutchen belegt, weil dort alles voll ist oder das Aggressionspotential zu hoch.

    Privatkleidung ist in unserem haus von chefärztlicher und pflegerischer Seite her verpönt.
    Hauptargumente:
    Wir gehören einer Berufsgruppe/ Firma an.
    Hygiene
    Zum Thema Kommunikation: Die menschlichen und fachlichen Qualitäten sollten zur Überwindung der weißen Schranke ausreichend vorhanden sein.

    MfG
    rudi09
     
  10. Brady

    Brady Gast

    Hallo rudi09,

    bei uns in der Psychiatrie ist Berufskleidung verpönt.
    Wobei wir auf den geschlossen auch mittlerweile vermehrt gerontopsychiatrische Patienten aufnehmen, da unsere Gerontostationen überfüllt sind.

    Für die pflegerisch-somatische Arbeit steht dem Personal natürlich auch Berufskleidung zur Verfügung im Sinne von Einmalschürzen, ect..

    Mittlerweile werden auch Stimmen laut, dass wieder der Trend zur Berufskleidung geht. Bedingt, dass Patienten Angst vor Patienten haben und nicht wissen wen sie ansprechen können. Auch dadurch, dass zu wenig Personal präsent ist und dies Angst schürt.

    Dann der Punkt der Orientierung überhaupt. Wenn ich darüber nachdenke, dass jahrelang dafür gekämpft wurde, dass man in der Psychiatrie keine "Kittel" tragen soll, macht mich das jetzt auch wieder nachdenklich...

    Liebe Grüße Brady
     
  11. MiChung

    MiChung Gast

    Hallo Zusammen,

    bei uns wird - außer in der Gerontopsychiatrie - nirgendwo mehr Berufskleidung getragen. Und das schon seit vielen Jahren ohne Probleme. Auch das Tragen von Armbanduhren war bei uns nie ein Thema. Es finden regelmäßig Hygienebegehungen statt, die ohne nennenswerte Beanstandungen bleiben. So gehe ich davon aus, dass die Hygiene bei uns ganz gut im Blick ist.

    Die "Zugehörigkeit zu einer Berufsgruppe/ Firma" ist bei uns mittels Namensschildern ersichtlich auf denen Name und Funktion stehen.

    Ich bin auch sehr froh, dass wir im Sinne einer "partnerschaftlichen" Behandlung die weißen Kittel ablegen konnten, die in der Psychiatrie m.E. keinen Sinn machen, außer in der Gerontopsychiatrie.
    Es gibt für alle Fälle Einmal - Schutzkittel, die jedoch äußerst selten benutzt werden müssen.

    Dass die Angehörigen nicht wissen, wen sie ansprechen müssen, erlebe ich seit der Einführung unserer Namensschilder nicht mehr. Zudem wissen unsere Patienten bedingt durch unser Pflegesystem, welche Person Ansprechpartner für sie ist.


    Achso ja zum Thema Brandschutz.... in der Adventszeit werden auch bei uns einige Augen zugedrückt, es dürfen Kerzen am Adventskranz brennen, wenn Personal mit im Raum ist.....

    LG
     
  12. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo Brady,

    wenn eure Hygienefachkraft und der Hygiene Ing. vernünftig sind, passen sie die Richtlinien des Hauses an euch an, das sollte doch kein Problem darstellen.
    Allerdings sehe ich mit der Uhr im Bereich der Psychiatrie keine Probleme, die kann auch in der Hosentasche getragen werden.

    Die Patienten die in der Zubereitung der Gemeinschaftsverpflegung arbeiten, müssen eine Unterweisung bezüglich des Umgangs mit Lebensmitteln nach §43 Infektionsschutzgesetz haben. Das wäre in meinen Augen allerdings wichtig.

    Schönen Tag
    Narde
     
  13. Brady

    Brady Gast

    Hallo Narde,

    unsere Richtlinien sind auch soweit in Ordnung.
    Das mit der Uhr in der Hosentasche wäre auch eine Möglichkeit. Aber ich trage meine Uhr am Handgelenk, sehe auch keine hygienischen Gründe dafür dies nicht mehr zu tun.

    Was mich aber jetzt interessieren würde ist die Unterweisung der Patienten nach § 43 Infektionsschutzgesetz. Wie lange dauert so eine Unterweisung und wer nimmt diese vor? Müssten die Patienten diese unterzeichnen?

    Diese müsste dann mindestens jede Woche 1 mal bei uns stattfinden, da wir ja ständig neue Patienten bekommen. Unsere Patienten haben alle mit Kochen, Backen und täglicher Vorbereitung der Lebensmittel zu tun.


    Gruß Brady
     
  14. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo Brady,

    die Unterweisung kann euer Arbeitsmediziner machen, bei dem würde ich mich auch erkundigen ob es für euch vtl. eine Ausnahmegenehmigung gibt.
    Dauer der Unterweisung ist ca. 30 Minuten.

    Schönen Abend
    Narde
     
  15. Brady

    Brady Gast

    Hallo Narde,

    danke.
    Ich denke mal wir bekommen eine Sonderregelung, wenn wir sie nicht schon längst haben. Das wiederum müsste ich in Erfahrung bringen. Denn das müsste ja nicht nur bei mir so geschehen, sondern auf allen anderen psychiatrischen Stationen auch.

    Alle Stationen haben Kochen, Backen und auch Zu- bzw.Vorbereitung der täglichen Mahlzeiten. Selbst wenn wir um die Ecke beim "Türken" Hackfleisch kaufen für türkische Gerichte. :mrgreen:

    Bei Hackfleisch, rohen Eiern und Geflügel bin ich selber schon sehr vorsichtig. Aber wie schon erwähnt, kann bei der Besetzung nicht alles im Auge haben.

    Hatten schon mal Anweisung, wenn wir rohe Eier aus der Küche haben wollen, dass dies die Leitung unterschreibt, ansonsten bekämen wir keine.

    Ich habe nicht unterschrieben, da ich auch nicht weiß, wie alt die Eier aus der Küche sind, die wir bekommen. Aber es werden uns weiterhin die rohen Eier geschickt die wir bestellen.

    Gruß Brady
     
  16. Savannah

    Savannah Junior-Mitglied

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    Hallo Brady,

    die Gratwanderung zwischen milieutherapeutischer Orientierung und hygienischen Anforderungen ist natürlich schwierig. Aber wenn wir im Setting den häuslichen Umständen entsprechen wollten...oha.
    Wir haben mittlerweile Hygienepläne, an denen es nichts zu rütteln gibt, Psychiatrie hin oder her. Und da dieses mittels Checklisten auch kontrolliert wird, kann da keiner mehr ein Auge zudrücken.
    Heisst, tägliche Desinfektion des Essbereichs nach den Mahlzeiten, der Oberflächen in den Arbeitsräumen inklusive RR-Gerät, Maus und PC-Tastatur *g.
    Die Waschmaschine bekommt einmal die Woche ihre 90 Grad und wird abends desinfiziert.
    Eier kaufen wir selber ein und verwenden sie noch am gleichen Tag. Hackfleisch ist nicht - anfangs hatte ich auch Bedenken, aber glaubs mir, es tut der Kreativität der Köche keinen Abbruch.
    Ich denke, es ist wichtig, dahingehend ein Bewusstsein bei den Mitarbeitern und Patienten zu schaffen, dann klappt es auch. Einmal in der Woche wird das Thema Lebensmittel- und persönliche Hygiene in der Morgenrunde thematisiert und ist dann eigentlich ein Selbstläufer.
    Einen Teil der Aufgaben haben wir an die Gruppe deligiert und es wächst damit sogar ein Verantwortungbewusstsein, welches ich nie für möglich gehalten hätte.
    Zusätzlich informiert ein nett gemachter Flyer darüber, wie ich mit Speisen in Bufettform umgehe und welche Gefahren es in sich birgt dieselbigen im Zimmer zu "bunkern".
    Wir arbeiten zivil, die Armbanduhr ist gestattet, ich persönlich brauche sie nicht. Bei Piercings hört der Spass auf, gibts hier andere Threads zu...
    Auf jeden Fall möchte ich mir nichts vorwerfen lassen, wenn es zu einer Infektionswelle welcher Art auch immer kommt. Heisst, das Prinzip Milieutherapie (welches ich für gut und richtig befinde), hat sich unter die Sicherheit der Menschen zu stellen, welche sich uns anvertrauen.
    Offen kommuniziert (ein Prinzip der Milleutherapie *g), ist es durchaus verständlich zu machen und in den Alltag zu integrieren.
    Thema Brandschutz:
    Nein, bei uns gibt es nach zwei Bränden in einer "Saison" keine Kerzen mehr. Und Weihnachten ist trotzdem ok und immer wieder anrührend - wenn man sich begegnet.

    LG
     
    narde2003 gefällt das.
  17. Brady

    Brady Gast

    Hallo Savannah,

    soweit waren wir doch jetzt schon, dass es eben eine Gratwanderung ist. An der wir in der Psychiatrie auch nicht vorbei kommen. Richtlinien sind auch überall bekannt.
    Auch dass es unsere tägliche Arbeit ist, dies mit den Patienten zu thematisieren. Es ist immer wieder ein abwägen, dem wir auch nicht verschlossen bleiben sollten.

    Liebe Grüße Brady
     
  18. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich komme nicht aus der Psychiatrie- trotzdem sei noch eine Bemerkung gestattet.
    Ich vermisse auch in dem brisanten Thema der Hygiene Grundkenntnisse... wie kommt welcher Keim von A nach B? Welche Maßnahmen sind bei welcher Klientel sinnvoll?

    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwähren, diese mangelnden Grundkenntnisse führen zu überschießenden Reaktionen. Ich sehe da für mich Paralelen zur mittelalterlichen Ausgrenzung der an M. Hansen erkrankten und dies nicht nur im Bereich der Psychiatrie.

    Die normale Haushygiene- keine Frage. Aber welchen Sinn sollte eine regelmäßige "Entkeimung" einer Waschmaschine mit einem 90° Waschgang haben?
    Was lernt ein Psychiatriepat. bei "Eier kaufen wir selber ein und verwenden sie noch am gleichen Tag. Hackfleisch ist nicht -..."? Die Welt außerhalb des KKH ist gefährlich?

    Unter Millieutherapie verstehe ich, dass der Mensch befähigt werden soll im Leben außerhalb der Klinik zu bestehen. Oder sehe ich das was falsch? Sollte der Pat. nicht lernen, welche Keime er wie sinnvoll beseitigen kann und das es schädliche Keime gibt ... aber auch nützliche? Und das eine zu intensive Hygiene diese nützlichen Keime auch töten kann.

    Elisabeth
     
  19. Brady

    Brady Gast

    Hallo Elisabeth,

    Wir haben jetzt die milieutherapeutische Sicht nicht hier beschrieben.

    Wir müssen uns auch an die hygienischen Richtlinien halten, die in unserer Klinik vorgeschrieben sind. Welche ich in meinem Bereich auch mit den Patienten bespreche.

    Unsere Patienten sind oft unsere größten Kritiker. Es wird da nicht weggeredet, sondern es wird fachlich damit umgegangen. Jeder unserer Patienten bringt einen Erfahrungsschatz mit und wir arbeiten auch mit diesem. Der andere Patient hat diesen zum Beispiel auf dem Gebiet nicht und wir geben dort Hilfestellung und besprechen dies auch. Dies macht auch die Gruppenarbeit aus.

    Oft erinnern mich Patienten daran, dass es sinnvoll wäre nach Obst oder Gemüse der Saison zu kochen. Dann wiederum mit dem Geld aus zukommen, welches einem zur Verfügung steht. Patienten die lernen müssen mit Geld umzugehen und auch zu planen, wie wann oder wo ich was kaufe. Es ist ständig auch im Prozess zu sehen, wie was läuft und gestaltet wird. Weil auch immer wieder Dinge und auch Probleme die unvorhergesehen sind auf uns zu kommen.

    Zu der Waschmaschine kann ich jetzt nichts sagen, wir haben keine in der Tagesklinik und ich habe davon auch noch nie was gehört.
    Ich desinfiziere meine Tastatur und meine Maus nicht regelmässig, wüsste auch nicht warum? Oder geht damit der Schmutz besser ab? Ok, wir sind auch nur 2 Personen, die diesen PC nutzen.

    Ich trage eine Armbanduhr weil ich die Struktur einhalten will, ich kann von den Patienten nicht verlangen pünktlich zu sein und bin es selber nicht. Da reicht es mir auch nicht, dass überall eine Uhr an der Wand hängt, denn "draußen" hängen für den Patienten auch nicht immer Uhren, wo sie nach orientieren können. Mag ja auch sein, dass Leute ohne Uhr immer pünktlich kommen.

    Dann haben wir auch genügend Hygiene-Pläne die aufgehängt sind, immer wieder sind sie auch in unseren Vollversammlungen Thema. Ob sie eingehalten werden, ob es Sinn macht sie einzuhalten, ob sie verändert werden müssen, usw. . Ich habe dann auch direkten Kontakt zu unserer Hygiene-Fachkraft und werde den aktuellen Stand der rechtliche Dinge abklären. Dies bringe ich dann auch wieder zurück in die Patientengruppe.

    Dann ist es wohl auch so, dass Savannah ihren vollstationären Rahmen beschreibt, der nun auch in allen diesen Dingen mehr Struktur anbieten muss, damit der Patient Sicherheit erfährt. Wie weit, ist immer wieder individuell zu sehen, aber auch immer wieder eine Gratwanderung zwischen Abnahme von der eigenen Verantwortung und Sicherheit für die Gemeinschaft.



    Liebe Grüße Brady
     
  20. Sr.Sandra

    Sr.Sandra Stammgast

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    ich kenne es verschieden, habe 3Monate auf einer akuten, geschlossenen gearbeitet wo wir berufskleidung getragen haben, weil wir oft angespukt oder mit anderen Dingen von Pat konfrontiert worden sind.
    Kenne es aber auch das wir ein Poloshirt und eine Jeans tragen durften (auf einer anderen Station), da sind sie Pat schneller auf einen zu gekommen.
    Hygienisch finde ich Berufskleidung besser (jedenfalls auf der geschlassenen akuten oder der geronto) auf offenen und Tagesstationen finde ich private Kleidung besser.(mann kan ja auch private Wäsche nur für die arbeit haben)
     
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