Hilfe im Umgang mit stark verkrampfter Bewohnerin

Dieses Thema im Forum "Der Alltag in der Altenpflege" wurde erstellt von Madou, 22.07.2013.

  1. Madou

    Madou Newbie

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    Hallo ihr Lieben,

    ich lese jetzt schon länger im Forum hier mit, da ich im Oktober mein Duales Studium Pflege am Klinikum München beginnen werde und mich einfach ein bisschen informieren wollte.
    Erstmal ein bisschen was zu mir:
    Ich bin fast 20, habe gerade mein Fachabi an der FOS bestanden und im Zuge dessen auch 2 Wochen in Vollzeit einen Pflegehelfergrundlehrgang (10x8= 80 Stunden) und im Anschluss ein 8-wöchiges Praktikum in einem Pflegeheim für Senioren und pflegebedürftige Erwachsene gemacht. Dort habe ich nach etwa 2-wöchiger Einarbeitung auch selbständig meine Arbeit gemacht. Mir wurden 6 (noch recht fitte; Pflegestufe 1-2) Leutchen zugeteilt, die ich morgens für den Tag vorbereitet habe, also Grundpflege, Anziehen und so weiter. Also quasi "alles" außer Behandlungspflege.
    So. Ich habe während der letzten 2 Jahre als Bedienung in einer Gaststätte gearbeitet. Jetzt nach meinem Abi habe/hatte ich 4 Monate frei und habe mich daher im örtlichen Pflegeheim auf 450 Euro Basis beworben.
    Mir wurde dann kein Job im Pflegeheim, sondern einer im betreuten Wohnen als Nachtwache (6-7 Nächte im Monat) angeboten. Ich bin Nachts alleine.
    Im betreuten Wohnen wohnen 12 pflegebedürftige Erwachsene/Senioren ab 40 Jahre.
    So.
    Ich bin also von 21:45 bis 6:45 hier, wobei 4 Stunden Rufbereitschaft sind.
    In der Früh (ab 4:00) wasche ich 3 Leute. Herr A, Frau B und Frau C.
    Herr A hat Pflegestufe 2, steht einigermaßen ist also kein größeres Problem.
    Frau B ist komplett immobil und sehr weinerlich, aber sehr leicht und zierlich, auch kein Problem.
    Frau C hingegen ist übergewichtig, komplett immobil und dement und zudem total verkrampft.
    Hierbei liegt mein Problem.
    Die Einlage zu wechseln ist so ein riesen Kraftakt, da man ihre Beine einfach nicht ausseinander bekommt.
    Sie zu waschen ist total schwierig, da sie einerseits schwer ist und andererseits so verkrampft. Sie unter den Armen zu waschen ist einfach so höllisch schwierig. Und das abtrocknen genauso. Ich will ihr ja nicht wehtun. Auch die Intimpflege ist wiegesagt sau schwierig.
    Ich fahre das Bett schon immer auf Arbeitshöhe und probiere Rückenschonen zu arbeiten aber das ist trotzdem einfach total anstrengend.
    Ihr macht das ganze ja auch keinen Spaß :(
    Die Kollegen speisen mich nur immer damit ab, dass das halt so ist und dass man daran nichts ändern kann.
    In meiner Einarbeitungsphase haben wir sie zu zweit gemacht, da ging das soweit ganz gut, also deutlich Rüchenschonender.
    ..
    So ein langer Text.
    Vielleicht gibt es vom hier aktiven examinierten Personal irgendeinen Tipp, der mir das Arbeiten erleichtern könnte.

    Danke fürs Lesen bis hierhin und ich hoffe auf ein paar Antworten.
    liebe Grüße
    Madou/Melanie
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ist die hohe Muskelspannung immer präsent oder nur bei der Pflege?

    Elisabeth
     
  3. Lillii

    Lillii Poweruser

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    Aus welchem Grund werden die 3 schon ab 4 Uhr gewaschen?
    Sind die so früh wach und ist dies gewünscht?
    Haben die Bewohner auch vor ihrem Einzug ins betreute Wohnen um 4 Uhr die Körperpflege durchgeführt?
     
  4. Madou

    Madou Newbie

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    Die Verkrampfungen sind immer da. Unabhängig von der Situation.

    Der Herr möchte so zeitig aufstehen, ist er auch so gewohnt.
    Die beiden Damen werden von mir gewaschen, weil der Frühdienst dafür keine zeit hat. Das ist eine blöde Situation, aber anders wohl nicht machbar. Da bräuchte man eine dritte Person im Frühdienst und darüber habe ich ja nicht zu entscheiden.

    Liebe grüße
     
  5. SrCati

    SrCati Newbie

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    Hallo Melanie, sind es schon massive Kontrakturen oder hilft vielleicht Wärme auf den Gelenken, um die Muskelspannung zu lösen! Da hilft eigentlich nur fast tgl. KG und das bekommt kaum einer! Manche schwören auch auf Schmerzöl,...! Aber das entscheiden die Angehörigen oder der Bewohnerin selbst, wenn es geht! Eigentlich müsste Sie jeden Tag mehrfach Durchbewegt werden und dass zu zweit! Aber die Zeit ist nicht da, das brauch ich Dir nicht sagen!
     
  6. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Die Verkrampfung ist immer da- unabhängig, ob da jemand ans Bett tritt oder nicht. Nehmen die Verkrampfungen zu wenn du mit der Pflege anfängst?

    Elisabeth
     
  7. Madou

    Madou Newbie

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    Nein, die Dame ist immer gleich verspannt. Auch im Schlaf.
     
  8. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Welche Möglichkeiten bleiben dir? Du hast nur zwei Hände.

    Umso mehr du zerrst, umso mehr wird sich die Verkrampfung verstärken. Ständig ziehen ist also net das Optimale. Es gibt zig Möglichkeiten die Spannung zu reduzieren so das man halbwegs pflegen kann. Für alles brauchst aber Zeit und die hast nicht. Hinzu kommt, dass dir das Fachwissen fehlt und man das net mal so nebenbei erlernen kann.

    Was ist aber unter Zeitdruck möglich?

    Ich würd mir ein Hilfsmittel suchen. Ein kleines festes Kissen z.B.. Das lässt sich unter Umständen zwischen die Kniee bugsieren und du hast einen minimalen Freiraum, der ggf. reicht zum Inkohosen wechseln. Genau so lässt sich bei den Armen verfahren.
    Alles vermeiden, was zusätzlich Streß für die Bewohnerin bringt.
    Kein Deckenlicht anmachen. Nachttischlampe o.ä. indirektes Licht nutzen.
    Nicht das Bett ganz flach stellen und alle Lagerungshilfsmittel rausnehmen.
    Langsame ruhige Bewegungen. Manchmal hilft es bei der Pflege leise zu singen. Damit hast einen Rhythmus an den du dich halten kannst. Zudem sprichst du das Erinnerungsgedächtnis an.
    Nicht mit der Mundpflege beginnen. Die gehört an den Schluß der Pflegesituation.
    ...

    Zum rückenschonenden Arbeiten. das wirst du in usnerem Beruf selten zu 100% erreichen können. Es gibt immer Situationen, wo dies net klappt.

    Ansonsten- du darfst auch Arbeiten verweigern. Und sollte man dir mit Kündigung drohen... es gibt garantiert nich andere Stellen, wo man Geld verdienen kann.

    Elisabeth
     
  9. Madou

    Madou Newbie

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    Das mit dem Kissen probiere ich heute Nacht gleich aus.
    Ich singe öfters mal beim Pflegen. Das gefällt eigentlich allen Bewohnern, da bekomme ich oft Rückmeldung. Ich rede auch immer mit allen, auch mit denen, die sich nicht mehr richtig artikulieren können.

    Ich finde es einfach furchtbar schade, dass die Dame darunter leiden muss, dass ich sie alleine waschen muss. Zu zweit geht das ganze ja wiegesagt wirklich viel besser.
    Ob Sie Krankengymnastik bekommt weiß ich garnicht, das schau' ich heute Abend gleich nach.

    Arbeitsverweigerung ist natürlich eine Möglichkeit, aber darunter leidet im Endeffekt ja wieder nur sie, da der Frühdienst dann ja noch weniger Zeit hat.
    Dadurch, dass ich schon so früh anfange, habe ich zumindest entspannt Zeit und keinen Stress, aber es ist einfach die körperliche Anstrengung, die mir zusetzt.
    Ich danke euch, und besonders dir Elisabeth, für die Hilfen.

    Kann mir vielleicht noch jemand sagen, wie solche Verkrampfungen entstehen? Ist das eine Alterserscheinung? Stehen da Pflegefehler dahinter?
    Das Hintergrundwissen bekomme ich halt leider erst in den nächsten 4,5 Jahren während meines dualen Studiums. Da werde ich mir dann vermutlich eh öfters mal ans Hirn schlagen, was ich hätte besser machen können.

    Liebe Grüße
     
  10. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Woher die Kontrakturen- sofern es denn welche sind- herrühren kann man aus der Ferne nicht sagen. Vielleicht hilft dir ff. Artikel weiter: http://quepnet.fh-bielefeld.de/data/doc/id_219/Q_Sach_Kontrakturenprophylaxe.pdf . Für die Übersetzung der Fachbegriffe dürfte ff. Seite ganz sinnvoll sein: Roche Lexikon Medizin (5. Aufl.) .

    Wenn die Bewohnerin besser zu zweit versorgt werden kann, warum willst du ihr dann zumuten, es lieber alleine zu tun? Ist sie net besser dran, wenn du es verweigerst? Biete doch an, dass du stattdessen einen anderen Bewohner wäschst.

    Elisabeth
     
  11. Madou

    Madou Newbie

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    Ich rede morgen mal mit meiner PDL.

    Ich bin mir nicht sicher ob es Kontrakturen sind, dazu fehlt mir wirklich einfach das Fachwissen.
    Falls dem so ist, sind diese wirklich schon schlimm. Die Bewegungsübungen die dort beschrieben sind, kann ich unmöglich ausführen. Das sollte ein Physiotherpeut oder zumindest ein Examinierter machen. Ich hätte viel zu sehr Angst sie dabei zu verletzen.

    Liebe Grüße
     
  12. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Nicht umsonst braucht es eine Ausbildung oder zumindest eine gute Anleitung. Die scheint hier völlig zu fehlen. Was du noch machen kannst- es dir zeigen lassen. Meint: du schaust zu und lernst so die Tricks und Kniffe- wenn es denn welche gibt.

    Elisabeth

    PS Die passiven Bewegungsübungen dürften auch den wenigsten examinierten Fachkräften geläufig sein. Im Alltag ist dies tatsächlich eher die Physios vorbehalten. Hier braucht es mehr Kenntnisse als nur nach Standard abzuarbeiten.
     
  13. Madou

    Madou Newbie

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    Ja, das wäre vielleicht auch noch eine Möglichkeit.

    Liebe Grüße
     
  14. Madou

    Madou Newbie

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    Also laut Doku sind das Kontrakturen und diese haben einen psychischen Ursprung. Außerdem steht hier, dass sie in einen ausgeprägten Rigor in Armen und Beinen hat. Hm, hilft mir jetzt natürlich wenig weiter. Krankengymnastik bekommt sie soweit ich das sehe nicht.
    Morgen hat meine PDL Frühdienst, da frag ich mal nach.

    Liebe Grüße
     
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