Grottenschlechtes Arbeitszeugnis?

Dieses Thema im Forum "Arbeitsrecht / Gesundheitsrecht / Krankenpflegegesetz" wurde erstellt von gina4711, 03.07.2013.

  1. gina4711

    gina4711 Newbie

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    Hallo!

    Ich habe heute nach 5 monatiger Wartezeit, endlich mein Arbeiszeugnis bekommen.
    Ich habe den Eindruck, das es ein echt mieses Zeugnis ist.

    Noch ein paar Details vorweg: Ich habe in dem Betrieb (Schwesternchaft) schon meine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht und insgesamt 19 Jahre in derselben Klinik gearbeitet. Als ich meiner PDL die Kündigung übergab, drückte sie ihr Bedauern aus und sagte mir, das ich jederzeit auch wieder willkommen wäre.

    Und nun dies:

    Bitte mal lesen und bewerten.




    Frau XXX hat von..bis in der (Klinik) als Gesundheits- und Krankenpflegerin gearbeitet. Der Einsatz erfolgte auf verschiedenen Stationen des Hauses, zuletzt auf einer Station mit einem onkologisch/palliativen Schwerpunkt.

    Zu den Hauptaufgaben von XXX gehörten die Durchführung der allgemeinen und speziellen Pflege m Rahmen des Pflegeprozesses, die Durchführung der Pflegedokumentation und administrativen Tätigkeiten, die Aufnahme, Verlegung und Entlassung von Patientinnen und Patienten bzw. deren Überleitung in andere Einrichtungen. Ebenso gehörte zu ihren Aufgaben die Vorbereitung, Mithilfe und Nachsorge bei diagnostisch-, operativen und therapeutischen Maßnahmen, den Umgang mit speziellen Verbänden und Drainagen, die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige. Ferner umfasste ihr Aufgabenbereich die Einhaltung der Hygiene-und Unfallverhütungsvorschriften, die Beachtung der allgemeinen sowie speziellen Hygienischen Vorschriften, die Bestellung und Lagerung der Artikel des täglichen Gebrauchs, der Umgang mit medizinisch technischen Geräten nach dem Medizinproducktegesetz.

    Frau XXX verfügt über ein gutes und umfassendes Fachwissen, das sie auch bei schwierigen Aufgaben effektiv und erfolgreich einsetzte. Mit großem Erfolg nutzte sie alle Möglichkeiten, sich beruflich weiterzubilden. Ihre gute Auffassungsgabe ermöglichte es ihr, auch schwierige Situationen sofort zutreffend zu erfassen.

    Hervorzuheben sind ihre soliden Fähigkeiten, schnell richtige Lösungen zu finden. Frau XXX zeigte bei der Erfüllung ihrer Aufgaben Engagement und Eigeninitiative. Auch bei sehr hohem Arbeitsanfall war sie belastbar.

    Frau XXX arbeitet präzise, zügig und gewissenhaft. Sie war zuverlässig und genoß unser Vertrauen. Sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht erzielte sie gute Arbeitsergebnisse. Mit den Leistungen von Frau XXX waren wir stets zufrieden. Ihr persönliches Verhalten war einwandfrei.

    Frau XXX beendete das Arbeisverhältnis zum 31.12.2012. Wir bedanken uns für die Zusammenarbeit und wünschen ihr für die berufliche und private Zukunft alles Gute.
     
  2. monaluna

    monaluna Poweruser

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    Ich finde das nicht so schlecht.
    Liegt zwischen 1 und 2.
    und mit der richtigen Schlussformel.
     
  3. Joerg

    Joerg Poweruser

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    Ich finde es nicht ganz so prickelnd, eher im Bereich 3-4.
    Vor allem den Satz "Hervorzuheben sind ihre soliden Fähigkeiten, schnell richtige Lösungen zu finden." finde ich grenzwertig. Solide Fähigkeiten sind für mich Fähigkeiten die gerade mal so vorhanden sind.
    Auch "Sie war zuverlässig ..." ist nicht wirklich gut, da fehlt schon ein "immer".
    Gerade bei Zeugnissen machen halt kleine Worte viel aus.
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wer hat diese Veurteilung geschrieben? Sind demjenigen die Bedeutung der "geheimen Floskeln" bekannt?

    Ist das Verschlüsseln von Botschaften in einer Beurteilung überhaupt Inhalt der Weiterbildung zur PDL bzw. SL?

    Elisabeth
     
  5. monaluna

    monaluna Poweruser

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    warum findest du den obengenannten Satz grenzwerting?!
    Bei dem mit zuverlässig, stimmt, ein stets oder immer wäre besser.

    Lege ein Arbeitszeugnis vier verschiedene Personen vor und jeder beurteilt es anders.
     
  6. stormrider

    stormrider Poweruser

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    Das Problem bei Zeugnissen ist immer, dass nicht Klartext geschrieben werden darf. Wenn jemand wirklich gut ist, muß dies durch viele "Übertreibungen" dokumentiert werden. Für eine 1-2 fehlen mir hier an einigen Stellen Wörter wie immer und stets. Wenn du in einer Klinik gearbeitet hast, erwarte ich von den dortigen Zeugnisschreibern, dass sie wissen, wie formuliert werden sollte.

    In einem kleinen Pflegedienst z.B. kann es durchaus passieren, dass der Zeugnisschreiber nicht wirklich Ahnung von den üblichen Floskeln hat. Hier kann es auch gut sein, dass man dir eine gute Leistung bescheinigen wollte, aber sich nicht ständig wiederholen wollte. Ein eindeutiges Zeugnis benötigt aber diese Wiederholungen.
    Das sehe ich auch so.

    In der Schlußformel fehlt mir ein Bedauern über dein Ausscheiden. Beim Ausscheiden eines wirklich guten, allseits erfolgreichen Mitarbeiters gehören immer 3 Teile in den Schlußsatz. - Bedauern, Dank, Zukunftswünsche. Wobei es hier aber auch wirklich aufs Detail ankommt. Wünscht man dir z.B. Gesundheit, kann das der versteckte Hinweis auf häufige Krankmeldungen sein.
     
  7. Joerg

    Joerg Poweruser

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    Richtig, habe ich glatt überlesen.
     
  8. monaluna

    monaluna Poweruser

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    Hm, dann nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil :D
     
  9. gina4711

    gina4711 Newbie

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    Danke für die Antworten bisher.

    Ich habe heute ertstmal in der Schwesternschaft angerufen und gefragt, wer das Zeugnis geschrieben hat. Geschrieben wurde es von der PDL unterschrieben von der Oberin.

    Gerade zu meiner PDL hatte ich in den letzten 19 Jahren immer ein gutes Verhälnis, so dass mich diese Leistungsbeurteilung auch sehr wundert.

    Z.B. der Passus: "Mit großen Erfolg nutzte sie alle Möglichkeiten,sich beruflich weiterzubilden."
    Ich habe 2012 eine Weiterbildung zur Palliativ -Care Schwester abgeschlossen und einige Monate später gekündigt. Hört sich für mich auch eher negativ an auch wenn es positiv klingt.

    auch "ihre soliden Fähigkeiten, schnell richtige Lösungen zu finden"
    ist ja wirklich schlecht. Gerade lösungsorientiert zu arbeiten ist etwas, was ich gut kann. Und selbst eine Kündigung aus freien Stücken ist für mich ein lösungsorientiertes Verhalten.

    Und die Wörtchen stets immer, sehr unsw. sind hier auch sehr wenig vertreten.

    Das Bedauern meines Ausscheidens fehlt mir hier auch. Mündlich hat sie mir es ja gesagt, das werd ich auch auf jeden Fall bemängelt.

    Dumm nur, das ich mich gerade Beworben habe und der potentielle AG auf mein Arbeitszeugnis wartet. Mit dem Zeugnis kann ich mich doch nicht bewerben.
     
  10. stormrider

    stormrider Poweruser

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    Das Zeugnis macht den Eindruck, von jemand geschrieben worden zu sein, der sich nicht mit den klassischen Redewendungen auskennt. Was bei PDLs gerne vorkommt, denn wie man ein Zeugnis schriebt, lernt man nicht als PDL.

    Spreche sie doch darauf an und evtl. könnt ihr gemeinsam das Zeugnis nochmals neu schreiben.
    Zum Thema Zeugnis findest du zahlreiche Informationen im Inet, vor allem auch über die Bedeutung verschiedener Aussagen.
     
  11. gina4711

    gina4711 Newbie

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    Ich hab das Zeugnis postwendend zurückgeschickt.

    Abgesehen von der sehr durchwachsenen Beurteilung waren auch da Fehler bei meinem Einsatzort. Z.B. steht drin, das ich sechs Jahre in einem Klinikstandort gearbeitet haben soll, in dem ich seit meiner Ausbildung nicht mehr war.

    Zwei andere Aussagen ("solide Fähigkeiten") und ("gute Arbeitsergebnisse") habe ich ebenfalls bemängelt.

    Zudem habe ich schriftlich darum gebeten, dass das Bedauern meines Ausscheidens, was mir ja mündlich von der PDL mittgeteilt wurde, ins Arbeitszeugnis kommt.

    Gekündigt hatte ich zum 31.12, nach mehrmaligen Nachfragens am 2.7. mein Zeugnis erhalten. Hoffe, es dauert diesmal nicht wieder so lange, ist echt unangenehm Bewerbungen ohne Arbeitszeugnis loszuschicken.
     
  12. Sharice

    Sharice Stammgast

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    Mündlich ist immer so eine Sache. Ansonsten hast du auf diese besagte Schlussformel nämlich keinen Anspruch. Der AG muss diesen Schlusssatz nicht niederschreiben.
     
  13. gina4711

    gina4711 Newbie

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    Habe schon nach weniger als eine Woche mein neues Arbeitszeugnis zugeschickt bekommen.

    Diesmal mit den (fast) richtigen Angaben zu meinem Einsatzort-und Zeit. (Die zwei Monate, die ich vor 12 Jahren mal woanders gearbeitet habe, wurden unterschlagen, umso besser, muss ich dann im Lebenslauf auch nicht erwähnen)

    Auf den freundlichen Brief an die Oberin hin, wurde auch das Zeugnis inhaltlich verbessert und geht durchnittlich mit "gut" durch.

    Das "Bedauern meines Ausscheidens" wurde auch formvollendet und freundlich niedergeschrieben.

    Lohnt sich also doch, ein durchschnittliches oder schlechtes Zeugnis mit der Bitte um Verbesserung zurück zuschicken.
    Alles Gut!
     
  14. Sharice

    Sharice Stammgast

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    Krankenschwester
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    Wachkoma
    Auf jeden Fall. Manche müssen damit sogar zum Arbeitsgericht gehen. Ich wünsche dir alles Gute.
     
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