Hüft TEP und Infektion

Jacaranda

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Hallo, wer von euch hat hier praktische Erfahrung? Kommt eine Infektion hier wirklich häufig vor? Wie schaut es mit Behandlung der Infektion aus? Nochmal OP und spülen, Antibiose und wie gehts dann weiter, wenn die Sekretion nicht aufhört? Würde mich über viele Rückmeldungen freuen. Interessieren würde mich auch, ob die Verhaltensweise nach Hüft TEP unterschiedlich sind bezüglich Luxationsprophylaxe? Dürfen eure Pat. z.B. in "normale" Rollstühle?
 
Hallo Jacaranda,

über die Häufigkeit einer Infektion nach H-TEP kann ich dir keine Zahlen liefern.

Bei uns wird bei einer Infektion nach H-TEP Implantation das OP-Gebiet "saniert". D. h. die Wunde wird eröffnet, gespült und das PE-Inlay wird gewechselt. Dabei werden viele Abstriche und Bakteriologieproben entnommen, um den Keim zu isolieren, damit eine gezielte Antibiosetherapie angewendet werden kann. Wenn die Entzündungswerte trotz allen Maßnahmen nicht sinken, wird die H-TEP komplett ausgebaut und der Patient bleibt in einer sog. "Girdlestone"-Situation. Mit Gehhilfen ist er mit dieser Situation sogar in der Lage zu laufen. Ca. 6 -8 Wochen nach dem Ausbau wird wieder ein Keimnachweis durchgeführt. Wenn die Wunde "sauber" ist, wird eine neue Hüfte implantiert.

Zu deiner 2. Frage: Es kommt darauf an, welcher Zugang gewählt wird und wieviel Weichteile und Muskelschichten bei der OP durchtrennt wurden. Je kleiner und muskelschonender der Zugang, desto geringer das Luxationsrisiko.
Bei uns beginnt am ersten postop. Tag die Krankengymnastik und die Gehschule. Dort lernen die Patienten wieder laufen und Treppensteigen. Außerdem lernen sie, wie sie sich richtig hinsetzen müssen, damit das Luxationsrisiko vermindert wird.

Bei Patienten mit erhöhtem Luxationsrisiko, z. B. Dysplasien, schlechte Pfannenverhältnisse oder pflegebedüftige Patienten, bekommen eine Schnapppfanne implantiert. Diese Form der Pfanne verankert den Kopf in der PE-Pfanne und reduziert dadurch das Risiko einer Luxation.

Ich kann dir leider nur aus OP-technischer Sicht helfen und was ich bei den Ärzten so nachgefragt habe. Aus pflegerischer Sicht weiss ich nicht Bescheid. Ich hoffe, ich konnte dir trotzdem ein bißchen witerhelfen.

LG opjutti
 
Herzlichen Dank schon Mal an die "OP-technischer Seite"! Spülen mit Lavasept z.B.? Was wird am PE-Inlay gewechselt genau?
 
Genau - gespült wird mit Lavasept (Einwirkzeit wird minutengenau eingehalten)!!

Die zementfreie H-TEP, welche das meistimplantierte Modell ist, besteht aus 4 Teilen:
Die Schale aus Titan, die "Pressfit" eingebracht wird, d. h. passgenau mit festen Hammerschlägen.
In diese Schale wird ein Inlay aus Polyethylen eingebracht.
Hüftkugelkopf aus Metall, Keramik oder Cobalt-Chrom und
Hüftschaft aus Titan.

Da der Hüftkopf im Inlay beweglich ist und dadurch auch Druck auf das Inlay entsteht, wechselt man die beiden Komponenten, die keinen direkten Knochenkontakt haben, bei einer Infektion komplett gegen neue aus.

LG opjutti
 
Die Frage wurde ja schon recht kompetent von opjutti beantwortet. Jedoch ist Infekt nach Hüft-TEP nicht gleich Infekt nach Hüft-TEP: es kommt darauf an wie tief der Infekt reicht und ob der Knochen durch die Infektion betroffen ist oder nicht. Bei isolierten Weichteil Infekten reicht es aus was opjutti beschrieben hat. Im Fall der Girdelstone Situation hat Mensch ein größeres Problem. Da der Knochen schlecht durchblutet ist, kommt das benötigte Antibiotika dort nicht in wirksamer Dosis an. Oft bleibt dann eben infektiöses Material zurück und kann dann nach der Antibiotikatherapie wieder "aufkeimen"! Dann kann zusätzlich weitergehend eine Spül-Saug-Drainage in den Femurschaft eingelegt werden oder auch eine Vacuumversiegelung des Schaftes notwendig werden. Auf jeden Fall sind das dann eben schwerwiegendere Probleme und nicht mehr so einfach zu beheben.
 

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