Genderfrage im Altenheim: Hilfe gesucht

gizzla

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Hallo ihr Lieben,
ich bin Britta und studiere Inklusiv- und Heilpädagogik. Zur Zeit mache ich Montags meinen Projektstudientag in einem sehr netten Altenheim. Da ich zum Abschluss meiner Zeit dort eine Hausarbeit schreiben muss, bräuchte ich bitte eure Unterstützung.
Meine Fragestellung ist:
Gibt es einen Unterschied beim Personal im Umgang zwischen Patient und Pfleger/in in Bezug aufs Geschlecht (Sympathie) und sollte es deswegen eine ausgewogene Mischung aus Männern und Frauen geben?
Was sagt ihr dazu?
Sind bei euch auch beide Geschlechter vorhanden?
Was sind eure Erfahrungen ?
Wie bin ich zu dieser Fragestellung gekommen?
Ich arbeite mit einem Mann und einer Frau im Wechsel zusammen und habe dabei gemerkt das von Seiten der Patienten so Äußerungen kamen wie:
"Oh da bin ich froh das du (Mann) wieder da bist, denn mit ihr (Frau) machte es keinen Spass."
Aber auch der Pfleger meinte: "Ja ich glaube schon, dass ich es als Mann einfacher habe, als die Frauen hier, weil die meisten ja Frauen sind und in mir dadurch keine Rivalin sehen."
Darum brauche ich euch und eure Meinung, damit ich mehrere Meinungen sehe bzw. lese.

Vielen Dank für eure Mithilfe.

Gruß Britta
 
G

Gelöschter User 50029

Gast
sympathie oder antipathie ist zumindest für mich keine frage des geschlechtes. egal ob patient oder kollege, es gibt eben menschen mit denen kann man besser und welche mit denen kann man nich so.. für mich spielen da andere dinge eine rolle die über zu- oder abneigung entscheiden.

es gibt aber sicherlich auch leute die per se alle frauen oder alle männer nich so leiden können.

viel erfolg.
 
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Elfriede

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Empathie muss der Pflegende haben. Dann ist auch "Genderfrage" zweitrangig.
Zitat einer Patientin : "Schickt mir keine Männer !!! Nur Schwestern oder Manfred !"

Ich arbeite in der ambulanten Pflege. Dort ist ein gemischtes Team zwingend.
Es ist eine 1:1 Situation im Einsatz beim Patienten. Zeigt der Patient kein
adäquates Verhalten gegenüber der Pflegekraft, ist es der Pflegekraft nicht
zuzumuten. Ergo - Genderwechsel. Die Alternative wäre die Kündigung des
Pflegevertrages. Kunden zu verlieren kann - und will - sich kein Pflegedienst
leisten.

Viele Patienten geniessen (unabhängig vom Alter) - in angemessener Form -
die Pflege/Betreuung durch eines andersgeschlechtlichen Pflegenden.
Besonders die Unterschiede in den Gesprächsinhalten werden als anregend
empfunden. (Quelle : eigene Kundenzufriedenheitserhebungen)

Die allerbeste Quelle sind Deine eigenen Bewohner.
Mache "Interviews" mit ihnen / lasse sie erzählen. Sie werden es lieben.
Erläutere Dein Anliegen, mache es "ganz wichtig". So mit schriftlicher
Einwilligung (Bewohner muss geschäftsfähig sein) , Camcorder u.s.w.
(Einwilligung der Heimleitung vorher einholen !!!)

Gutes Gelingen, Frieda
 
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-Claudia-

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Wenn Du für eine Hausarbeit empirische Daten willst, halte ich diesen Thread für ungeeignet, aber wir können gern über das Thema plaudern.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Männer in der Pflege für die gleiche Leistung mehr bewundert werden als Frauen. Dass Männer einfühlsam auftreten, freundlich sind, sich empathisch verhalten, finden Patienten aufsehenerregend. Dass Frauen das tun, verdient keine Anerkennung, denn bei uns ist diese Leistung "normal", also (in den Köpfen der Bevölkerung) irgendwie genetisch auf unserem zweiten X-Chromosom verankert oder so ähnlich :lol: - was dann eventuell auch dazu führen kann, dass männliche Pflegende beliebter sind.

Abgesehen davon gibt es natürlich geschlechterunabhängig Sympathien und Antipathien. Allein aufgrund der Beobachtung zweier Pflegekräfte sind allgemeingültige Rückschlüsse unmöglich.
 

gizzla

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Liebe Elfriede und Claudia,
vielen Dank für eure Mühe.
Ja es sollte nur ein Meinungsaustausch stattfinden, so dass ich auch andere Meinungen von anderen Personen höre und dann vergleichend bearbeiten kann.
 

-Claudia-

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Ja es sollte nur ein Meinungsaustausch stattfinden, so dass ich auch andere Meinungen von anderen Personen höre und dann vergleichend bearbeiten kann.

Suchst Du nur Ideen, in welche Richtung Deine Hausarbeit gehen soll? Oder soll das Zitat die Aufklärung für einen informed consent darstellen?
 

gizzla

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Liebe Claudia,
meine Hausarbeit soll sich um die Genderfrage in Pflegeberufe/Altenheime drehen. In unserer Bibliothek finde ich leider keine Literatur, darum muss ich auf Statistiken des Landes und eure Meinungen zurückgreifen und hoffe das ich in der Zwischenzeit doch noch Bücher mit diesem Thema finde. Es können alle Themen die mit Geschlechter behandelt werden auftauchen. Bis jetzt habe ich schon Daten über Personal und Freizeitverhalten von Senioren die eingeteilt in Frau und Mann sind.
Gruß Britta
 

-Claudia-

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Mir persönlich ist es noch nie aufgefallen, dass Männer von den Patienten bevorzugt wurden.
Bei mir gibt es allgemein mehr Pflegerinnen als Pfleger.
Bis jetz ist mir noch nicht aufgefallen, dass nach Geschlecht selektiert wurde.
Klar, haben manche Patienten den/die eine/n oder andere/n Pfleger/in lieber, aber geschlechtsunabhängig :-)
 

Blausam

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Hallo!

Ja, wie wir haben leider auch immer diese - nennen wir sie mal "sexistischen" - Patienten. :kloppen:
Habe mit der Zeit gelernt da nicht mehr hinzuhören, solang ich nicht persönlich angegriffen/beleidigt werde.
Und wenn doch, dann antworte ich mit einem Hauch Sarkasmus.
 

chris76

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Hallo Blausam,

sowas ist wirklich schlimm und ich freu mich zu lesen, dass du gelernt hast, abzuschalten bzw. mit nem guten Konter damit umzugehen.
Ich denke, dass so ein Verhalten vor allem gegenüber weiblichen Azubis besonders zu schaffen macht - mal davon abgesehen, dass dadurch der Beruf noch unattraktiver wird, wenn der Eindruck entsteht, dass so ein Verhalten auf viele Jahre noch "berufsbegleitend" sein könnte.
 

Neuromaus

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Ein gemischtes Team ist meines Erachtens immer von Vorteil. Bei uns ist es bei pubertierenden Jugendlichen natürlich viel heikler, aber auch bei alten Menschen gibt es mit Sicherheit Frauen, die nicht von Männern versorgt werden möchten, und umgekehrt auch Männer, die nicht so gerne von Frauen versorgt werden. Wobei letzteres immer schwieriger umzusetzen ist, weil es i.d.R. mehr Frauen in den Teams gibt, so dass nicht immer ein Mann im Dienst ist, und wenn, dann kann er ja nicht alleine alle männlichen Patienten (oder Bewohner) versorgen, während die Frauen sich die weiblichen Patientinnen aufteilen. Daher müssen die Männer meistens "zurückstecken" und eben doch eine andersgeschlechtliche Pflegekraft akzeptieren, weil eben keine gleichgeschlechtliche da ist. Wenn Frauen eine gleichgeschlechtliche Pflegekraft wünschen, ist es zwar einfacher, aber ich habe es auf den Erwachsenenstationen, auf denen ich in der Ausbildung gearbeitet habe und wo ich nach dem Examen mal ausgeholfen habe, häufig erfahren, dass darauf keine Rücksicht genommen wurde, auch wenn es möglich und auch sehr unproblematisch gewesen wäre. Also zusammenfassend bin ich der Meinung, dass a) gemischte Teams eine sehr wichtige Voraussetzung sind und b) die "Gender-Wünsche" der Patienten/Bewohner besser berücksichtigt werden sollten (soweit es die Umstände erlauben). Es ist ja nicht so aufwändig, bei Aufnahme mal zu erfragen, ob jemand lieber eine gleichgeschlechtliche Pflegekraft möchte, oder ob es der Person egal ist. Im Altenheim wird ja (soweit ich weiß) sowieso Biografiearbeit betrieben. Da sollte es ja machbar sein, den Patientenwillen in diesem Zusammenhang "herauszufinden". Und das dann zu akzeptieren ist für mich ein ganz ganz wichtiger Schritt, um die Würde des Patienten zu erhalten.
 
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Man wundert sich trotzdem, wenn Ärzte als irgendwie geschlechtsneutral akzeptiert werden und Pflegepersonal eben nicht.

Wobei ich glaube, dass viel Männer gar nicht unbedingt einen Pfleger wollen, weil ich glaube dass in den Bildern im Kopf der Umstand, das Pflege weiblich ist und somit normal und das männliche Pfleger alle schwul sind und Homophonie da, wenn auch unbewusst, durchaus eine Rolle spielt, weibliche Pflegekräfte durch die Bank eine höhere Akzeptanz erfahren.
Frauen finden emphatische Männer in der Pflege super und sind, glaube ich, da flexibler. Ich bin da bei Claudia. Das ist in allen eher weiblich geprägten Bereichen so. Sieht man bei Vätern auf Spielplätzen, Väter generell, die alleine mit ihren Kindern unterwegs sind. Die erfahren auch sehr viel mehr Bewunderung.
Hat nicht letztens irgendein Mann einen Preis bekommen, weil er zuhause blieb, damit seine Frau irgendwas tolles beruflich machen konnte? Frauen bleiben seit Jahr und Tag zuhause und stecken beruflich zurück, damit der Mann sich seiner Karriere widmen kann. "Rücken freihalten" nennt man das. Und Alleinerziehende Männer werden total beklatscht und gefeiert.
 

Neuromaus

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Man wundert sich trotzdem, wenn Ärzte als irgendwie geschlechtsneutral akzeptiert werden und Pflegepersonal eben nicht.
Finde ich persönlich auch nicht in Ordnung.
Bei ärztlichem Personal sollte man genauso wie bei pflegerischem Personal akzeptieren, wenn ein Mensch, egal ob Patient oder Patientin, Bewohner oder Bewohnerin, gleichgeschlechtlich betreut werden möchte. Da sind die Umgebungsfaktoren bei uns noch sehr schlecht, ich würde fast sagen, noch schlechter als in der Pflege, nämlich dass (ich nehme jetzt mal nur das Beispiel der Frauen, weil es da glaube ich häufiger vorkommt) eine Patientin, die äußert, dass sie gerne von einer Ärztin untersucht werden würde und nicht von einem Arzt
  1. völliges Unverständnis erntet
  2. nicht ernst genommen wird
  3. häufig auch noch unverschämte Antworten bekommt (nicht zuletzt leider auch vom Pflegepersonal, das mit diesem Wunsch "konfrontiert" wird, bevor jemand vom ärztlichen Personal die Patientin gesehen hat)
  4. völlig unprofessionell "das Lästerobjekt" des Teams wird mit allen möglichen Gerüchten, was da wohl vorgefallen sein mag oder ob sie einfach nur einen an der Klatsche hat
  5. nachher dann doch zur Untersuchung durch einen männlichen Arzt "gezwungen" wird (ihr versteht schon, wie das gemeint ist)
  6. unangemessen lang warten muss, obwohl es nicht nötig wäre, bis dann endlich eine Ärztin kommt und sich um sie kümmert
  7. zu spüren und oft auch gesagt bekommt, was für einen unverhältnismäßigen Aufwand sie mit ihren Sonderwünschen jetzt erzeugt hat
und so weiter und so fort. Absolut inakzeptabel! Jeder Mensch muss das Recht haben, wenigstens dieses Mindestmaß an Selbstbestimmung über seinen eigenen Körper behalten zu dürfe, dass er selbst entscheidet, wen er daran lassen möchte und wen nicht. Und das sowohl in der Pflege als auch in der ärztlichen Behandlung!
Es gibt doch wirklich genug Patienten, denen das egal ist. Da wird man doch wohl die paar, denen es nicht egal ist, mit Respekt behandeln können. By the way... Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Wunsch nach gleichgeschlechtlicher Versorgung bei muslimischen Patientinnen sehr viel einfacher akzeptiert wird als bei allen anderen Religionen. Warum? Hat denn nicht eine Christin, Jüdin, Hinduistin, Buddhistin, Atheistin oder Angehörige einer anderen Religion oder Glaubensgemeinschaft das gleiche Recht auf würdevolle und respektvolle Behandlung?
Und dafür sind in Deutschland die Umstände leider, leider, leider einfach noch nicht ausreichend gegeben.

Frauen finden emphatische Männer in der Pflege super und sind, glaube ich, da flexibler.
Da bin ich voll bei dir. Es gibt bestimmt viele solcher Patientinnen/Bewohnerinnen. Und das ist auch gut so! Aber diejenigen, die einfach nicht von Männern versorgt werden wollen, egal wie empathisch die sind, sollten da auch nicht zu gezwungen werden (müssen). Das geht (egal ob pflegerisch oder ärztlich) manchmal schon leicht in die Richtung einer Übergriffigkeit, die ich den Menschen gegenüber nicht in Ordnung finde.
 
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Was ich auch interessant finde, gerade in Bezug auf den Ausgangsthread, wo es ja um die Altenpflege geht, ist die Tatsache, dass ich es so erlebt habe, dass der Wunsch nach gleichgeschlechtlicher Pflege bei jüngeren Frauen eher akzeptiert wird als bei älteren, zumindest dann, wenn die Pflegeperson annähernd ein ähnliches Alter hat wie die Patientin.
Ich beschränke mich jetzt wieder auf das Beispiel in dieser Gender-Konstellation, weil ich bisher nur dort Erfahrungen gemacht habe.
Als ich nach einer OP im KH lag (Anfang 20), musste ich in der Nacht zur Toilette, konnte aber nicht einfach alleine gehen, weil die Bettgitter hochgezogen waren und ich sie vom Bett aus nicht herunterbekommen habe (dem hatte ich mündlich zugestimmt, das war schon okay so, das ist nicht das Thema), abgesehen davon, dass ich wegen Narkoseüberhang am Tag auch noch nicht aufstehen durfte. Also habe ich geklingelt. Daraufhin kam ein Pfleger ins Zimmer (vielleicht Ende 20) und fragte, was ich bräuchte. Ich habe nur gesagt, dass ich gerne das Bettgitter herunterhaben wollte. Er fing dann direkt an, die Drainageschläuche zu sortieren und als ich sagte, dass ich den Rest schon alleine schaffe, sagte er sofort: "OK, kein Problem, bitte kurz warten, nicht alleine aufstehen, ich hole eine Kollegin." Das habe ich ihm hoch angerechnet (was aber nichts daran geändert hat, dass ich nicht von ihm zur Toilette begleitet werden wollte), zumal ich noch nichtmal ausdrücklich was zur "Genderproblematik" gesagt habe.
Einige Zeit später habe ich (natürlich im Tagdienst!) jemanden auf der selben Station besucht. Die Zimmernachbarin, eine ältere Dame (ca. Ende 70/Anfang 80), war in der o.g. Situation (nur ohne Bettgitter), frisch operiert, musste zur Toilette. Sie klingelt, der Pfleger kommt rein (selber Pfleger wie bei mir), sie fragt: "Könnten Sie bitte der Schwester Bescheid sagen, dass ich zur Toilette muss?" Er: "Ich bin die Schwester." Sie: "Nein, sie sind der Pfleger. Könnten Sie also bitte einer Schwester Bescheid geben?" (eindeutiger geht es ja kaum) Er: "Ich habe jetzt keine Schwester. Entweder Sie müssen zur Toilette, dann gehen Sie jetzt mit mir, oder Sie müssen eben nicht." Fand ich unmöglich. Danach war er bei mir unten durch, obwohl ich ihn ja in meinem Fall noch professionell respektvoll gefunden hatte. Die arme ältere Dame sagte dann, dass sie vielleicht doch nicht so dringend müsse und fragte nachher mich als Besucherin (sie wusste gar nicht, dass ich in der Pflege-Ausbildung war), ob ich sie unterstützen könnte. Sowas geht doch echt nicht.
 
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Ja, so etwas habe ich auch oft erlebt.
Ab einem gewissen Alter, darf man irgendwie nicht mehr selber entscheiden. Als meine Mutter im Krankenhaus lag, hat in dem Moment, in dem ich anwesend war niemand mehr zu meiner Mutter gesprochen. Alle sprachen mit mir. Auch wenn ich darauf hingewiesen habe, dass ich nur die Begleitung sei. Als wäre sie dumm. Es wird automatisch davon ausgegangen, dass der alte Mensch das nicht kapiert oder so. Keine Ahnung.
Das passiert sogar dann, wenn man nicht mal mit demjenigen verwandt ist, den man begleitet. Ich habe mal die Mutter einer Freundin gefahren und sogar da wurde versucht alles mit mir zu besprechen. Sogar noch als ich mehrfach darauf hingewiesen habe, dass ich nur "das Taxi" bin und jetzt gerade die Tasche halte.
Was soll das?
 

Neuromaus

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off topic:
Letzteres ist aber nicht immer nur eine Frage des Alters. Als ich von meinem Vater gefahren wurde, weil mein Auto in der Werkstatt war, oder als meine Schwester mich begleitet hat, weil für eine Maßnahme eine leichte Prämedikation mit Midazolam oder Tavor erforderlich war, hat auch keiner mehr mit mir gesprochen. Nach Tavor-Gabe hätte ich das ja noch verstehen können, aber auch vorher haben alle nur noch mit ihr über mich geredet. "Wir werden gleich bei Ihrer Schwester... Danach könnte es dazu kommen, dass..." Ääääh, war das nicht meine Aufklärung, die da laufen sollte? Irgendwie scheint die Tatsache, dass man Begleitung "braucht", einen automatisch unmündig zu machen.

back to topic:
Und dieses Problem erstreckt sich dann auch in die Gender-Frage hinein. Chirurgische Station: Pfleger kommt in Begleitung einer Unterkursschülerin (ich) ins Zimmer und möchte bei der Pat. (Mitte 60) einen DK legen. Pat. fragt, ob es nicht möglich sei, dass eine Schwester das macht, weil es ihr bei einem Mann unangenehm sei. Pfleger: "Was soll das denn jetzt heißen? Ihr Mann ist doch auch dabei." Mir ist fast die Kinnlade runtergefallen. Nur, weil der Ehemann dabei ist, darf die Frau nicht mehr selbst über ihren Körper bestimmen???
 
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-Claudia-

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Da wäre ich nicht sicher. Meine beste Freundin ist Rheumatologin und wurde schon weggeschickt mit der Bemerkung, man wolle mit einem Arzt reden; die Chefärztin war genauso wenig erwünscht wie meine Freundin als Assistenzärztin - falsches Geschlecht.

Ich habe auch schon anzügliche Sprüche gegenüber jungen Ärztinnen mitgekriegt. Davor sind Frauen wohl in keinem Beruf geschützt.

Aber was den meisten Patienten, denke ich, klar ist: Wir Pflegenden sind die größere Berufsgruppe, und die Frauen sind deutlicher in der Überzahl als bei den Medizinern. Eine weibliche Pflegekraft, die mich bei der Körperpflege unterstützt, ist im Krankenhaus sicherlich leichter aufzutreiben als z.B. eine weibliche Nephrologin mit besonderer Erfahrung bzgl. meiner Erkrankung. Für sowas nehme ich doch lieber den Spezialisten, egal welchen Geschlechts.
 

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