Hoher psychischer Stress...

Dieses Thema im Forum "Talk, Talk, Talk" wurde erstellt von Tea-Time, 07.10.2013.

  1. Tea-Time

    Tea-Time Newbie

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    Hallo leibe Kollegen/innen, ich bin nun im 3. Ausbildungsjahr und habe derzeit einen Einsatz auf der Intensivstation. Seitdem ich dort eingesetzt merke ich immer mehr, dass ich meine Erfahrungen dort mit nach Hause nehme. Ich hatte von Anfang an etwas Angst vor diesem Einsatz, und den lebenesbedrohlich kranken Menschen. Mich nimmt das psychisch unheimlich mit. Entwickle seit den letzten Diensten Symptome wie: Abgeschlagenheit, Verspannung, Schlafstörung, Angst, neige dazu zu Weinen, aus mir unergründlichen Dingen, fühle mich einfach krank und fertig ( auch Lymphen angeschwollen usw) auch in meinen freien Tagen. Es sind im letzten Arbeitsabschnitt ( 9 Tage) über 10 Menschen verstorben. Das einzige was mich etwas beruhigt ist, dass das Team meiner jetzigen Station, mir jederzeit zu Gesprächen zur Verfügung steht und immer wieder auf mich zukommt und nach meinen Wohlbefinden fragt. Man fühlt sich gut aufgehoben und verstanden. Dennoch würde ich gerne von euch wissen, wie ihr sowas verarbeitet, ob ihr irgendwelche Tricks habt zum Abschalten, zum Runterkommen, zum besser fühlen? Geht es euch als examinierte Kräfte auch so dass ihr in solchen Situationen psychisch belastet seid? Fühlt ihr euch dann auch krank? Ich freue mich über eure Antworten, Tipps und Erfahrungen und bedanke mich bereits im Voraus.
     
  2. Glumanda423

    Glumanda423 Junior-Mitglied

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    Wie lange bist du dort noch eingesetzt?
    Vielleicht solltest du mal mit deinem Hausarzt darüber sprechen, mir hat das damals sehr geholfen. War in einer ähnlichen Situation wie du.

    Ansonsten Augen zu und durch.
     
  3. Fleschor_Max

    Fleschor_Max Poweruser

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    innere ITS
    Ich würde mich als erstes fragen, was belastet mich so daran, wenn Patienten sterben?
    Ich arbeite auf Neuro-ITS, viele alte Menschen, ein Drittel der Deutschen stirbt am Schlaganfall und Folgen. Sterben gehört bei mir zum Alltag.
    Mich belastet nicht das Sterben der Patienten, das gehört zum Leben mit dazu, und ich kann was für sie machen (die Patienten haben ja meist kein Problem mit dem Sterben, sondern eher Angst vor Schmerzen, Luftnot, oder vor der Angst).
    Was mich immer noch anpackt sind die Angehörigen, die verkraften das Sterben meist weniger als die Patienten und ich kann viel weniger für sie tun.
    Stationstür geht hinter mir zu, und das bleibt alles auf Station.
    Emotionen muss man möglichst sofort rauslassen. Wenn mich die Reaktion eines Angehörigen mit anpackt, dann hab ich halt das Pipi in den Augen und bin sprachlos. Man darf nicht emotional Indianer spielen.
    Es ist nicht unprofessionell Emotionen zu haben, auch wenn manche alten Hasen durch Abstumpfung diesen Eindruck vermitteln.

    Im Privatleben sollte man sich gezielt Ablenken, sich selbst klar machen, dass diese Emotionen in den Augenblick gehören, aber nicht den ganzen Tag beherrschen sollten. Wenn man mit den Gedanken dahin schweift, dann gezielt immer wieder "Stop" sagen, und vllt. mal raus an die Luft gehen, Fahrradfahren, oder zu Freunden fahren.

    Als ich noch in der Ausbildung war, und eine Patientin gestorben war die ich lange betreute (sie verstarb, vorher tagelang stabil, als der Transport zur Reha in der Tür stand, und schon beim ersten Transportversuch bekam sie 170er Tachykardie und es wurde abgebrochen), sozusagen mein erster toter Patient, hab ich versucht eine professionelle Distanz aufzubauen, indem ich z.B. die Leiche in den 2h auf Station mehrfach untersucht habe, das Wissen aus der Ausbildung vertieft, mir das entstehen der Totenflecken angeschaut und sowas. Die Patientin hätte kein Problem damit gehabt.

    EDIT: Du brauchst einen Kollegen, bei dem du nicht nur reden kannst, sondern dem du so vertraust, dass es dir nicht peinlich ist, wenn du heulst. Sowas ist wichtig!
     
  4. opjutti

    opjutti Poweruser

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    OP-Management im Orthopädischen OP
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    OP-Managerin + -Leitung
    Hallo Tea-Time!

    Tut mir leid für dich, :troesten: aber vielleicht solltest du mit deiner Schulleitung sprechen und den Einsatz auf der ITS abbrechen.
    Du bist jetzt im 3. Lehrjahr und in geraumer Zeit stehen für dich die Abschlussprüfungen an, für die du deine ganze physische und psychische Kraft benötigst. Wenn du nun in diesem Einsatz mit Problemen körperlicher und seelischer Art zu kämpfen hast, bringt dich das evtl. in Schwierigkeiten.

    Nicht jeder ist für die ITS geschaffen, ich wäre es auch nicht. Ich denke die Schule wird dir weiterhelfen können
    Vielleicht kannst du stattdessen deinen restlichen Einsatz im OP ableisten, oder ist das nicht möglich?

    LG opjutti
     
  5. stormrider

    stormrider Poweruser

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    ex. Krankenschwester + MFA
    Ort:
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    Akt. Einsatzbereich:
    Psychiatrie-Praxis und. amb. Pflege
    Funktion:
    Praxisleitung
    Bist du dem schonmal nachgegangen? Hausarzt?
     
  6. anästhesieschwester

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    Beruf:
    Krankenschwester, B.Sc. Health Care Studies
    Guten Abend Tea-Time,

    was für Patienten liegen denn auf "deiner" Intensivstation? Bzw. wieviel Betten habt ihr?
    Die Anzahl der verstorbenen Patienten erscheint mir nämlich recht hoch - aber ich habe bisher auch nur 1 Intensiv persönlich kennengelernt...

    Gruß
    Die Anästhesieschwester
     
  7. Koefn

    Koefn Junior-Mitglied

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    Beruf:
    Gesundheits-und Krankenpfleger
    Ort:
    München
    Akt. Einsatzbereich:
    Gerontopsych
    Ich hatte in meiner Ausbildung ein ähnliches Problem. Bei mir war es allerdings der allererste Einsatz und das auf einer Palliativstation. Ich war etwas sehr idealistisch eingestellt und die hohe Sterblichkeitsrate hat mich damals ziemlich mitgenommen. Ich habe damals mit unserem Supervisisionsbeauftragten gesprochen der mir durch seine ruhige und angenehme Art sehr geholfen hatte. Dazu habe ich mit Kollegen über diese Belastung gesprochen, was eher nicht so glücklich verlief.

    Haben Kollegen aus deinem Kurrs ähnliches durchgemacht? Versuch doch mit ein paar von denen die du magst darüber zu reden. Rede mit einem Lehrer aus der Schule dem du vertraust. Geh zum Hausarzt und sprich die Situation an.
     
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