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Ute

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27.10.05

Gute Erfahrungen mit Primary-Nurse-Konzept in Hamburg


Allgemeine Krankenhäuser testen neues Pflegekonzept aus den USA / Mehr Verantwortung für Schwestern / Patientenzufriedenheit steigt

HAMBURG. Die Allgemeinen Krankenhäuser in Hamburg haben gute Erfahrungen mit dem in Deutschland bislang wenig verbreiteten Pflegekonzept "Primary Nursing" gemacht. Die Rückmeldungen der Patienten seien durchweg positiv, sagte die Leiterin des Zentralen Pflegemanagements der LBK Hamburg GmbH, Christa Meyer, auf dem 3. Gesundheitspflege-Kongreß in Hamburg.

Von Inga Niermann
Das Pflegekonzept war zunächst am Allgemeinen Krankenhaus (AK) Harburg ein Jahr lang getestet worden. Die größere Verantwortung und die steigende Zufriedenheit der Patienten wirke sich motivierend auf die Pflegekräfte aus, betonte Meyer. Inzwischen wird "Primary Nursing" nach und nach in den anderen LBK-Häusern eingeführt. Damit setzen etwa 5000 Pflegekräfte das neue Konzept um.

Das in den USA entwickelte Konzept ist eine Form der Pflegeorganisation, bei der jeder Patient eine Pflegende als "Primary Nurse" zugeordnet bekommt. Sie trägt von der Aufnahme bis zur Entlassung die Verantwortung für seine Pflege und Versorgung.

Anders als in Organisationsformen wie der Zimmer- oder Bereichspflege, wechselt diese Verantwortung für den Patienten nicht mit dem Ende der Schicht oder von Tag zu Tag. Das hat den Vorteil, daß der Patient einen festen Ansprechpartner hat, der Angehörige informiert und Behandlungen koordiniert. Die "Primary Nurse" nimmt aber auch weiterhin bei anderen Patienten klassische Pflegeaufgaben wahr.

Eine Primary Nurse für sechs bis zehn Patienten
Im AK Harburg betreut eine "Primary Nurse" sechs bis zehn Patienten auf ihrer Station. "Die verantwortliche Person führt das Erstgespräch, kontrolliert den Ablauf der Behandlung und überweist den Patienten gegebenenfalls in nachfolgende Pflegeeinrichtungen", erklärt Meyer.

Die Absprachen werden täglich in einem Round-Table-Gespräch getroffen - auch mit den Ärzten. "Es ist eine gemeinsame Anstrengung, die DRGs einzuhalten und zu entscheiden, wie der Patient während des kürzeren Krankenhausaufenthaltes die optimale Betreuung bekommt", berichtet Meyer.
Personalabbau müssen Pflegekräfte wegen der Einführung des "Primary Nursing" wohl nicht befürchten. "Gehaltsmäßig und strukturell wird aber eine neue Hierarchiestufe im Pflegedienst eingezogen", sagte der Geschäftsbereichsleiter Pflegemanagement am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), Torsten Rantzsch, auf dem Gesundheitspflege-Kongreß. Die "Primary Nurses" werden besser vergütet als die zuarbeitende Krankenschwester ("Associated Nurses").

Experte rät, an dreijähriger Ausbildung festzuhalten
Rantzsch riet zugleich von der Nachahmung des amerikanischen Modells, das angelernte Pflegehelfer einsetze, ab. Alle Schwestern und Pfleger sollten weiterhin die dreijährige Ausbildung absolvieren. Für Berufsanfänger, die sich den Status der "Primary Nurses" erst durch Fortbildungslehrgänge erarbeiten müßten, sollten bei diesem System aber geringere Einstieggehälter gezahlt werden. Kritisch äußerten sich Pflegewissenschaftler auf dem Kongreß über die Umsetzung des Konzeptes.

Derzeit werde ohnehin vielerorts versucht, die Stationsleitungen abzubauen, kritisierte Dr. Martin Moers, Pflegewissenschaftler an der Fachhochschule Osnabrück. "Damit schafft man ein strukturelles Qualitätsproblem, wenn man nicht gegensteuert", warnte er. Bei Vergrößerungen der Stationen auf bis zu 80 Patienten könne die Stationsleitung nicht mehr ihrer Verantwortung für die Patienten nachkommen.

Auch Meyer betonte, daß bei der Einführung des "Primary Nursing"-Konzeptes am AK Harburg an den Leitungspositionen festgehalten wurde. Die Stationsleitungen seien für die Steuerung der Abläufe und für die Einhaltung und Überprüfung von Pflegestandards nach dem Stand der Wissenschaft unabdingbar.

FAZIT
Das Primary-Nurse-Konzept kommt aus den USA und bedeutet, daß eine Krankenschwester bevorzugt jeweils sechs bis zehn Patienten während des Klinikaufenthaltes betreut. Die Primary Nurse führt das Erstgespräch, überwacht den Behandlungsablauf und überweist gegebenenfalls in andere Pflegeeinrichtungen. Erste Erfahrungen in Hamburger Kliniken sind positiv verlaufen.

Quelle: www.aerztezeitung.de
 

Sinclaire

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Hallo,

die Psychiatrie in Deutschland und den deutschsprachigen Ländern arbeitet schon seit Jahren nach dem Konzept. Leider wird das immer wieder wenig beachtet.

Sehr hilfreich zu dem Konzept ist das Buch von Manthey.

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Cheers

Ingo :wink1:
 

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