Heißhunger Diabetes Typ 1 bei Zero-Produkten?

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Innere Medizin" wurde erstellt von Chruxx, 12.10.2014.

  1. Chruxx

    Chruxx Newbie

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    Hallo,

    folgender Gedankengang hat mich gestern Nacht beschäftigt:

    In der Ausbildung haben wir gelernt, dass z.B. eine Cola Zero (Süßstoff statt Zucker) nicht hilfreich zum "abnehmen" ist, da es dem Körper vorgaukelt er bekomme nun was Süßes und er müsse nun Insulin ausschütten. Da aber kein Zucker zugeführt und dennoch etwas Insulin freigegeben wird sinkt der Blutzucker und der Körper bekommt ab einem bestimmten Grad "Heißhunger". Das ist der Grund warum man im Endeffekt mehr isst und dann ggf. zunimmt.

    Nun zum Typ 1 Diabetiker ...
    Trink er eine Cola Zero passiert ja theoretisch nichts, oder? Die Bauchspeicheldrüße schüttet kein Insulin aus ergo auch kein Heißhunger?
    Haben Diabetiker Typ 1 überhaupt physiologischen Heißhunger wenn das Insulinmanagement perfekt läuft?

    Vllt. könnt ihr meine "These" bestätigen oder entkräftigen damit ich wieder ruhig schlafen kann.

    LG
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Bist du dir sicher, dass so funktioniert? *g*

    Elisabeth
     
  3. Chruxx

    Chruxx Newbie

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    Nein nicht wirklich. :verwirrt:
    Klär mich auf! :D
     
  4. yoyoyoyo

    yoyoyoyo Stammgast

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    Was ihr in der Ausbildung gelernt habt, stimmt nicht:

    Effect of the artifi... [Am J Physiol Gastrointest Liver Physiol. 2009] - PubMed - NCBI
    Incretin release from gut is a... [Am J Physiol Endocrinol Metab. 2009] - PubMed - NCBI
    etc. etc.

    Süßstoffe erhöhen nicht die Insulinsekretion, und auch nicht die von Inkretinen wie GIP oder GLP-1. Zucker tut das durchaus.

    Ob Süßstoffe beim Abnehmen helfen ist umstritten. Gute Studien dazu gibt es nicht. Gefährlich (z.B. krebsauslösend), wie man in den 80zigern mal dachte, sind sie jedenfalls nicht. Darf jeder so handhaben wie er will, ob Diabetiker oder nicht.
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wer vermittelt eigentlich solchen Blödsinn.

    Ich denke, die Light-Industrie basiert auf dem Gedanken, dass der übergewichtige Mensch einfach zu große Mengen ist und net in der Lage sind, ihre Ernährungsgewohnheiten umzustellen.

    @yoyo- gibt es mittlerweile überhaupt eine Erklärung, warum der eine bei selber Kalorienzufuhr und Bewegung dick wird- der andere nicht? Und wie erklärt man sich aktuell, dass nicht alle Überkorpulenten Diabetes, Bluthochfruck usw. bekommen?

    Elisabeth
     
  6. yoyoyoyo

    yoyoyoyo Stammgast

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    Die Frage ist, ob das wirklich so ist. Die Unterschiede im Grundumsatz (d.h. der Kalorienbedarf ohne Bewegung) zwischen verschiedenen Menschen sind vorhanden, aber ziemlich gering (Prozentbereich). Ebenso gering sind die Unterschiede bei der Energieaufnahme. (Basal metabolic rate - Wikipedia, the free encyclopedia)

    Natürlich gilt das nur für gesunde Menschen, bei Schilddrüsenerkrankungen, Darmerkrankungen etc. sieht das natürlich schon wieder ganz anders aus.

    Ich könnte mir gut vorstellen, dass ein großer Teil der dünnen Vielesser und der dicken Wenigesser latente Schilddrüsenprobleme haben, diese sind ja unglaublich häufig (~10% in der Gesamtbevölkerung). Und die Schilddrüse ist der Hauptregulator des Energieverbrauchs.

    Wenn man sich die Gene anschaut, die extreme Adipositas auslösen (z. B. bei Leptin-Resistenz), dann drehen die fast ausschließlich am Hungergefühl, und nicht am Kreislauf (Leptin - Wikipedia, the free encyclopedia).

    Leptin-Resistenz sorgt zum Beispiel unter anderem dafür, dass man fettere und kalorienreichere Speisen ist. Der "dicker Wenigesser" muss ja gar nicht mehr essen als anderen, nur ein wenig kalorienreicher genügt schon und das Gewicht gerät aus dem Gleichgewicht.

    Ein Zusammenspiel von Schilddrüse und (genetisch determinierten) anderen Nahrungsvorlieben kann den von dir beschriebenen Unterschied schon sehr gut erklären.

    Nachtrag: Eine aktuelle Studie bestätigt das: Thyroid function and morphology i... [J Pediatr Endocrinol Metab. 2013] - PubMed - NCBI
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Danke für die Info.

    Vielleicht versucht die Wirtschaft auf diese Erkenntnisse augzuspringen. Würde erklären, warum man neuerdings versucht, Fettkalorien zu sparen. "Magere Sahne", fettarme Joghurts. Nur- es funzt halt net so einfach. Entweder fehlt der typische Geschmack oder es wird geschmacklich "veredelt" mit Kohlenhydraten.

    Auf Dauer bleibt den Rubensfrauen wohl wirklich nur, sich mit dem Schicksal anzufreunden und das Leben zu genießen, so wie es ist. Bekanntlich macht Streß ja auch Hunger. Diäten sind in der Regel Streß auf den man gut verzichten kann. Da entfällt dann auch der Heißhunger. *g*


    Elisabeth
     
  8. Teilzeitschwester

    Teilzeitschwester Poweruser

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    Liebe Chruxx, der Typ 1 Diabetiker bildet kein Insulin mehr, dieser Typ ist voll Insulinabhängig. Will sich der Typ 1 Diabetiker eine Cola gönnen,greift er zu Zero-Produkten(Zuckerfrei)-diese müssen nicht mitberechnet werden. Eine Cola mit Zucker müsste mit X BE berechnet und dem entsprechend Insulin verabreicht werden.
    Light Produkte bedeuten nicht etwa Zuckerarm-meist sind sie Fett-reduziert-haben dafür aber viel Zucker :o
    Das Light Cola eher ein Trugschluss ist und dick macht (sie löse Heisshungerattacken aus)....habe ich auch mal gehört..kann aber auch nicht mehr genau wiedergeben warum...frage morgen mal unsere freundliche Ernährungsberatung und melde mich dann ;)
     
  9. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Der beschrieben Sachverhalt ist tatsächlich ein "Gerücht" das sich nach irgendeiner uralten Studie mal manifestiert und ewig gehalten hat.
    Wurde bereits mehrfach widerlegt.

    Cola light/zero in diesem Fall ist aber tatsächlich zucker- und nicht fettreduziert ;)
     
  10. bobden

    bobden Newbie

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    Ich finde die Light Produkte schmecken so künstlich... Süßstoff ist ungesund - Durch ihn steige etwa der Blutzucker-Wert stark an, hab ich gelesen...
     
  11. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wieso sollte das Insulin ansteigen? Weil der Kopf meldet- war süß?

    Elisabeth
     
  12. yoyoyoyo

    yoyoyoyo Stammgast

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    Das nun sicher nicht.
     
  13. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Hast du eine kurze und verständliche Abhandlung, wie das physiologische Zusammenspiel zwischen Insulinausschüttung und Kohlenhydraten ist?

    Elisabeth
     
  14. yoyoyoyo

    yoyoyoyo Stammgast

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    Wichtig sind ja zwei Mechanismen:

    * Insulinausschüttung durch die Blutzuckererhöhung
    * Insulinausschüttung durch Inkretine

    Punkt 1 ist in Insulin - DocCheck Flexikon gut beschrieben:

    "Ein steigender Blutzuckerspiegel (ab ca. 4 mmol Glucose/l Blut) ist der wichtigste Sekretionsreiz für Insulin. Die Glucosemoleküle werden von der beta-Zelle aufgenommen und [führen dort] dazu, dass die Membranen der Insulinvesikel mit der Zellmembran verschmelzen (Exozytose). [Dadurch] kommt es zur Ausschüttung des Insulins aus der beta-Zelle."

    Punkt 2 komplexer. Experimentelle Grundlage ist, dass man Patienten die selbe Menge Glukose einmal i.v. gegeben hat, und ein anderes mal oral. Dabei hat man festgestellt, dass der BZ nach oraler Gabe weniger stark ansteigt. Verantwortlich dafür sind sogenannte Inkretine, d.h. Hormone, die vom Dünndarm bei Glukoseaufnahme ausgeschüttet werden, und auf verschiedene Weise den BZ senken. Unter anderem spielen dabei eine zusätzliche Anregung der Insulinsekretion eine Rolle, aber auch eine verlangsamte Magenentleerung etc. (Inkretine ? Facharztwissen!) Bei der i.v. Gabe fallen einfach die Inkretine weg, da die Dünndarmschleimhaut ja nicht beteiligt ist.

    Süßstoffe erhöhen nicht den Blutzucker, d.h. Punkt 1 fällt bei Süßstoffen sicher weg.

    Dass die Darmschleimhaut Süßstoffe mit Zucker verwechselt (d.h. Punkt 2) und deshalb Inkretine und damit Insulin entstehen, hätte durchaus sein können, schließlich verwechseln unsere Geschmacksknospen die beiden Stoffe ja auch. Die Studie, welche ich oben zitiert habe, hat trotzdem gezeigt dass das wohl nicht so ist.
     
  15. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wie garantiert man, dass wirklich 100% der oral zugeführten Glucose aufgenommen werden? Oder setzt man das einfach als gegeben voraus?

    Elisabeth
     
  16. yoyoyoyo

    yoyoyoyo Stammgast

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    Bin ich ehrlich gesagt überfragt, wie das vor 45 Jahren genau ablief. Denke man konnte schon damals genau messen, dass im Verdauungsendprodukt fast keine Glukose mehr drin ist.
    Heute kann man jedenfalls direkt messen, dass da Hormone aus dem Darm kommen, und dass diese Hormone auch den BZ senken. Man setzt Inkretine ja auch schon seit vielen Jahren in der Diabetes Therapie ein (Inkretin-Mimetika wie Exenatid).

    Schöne Messkurven gibt's übrigens auf Orale Antidiabetika - Typ-2-Therapie: individuell behandeln in Abbildung 3.
     
  17. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Interessant. Danke- hab ich wieder was dazu gelernt. *g*

    Elisabeth
     
  18. BastiDE

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    Dafür mal ein Link zum Flexikon von Doccheck: Hunger - DocCheck Flexikon

    Wobei natürlich der Heißhunger aufgrund einer Hypoglykämie deutlich öfter auftritt.

    Basti
     
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