Gewalt in der Intensivpflege

Dieses Thema im Forum "Intensiv- und Anästhesiepflege" wurde erstellt von ponv, 18.04.2011.

  1. ponv

    ponv Newbie

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    Hallo
    Ich schreibe meine Facharbeit über das Thema "Gewalt in der Intensivpflege "
    Gern würde ich eure Erfahrungen und Eindrücke mit einfließen lassen, natürlich anonym.
    Was ist Gewalt,ist es das laute Ansprechen, Nachts Licht anlassen, Betten zu Best. Zeiten, Fixierung, Schlagen und und und???

    Was habt ihr schon erlebt und was denkt ihr darüber?

    Wer gute Quellen kennt kann mir die auch gern schicken.

    Vielen Dank im Vorraus.

    ( Ich arbeite seit 10 Jahren auf einer kardiochirugischen ITS in Dresden, bin 33 Jahre alt, männlich, Vater und iPhone Fan.):knockin:
     
  2. aquarius2

    aquarius2 Poweruser

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    Beruf:
    Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensiv Studentin (Psychologie)
    Ort:
    München
    Akt. Einsatzbereich:
    Interdisziplinäre Intensivstation
    Funktion:
    Gerätebeauftragte
    Gewalt kann vielfältig sein, hier einige Beispiele:

    -Gewalt gegen den Patienten, zum Beispiel fixieren, anbrüllen festhalten, Therapie gegen seinen erklärten freien Willen.
    -Gewalt gegen Mitarbeiter, aggressive, durchgängige Patienten zum Beispiel schlagen, würgen, beißen kratzen, sexuelle Übergriffe
    -Kompetenzgerangel, Berufsgruppen werden genötigt, Dinge zu tun die sie nicht machen wollen.
    -äußere Umstände wie Lärm, Licht, Gesellschaft, die Patient und Personal nicht den Tageszeiten anpassen können, zum Beispiel laufende Reanimation in einer Doppelbox
    -Druck auf die Mitarbeiter, Kosten müssen reduziert werden, Ergebnisse erzielt werden, sonst laufen Verträge aus, werden Kündigungen ausgesprochen
     
  3. ponv

    ponv Newbie

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    Hallo
    Danke für deine Mail,ja aber schon das abhängkeitsverhältnis der Patienten, oder der Zwang durch einen Tubus atmen zu müssen,evtl. Cpap Maske ist das schon Gewalt?
    Denn wenn man es sich so überlegt,dürfen Patienten auf der ITS ja gar nichts alleine,aufstehen,sich drehen,spontan atmen, privatssphäre, Ausscheudungen selbst kontrollieren,Nachtruhe usw.
    Eigentlich ist das Mist.
    Am Ende drängen wir unseren Zeitplan und unsere Einteilung den Menschen auf, ob sie wollen oder nicht.
    Also ich möchte eigentlich nicht 3 Uhr nachts bronchoskopiert werden, aber he sagen kann er's nicht, und bei motorische Unruhe, gibt's das Micheal Jackson Gedächtnismedikament propofol.
    MfG Robert
     
  4. pflegeschüler1988

    pflegeschüler1988 Poweruser

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    Beruf:
    Gesundheits- Krankenpfleger, Rettungssanitäter, Student Pflegemanagement
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    Nieder-Olm
    Akt. Einsatzbereich:
    Anästhesieintensiv
    Hallo,

    hier aus meinem Studienbrief der HFH selbst nochmal ein bisschen zusammengefasst, falls du noch Quellen brauchst schick ne PN.





    Macht, Gewalt, Mißhandlung Vernachlässigung-Begriffserklärung



    Definition von Macht: nach Weber „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht. Macht bedeutet auch die „generalisierte Fähigkeit zur Sicherung des Einhaltens bindender Verpflichtungen der Einheiten einer kollektiven Organisation.“


    Definition von Gewalt: allgemein die Anwendung von physischem oder psychischen Zwang, „a) als Ausdruck von Aggressivität, b) als legitimes Mittel oder als unrechtmäßiges Mittel zur Begründung, Aufrechterhaltung oder zur Überwindung bestimmter Macht-Herrschaftsverhältnisse
    Gewalt bedeutet aber auch“dass ein Individuum durch Androhung oder Gebrauch von physischer Kraftanwendung zu einer Handlung oder zur Duldung einer solchen gezwungen wird, die es freiwillig nicht durchführen würde.“
    Damit ist Gewalt eine „Machtaktion, die zur absichtlichen körperlichen Verletzung anderer führt, gleichgültig, ob sie für den Agierenden ihren Sinn im Vollzug selbst hat oder, in Drohungen umgesetzt, zu einer dauerhaften Unterwerfung führen soll.




    Macht und Gewalt haben also einen doppelten Charakter, sie können sowohl produktiv und destruktiv angewendet werden. Sie spielen ein strategisches Kräfteverhältnis, es ist niemals voll und ganz auf einer Seite.


    Strukturelle Gewalt: ist ein äußerst weit gefasster Gewaltbegriff, der zur indirekten Gewalt gezählt wird und eine ungerechte Verteilung von Macht-Eigentumsverhältnissen innerhalb einer Gesellschaft oder sozialen Beziehungen beinhaltet, so dass daraus unterschiedliche Lebenschancen ergeben und zu unfreiwilligen und erzwungenen Ungleichbehandlungen führen.


    Im Heim bedeutet dass keiner für eine unfreiwillige Heimeinweisung Verantwortung, strenge Heimordnung, Heimprinzipien, Sauberkeit, kostensparende Versorgung, Entzug von Entscheidungsfreiheit, Privatheit übernehmen will.
    Die Rahmenbedingungen erleichtern auch das Aufbrechen von direkter, personaler Gewalt.
    So schicken die Medien das Bild von einzelnen gewaltätigen Pflegenden, blenden jedoch politisch und organisatorische Mängel aus.


    Mißhandlung:


    Es werden die Begriffe Vernachlässigung(neglect) und Mißhandlung(maltreatment) bzw. Missbrauch(abuse) als 2 Formen personalierter Gewalt.


    Pillemer definiert Mißhandlung: jede Abweichung von sozial akzeptierten Standards für Handlungsweisen im interpersonellen Prozess, die mit der Absicht ausgeführt werden, einem Patienten zu schaden.
    Pillemer definiert physische Gewalt: eine Handlung, die mit der Absicht ausgeführt wird, einer anderen Person körperlichen Schmerz oder eine Verletzung zuzufügen.


    Verbale Aggression: eine Handlung,, die mit der Absicht, oder wahrgenommen Absicht, ausgeführt wird, einer anderen Person emotionalen Schmerz zuzufügen
    Dieck: bezeichnet Mißhandlung „ein aktives Tun, das den Adressaten dieser Handlung in seiner Befindlichkeit, in spürbarer Weise negativ berührt bzw. seinem expliziten Wunsch deutlich widerspricht. Misshandlungen können körperlich oder psychisch auftreten, aber auch Einschränkung des freien Willens z.B. Wohnort, Verfügung über Geld usw.






    Vernachlässigung:


    Pillermer definiert es so: das vorsätzliche Versäumnis einer Pflegekraft, dem Bedürfnis eines Patienten nicht nach zukommen.


    Dieck unterscheidet zwischen aktiver Vernachlässigung(bewusste Handlungsverweigerungen,z.B. Unterlassen der Intimpflege usw.) und passiver Vernachlässigung(Unterlassung von Handlungen wenn bestimmte Symptome nicht erkannt worden, Mangelernährung, Exikose).
     
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