Hohe negative Urinbilanz. Warum?

Dieses Thema im Forum "Nephrologie / Urologie" wurde erstellt von Morningstar, 11.05.2006.

  1. Morningstar

    Morningstar Senior-Mitglied

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    Hallo @ all,

    folgendes Problem: betreue in der ambulanten Intensivpflege eine beatmete Patientin. Unsere pflegerische Aufgabe ist es unter anderem, die tägliche Urinbilanz zu erstellen (immer von 6 Uhr bis 6 Uhr 24 h)...

    Nun das Problem:

    Die Patientin hat tagtäglich eine sehr hohe negative Bilanz, an manchen Tagen ist sie bis zu 1000ml im minus!!! Das kann doch nicht sein. Der Urologe konnte oder wollte uns dabei auch nicht helfen und die Bilanz wird peinlich genau berechnet. Was könnte das sein???

    Achso, hier noch die aktuelle Medikation:

    ACC 3x1
    Digitoxin 1x1
    Torem cor 1x1
    Gabapentin 3x1
    Uromethin 3x1
    Falithrom nach Quick

    Kann 1 Tbl. Torem cor so eine Bilanz verursachen oder wirkt da Digitoxin mit?
    Bin völlig ratlos!!! 8O

    MFG Katrin
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Also wenn ich da logisch ran gehe: über einen längeren Zeitraum dürfte es kaum möglich sein eine Negativbilanz von bis zu 1000ml tgl. zu haben. Man kann aus einem Gefäß nur eine begrenzte Menge entnehmen. Ist das Gefäß leer kann man nicht aus dem nichts noch etwas holen.

    Akute Probleme?
    massive Ödeme, die ausgeschwemmt werden
    kurzfristige Blutzuckerentgleisungen
    Diuretikaüberdosierung

    Das dürfte nach deinen Beschreibungen bei dir nicht der Fall sein. Bleibt nur noch die zu hohe Einfuhr. Peinlich genau berechnete Bilanz im Haushalt des Pat.- wie mag sich das gestalten? Sind die Angehörigen nicht doch hier und da mit einer Flüssigkeitszufuhr zu Gange? Das erlebe ich selbst im KKH. Man erklärt die bilanzierte Einfuhr und trotzdem wird etwas gegeben und "vergessen" anzugeben. Man will ja dem medizinischen Personal nicht vor den Kopf stoßen zumal es dem Angehörigen ja nicht schlecht bekommt.

    Elisabeth
     
  3. Morningstar

    Morningstar Senior-Mitglied

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    hi Elisabeth,

    die Patientin hat eine 24 Stunden Betreuung von unserem Pflegeteam. Sie ist selbst sehr genau mit ihrem Einfuhrprotokoll, d. h. sie sagt uns IMMER, was sie getrunken hat, beziehungsweise giessen wir es ihr ein. Es ist also eine ganz genaue Einfuhr, weil ja immer jemand von der Pflege um sie rum ist...

    Sind auch nicht jeden Tag 1000 ml, aber so im Schnitt immer 300- 500 ml im minus...

    Bin ziemlich ratlos...

    MFG
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Aber wenn seit Wochen ein tgl. Minus von ca. 300ml ist, dann wäre die Frau bei einem Gewicht von 63 kg nach 7 Monaten nicht mehr vorhanden.

    Man kann doch unter normalen Umständen nicht mehr ausscheiden als man zuführt. Rechnet ihr alle Flüssigkeiten ein in die Bilanz? Eine zeitlang galt ja unverständlicherweise Kaffee immer als nicht zu berechnende Flüßigkeit. Flüßigkeit ist auch in fester Nahrung prozentual enthalten. Wenn man es also ganz genau nimmt, müßte man diese mit bilanzieren. *grübel* Dann müßte man den Stuhl auch wieder genau in feste und flüßige Bestandteile trennen- klingt nicht sehr sinnvoll.


    Elisabeth
     
  5. Morningstar

    Morningstar Senior-Mitglied

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    Hi Elisabeth,

    An Flüssigkeiten rechnen wir alles ein an Getränken. Auch Kaffee, sogar Trinkjoghurt... Nur an die feste Nahrung hab ich dabei nicht gedacht... :fidee:
    Sollte das die Lösung sein? Der Urologe hat einfach nur ne Überweisung zum Nephrologen geschrieben, damit war für ihn die Sache abgetan...

    Gruß
     
  6. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Abgesehen davon das ich auch keine Idee hab, wenn kein Berechnungs oder Eintragsfehler vorliegt, wollte ich nur kurz loswerden das Trinkjoghurt nicht mit eingerechnet werden sollte, da es halt Milch ist und somit ein Nahrungsmittel, kein Getränk.

    Aber natürlich alles an Obst, Gemüse, dementsprechende Anteile...
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Hi Maniac, du gehst aber mit uns konform, dass der "Aggregatzustand" des Trinkjoghurt flüssig ist auch wenn er "feste Bestandteile" enthält?

    Elisabeth
     
  8. Susanne Huber

    Susanne Huber Stammgast

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    Erstens? Was ist die Grunderkrankung der Patientin? Warum ist sie intensivpflichtig? Ist es etwa neurologisch?
    Könnte die Hypophyse beteiligt sein? (ADH??) Dann mal den Internisten oder Endokrinologen fragen.

    Zweitens? Habt Ihr die Möglichkeit die Patientin zu wiegen? Das wäre gut, z.B.1x die Woche. Damit könntet Ihr die Verluste überprüfen.


    Drittens? Was macht die Klinik (klinischer Zustand)? Wirkt sie exsikkiert? (Schleimhaut, Haut, Lippen, Bewustseinszustand). Bei Verdacht auf Exsikkose gleich den Arzt verständigen, nicht lange warten.

    Viertens?
    Vitalwerte messt Ihr wahrscheinlich eh.

    Gruß Susanne
     
  9. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Mist, ich bin zu spät, ist mir schon im Nachhinein eingefallen, konnte aber erst jetzt wieder hier rein - zu spät zum editieren :razz1:
     
  10. Morningstar

    Morningstar Senior-Mitglied

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    Hallo,

    Ihre Grunderkrankung liegt etwas im Dunkeln: V.a. Bestrahlungsmyelopathie nach Bestrahlung wegen Carcinom, ausserdem z. n. globaler cardial-pulmologischer Dekompensation und z. n. Lungenembolie... Sie ist komplett gelähmt ab Th6. Wird momentan 12 h am Tag invasiv beatmet, d.h. atmet 12 Stunden selbstständig.

    Wiegen ist leider nicht möglich...

    Sie wirkt nicht exsikkiert- dafür besteht keine klinische Annahme...

    Vitalwerte sind total unauffällig, werden 3x tgl kontrolliert.

    Heute wieder: von gestern 6 Uhr bis heut 6 Uhr 950 ml im minus...

    Versteh es nicht.

    Aber danke für dem Tip mit dem Internisten/Endokrinologen, werd es mal in die Hand nehmen!!!

    LG
     
  11. flexi

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    Hallo Morningstar,

    kannst du uns mal eine Bilanz von einem Tag mit allem drum und dran, mit allen gerechneten Werten hier ins Forum einstellen?
     
  12. Morningstar

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    Hi Flexi,

    ja, klar kann ich machen... heut Abend, wenn ich vom SD zurück bin, bekommt ihr ne aktuelle Bilanz.

    Bis dann.

    Gruß
     
  13. opschwesterchen

    opschwesterchen Junior-Mitglied

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    Könnte es möglich sein, dass das, womit ihr die Ausfuhr messt (vermutlich ein DK Beutel) falsch skaliert ist??

    Ich meine, ausgeschlossen ist es ja nicht, wo doch immer mehr Billigprodukte aus woher-auch-immer eingekauft werden... :anmachen:

    Ein Trinkjoghurt geht sicher nicht 1:1 in die Bilanzierung ein. Vollkommen aussen vor lassen kann man ihn aber sicher auch nicht.

    Wenn ich so an die Stationszeit zurückdenke, dann gab es da damals eine Tabelle, in welcher Gewichtung welche Dinge in die Bilanzierung einfliessen.

    Leider habe ich diese nicht mehr zur Hand.

    Eine dauerhaft negative Bilanz kann ich mir eigentlich auch nicht vorstellen. Irgendwo muss doch da ein Fehler drinsein...
     
  14. Morningstar

    Morningstar Senior-Mitglied

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    Hallo Schwesterchen,

    der Urin wird mit nem Litermaßbecher abgemessen, also ganz genau...

    So wie versprochen hier eine Bilanz vom 11. 5.- 12. 05.

    Vortagesbilanz waren: - 950 ml

    Geht los:

    7 Uhr 250 ml Früchtetee

    9 Uhr 200 ml Kaffee, 350 ml Früchtetee
    (1 Scheibe Brot m. Marmelade, 1/2 Apfel)

    10 Uhr 250 ml Früchttee
    11 Uhr 250 ml Früchtetee

    12 Uhr 250 ml Kräutertee
    (1 Bratwurst, Sauerkraut, Kartoffeln)

    12.30 Uhr 250 ml Kräutertee

    Ausfuhr 14 Uhr: 1100 ml Urin

    16 Uhr 300 ml Kaffee, 250 ml Kräutertee
    1 Stück Kuchen

    18 Uhr 200 ml Früchtetee

    Ausfuhr 18. 30 Uhr: 1300 ml Urin

    19 Uhr 200 ml Kräutertee

    21 Uhr 250 ml Kräutertee

    Ausfuhr 22.30 Uhr: 650 ml Urin

    Ausfuhr 6 Uhr: 900 ml Urin

    Einfuhr: 3000 ml
    Ausfuhr: 3950 ml
    Bilanz: - 950 ml

    So sieht´s ungefähr aus... achso muss vielleicht noch dazu sagen, dass auf Diabetes getestet wurde. BZ und HbA1C waren unauffällig...

    Grüße vom Morningstar
     
  15. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Messen erfolgt nur über die Vorgabe am Urinbeutel- ist in der Regel zu hoch (vor allem bei großer Menge)

    Urin wird nicht zu den angegebenen Zeiten abgelassen (650 ml wird markiert und 900? ml fließen zu)

    Mehr fällt mir dazu nicht ein. Bis auf: Pat. trinkt wirklich sehr viel, dass ist eher ungewöhnlich und mir nur erinnerlich bei einem Pat. mit Diabetes insipidus: immere höhere Einfuhr wurde von noch höherer Ausfuhr begleitet. **Hier stand ein Link... diese Verlinkung war defekt und wurde vorübergehend entfernt**

    Aber bevor hier eine Krankheit diagnostiziert wird, würde ich erst mal einen anständigen Meßbecher kaufen und mich nicht auf die Beutelskalierung verlassen.

    Elisabeth
     
  16. Nordlicht

    Nordlicht Poweruser

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    Hi Mornigstar,

    Kräutertee, Kräutertee......
    was für Kräuter sind da drin?
    (Ich denke da an Brennessel & Co)

    trotzdem, wie schon oben geschrieben wurde: irgendwann muß so ein Mensch doch mal "leer" sein... alles sehr erstaunlich.
     
  17. Morningstar

    Morningstar Senior-Mitglied

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    @ Elisabeth...

    hab im vorigen Beitrag geschrieben, dass der Urin in nem Litermaßbecher abgemessen wird...also nix mit Beutelskalierung.

    Und Punkt 6 Uhr wird abgelassen...auch ganz genau. Weil die Patientin ne Einzelbetreung ist und man in der Nachtschicht schon 6 Uhr entgegen fiebert, weil man da endlich was tun kann...

    Kräutertee ist Kräutertee nicht Brennessel. Ist ein freiverkäuflicher Tee ausm Supermarkt...

    Langsam weiß ich mir auch keinen Rat mehr, auf die möglichen Fehlerquellen bin ich auch schon gekommen...

    Danke euch trotzdem...

    Gruß, Morningstar
     
  18. narde2003

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    Hallo Morningstar,

    Torem cor enthält ein Diuretikum, warum soll es dadurch nicht zu einer negativen Bilanz kommen?

    Ich würde es nicht unbedingt auf den Kräutertee zurückführen.

    Genaueres wird dir aber der Internist sagen können.

    Schönen Sonntag
    Narde
     
  19. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Über Wochen bis Monate täglich eine negative Bilanz von ca. 500ml Urin... dazu würden ja noch die Verluste durch Fieber und die Perspiratio kommen... liegen wir schlußendlich bei ca. 1000ml pro Tag. Ein mensch mit 70kg Gewicht wäre nach 70 Tagen nicht mehr da, sozusagen aufgelöst. Und das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

    Bin deshalb umso gespannter auf die Auflösung dieses magischen Rätsels.

    Elisabeth

    PS Wird der Urinbeutel tatsächlich jeweils um 14, 18.30, 22.30 und 6 Uhr entleert?
     
  20. Hey hallo!

    Also das was du hier schreibst klingt ziemlich bedrohlich.
    --> Ich würd sofort mit den behandelnden Ärzten reden, dass sich die da drum kümmern sollen, das könnte u.U. sehr akut sein. Das geht über die Pflege hinaus.

    Andernfalls ist es nicht gar so verwunderlich, da die Patientin scheinbar wirklich sehr viel trinkt. Könnte z.B. hormonelle Störungen (ADH oder Aldosteronmangel etc. also auch verschiedene organische Ursachen haben). Wurde z.B. schon mal auf Diabetes insipidus (Hypophysenhinterlappen) oder morbus addison bzw. die Renin-Angiotensin-Achse getestet?

    LG
     
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