Geistige Behinderung & Sucht - Langzeiteinrichtung

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von Grangepflecheschilerin, 25.05.2007.

  1. Hallo ihr lieben MitleserInnen,

    Ich wollte fragen, ob von euch jemand Einrichtungen kennt, in denen geistig behinderte Menschen die eine Sucht (z.B. Alkoholismus) entwickelt haben, nach erfolgreicher Entgiftung LANGFRISTIG betreut werden können? Habe versucht mich bei google schlau zu machen, leider hat meine Suche nichts ergeben.

    Ich komme deshalb auf das Thema, weil ein "Kunde" (bei uns heißt das leider so!) mit geistiger Behinderung starker Alkoholiker ist. Er ist seit einigen Jahren in einer halbtstationären Einrichtung (Aussenwohngruppe) untergebracht. Ich kam mit einer Arbeitskollegin in eine heftige Diskussion, weil ich die Meinung vertrete, dass eben so eine halbstationäre, offene Wohnform genau das Falsche für einen Alkoholiker sei und sich das Gesundheitswesen einige Euronen sparen könnte, wenn es eine Langzeiteinrichtung gäbe, in der wir ihn unterbringen könnten (anstatt daß er immer wieder Entgiftungen ohne Langzeittherapie macht). Daraufhin meinte meine liebe Kollegin zu mir, dass er aufgrund seiner Behinderung "therapieunfähig" sei und es so eine Einrichtung in Detschland sowieso nicht gäbe.

    Grüße,
    Suzee
     
    #1 Grangepflecheschilerin, 25.05.2007
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 25.05.2007
  2. Brady

    Brady Gast

    Hallo Suzee,

    ich arbeite in einer psychiatrischen-psychotherapeutischen Tagesklinik. Bei uns ist auch Minderbegabung ein Ausschlusskriterium.
    Will dir aber mal berichten von einem Patienten, der trotz Minderbegabung bei uns Therapie gemacht hat.
    Er hatte auch bei uns ein Informationsgespräch, er fiel schon auf durch seine einfache Art auf, aber wir hatten auch keine Vorinformationen und nahmen ihn trotz dieser Bedenken.
    Den Mitpatienten fiel er natürlich auf, doch diese nahmen ihn ohne Kompromisse an. Es stellte sich dann im Laufe der Therapie raus, dass er eine hohe soziale Kompetenz hat, mit der er viel wett machen konnte. Er war sehr beliebt bei den Patienten und profitierte auch durch diese Therapie.
    Dieser Patient lebt in betreuten Wohnen, es kommt in regelmässigen Abständen eine feste Bezugsperson zu ihm, um mit ihm den Alltag zu besprechen und zu regeln.

    Wie weit euer Patient eingeschränkt ist, kann niemand aus der Ferne sagen. Zumal man auch zuwenig über ihn weiss. Solltest uns vielleicht noch mehr Informationen geben. Will er überhaupt selber eine Therapie machen?

    Liebe Grüße Brady
     
  3. ofra86

    ofra86 Newbie

    Registriert seit:
    26.05.2007
    Beiträge:
    3
    Zustimmungen:
    0
    Schade das Menschen mit geistiger Behinderung so schnell unterschätzt werden. Natürlich muss der Patient auch den Sinn und die Einsicht für die Therapie haben.
    Aber es gibt auch Rehazentren, die für genau solche Patienten therapieplätze anbieten und den Schwerpunkt eher auf alltagspraktische Dinge legen. Weniger Gesprächstherapie, dafür mehr Sport, Kochen, einkaufen....
    Ich kann jetzt nur vom Jugendbereich sprechen. Auf meiner Station, dort behandeln wir rehapat. (wg. Drogensucht). Es gibt bei uns oft lernbehinderte Jugendliche und letztens sogar einen, der schon an geistige Behinderung grenzte (IQ 67). Er hatte sich über einen langen Zeitraum einen guten Stand in der Gruppe erkämpft, doch mit der größerwerdenen Gruppe und den höheren Anforderungen immer mehr Probleme sich abzugrenzen. Aber in einer kleinen gruppe von 5-10 Patienten und vielen lebenspraktischen dingen hätte er die reha bestimmt geschafft.
    Mir fällt der name von dieser Rehaeinrichtung jetzt nicht ein Barthölomäus? oder so, naja wenn mir das wieder einfällt schreib ich s hier rein.

    find dieses Thema sehr interessant, weil es noch viel zuwenig für diese Zielgruppe gibt. Wäre dankbar, wenn ihr bei neuen Infos hier reinschreibt.

    gruß ofra
     
  4. Elcheveri

    Elcheveri Newbie

    Registriert seit:
    21.05.2007
    Beiträge:
    3
    Zustimmungen:
    0
    Hallo Suzee,
    ich arbeite in einem Wohnheim in dem Bewohner mit psychischer Erkrankung und Intelligenzminderung geschlossen untergebracht sind.....Bei uns lebt jemand der durch Sucht(Alkhohol und Drogen)diese starken psychischen Probleme bekam,er hat mehrere Entzüge hinter sich und wohnt nun bei uns.Das ist alles sehr schwer und mit viel Beamtenkram verbunden,da er nur bei uns wohnen kann wenn er einen "Beschluss"hat,sprich schon mehrere "schandtaten"hinter sich gebracht hat und die Behörden keine andere möglichkeit sehen Ihn quasi einzusperren.
    Wie schon gesagt,es kommt halt auch darauf an wie stark die geistige Beh.ist,steht er unter Betreuung?Wenn ja welche?Du wirst selbst wissen wie mühselig es ist in dem Paragraphendschungel durchzublicken.LG
     
  5. gisela Frank

    gisela Frank Newbie

    Registriert seit:
    22.04.2009
    Beiträge:
    1
    Zustimmungen:
    0
    Hallo,
    ich bin durch Zufall heute auf die Anfrage gestoßen, und auch wenn sie vielleicht nicht mehr aktuell ist, will ich für weitere Ratsuchende eine Info weitergeben:
    In der AHG-Klinik Römhild gibt es eine Gruppe speziell für intelligenzgeminderte Alkoholiker, da sie in einer "normalen Gruppe" oft große Schwierigkeiten haben, eine Langzeitentwöhnungsbehandlung mitzumachen.
    Und auf Dauer, für den ANschluß, gibt es eine ganze Menge soziotherapeutische Wohnheime für SUchtkranke bundesweit, die auch häufig Gruppen anbieten, die sich auf intellektuelle Minderbegabung (primärer oder sekundärer Genese) spezialisiert haben!

    Hoffentlich hilft das manchen beim Suchen!

    Liebe Grüße

    G.Frank
     
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen - Geistige Behinderung Sucht Forum Datum
News Neue Broschüre über "Demenz und geistige Behinderung" Pressebereich 14.01.2016
Mentor werden als GuKP in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung? Praxisanleiter und Mentoren 12.04.2015
Umgang mit Nikotin bei Menschen mit einer Behinderung? Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik 04.10.2014
Leiter (m/w) für den Bereich Arbeit und Tagesstruktur - Dienste für Menschen mit Behinderung Stellenangebote 21.09.2013
Bewerbung mit Schwerbehinderung Ausbildungsvoraussetzungen 21.02.2012

Diese Seite empfehlen

  • Über uns

    Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten und mitgliederstärksten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit dem Jahr 2000 eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

    ©2000-2016 - www.krankenschwester.de - Die Online Community für Pflegeberufe

  • Schnellnavigation

    Öffne die Schnellnavigation

  • Unterstützt uns!

    Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!

Ich stimme zu Weitere Information

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.