Frustrierende Situation auf Station

Dieses Thema im Forum "Talk, Talk, Talk" wurde erstellt von Tania, 16.05.2010.

  1. Tania

    Tania Junior-Mitglied

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    Ich bin durch einen Fall an der Arbeit sehr frustriert.

    Wir hatten eine Patientin seit Februar in unserer Abteilung mit Ösophagus Ca. Tracheotomiert und mit PEG. Ich hatte das Gefühl, dass sie bald nach Hause entlassen werden würde.
    Als ich nach 3 Wochen aus dem Urlaub kam hatte sich die Situation komplett gewandelt.
    Ärzte hatten erneute OP's durchgeführt und einen Befall der Wangeninnenseite diagnostiziert. Die Patientin hatte Nierenversagen und war O2 pflichtig. Sie konnte ohne Hilfe nicht mehr zur Toilette gelangen. Sie pendelte zwischen Wach- und Normalstation!

    Als ich Mittwoch den Bereich übernahm, in dem sie lag, war die Übergabe unzureichend. Meine Kollegin hatte sie von Wachstation übernommen und einfach hingenommen, dass das Durogesicpflaster der Patientin gesenkt wurde. Wie kann man bei einer onkologischen Patientin, die offensichtlich präfinal ist, einfach ein herabsetzten der Schmerzmitteldosis hinnehmen, wenn alle anderen Schmerzmedikament auf Grund des Nierenversagens abgesetzt wurden?! Es gab keine schriftliche Anordnung und es stand auch nichts in der Pflegedokumentation! Der Assistenzarzt konnte sich nicht alleine durchringen das Durogesicpflaster wieder herauf zu setzten auch die Oberärztin, die die Assistenzärzte "betreut" und der ich dies ebenfalls mitteilte tat nichts dergleichen die Dosis wieder herauf zu setzen. Letztendlich SUCHTE ich mir eine Stationsfremde Ärztin der Abteilung die mir gerade auf unserer Station über den Weg lief und trug ihr mein Anliegen vor. Sie setzte die Dosis sofort wieder herauf. Ich sage noch einmal, dass NIRGENDWO eine schriftliche Anordnung über ein absenken der Dosis zu finden war. Auch nicht in der Akte der Ärzte, die ich mir beschafft hatte.
    Auch noch an diesem Mittwoch gab es ein Nephrologisches Konsil, in dem empfohlen war der Patientin fest 2 x 40 mg Lasix anzuordnen. Mindestens 2 Liter Flüssigkeitszufuhr und Negativbilanzierung. Außerdem wurde empfohlen ihr einen Kaliumperfusor angedeihen zu lassen. Es gab keine Anordnung eines BDKs, was mich grübeln läßt ob der Nephrologe überhaupt auf Station war und die Patientin gesehen hat. Dann hätte er ihren erbärmlichen AZ gesehen!!! Der Kaliumwert war noch im Normalbereich. Ich konnte den Stationsarzt (seit 9 Monaten mit dem Studium fertig) davon abbringen einen Kaliumperfusor anzuordnen. Kaliumbrause sollte es richten. Wenn ich ehrlich bin habe ich der Patientin das Kalium nicht gegeben, da sie von Kaliumbrause, auch wenn es portioniert wurde, Übelkeit bekam und erbrach. Ihr Mann berichtete mir davon, als ich in ihr Zimmer kam. Auch das Lasix habe ich ihr an dem Abend nicht gegeben. Ich wollte ihren Zustand an dem Abend nicht verschlimmern.
    Auch waren für diesen Tag Ärzte aus der Zahnklinik angesagt, die mit Patientin und Ehemann sprechen wollten um sie zu einer erneuten Operation umzustimmen. Zum Glück sind die nicht gekommen.

    Ich war am Mittwoch sehr schockiert und wütend. Donnerstag verschlechterte sich ihr Zustand zusehends. Ihr Gesicht wurde fahl und sie benötigte ihre gesamte Atemmuskulatur.
    Mir wurde übergeben das ein Palliativkonsil am Freitag stattfinden sollte. Wie sich Freitag früh dann heraus stellte sollte sie gleich übernommen werden. Für die Patientin war ich erleichtert. Jeder hat gesehen das es nicht mehr lange dauern würde.
    Leider bin ich mit meinem Schüler Zeuge eines Gespräches zwischen unserem Assistenzarzt und dem Ehemann geworden. Ich zitiere wörtlich:"Sie wird jetzt auf eine internistische Station verlegt wo Spezialisten sind die sie wieder aufpäppeln." Zitat Ende. Mein Schüler und ich, wir sahen uns an. Uns ist alles aus dem Gesicht gefallen. Ich war schockiert!!!!!

    Aber ich kann die Inkompetenz nicht nur auf die Ärzte abwälzen, auch auf die Pflege. Es machte mich sehr wütend, als sich meine Kollegen in einer Übergabe darüber aufregten das betreffende Patientin 6 Mal in der Schicht klingelte weil sie Angst hatte. Jetzt, wo ich das hier schreibe bin ich wieder sehr wütend und zornig. Ich schäme mich für die Unfähigkeit meiner Kollegen Empathie auszuüben. Ich schäme und ärgere mich für die Nachlässigkeit meiner Kollegen, die im Kurvenblatt Psychopharmaka nicht übernommen haben die die Ängste der Patientin verringert hätten. Das die vorgeschriebene Kontrolle der Kurvenblätter nicht ausgeübt wurde! Es wurden unnötige Fehler begangen die zu einer verschlechterten Lebensqualität einer Patientin geführt haben!

    Die geballte Inkompetenz und Nachlässigkeit von Seiten der Ärzte und Pflege ist eine bodenlose Frechheit die mir so noch nie unter gekommen ist. Ich bin zornig, wütend und enttäuscht. Ich sinnierte am Freitag noch über eine Qualitätsmeldung, oder ein Hinweis an die Ethikkommission.

    Ich habe irgendwie das Bedürfnis diese Geschichte nicht auf sich beruhen zu lassen. Oder was sagt ihr dazu? Ich musste meinen Frust jetzt hier ablassen.
     
  2. Silvana

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    Hallo Tania!
    Ich kann verstehen, dass dieser Fall in dir Wut und Enttäuschung auslöst. Da kamen aber auch wirklich viele Dinge zusammen.

    Klingt für mich eher so, dass jemand versehentlich eine falsche Pflaster-Stärke geklebt hat. Wenn nirgendwo was steht, hätte ich wahrscheinlich beim nächsten Wechsel die vorige Dosierung genommen.
    Kann ich auch nicht verstehen. Eine Patientin, die nicht allein zur Toilette kann und bei der genau bilanziert werden soll, sollte auf jeden Fall einen DK bekommen. Mal abgesehen von der Erleichterung für die Patientin!
    Das Problem dabei ist, dass viele Ärzte nicht gelernt haben oder in der Lage sind, diese Form der Aufklärungsgespräche zu führen! Einem Angehörigen zu sagen, dass der Patient bald sterben wird, überläßt man dann lieber dem Nächsten.

    Wie gesagt, ich kann deine Wut verstehen. Wie ist denn sonst bei euch der Weg einer Beschwerde? Hast du denn schon mit deinen Kollegen darüber gesprochen? Vielleicht haben andere das auch so oder auch ganz anders gesehen?
    Ich würde mich z.B. erstmal an meine Leitung wenden, ihr den Sachverhalt und vor allem auch meine Gefühle erklären. Vielleicht gibt es die Möglichkeit einer Teamsitzung, an der auch die Ärzte teilnehmen? Wichtig ist nur, den anderen klarzumachen, dass es gar nicht darum geht, einen Schuldigen zu finden, sondern darum, aus diesem Fall zu lernen, damit so etwas nicht noch einmal passiert.

    Lieben Gruß
     
  3. mutters-kind

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    Tja,ich denke mal,jeder kennt eine solche oder ähnliche Situation:(

    Ich hoffe nur,Du hast das mit den nicht gegebenen Medikamente von ärztlicher Seite absegnen lassen???

    Eines verstehe ich nicht ganz...seit wann brauche ich eine ärtzliche Anordnung,um einen BDK zu legen???Liegt es nicht in meinem Ermessen,diese Dinge zu entscheiden??Wenn eine Patientin ausgeschwemmt werden soll und in solch schlechter Verfassung ist,dann bekommt sie einen BDK und gut iss..

    Einen Kaliumperfusor macht sicher mehr Sinn als die ollen Brausetabletten....vorausgesetzt,der Kaliumwert wird regelmässig ,engmaschig kontrolliert und es liegt ein ZVK oder Port...


    schönen Abend noch:hippy:
     
    #3 mutters-kind, 17.05.2010
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 17.05.2010
  4. Tania

    Tania Junior-Mitglied

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    Danke für deine Antwort.
    Die Leitung ist über diesen Fall informiert und ich habe ihr meine Bedenken und Gefühle geschildert. Ich habe selber vorgeschlagen zukünftig Fallbesprechungen durch zuführen und unser Handeln gemeinsam fest zulegen. Auch wünsche ich mir, so mehr Druck auf die Ärzte ausüben zu können.
    Ich habe heute mit einem Freund über die Situation gesprochen. Ich werde mit einem Kollegen wohl eine Qualitätsmeldung verfassen. Wir planen noch unser genaues Vorgehen.

    Ich würde gerne die Ärzte in die Fallbesprechungen einbeziehen.
     
  5. Tania

    Tania Junior-Mitglied

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    Natürlich hast du Recht. Es bedarf für einen BDK so keine ärztliche Anordnung. Ich ärgere mich, dass ich nicht schneller geschaltet habe. Es geht mir auf die Nerven, dass ich 17 Patienten betreuen musste und der "wichtigsten" nicht gerecht werden konnte. Ich möchte einfach nicht darüber nachdenken, wie der Tag wohl ohne die Unterstützung meines Schülers gelaufen wäre.

    Die Medikamente habe ich ins Zimmer gebracht. Der Mann wurde von uns zum Umgang mit PEG angeleitet und hat diese Aufgabe übernommen. Wie ich schrieb, habe ich mit dem Mann über die Kalinor gesprochen. Die Gabe wurde abgelehnt.

    Es ist eine verzwickte Situation.
     
  6. mutters-kind

    mutters-kind Poweruser

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    Ja,dass kann ich gut verstehen,man muss nur sehr aufpassen,dass man vor lauter Mitgefühl für den Patienten nicht seine eigene Professionalität verliert.
    Ich denke,es ist ein guter Weg,die ganze Situation mit dem GESAMTEN Team zu reflektieren.....

    Viel Glück:daumen:
     
  7. Tania

    Tania Junior-Mitglied

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    Erneut hast du Recht. Es ist gut, dass du es noch mal gesagt hast. Danke. :-)
     
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