Humbug oder Zukunft? Gedanken werden sichtbar

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Neurologie / Neurochirurgie" wurde erstellt von sisterNic, 25.09.2005.

  1. sisterNic

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    Scanner „sieht“ und „hört“ mit[​IMG]Thema und Diskussion, ob der Fortschritt in der Neurologie das Entschlüsseln menschlicher Gedanken rechtfertigt, sind nicht neu. Neuen Zündstoff könnte allerdings eine kürzlich in den BBC News veröffentlichte Nachricht entfachen. Wissenschaftler aus UK und USA berichteten darin, dass es ihnen gelungen sei, die Gedanken von Menschen zu lesen. In unabhängigen Versuchen konnten die Forscher vorhersagen, welche Bilder die Testpersonen gerade betrachteten und welche Töne sie wahrnahmen.


    „Thought reading” Computer in der Baseball-Kappe[​IMG]Das Team des University College London (UCL) nutzte fMRI (functional Magnetic Resonance Imaging) – Scans, um die Aktivitäten im visuellen Kortex zu beobachten. Das Ziel der Forscher sei es, so Dr. John-Dylan Haynes des UCL, querschnittgelähmten Menschen eines Tages die Kommunikation mit einem „thought reading“ Computer zu ermöglichen. Mit dem Wissen aus den Experimenten soll nun so etwas wie eine Spracherkennungs-Software entwickelt werden, um noch mehr über die spezifisch aktiven Teile des Gehirns herauszufinden. Auf jeden Fall sehen sich die Wissenschaftler darin bestätigt, dass fMRI-Scans Gedanken lesen können. Haynes räumt allerdings auch ein, dass es noch lange dauern wird, bis eine universelle „mind-reading machine“ entwickelt sein wird. Nichts desto trotz: „One day, someone will come up with a machine in a baseball cap.“


    Neurochirurgen sehen Cowboyfilm via Hirnscan[​IMG]Das zweite Team, das in den BBC News erwähnt wird, führte an der University of California, Los Angelos ähnliche Studien durch und kam zu vergleichbaren Ergebnissen wie seine Kollegen in London. Die Studie beweise, dass Hirnscans elektrische Aktivitäten der Hirnzellen identifizieren können. Die Wissenschaftler aus LA verwendeten Elektroden, die in den Schädel implantiert wurden. Die Daten wurden dann in einem zweiten Step dazu genutzt, fMRI-Signale noch präziser interpretieren zu können. Die Probanden bekamen einen Ausschnitt aus dem Cowboyfilm „The Good, the Bad and the Ugly“ vorgeführt, während sie in einem Scanner lagen. Professor Itzhak Fried berichtete:"We were able to tell one part of a scene from another, and we could tell one type of sound from another."


    Faszination des Gedankenlesens[​IMG]Untersuchungen von Hirnströmen werden inzwischen weltweit mit fMRI durchgeführt. Ein japanisches Forscherteam vom Riken Brain Science Institute in Wako, Japan berichtete bereits zu Anfang des Jahres über Techniken, die das Lesen von einfachen Gedanken möglich macht. Wissenschaftler von der Vanderbilt University in Nashville entwickelten eine statistische Methode zur Analyse funktioneller Kernspintomographen. Auch sie verweisen darauf, dass sie auf den fMRI-Aufnahmen erkennen konnten, was die Probanden betrachteten. Das Team um John-Dylan Haynes veränderte mehrfach die Versuchsbedingungen, um zu dem kürzlich vorgestellten Ergebnis zu kommen. “Previous research on visual perception has tended to focus on perception of static, unchanging scenes, ignoring the fact that our stream of consciousness is highly dynamic and our perception changes from second to second,” so John-Dylan Haynes. Das Team schließt nicht aus, dass mit Hirnscans auch unterbewusste Einstellungen und Überzeugungen sichtbar gemacht werden können.


    Gedankenlesen ist unmöglich[​IMG]Am Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg wird seit einem Jahr mit dem modernsten Kernspintomographen in Europa, mit 7-Tesla-Feldstärke, geforscht. Der Direktor des Instituts, Professor Dr. Henning Scheich, bezeichnet die Ergebnisse aus LA und London als übertriebene Darstellung. Seine Begründung: Ausgehend vom eigentlichen Begriff des Gedankens kann man nicht vom Gedankenlesen sprechen. Wir wissen zwar, in welchen Hirnarealen Reize oder Wahrnehmungen repräsentiert werden und welche Interaktionen stattfinden. Wir können auch in ungefähr ablesen, welche Eigenschaften, beispielsweise Farben, Töne, bewegte oder stationäre Schallquellen, identifiziert werden. Ob die Wahrnehmung aber eine positive oder negative Einstellung hervorruft, das wissen wir nicht. D.h., welche weiteren Gedanken oder rationalen Überlegungen damit verknüpft werden, können wir definitiv nicht sagen.


    Ausblick in die Zukunft[​IMG]Die Technik der Kernspintomographen wird immer hoch auflösender, so dass in Zukunft auch schwächere Gehirnsignale erfasst und subtilere Verarbeitungsschritte in Hirnstrukturen verfolgt werden können. Unsere Hoffnung ist, so Professor Scheich, dass wir rein empirisch anhand von höchst kontrollierten experimentellen Situationen grobe Abweichungen von normalen Mustern erkennen können. Dadurch ließen sich Fehlsteuerungen und neue Therapiewege, z.B. bei Schlaganfall, Hirnverletzungen, Alzheimer, Epilepsie sowie Schizophrenie und Depression, identifizieren.


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