Hilflosigkeit und der Umgang damit

Dieses Thema im Forum "OP-Pflege" wurde erstellt von Plutoniumgiraffe, 23.03.2009.

  1. Plutoniumgiraffe

    Plutoniumgiraffe Junior-Mitglied

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    Hallo,

    ich habe eine Frage und damit verbindet sich ein kleines Problem.

    Ich fang einfach mal an ...
    Zum Jahresbeginn, bin ich ja in den OP gewechselt und daran koppeln sich ja nun Rufdienste (die Frage bezieht sich jetzt nicht nur auf die Rufdienste, sondern allgemein auf den OP - Alltag) und dieses Wochenende war es mal wieder soweit, ich hatte Rufdienst und gestern mussten wir also gleich zweimal ran.
    Beim ersten Patienten (ein recht junger Mann) lief eigentlich alles ganz glatt, keine größeren Blutungen und auch die Vitalzeichen waren nicht außergewöhnlich schlecht, für diese OP.
    Der zweite Patient war schon nicht so berauschend, aber es gab ja auch schon schlechtere, na ja es gab im ITS Verlauf Komplikationen und diese haben wir behoben.
    Heut war ich dann noch mal auf Arbeit und hab die Ärztin, die gestern die Assistenz gemacht hat, getroffen und gefragt, ob sie denn wüsste, wie es "unseren" Patienten von der Nacht geht ... Patient 1 ist noch in der Nacht verstorben und Patient 2 wird es wohl auch nicht schaffen.

    Ich bin jetzt ganz schön niedergeschlagen, weil man irgendwie das Gefühl hat, dass es irgendwie "umsonst" war, was man gemacht hat und ich fühl mich grad irgendwie ganz schön leer.
    In meinem letzten Dienst davor, war es auch schon so, über 6 Stunden OP und alles mögliche versucht (obwohl es da abzusehen war, dass es der Patient wohl nicht schaffen wird) und gestern ist dann auch dieser Patient verstorben.

    Bin ich zu sensibel?
    Sollte ich mir das alles nicht so annehmen und eher denken "ach dann ist es eben so"?
    Ich bin kein Mensch, der mit den Patienten mitstirbt, aber es geht mir eben auch nicht am A*** vorbei.
    Geht es euch (interessant wären für mich auch Meinungen von Leuten, die schon lange bzw. länger im OP arbeiten) ähnlich und wenn ja wie geht ihr mit solchen Situationen um?

    Ist ganz schön viel geworden, aber ich musste mir das jetzt mal von der Seele schreiben und bin mal auf eure Meinungen gespannt.
     
  2. CrunkSista01

    CrunkSista01 Junior-Mitglied

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    Hey finds gut das du dich dazu äußert!
    Auch ich hab ein großes Problem mit Thema Sterben und Tod eines Patienten, arbeite zwar nicht im Op, jedoch auf einer Station, wo viele Patienten verstorben sind, klar waren sie in dem Alter, aber es nimmt mich trotzdem wahnsinnig mit!

    Darf ich dich fragen wie lang du schon im OP arbeitest? Wie lang dein Examen hinter dir liegt, und wieviel du in deiner Ausbildung mit Notfällen und Tod zu tun hattest?

    Ich hatte in meiner Ausbildung nie einen Toten gesehen geschweige denn eine Reanimation, das schlimmste war ein großer Eptileptischer Anfall im 1 Lehrjahr.

    Jetzt bin ich seit 24 September 08 fertig.. und seit 15 Oktober in ein neuen Arbeitsverhältnis.. muss sagen es is ziemlich viel und in relativ kurzen Abständen passiert mit Patienten die Versterben!

    Es nimmt mich sehr mit!
     
  3. medizin_mann

    medizin_mann Stammgast

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    hi
    wie man mit high risk patienten umgeht ist sicherlich jeweils persönlich zu sehen.
    du solltest dir eine gesunde distanz zu den patienten bewahren / aufbauen.
    letztendlich ist nicht die frage nach der notwendigkeit wirklich wichtig, sondern dass man seine arbeit, und da bist du eben ein teil eines teams, 100% erledigt hat.
    wenn die patienten schon high risk sind, kann ich damit eigentlich schon eher umgehen, als wenn es eine wendung im krankheitsverlauf gibt und durch komplikationen / zusatzerkrankungen der patient akut schlechter wird oder sogar verstirbt.
    durch meine arbeit in der traumatologie und der herzchirurgie kommt man dort öfter mit solchen patienten in kontakt.
    es ist gut darüber zu reden und auch gut, dass du darüber nachdenkst und es dich nicht kalt läßt.
    morgen brauchst du auch power für den job und "nebenbei" hast du ja auch noch dein privatleben.
     
  4. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Ich arbeite seit neun Jahren in der Palliativmedizin und bin immer noch geschockt, wenn Patienten unerwartet versterben. Wenn der Sterbeprozess abzusehen ist, kann ich besser damit umgehen.

    Es ist wichtig, dass man sich eine Verarbeitungstaktik aufbaut, damit es einen nicht zu sehr mitnimmt. Das wird seine Zeit brauchen - Du bist erst seit einem knappen Vierteljahr im OP, da haben mich Tod und Sterben auch noch wesentlich mehr verunsichert als heute.

    Aber ich glaube, sobald mich der Tod eines Patienten überhaupt nicht mehr betroffen macht, bin ich in der Pflege am völlig falschen Fleck. Ich hoffe, ich werde mich nie daran gewöhnen. Man sollte jedoch lernen, mit solchen Situationen umgehen zu können.
     
  5. Plutoniumgiraffe

    Plutoniumgiraffe Junior-Mitglied

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    Hallo,

    also ich bin seit Januar diesen Jahres im OP und ausgelernt hab ich Ende September 2006.
    Umgang mit Sterbenden hatte ich auf Station auch, aber bei mir im Dienst ist nie jemand verstorben, gleiches auch in der Ausbildung.
    Wenn ein Patient notfallmäßig operiert wird, ist mir schon klar, dass man eher mit einem negativen Ausgang rechnen muss, aber wenn eine Operation eigentlich recht glatt läuft und dann verstirbt der jenige doch und das auch noch in einem Alter, in dem man noch nicht sterben sollte, dann lässt mich das irgendwie nicht kalt.
    Das ich Distanz brauche ist mir schon klar, aber ich bin eben keine Maschine und kann eben manchmal besser und manchmal schlechter damit umgehen.
     
  6. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Und genau das ist meiner Meinung nach ganz normal und auch in Ordnung, solange es Dich nicht an Deiner Arbeit hindert oder Dir das Abschalten völlig unmöglich macht.
     
  7. dieEv

    dieEv Poweruser

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    Wem würde es nicht nahe gehen?
    Bei uns auf dem Land kommen viele Gefäßpat. immer wieder zur Op und irgendwann liest man in der Zeitung, dass sie gestorben sind.
    Andererseits möchte man manch einen Pat. gar nicht mehr operieren, sondern sie in Frieden gehen und in Ruhe lassen.
    Unsere INT ist praktisch gegenüber vom Op, man krieg da schon viel mit.
    Aber schlimmer wäre es doch, wir würden unsere Arbeit wie Maschinen machen, ohne zu bedenken, dass da ein kranker Mensch auf dem Tisch liegt.
     
  8. anästhesieschwester

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    Hallo!

    Bei uns im Haus erkundigt man sich schon mal bei den Kollegen (auch von anderen Abteilungen) wie es Patienten geht bei deren Erstversorgung oder OP man dabei war. Manchmal ist der Verlauf schon faszinierend positiv, manchmal erfahren wir auch, dass er verstorben ist. Damit habe ich soweit eigentlich keine Probleme.
    Was mir beide Male für ein paar Tage arg zu schaffen gemacht hat, war, beim Tod eines Patienten anwesend zu sein.
    Der 1. ist uns auf dem Tisch mit einem rupturierten BAA verblutet.
    Der 2. (auf Intensiv) hatte ein schwerstes Polytrauma. Vom Frühdienst kam schon die Rückmeldung, wenn sich der V.a. Ileus bestätigt sollten die Geräte abgestellt werden. Aber muss das ausgerechnet in meiner Schicht sein:cry:?
    Was mir sehr gut hilft: darüber sprechen. Mich mit guten Kollegen über die Situation unterhalten, um am Ende nicht nur vom Kopf, sondern auch "vom Bauch her" verstehen zu können, dass es so besser war.


    Gruß

    Die Anästhesieschwester
     
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