Heparinisierung bei Intoxikation?

maddin84

Newbie
Mitglied seit
24.06.2009
Beiträge
29
Standort
SH
Fall:

Patientin (Ausländerin aus sozialschwachen Verhältnissen,) kommt nachts in die Notfallambulanz. Diagnose: Ellenbogen-trümmerfraktur bei Alkoholintoxikation (2,4). Sie bekommt Nachts ne Not-OP und nen Externen Fixateur am Ellenbogen.

Würdet ihr sie am Tag danach Heparinisieren ??
Wie is das mit Alkohol und der Gerinnung ?
 

Rettungshummel

Gesperrt
Mitglied seit
29.07.2009
Beiträge
4
Standort
Berlin-Marienfelde
Beruf
ex.KS,Rett.Ass.,Luftrett.Ass.
Akt. Einsatzbereich
Luftrettung Christoph35,zentr.Notaufnahme
Funktion
stellv.SL,PA,Lehrrett.Ass.
Hallo,bei uns wird in solchen Fällen mit Innohep bis max.20 000 IU/ml heparinisiert. Allerdings werden bei über 1 Promille nur wirklich lebensbedrohliche Sachen operiert,alles andere muß erstmal ausnüchtern.
 

Elisabeth Dinse

Poweruser
Mitglied seit
29.05.2002
Beiträge
19.811
Beruf
Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
Akt. Einsatzbereich
Intensivüberwachung
Was sagt der behandelnde Arzt? Und wie begründet er sein Handeln?

Elisabeth
 

maddin84

Newbie
Mitglied seit
24.06.2009
Beiträge
29
Standort
SH
Das war ja das, was ich mir nicht erklären konnte.
Bei uns werden die Antikoagulantien gegen 15/16 Uhr gespritzt. Da im Optiplan nix stand, ist man davon ausgegangen, dass die Doc. vergessen hat das Clexane anzuordnen. Desswegen hat sie standardmäßig
Clexane 40 oder 60 bekommen.
Da die Leber im Schnitt 0,1% Alk./Std abbaut müsste die Pat. noch unter dem Einfluss gestanden haben. Über den Nachmittag zeigte sie keine Entzugssymptomatik.
Oder wird das dann nur internistisch thematisiert und nicht chirurgisch?
 

Elisabeth Dinse

Poweruser
Mitglied seit
29.05.2002
Beiträge
19.811
Beruf
Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
Akt. Einsatzbereich
Intensivüberwachung
Da im Optiplan nix stand, ist man davon ausgegangen, dass die Doc. vergessen hat das Clexane anzuordnen.
Gabe nur und ausschließlich nach Ansetzung durch den Arzt!!!

Du hast ganz schlechte Karten, wenn da mehr ist, was in der Erstuntersuchung noch nicht festgestellt werden konnte: diverse Blutungsquellen allerorten. Finger weg von angeblichen Routinegaben diverser Medis.

Konnte man nicht nochmal nachfragen beim Doc?

Elisabeth
 

narde2003

Board-Moderation
Teammitglied
Mitglied seit
27.07.2005
Beiträge
13.386
Standort
München
Beruf
FGuKP I&I, Praxisanleiterin DKG,Wundassistent WaCert DGfW, Rettungsassistentin, Diätassistentin
Akt. Einsatzbereich
HOKO
Funktion
Leitung HOKO
Hallo Maddin,

was hätte mit dem Heparin passieren sollen in deinen Augen?

Liebe Grüsse
Narde
 

Toolkit

Poweruser
Mitglied seit
11.07.2008
Beiträge
902
Standort
Essen
Beruf
Atmungstherapeut (DGP)
Akt. Einsatzbereich
Medizintechnik
Funktion
Vertrieb
Kurze Zwischenfrage: Wie wirkt sich Alkohol eigentlich genau auf die Blutgerinnung aus?

Also beides hat was mit der Leber zu tun, so weit bin ich :-) Aber dann?

MfG und Danke
Tool
 

maddin84

Newbie
Mitglied seit
24.06.2009
Beiträge
29
Standort
SH
Gabe nur und ausschließlich nach Ansetzung durch den Arzt!!!

Du hast ganz schlechte Karten, wenn da mehr ist, was in der Erstuntersuchung noch nicht festgestellt werden konnte: diverse Blutungsquellen allerorten. Finger weg von angeblichen Routinegaben diverser Medis.

Konnte man nicht nochmal nachfragen beim Doc?
Naja, ich hab mich halt gewundert. Man kann nicht als Frischling in die automatisierte Arbeit einer Chirurgieschwester eingreifen und irgendwelche neuen Ideen und Vorschläge äußern.
Zumindest erntet man anschließend eine Menge komische Blicke...
Ich hab das heute noch mal Thematisiert, nicht direkt auf den Fall bezogen (übrigens kahm die Pat. mit 2,7% und nicht mit 2,4) aber darauf hatte keiner eine direkte Antwort.

@narde2003:
Ich hätte das Heparin zumindest den Tag, wo sie den Alkohol abbaut, wegelassen (da es vom Doc auch nicht angeordnet war). Ich meine, ich hab irgendwann mal aufgeschnappt, dass Alohol die Gerinnung beeinflusst, bin mir aber nicht sicher. Ab dem Zweiten Tag den Doc auf die Antikoagulation ansprechen, dass er was anordnet.
> Das wäre mein Vorgehen

Sonst wenn man die Kollegen darauf anspricht und alle es nicht so recht wissen ist es auf jeden Fall sicherer eben den nächsten Arzt darauf anzusprechen ! !

@Toolkit:
Das war ja sozusagen meine Ausgangsfrage...

(Nebeninfo: Pat. zeigte heute mit Hypertonus und Tachkardie leichte Entzugserscheinungen, GGT GPT GOT waren alle erhöt, aber nur um die 100)
 

Elisabeth Dinse

Poweruser
Mitglied seit
29.05.2002
Beiträge
19.811
Beruf
Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
Akt. Einsatzbereich
Intensivüberwachung
Naja, ich hab mich halt gewundert. Man kann nicht als Frischling in die automatisierte Arbeit einer Chirurgieschwester eingreifen und irgendwelche neuen Ideen und Vorschläge äußern.
Zumindest erntet man anschließend eine Menge komische Blicke...
Ich hab das heute noch mal Thematisiert, nicht direkt auf den Fall bezogen (übrigens kahm die Pat. mit 2,7% und nicht mit 2,4) aber darauf hatte keiner eine direkte Antwort.
Befrage den Arzt. Nur so kannst du lernen. Vorsicht vor Automatismen von "Experten". Automatismen müssen nicht immer dem neuesten Stand entsprechen. und du bist dann der Dumme.

Deine Handlungsweise war also korrekt- wenn auch die Begründung etwas weit hergeholt ist. Ich denke, hier ging es um die geplante OP- Geschichte, die offensichtlich nicht mit dem Pflegepersonal abgesprochen wurde. Der Doc muss nicht jede geplante Handlung und auch nicht alle Differentialdiagnosen zwingend mit dem Pflegepersonal erörtern.

Elisabeth
 
N

Noreia80

Gast
Es ist nicht in Ordnung einfach die Medikamente zu geben, ohne vorher mit einem Arzt Rücksprache zu halten. Irgendjemand muss ja Dienst gehabt haben. Stell Dir mal vor der Patient reagiert allergisch etc. (HIT wurde hier glaube ich auch mal angesprochen) – da hast Du definitiv schlechte Karten. Naja, letztlich war es vermutlich dennoch in Ordnung, da man ja mit einem gewissen Ziel Antikoaguliert.

Alkohol verlängert die Gerinnungszeit (bei 4 Promille über das doppelte der Zeit*) und vermindert die Fibrinolyseaktivität.

Liebe Grüße Nore




*Engström et al., Ethanol impairs coagulation and fibrinolysis in whole blood: a study performed with rotational thromboelastometry, Blood Coagulation and Fibrinolysis 2006, 17:661–665
 

Über uns

  • Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit mehr als 15 Jahren eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

Unterstützt uns!

  • Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!