Geschlossenes Absaugsystem

Dieses Thema im Forum "Intensiv- und Anästhesiepflege" wurde erstellt von Bettina1988, 08.01.2012.

  1. Bettina1988

    Bettina1988 Senior-Mitglied

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    Hallo zusammen!

    Auf meiner alten Station waren geschlossene Absaugsysteme üblich, fast jeder beatmete Patient mit PEEP >8 hatte ein geschlossenes Absaugsystem um das "Zusammenfallen" des PEEPs und häufiges Präoxygenieren zu vermeiden. Nun arbeite ich seit 4 Monaten in einem anderen Haus, wo kaum geschlossene Absaugsysteme benutzt werden. Außer bei 180°-Lagerungen und ANACONDA. In jedem Pflegebuch steht, dass der PEEP beim geschl. AS nicht "zusammenfällt". Wie wird das bei euch gehandhabt? Freu mich schon auf eure Antworten.

    Grüße, Bettina
     
  2. Dirk Jahnke

    Dirk Jahnke Poweruser

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    Moin Bettina

    Wird dir zwar nicht wirklich helfen : geschlossene Absaugung bei jeder Beatmung mit absehbar >24 Stunden.

    Hauptbegründung ist in meinen Augen der Selbstschutz. Wir müssen meist aufgrund einer akuten resp. Insuf. intubieren. Nachbeatmungen sind eher selten. So hat eigentlich jeder intubierte / tracheotomierte Patient eine geschlossene Absaugung.

    Hierbei spielen bei uns die Beatmungseinstellungen keine Rolle. Präoxygenieren muss man so wirklich nur in Ausnahmefällen.
     
  3. pperle27

    pperle27 Newbie

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    Bei uns bekommen alle "Langzeitbeatmeten" geschlossene Absaugsysteme. Zum einen natürlich um den PEEP aufrechtzuerhalten und zum anderen als Selbstschutz!
     
  4. Solani

    Solani Newbie

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    Also bei uns hatten früher alle Beatmungen über 24 Std. eine Geschlossene (wie oben schon genannt Selbstschutz und PEEP Erhalt)
    Mit unserer Oberärztin aus dem Schwesterhaus hat sich das dann geändert.
    Laut ihrer Überzeugung lässt sich mit der geschlossenen nicht so effizient absaugen wie ohne...naja jedem seine Meinung.
     
  5. Fleschor_Max

    Fleschor_Max Poweruser

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    Hab mit beiden ne ganze Ecke Erfahrung, weils im Haus von ITS zu ITS unterschiedlich gehandhabt wird. Das Problem an geschlossenen Absaugkathetern ist doch das einheitliche Lumen. Bei einem offenen System kann ich je nach Viskosität und Menge des Sekrets einen anderen Katheter benutzen. Komm damit wirklich besser zurecht. Ein riesiger Unterschied ist es aber nicht, auf der jetzigen Station hat jeder ein geschlossenes System, sogar wenn er spontan über feuchte Nase atmet :D, geht auch, hab deswegen nicht spürbar mehr Verlegungen. Trotzdem, für mich in der Hinsicht kleiner Pluspunkt für normale Katheter. Ausserdem denke ich fast, dass einen normalen Katheter einmal steril bis aseptisch zu nutzen, ist immer noch besser als so ein geschlossenes System. Hab schon oft Kondenswasserbildung bei den Systemen erlebt, und kann mir das von der Hygiene nicht als optimal vorstellen. Es würde mich nicht wundern, wenn man mit geschlossenen Systemen effektiv sogar ein paar mehr Pneumonien hat.
     
  6. indy J

    indy J Poweruser

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    Hallo

    Jeder Patient hat bei uns ein geschlossenes Absaugsystem. Sollte dies aus irgendeinem Grund mal nicht effektiv absaugen können, diskonnektieren wir im Notfall und nehmen normale Absaugkatheter.
    PEEP wird durch den Absaugvorgang trotzdem weggenommen, wenn auch nicht so extrem.
     
  7. scnucky

    scnucky Junior-Mitglied

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    wir haben egal wie lange beatmet grundsätzlich geschlossene absaugsysteme, nur die reihenfolge von filter und gänsegurgel variiert. auf der neurologischen intensiv ist erst der absauge und filter dann gänsegurgel und system an maschine, auf der operativen intensiv wo ich jetzt tätig bin ist erst absauge und gänsegurgel dann filter---> dabei gibt es kondenswasserbildung im gegensatz zum aufbau der neurologischen intensiv... es wird eben unterschiedlich gehandhabt was das angeht. mit normalen absaugkathetern arbeiten wir nur nasal und oral und bei extubierten spontan atmenden patienten. auch bei feuchter nase und sprechaufsatz handhabt es jeder unterschiedlich ob die geschlossene absauge dran bleibt oder er mit den normalen absaugkathetern arbeitet. bin noch neuling und muss für mich selber nun rausfinden was dann individuell sinniger ist
     
  8. 2011

    2011 Newbie

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    Ich arbeite jetzt seit ca. einem Jahr auf einer internistischen Intensivstation mit pneumologischem Schwerpunkt.
    Wir haben viele ARDS Patienten.
    Aber wir verwenden eher seltener geschlossene Absaugsysteme. Meist erst ab einem PEEP von >10, viel Sekret oder einem isolationspflichtigem Keim in der Lunge.
    Ich muss ehrlich sagen, dass ich auch nicht so gerne mit den geschlossenen Systemen arbeite, da man das Sekret teilweise viel schlechter absaugen kann.
    Es erfordert schon ein wenig Übung. und es ist natürlich ein zusätzliches Keimreservoir und sollte auch täglich gewechselt werden.

    Bei Patienten wiederum die zusätzlich eine schlechte Gerinnung haben ( zB Patienten mit Leberversagen oder einer ECMO ) würde ich lieber einen atraumatischen Absaugkatheter benutzen.

    Ich finde man muss immer abwegen was in der Situation aktuell das Beste ist.

    :wavey:
     
  9. Dirk Jahnke

    Dirk Jahnke Poweruser

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    Moin 2011

    Da wir über die Jahre immer häufiger bis meist eine geschlossene Absaugung einsetzen, kann ich dir berichten, dass sich gerade das Argument "offen lässt sich besser / mehr absaugen" mit der Zeit in Luft auflöst 8)
    Dies mag auf der einen Seite mit dem Verständnis, dass der PEEP Verlust mit Verringerung der FRC natürlich zum Sekrettransport durch den pulmonalen Kollaps in Richtung Sauger beim offenen Absaugen führt, zusammenhängen. Sicher spielt aber auch der heute gewollte Hustenstoß des Patienten eine Rolle. Ein Sauger kann ja nun wirklich nicht die Lunge "freisaugen". Der Patient transportiert aktiv sein Sekret noch am besten !

    "Ob durch den PEEP an die Alveolarwand gedrängtes Sekret abgesaugt werden soll oder muss, ist heute noch umstritten; dass eventuell erstmal weniger Sekret abgesaugt wird, ist naheliegend (Lindgren, S.; Olegard, C.; Stenquist, O. 2002), wobei die Sekretmenge nach 24 Stunden wieder annähernd gleich ist (Wittmer, M. T.; Hess, D.; Simmons, M.)."- Endotracheales Absaugen im geschlossenen System / Autor Arnold Kaltwasser


    Auch die Angst der Keimbesiedelung ist ja hinreichend widerlegt. Produktabhängig wird (24)48-72 stündlich gewechselt. Es gibt Versuche die Absaugung ähnlich wie Beatmungsysteme gar nicht mehr zu wechseln. Beatmungsysteme wurden vor vielen Jahren auch noch täglich gewechselt. Damals konnte man sich auch nicht vorstellen, dass ein Verzicht darauf unbedenklich ist :beten:

    Intensive Care Medicine, Volume 32, Number 4 - SpringerLink

    Behaupte mal das deine Aussagen in deinem Arbeitsbereich bei eher kritischem Umgang mit dem geschlossenen System mündlich überliefert werden.

    Kenne die Argumente auch aus meinen Arbeitsbereich, nur halt in der Mitte der 90ér bei da noch eher seltenen Einsatz.

    Mit zunehmender Keimproblematik hebelt in meinen Augen der Selbstschutz, bei ja zunächst meist unbekannten Keimspektrum, alle Argumente für oder gegen aus 8)
     
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