Hausärzte, das leidige Thema

Zara

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Hallo,

ich habe diese Woche mal wieder gelernt wie oft man manchen HA in den Allerwertesten treten könnte.

Unkooperativ und ja zum Teil schon an Inkompetenz kratzend müßen wir nach ihrer Pfeiffe tanzen, das geht mir manches mal so auf die Nerven, das ich platzen könnte.

Da wird nachts der HA gerufen, weil eine Patientin stark randaliert, der HA kommt und spritzt irgendwas :sbaseballs: , aber hält es nicht für nötig dem Pflegedienst irgendwas davon mitzuteilen oder gar in die Mappe, wo es ein Ärztekontaktblatt gibt, einzutragen.
Nun könnte man meinen, der Doc wußte nicht das es ein solches Formular gibt, dumm nur das er schon seit Jahren mit uns arbeitet und das sehr wohl weiß :angry: .
Schwester kommt am nächsten Tag und findet eine derart starkt sedierte Frau vor, die sich nicht mehr bewegt und kaum ansprechbar ist, Schwester zieht Schlüsse, versucht HA anzurufen, keine Sprechstunde, Schwester entscheidet Notarzt zu alarmieren, weil sie weiß ja nichts von der Spritze, nachdem der Notarzt alarmiert ist informiert der angehörige sie erst das da Medikamente verabreicht wurden, Schwester weiß aber nicht was 8O .

Notarzt kommt und fährt nach 5 Minuten wieder, weil er der Meinung ist das er hier nichts zu suchen hat ( ohne auch nur mal unter die Bettdecke geguckt zu haben), Hausärztliche Notdienst kommt, meint liegt an Spritze, weiß aber auch nicht was gegeben wurde, naja, lassen wir sie halt so liegen!!!


Ich wäre balle tot umgefallen, der HA lachte auch noch drüber als er darüber informiert wurde, was sein kleiner pieks da angerichtet hat!!

Dialog Schwester / Notarzt :

Notarzt : " Ist es wirklich nötig gewesen, hier einen Notarzut mit Blaulich zu holen?

Schwester: " Naja, ich kann ihnen ja nicht genau sagen was ihr fehlt, kann ja vieles sein, vieleicht hat sie ja auch nen Schlaganfall?!"

Notarzt: " Und? Hat sie einen Schlaganfall?"

Schwester ( langsam schwer sauer ):sbaseballs: : " Bin ich der Arzt oder sie???????? Sagen sie es mir!"

Notarzt fährt ohne auch nur einmal den Puls gefühlt zu haben!!
Da fehlt mir echt ein Groschen an ner Mark, ich kam mir so dämlich vor!!


MfG
Zara
 

narde2003

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Hallo Zara,

ich verstehe den Notarzt, zumindest teilweise.

Durch den Fehler des Hausarztes, das gegebene Medikament nicht einzutragen, wird der Notarzt mit Blaulicht gerufen.

Die Kosten für einen Notarzteinsatz sind erheblich.

Die Anfahrt mit Blaulicht ist auch nicht ungefährlich, sowohl für den NA als auch für andere Verkehrsteilnehmer - Ich weiss, was ich schreiben, da ich selbst auch Rettungsdienst fahre.

Durch die Schussligkeit des HA gefährde ich also mich und andere, gleichzeitig wird der NA vtl. an einer anderen Stelle dringender Gebraucht.

So was ich nicht verstehe ist, dass er die Patientin nicht untersucht.

Was ich auch nicht verstehe ist, dass die Angehörigen dir nicht gesagt haben, dass der HA ein Medikament verabreicht hat.

Dass Medikamente zum Teil nicht eingetragen werden, habe ich bei Rettungsdiensteinsätzen öfters erlebt. Dann beginnt ein Dedektivspiel, weil man z.B. eine benutzte Spritze am Nachtkästchen findet und auf Rückfrage erfährt man dann von den Angehörigen, dass der Ärztliche Bereitschaftsdienst da war.

Also ich verstehe dich, aber auch den Notarzt der mit Blaulicht, zu einem "überflüssigen" Einsatz fährt, nur weil der Hausarzt nicht dokumentiert.

Liebe Grüsse
Narde
 

Zara

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Aber dafür kann ich doch nichts,
wenn er meint mich da vor den Angehörigen bloß stellen zu müssen, kann ich auch ganz anders.

Ich meine es gehört ja nicht zu meinen Hobbys täglich einmal den RTW zu holen, dass hat mich echt einiges an überwindung gekostet und dann wirste so angefahren, das hat mich getroffen wie ein Brett.

Ein bißchen mehr anstand und Taktgefühl würde den Halbgöttern in weiß so manches mal echt gut stehen
 

narde2003

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Hallo Zara,

mein Vorwurf galt nicht dir, sondern dem Hausarzt.
Dass Angehörige zum Arzt plötzlich was ganz anderes sagen kenne ich gut.

Du hast sicher richtig gehandelt.

Liebe Grüsse
Narde
 

stefan1981

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Wer bezahlt den Einsatz dann? Hat das für den Arzt irgendwelche Konsequenzen gehabt....? Wenn er seine Dokumentaionspflicht verletzt hat.

Schlimmer noch- was wäre wenn der Patient ne schlimme allergische Realktion
entwickelt!?

mfg Stefan
 

Zara

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tia,

das habe ich mich auch gefragt, was wäre gar gewesen, wenn ihr über 80 Jahre alter Körper das ganze nicht verkraftet hätte und sie verstorben wäre??

Kein einziger von denen hat sich die Mühe gemacht ihr RR, Puls oder Zucker zu messen, keiner, es hat aber auch keiner gefragt ob ich es getan habe, es hat sie einfach nicht interessiert.

Ich hatte das Gefühl, bei denen hat sich in dem Moment ein Schalter umgelegt, als ich sagte 80 mit fortgeschrittener Alzheimer, ich hatte das gefühl die dachten, egal was wir machen es lohnt sich eh nimmer :angry:
 

Elisabeth Dinse

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Ich hatte das Gefühl, bei denen hat sich in dem Moment ein Schalter umgelegt, als ich sagte 80 mit fortgeschrittener Alzheimer, ich hatte das gefühl die dachten, egal was wir machen es lohnt sich eh nimmer

Auf der einen Seite wollen wir, dass mit maß reanimiert wird: Leben ist endlich. Auf der anderen Seite sind wir selbst dem Unsterblichkeutswahn erlegen und fordern eine Aktivität des Arztes um jeden Preis. Eine schwierige Sitaution. Und der Wunsch des Betroffenen nach eine Gnadentod im Schlaf hab ich noch gar nicht in Betracht gezogen.


Elisabeth
 

Zara

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Wenn ich als Notarzt gerufen werde, kann ich nicht sagen ich mache nichts, nur weil vor mir eine 80 Jährige Alzheimer Patientin liegt, auch diese Leute haben ein recht zu leben und behandelt zu werden, und wer bin ich denn der Entscheidet, nee, da machen wir nix mehr.

Ich bin nicht Gott und kein anderes Höheres Wesen, dem diese Entscheidung obliegt, und das Thema Tod und Sterbehilfe war bei dieser Patientin nicht präsent, weil ich nicht denke das Alzheimer ein Grund ist jemandem einen Gnadenstoß zu geben.
 

Mobitz

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Sollte es nicht eher darum gehen, dass der Hausarzt richtig dokumentiert und wenigstens kooperiert!?
Also den Notarzt kann ich schon verstehen.
Und erheben wir uns nicht viel eher auf die Stufe eines höhren Wesens, wenn wir bei manchen Leuten versuchen das unausweichliche zu verhindern?? Der Tod gehört zum Leben und die Leute werden ja eh schon sehr alt heutzutage. Da sollte vorab schon geklärt werrden, wann was und wieviel gemacht wird.
Aber wie gesagt, das ist ja nicht der Hauptpunkt dieses Thread (zumindest hab ich das anders verstanden).
Vielleicht solltet ihr nochmal mit dem Hausarzt Rücksprache halten, dass er doch bitte auch dokumentiert, was er macht.
 

Elisabeth Dinse

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Ich bin nicht Gott und kein anderes Höheres Wesen, dem diese Entscheidung obliegt, und das Thema Tod und Sterbehilfe war bei dieser Patientin nicht präsent, weil ich nicht denke das Alzheimer ein Grund ist jemandem einen Gnadenstoß zu geben.

Wie stirbt man deiner Meinung nach? Vielen könnte ein langes Sichtum erspart bleiben, wenn man zur rechten Zeit mal nicht alles menschenmögliche getan hat.

Gerade bei Allzheimerpatienten frage ich mich oft: steigt die Zahl der Betroffenen wirklich oder ist die steigenden Zahl nicht her entstanden durch die Möglichkeiten der organorientierten Medizin.

Zum Hausarzt ist zu sagen, dass seine Handlung nicht korrekt war. Der Notarzt hat aus meiner Sicht richtig gehandelt. Vielleicht hätte ein kritischer Zustand vorgelegen. Aber welche Steigerung der Lebensqualität hätte mit einer Reanimation erreicht werden sollen? Denn es geht ja schlußendlich nicht um das Überleben der Organmasse sondern um das menschliche Dasein.

Elisabeth
 
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Michl

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Zara schrieb:
Ich meine es gehört ja nicht zu meinen Hobbys täglich einmal den RTW zu holen, dass hat mich echt einiges an überwindung gekostet und dann wirste so angefahren, das hat mich getroffen wie ein Brett.
Da kann ich Dich gut verstehen. Gerade jungen Pflegekräften fällt es oft schwer eine Entscheidung zu treffen, weil sie Angst haben, sie könnten unbegründet einen Arzt holen und der dann vielleicht auch noch sauer ist.
Das ging mir früher sogar in der Klinik so, obwohl dort die Ärzte ja vor Ort sind.

Mit der Entscheidung des Arztes kann ich eigentlich auch gut leben. Wenn die Patienten nicht den Anschein machte, in irgendeiner Form zu leiden, ist manchmal "Nichtstun" die beste Lösung.

Nicht gut, ist wie sich der Notarzt scheinbar Dir gegenüber verhalten hat. Er hätte es einfach ruhig erklären können, ohne dass Du das Gefühl haben musst, dass es ein Fehler war, ihn zu rufen.
Weil meine Erfahrung ist, dass Schwestern die Ärzte dann oft zu spät rufen, wenn sie öfters solche Erlebnisse hatten. Da wird erst überlegt: Wer hat denn da Dienst? anstatt: Kann ich das ohne ärztliche Hilfe verantworten?

Du hast Dich für Dich richtig entschieden, weil Du die Verantwortung trägst. Du hast nicht die Entscheidung darüber, ob ein Patient therapiert wird oder nicht - das ist Arztsache. Und der Notarzt hat ja dann auch entschieden.

Über den Hausarzt brauchen wir gar nicht reden. Das ist einfach schlampig und unkooperativ.

LG
reX
 

Nordlicht

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Moin Zara & @ll,

bevor wir hier abschweifen (die Gedanken zum "wann darf gestorben werden" haben wir bereits in einem anderen Zweig).....

mich interessieren jetzt vielmehr die Konsequenzen des HA.

Die Problematik ist klar: auch ich finde manchmal nach HA-Besuchen irgendwelche Spritzen vor Ort; manchmal läßt sich rekonstruieren, was dort wie verabreicht wurde, manchmal eben auch nicht.
Einige wenige Ärzte schaffen es, die Doku aufzuschlagen und entweder im Berichteblatt oder sonstwo einen Eintrag zu machen. Wenn nix zu finden ist, hilft manchmal nur die Rückfrage per Fax. :boxen:
I.d.R. klapp wenigstens das: der Arzt dokumentiert auf dem Antwortfax (natürlich alles schon häppchengerecht vorbeitet), was er wann wem verabreicht hat.
Und die Doc`s müssen manchmal auf ihre Pflichten der Dokumentation hingewiesen werden. Aber dass kennt ihr bestimmt, jeder Doc ist anders zu nehmen und man kennt seine Pappanheimer.:beten:

Zurück zum Punkt: also, Zara, was passierte jetzt mit dem HA? Habt Ihr alles so hingenommen, habt Ihr ihn darauf aufmerksam gemacht, dass Ihr sein Verhalten dokumentiert habt o.ä.?:motzen:
 

Zara

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@ Nordlicht

ja ich habe ihn und auch seine Kollegen darauf aufmerksam gemacht, das es so nicht geht, ob sich was daran ändert, ich denke eher nicht!! :sbaseballs:
 

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