Frühgeborenen-Medizin in Deutschland

Dieses Thema im Forum "Kinderintensivpflege" wurde erstellt von Aloha, 31.10.2007.

  1. Aloha

    Aloha Poweruser

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    Ich bin gestern beim Nachrichten-Lesen ueber diesen Artikel gestolpert:

    UNERFAHRENE MEDIZINER

    "Jedes fünfte tote Frühchen könnte noch leben"

    In der Frühgeborenen-Medizin leistet sich Deutschland einen Sonderweg: Auch Kliniken, die kaum Erfahrungen mit den Babys unter 1500 Gramm haben, dürfen diese versorgen. Eine Regelung, die Experten wie den Berliner Neonatologen Michael Obladen auf die Barrikaden treibt.

    weiter hier: Unerfahrene Mediziner: "Jedes fünfte tote Frühchen könnte noch leben" - Wissenschaft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten



    Was habt Ihr fuer Erfahrungen gemacht? Seht Ihr die Sache aehnlich oder ist der Artikel "uebertrieben"?

    Ich hatte bisher kaum mit Kindern zu tun und weiss nun nicht, was ich von dem Artikel halten soll.......

    Bin gespannt auf Eure Meinungen!
     
  2. behid

    behid Gast

    Es ist sicher so, dass die Versorgung kleiner Frühgeborenen erheblich von der Erfahrung der Ärzte und Pflegenden abhängt und die Kinder davon profitieren. Und es ist auch sicher sinnvoll diesse Kinder in Zentren die darauf spezialisert sind auf die Welt kommen zu lassen und Spätfolgen durch Unerfahrenheit zu moinimieren bzw ganz zu vermeiden.
    Ich bin klarer Befürworter dieser Zentren, aber es ergeben sich auch Probleme daraus.
    Es gibt in Deutschland Gebiete, die dann nicht mehr versorgt würden und wo gar keines dieser Kinder mehr auf die Welt kommen dürften. Die Mütter müssten dann (mit Kindern im Bauch) frühzeitig in entsprechende Perinatalzentren verlegt werden. Nach der Geburt sind die Eltern dann mit vielerlei Problemen konfrontiert. Sie machen sich sortgen um ihre Kinder, sind aber nach Entlassung der Mütter nach Hause häufig sehr weit weg von der Klinik zuhause. Das bedeutet lange (z.T. Monate) tgl. Fahrten zur Klinik und zurück verbunden mit enormen Kosten. Es gibt Geschwisterkinder, die versorgt werden müssten und und und und.....! Die Infrastrukturen selbst moderner Perinatalzentren sind nicht darauf ausgelegt, dass Mütter und Väter mit aufgenommen werden können oder wenigstens patientennah im gleichen Gebäude untergebracht werdenn können.
    Heimatnahe Rückverlegungen wenn die Kinder stabiler sind scheitern häufig an Kostenübernahmen der Krankenkassen. All diese Dinge sind nicht geregelt und erschweren die Bedingungen für die Familien und das Aufbauen einer guten Eltern-Kind-Bindung. Und dies kann ebenfalls die gesunde Entwicklung gefährden.

    Und mir stellt sich immer die Frage ab wann man denn erfahren genug ist um diese Hochrisikokinder zu versorgen. Ab 10 Kinder unter 1500g im Jahr, ab 20, ab oder ab 100? Die größeren Zentren plädieren für eine Mindestmenge (50 Kinder) um sich als Level 1- Zentrum (erlaubt die Versorgung selbst der gefährdesten und kleinsten Frühchen). Die kleineren Zentren sehen das anders, nicht nur aus Geldgründen sondern auch um allen Müttern die Versorgung ihrer Kinder heimatnah zzu ermöglichen.

    Wirklich schwierige Frage was jetzt das Beste ist?

    Gruß Behid
     
  3. Krotob

    Krotob Stammgast

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    Hallo,
    sehr schwieriges Thema. Wir sind eine eher kleine Klinik (6 Neo-Beatmungsplätze), aber wir versorgen auch die kleinsten der Kleinen und ich denke mit "relativ" guten Erfolg. Das heißt wir schneiden auch nicht schlechter ab, also große Kliniken bzw. Zentren (da gibt ja jährliche Vergleiche über Outcome usw.). Ich denke es kommt einfach sehr auf das Personal an (Ärzte, wie auch Pflege). Wir haben einen hohen Anteil an Fachpflegepersonal, was bedingt, auch in verschiedenen großen Klinken Einsätze zu haben. Wir sind auch räumlich und von der Ausstattung sehr begünstigt. Und der klare Vorteil für die Eltern wurde bereits genannt. Die Eltern können Zuhause schlafen, oder anbei in Elternzimmer. Die Betreuung der Physiotherapeuten kann nahtlos auch von Zuhause weitergeführt werden und alle Kindern werden an ein SPZ angebunden. Jedoch hat man sicherlich nie die Routine wie ein großes Zentrum (wobei sich die Frage stellt, ist Routine immer gut, oder reicht eine große Erfahrung). Noch ein kleiner Vorteil, wir haben keinen Forschungsauftrag (wie man auch darüber denkt). Hoffe der Zeitungsartikel ist nicht nur aus finanziellen Interesse entstanden.

    Liebe Grüße

    :roll:
     
  4. Aloha

    Aloha Poweruser

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    Vielen Dank fuer Eure Beitraege! :up:

    Ich lese bei Euch weder ein Pro noch ein Contra raus, sondern eher, dass man versuchen sollte die goldene Mitte zu finden.
     
  5. behid

    behid Gast

    http://www.gnpi.de/pdf/BeschlussGemeinsamerBundesausschussvom20-9-2005.pdf

    Hier werden die bisherigen Regelungen der Versorgung Frühgeborener festeglegt. Dort wird bereits heute geregelt wer die kleinsten Frühchen versorgen darf und wer nicht. Es wird z.B. eine entsprechende Quote an fachweitergebildetem oder erfahrenen Pflegepersonal gefordert. Die leitenden Ärzte müssen Neonatologen sein usw. Es muss ein 24h Schichtdienst auch von ärztlicher Seite zur Verfügung stehen und die Ärzte dürfen ausschließlich mit der Versorgung der Kinder auf Station und im Kreisssaal beauftragt werden. Ambulanzen und andere Stationen müssen von jemand anders betreut werden.

    Diese Regelungen gelten bereits heute und sind im Sinne der Kinder auch vernünftig, aber es ergeben sich daraus auch Probleme. Nicht jede kleine Abteilung kann sich 2 Nachtdienstärzte leisten und demnach dürften dort keine extrem unreifen Frühchen versorgt werden.

    Aber mal ehrlich, so manche Nacht bekämme man seinen Dienstarzt auf Intensivstation nicht zu sehen, weil die Ambulanzen mit hustenden, fiebernden und erbrechenden Kindern vollsitzen und er sich nunmal nicht vierteilen kann.
    Deshalb bin ich schon der Meinung, dass diese qualitätssichernden Maßnahmen Sinn machen und eingehalten werden sollen, aber man die Versorgung der Kinder nicht unbedingt an eine Mindestquote knüpfen muss. Nur sollten wir uns bewusst sein, dass eine Versorgung schon darunter leidet, wenn die entsprechenden Akteure aufgrund mangelnder Routine unsicher sind.
     
  6. Aloha

    Aloha Poweruser

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    Danke fuer den Link, in dem Bericht kam es eher so rueber, als ob es so eine Vereinbarung ueberhaupt nicht gibt.

    Wie verbindlich ist dieser Beschluss? Stellen sich die Kliniken gerade um oder wie muss ich mir das vorstellen?
     
  7. behid

    behid Gast

    Soweit ich darüber informiert bin, sind diese Regelungen verbindlich und die Kliniken müssen sich daran halten.
    Allerdings wird, soweit es mir bekannt ist, nicht von einer übergeordneten Stelle überprüft ob die Abteilungen auch wirklich alle die Bedingungen erfüllen und die Abteilungen stufen sich zunächst mal selbst ein.
    Dabei hängt es dann davon ab, wie verantwortlich die einzelen Chefs die Umsetzung dieser Vorgaben akzeptieren.....
     
  8. Krotob

    Krotob Stammgast

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    Hallo,

    ich denke diese "Vorschriften" sind sehr verbindlich und werden natürlich auch überprüft. Jedoch gibt es sicherlich auch Ausnahmen. Wir haben z.B. keinen 2ten Nachtdienstarzt (d.h. zwischen 22.30 und 6 Uhr am Morgen haben wir einen Dienstarzt auf Station). Im Hintergrund sind ein erfahrener Kindernotarzt und ein neonatologischer Hintergrund (OA), diese müssen innerhalb von Minuten auf Station sein. Ich denke die verpflichtende Reglung eines zweiten Dienstes, macht auch nicht überall Sinn. Es dauert sicherlich mindestens genauso lange bis der Arzt von der Sectio zurück ist, oder der Arzt ein Kind mit Schnupfen in der Ambulanz alleine lässt, wenn der Herzalarm kommt. Wir sind es einfach auch gewöhnt, ggf. eine Zeit zu überbrücken, bis der Arzt anwesend ist, oder Entscheidungen am Telefon abzusprechen. So Sachen wie Beatmung, oder Volumentherapie anzugleichen ist zum großen Teil unsere Sache, da wir am Kind stehen, den Verlauf beobachten und wissen wie das Kind reagiert, wieviel Druck es nach dem Absaugen braucht, ..., natürlich gravierende "Eingriffe" gehören abgesprochen und bei manchen Sachen, will ich einen Arzt am Kind haben, ganz klar. Aber z.B. wenn um 3 Uhr am Morgen der Blutzucker bei einem Kind 37 ist, dann hol ich mir keinen Doc, nur das er mir sagt ich soll die Infusion hochstellen oder umstellen.
    Ich finde auch die Regelung gut so, dass auch wir die Kleinsten versorgen, wo sollen diese auch hin?
    Viele Zentren sind einfach überfüllt, sobald extubiert, auf die nächste Station (wir betreuen mit dem gleichen Team über längere Zeit, zum Teil bis zum Weg nach Hause). Und extreme Frühgeburten gibt es eben auch ungeplant am Lande (vor einer Zeit hatten wir eine extreme Frühgeburt in einem peripheren Krankenhaus), bis zum nächsten Zentrum wären es 125 Km gewesen (das Kind ist ohne Hirnblutung, und weitere schwerwiegende Folgen nach Hause entlassen worden), der Transport wäre sicherlich die Katastrophe für das Kind geworden (125 versus 25 km). Wir haben sicherlich nicht DIE Erfahrung wie ein Uniprofessor der nur mit extremen Frühgeburten arbeitet (24 SSW haben wir sicherlich nicht viel mehr als 10 im Jahr), der Vorteil bei uns ist, dass wir aber ein sehr konstantes Team haben (der Wechsel in vielen Unikliniken usw. ist sehr groß), somit gibt es in großen Zentren oft nur wenige die Mega-Erfahrung haben (und die können nicht immer überall sein).

    Liebe Grüße

    :wink:
     
  9. behid

    behid Gast


    Sorry Krotob,

    aber deinem Beitrag muss ich widersprechen. Volumentherapie und die Anpassung von Insulin und diversen Medikamenten/Volumenmengen gehört nicht in den Aufgabenbereich der Pflege. Obwohl ich seit 20 Jahren in der Neonatologie tätig bin, davon 15 auf Intensivstation, sehe ich dies nicht als unsere Aufgabe und ich werde mich hüten dies zutun. Da wir kaum beatmen sind wir meist gar nicht in der Versuchung zum absaugen den Druck hochzustellen und wenn wir bei instabilen Kindern absaugen ist sowieso der Arzt mit von der Partie und meines Erachtens gehört der da auch hin.
    Und gerade weil ich denke, dass diese Aufgaben ausschließlich in den ärztlichen Bereich gehören bin ich der Meinung, die Klinik die Level 1 Neonatologie machen will, sollte auch die Vorrausetzungenn dafür schaffen und einen 24h kontinuierlichen ärztlichen Schichtdienst schaffen. Dass dies dann zu den auch von mir geschildertzen Problemen führt ist klar, aber dann sollten wir dafür Lösungen suchen. Lediglich 10 Kinder jährlich unter 1500g tragen nicht wirklich dazu bei, dass die Mitarbeiter Routine in der Versorgung bekommen und sicher sind. Da vergehen z.T. Monate bis eine teilzeitbeschäftigte Pflegekraft wieder mal ein solches Kind miterstversorgt. Diese Ängste und Probleme dieser Mitarbeiter kenn ich zu genüge und wir versorgen einige mehr dieser Kinder pro Jahr.

    Es kann auch ein Nachteil sein, ein sehr beständiges Team zu haben. Es birgt die Gefahr, dass man alte Zöpfe weiterwachsen lässt und sie nicht abschneidet, weil niemand den entsprechenden Input und Druck dazu aufbringt.

    Woher weißt du, dass die Regelungen des gemeinsamen Bundesausschusses überprüft werden und wer macht das? Wenn dies so wäre dürftet ihr diese kleinen Kinder nicht versorgen...., oder?
     
  10. Krotob

    Krotob Stammgast

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    Hallo behid,

    schön ich sehe wir haben (subjektiv) gegensätzlich Ansichten, was natürlich für eine Diskussion erforderlich ist. Am Ende werden wir aber sehen, dass wir für die Kinder alle nur das Beste wollen.
    Also zu unserer Situation wir sind eine Klinik, mehr oder weniger am Land. D.h. es gibt für eine längere Strecke kein Krankenhaus (oder sagen wir Zentrum). Wir sind aber keinesfalls eine Dorfklinik, wir sind ein Krankenhaus der Maximalversorgung, inkl. zertifizierten Schockraummanagment usw., wir haben eine sehr gute Kinderchirurgie, Kinderurologie, Neuropädiatrie und eine "gutlaufende Pädiatrie-Neonatologie", der stationierte Rettungshubschrauber sorgt auch für eine anhaltend gute Beschäftigung, wir arbeiten mit mehreren Unikliniken zusammen (z.B. Lehranstalt der TU München) ...
    Weiter hast Du leider ein paar Sachen nicht ganz so wiedergeben, wie geschrieben. Von Insulin habe ich nichts geschrieben, wobei es auch ein gutes Beispiel ist, also bei uns (ich weißt nicht wie es bei Euch läuft) ist das Personal auf Normalstation sehr fit mit Diabetikern, die müssen nicht bei jeder BE fragen ob Insulin rauf oder runter, im übrigen sollen es die Eltern und Kinder bald selbstständig machen. Was ich meinte, war die Infusion (sagen wir von einer G10%) anzupassen, in der Regel mache ich regelmäßig meine Blutzucker und merke, der Wert ist grenzwärtig (also ich stelle dann z.B. die Infusion von 6 auf 8ml/h und informiere meinen Arzt, wenn er gerade vom Absaugen kommt). Das gilt natürlich nicht für Kinder z.B. mit einer aktuten und gefährlichen Hypo- oder Hyperglykämie. Volumentherapie, wenn ich merke, dass bei meinen Kind (sagen wir 42 kg), der Blutdruck immer etwas knapp ist, der Urin konzentriert, ja dann stelle ich die Infusion etwas hoch (klaro informiere ich den Arzt und bespreche das Ganze). Ok weiter, ich sprach nicht von Kinder mit einen GG von 1500g., da haben wir genug, ich sprach eher von Extremfrühchen (das sind für mich FG in der 23-26 SSW).
    Deine Bemerkung zum Absaugen hat mich ehrlich etwas entsetzt, also das bedeutet bei Euch ist ein Arzt zum Absaugen dabei? hmmm warum saugt der Arzt nicht selber ab (ich gehe davon aus, dass das Kind instabil ist, sonst wäre es nicht intubiert und ich gehe davon aus, dass ein Kind ein Trachcare eingebaut hat). Also in 99% der Fälle saugen wir ab und machen das sicherlich gut und wir wissen auch wie der Patient reagiert (da wir 8 Stunde am Kind stehen, es beobachten und beurteilen), ich weiß nicht, wieviel Zeit haben Eure Ärzte ein Kind zu beobachten. Ich weiß genau, braucht mein Kind vielleicht nur eine Präoxygenierung, vielleicht aber doch einen Druck von 20, statt 18, oder muss ich einfach für ein paar Minuten die Frequnzen steigern, damit sich das Kind besser erholen kann. Wir wissen beide (da schon lange im Beruf) dass jedes Kind anders auf so massive Reize (wie es das Absaugen ist reagiert). Klaro, wenn ich erwarte, oder nur einen Gedanken daran verschwende, dass es Probleme mache könnte, informiere ich meinen Arzt und schau, dass jemand an meiner Seite steht (ich habe keine Lust Gott zu spielen). Gibt es Probleme die ich nicht erwartet habe und bekomme das Kind nicht schnell gut oxygeniert, dann lasse ich den Arzt informieren, es steht einer von meinen Kollegen mit am Bett und das Kind wird an den Beutel genommen und gemeinsam suchen wir nach der Ursache für das Problem und fast immer, ist es schnell gelöst.
    Ich spreche also nicht von Situationen die vital gefährlich sind, sondern eher von den kleinen Alltäglichkeiten (leicht erhöhtes CO2, was könnte die Ursache sein ... Frequenz, Peep, Pinsp). Ich meine wir haben eine 5jährige Ausbildung als Fachpflege, ich denke da kann man erwarten, dass wir nicht nur wickeln, füttern und putzen können (wie viele aus der Gesundheits- und Krankenpflege eh schon über uns denken). -> diese Diskussion, gehört zwar eigentlich zum anderen Forumsbereich, aber das muss ich mal los werden:wink:!
    Also wie gesagt, ich bin der Meinung auch kleinere Klinken können (wenn sie es wollen) eine gute Arbeit leisen. Eine gute Frühgeborenen Versorgung hängt nicht von der Größe der Station ab und nicht vom Namen des jeweiligen Professor (zumal die meisten in Deutschland bekannten bald aussterben), sondern der Motivation und Erfahrung des gesamten Teams.

    :roll:
    P.s. ein Level wird regelmäßig überprüft und muss zum Teil neu beantragt werden (dafür gibt es einen politischen Ausschuss) und ja wir dürfen, diese kleine Menschlein betreuen, sonst würden wir es auch nicht machen !
     
  11. behid

    behid Gast

    Hallo Krotob,

    ok du hast nicht von Insulin gesprochen (habe ich falsch interpretiert, sorry!) und auch habe ich falsch verstanden, dass du nicht von Kindern unter 1500g sondern von sehr unreifen Frühchen gesprochen hast.

    Nur stehe ich nachwievor zu der Aussage, dass trotz langjähriger Ausbildung die Anpassung von Volumen u.a. nicht in meinen Verantwortungsbereich gehören. Und wenn du es hinterher sowieso mit dem Arzt besprichst, warum holst du dir nicht vorher die Anweisung und sicherst dich ab.

    Dein Entsetzen was das Absaugen angeht, verstehe ich nicht. Wenn ich ein instabiles Kind absauge, dann mache ich das immer mit einer zweiten Person und wenn möglich mit dem Arzt (und es ist bei einem anwesenden Arzt und tagsüber zusätzlichem Oberarzt fast immer möglich)! Wir saugen tracheal natürlich mit Trachcare ab, aber es sollte hier nicht um spezielle Pflege gehen, sondern um Frühgeborenenmedizin in Deutschland. Und ein normal beatmetes Kind braucht i.d.Regel weder eine Druck noch Frequenzerhöhung. Dies gehört bei uns immer und ohne Ausnahme in den Kompetenzbereich des Arztes und ich fühle deshalb keineswegs degradiert.

    Nochmal zum eigentlichen Thema, ich habe nicht behauptet, dass bei euch die Kinder schlecht versorgt werden, sondern lediglich daraufhin gewiesen wo die Probleme sein könnten.
    Wo und wie kontrolliert dieser politische Ausschuss den die Einstufung der Levels? Wer ist in diesem Ausschuss? Das ist keine rhethorische Frage, es interessiert mich wirklich brennend, weil ich schon mehrfach ähnliche Diskussionen geführt habe und nie jemand sagen konnte wo das kontrolliert wird.
    Die Versorgung von Frühgeborenen der z.B. 23.SSW erfordert u.a. einen 24h stündigen Schichtdienst eines Arztes, der nur für die Intensivstation und die Versorgung des Kreisssaals zuständig ist. Scheinbar wird in der Praxis dann doch nicht so genau hingeguckt. Versteh mich nicht falsch, ich will damit nicht sagen dass alle kleinen Kliniken deshalb schlechte Arbeit machen, aber das System hat scheinbar Lücken!
     
  12. Krotob

    Krotob Stammgast

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    Hallo Behid,

    möchte Dich keinesfalls kritisieren oder degradieren. Wenn es bei Euch so läuft ist ja super und ideal. Aber es wird in vielen Kliniken nicht so laufen (habe auch in versch. Kliniken gearbeitet und bin viel mit Kolleg(innen) in Kontakt (v.a. im Ausland). Zu der Frage des Ausschuss, kann ich Dir wenn ich ehrlich bin nicht genau sagen, müsste zumindest der gleiche "Verein" der auch für die Vergabe der normalen Krankenhauslevel bzw. Versorgungsstufen verantwortlich ist (und alle paar Jahre muss man sich neu einstufen lassen) sein. Ich erkundige mich aber gerne, bin nur auf Fortbildung und komme erst in ca. 2 Wochen in die Klinik. Die Datensammlung macht zumindest die Perinatal- und Neonatologieerhebung.
    Ich denke es gibt keine Klinik die Versorgungen durchführt, die nicht erlaubt sind (wir sind hier in Deutschland, dem Land der Bürokraten), weil das Krankenhaus dafür kein Geld bekommen würde und außerdem gibt es soviele Brotneider, dass es sofort bekannt wäre (mit einem herrlichen Bild in der Bildzeitung).
    Gut, die restliche Diskussion sollten wir vielleicht im anderen Forum diskutieren (Absaugen, ...).


    Liebe Grüße

    :wink:
     
  13. junni

    junni Stammgast

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    Hallo!

    Wir hatten Anfang Oktober eine Infoveranstaltung allerdings zu einem anderen Thema. Da wurde aber auch das Thema "Level1" angesprochen. Es ging um die erreichten Kriterien die zu erfüllen sind um diesen Level des Perinatalzentrums zu erreichen. (ärztl. Schichtdienst, neonatolog. Hintergrund, bestimmter Anteil an Fachpflegekräften...). Und in diesem Zusammenhang hat unser OA gesagt, das die Krankenkassen diesen Status vergeben? Das er eigentlich im Nachhinein vergeben wird, d.h. bei den Verhandlungen mit den Kassen die jetzt ungefähr stattfinden für das vergangen Jahr 2007. Zur Zeit gäbe es noch kein "Limit" an Extrem-Frühchen die versorgt werden müssen um diesen Status zu bekommen. Die "großen" Kliniken fordern natürlich höhere Zahlen (vllt. 50/Jahr), "kleinere" Häuser möchten natürlich niedrigere um die Kinder weiterhin behandeln zu können.

    Ich hoffe, das was der OA da erzählt hat stimmt. Kann mich aber gerne nochmal umhören.

    VG junni
     
  14. behid

    behid Gast

    Das mit der Mindestquote wird tatsächlich wie du sagst von den "größeren" Kliniken gefordert.
    Ob das zur Qualitätssicherung beiträgt , ich weiss nicht. Ich würde eher eine Fortbildungspflicht aller Beteiligten fordern..... um auf dem aktuellen Stand der Forschung zu bleiben und sein eigenes Handeln immer wieder zu überdenken.

    Aber scheinbar wird die Einstufung der Levels zurzeit noch nicht überprüft (zumindest nicht so genau), weil es ja doch Kliniken gibt, die bestimmte erfoderliche Kriterien, wie z.B. den 24h Schichtdienst, nicht erfüllen.
     
  15. Krotob

    Krotob Stammgast

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    Hallo Junni,

    Danke für Deine Beitrag, klingt doch sehr plausibel, ich denke es wird schon so stimmen. Kann ja auch fast nur im Nachhinein sein!

    Gruß

    :wink:
     
  16. Aloha

    Aloha Poweruser

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    Wollte mich nur mal melden, da ich ja das Thema gestartet habe - ich lese mit :wink: und finde Eure Ausfuehrungen nach wie vor interessant.

    Mit meiner minimalen Kinderintensiverfahrung (ich hatte immerhin ein kurzes Praktikum auf einer Fruehgeborenen/Kinderintensiv waehrend meiner (Erwachsenen-) Fachschwesternausbildung A/I) kann ich leider nur wenig zum Thema selber beitragen.

    @Krotob: Zwar etwas offtopic, aber um nochmal auf die Laufgeschwindigkeit der Infusion einzugehen - vielleicht gaebe es da ja die Moeglichkeit, vom Arzt eine von....... bis .....ml/h -Anordnung zu bekommen, mit einer Maximalmenge und einem Blutzucker-Bereich, der dabei eingehalten werden soll und evtl. weiteren Kriterien, die eben wichtig sind.
    Wie gesagt, ich kenne mich bei den Kleinsten der Kleinen wirklich nicht aus - das ist nur ein Beispiel, wie ich es von den Erwachsenen kenne und so eine Anordnung laesst erfahrenen Fachkraeften Spielraum, sich im rechtlichen Rahmen zu bewegen. Logischerweise kann/muss man bei Unklarheiten/Problemen trotzdem und jederzeit anrufen, das setze ich voraus.
     
  17. behid

    behid Gast

    Wieso kann das nur im Nachhinein sein. Die bisherigen Regelungen geben keine Mindestzahl sondern regeln lediglich die Strukruren, Anzahl und Qualifikation des Personals, bauliche Begebenheiten usw. Das kann man sehr wohl im Vorfeld prüfen. Erfüllt man diese, kann man Risikokinder versorgen, erfüllt man sie nicht, dann sollte man es lassen.....
     
  18. Krotob

    Krotob Stammgast

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    Hallöchen,

    auch hierzu noch ein kleiner Kommentar, also ich weiß es leider nicht genau, ich weiß das die Krankenkassen etwas damit zu tun haben, dass einen staatlichen Ausschuß gibt, aber die genauen (wer, wie, was) werde ich erst einmal erfragen, wenn ich wieder in der Arbeit bin. Aber das was Junni geschrieben hat, klingt für mich logisch, nicht mehr nicht weniger. Und ich freue mich, wenn Leute dazu Ihre Meinung sagen.
    Wenn jeder alles wissen würde und richtig machen würde, dann wäre doch ein Forum sinnlos. Da es nicht so ist, finde ich es spannend die Meinung von anderen zu hören (ohne zu werten).

    Liebe Grüße

    :wink:
     
  19. behid

    behid Gast

    Der gemeinsame Bundesausschuß, der die Richtlinien erstellt hat, hat ebenfalls eine Checkliste zur Selbsteinschätzung in die entsprechenden Level erstellt.

    Diese Unterlagen können durch den MDK eingesehen und mittels stichprobenartiger Kontrollen überprüft werden.

    Diese Info habe ich auf dieser Checkliste gefunden. (GNPI - Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin)

    Also die Kliniken schätzen sich anhand dieser Checkliste ein, eine regelmäßige Kontrolle oder Vergabe der Levelstufen mittels einer übergeordneten Stelle scheint es nicht zu geben.
     
  20. Krotob

    Krotob Stammgast

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    Hallöchen,

    war Heute nach längerer Zeit mal wieder auf Station und hab kurz mal nachgefragt, wie es bei uns so ist.
    Also das Ganze ist im Endeffekt Ländersache und für Bayern gibt es diese Einstufung nach Level 1 ..., nicht in dieser Form. Bayern hält wohl an der Eingruppierung nach Perinatalzentrum usw. fest. Weiter gibt es eine bayerische Neonatalerhebung (also eine große Datensammlung) in der nicht nur Tod und Überleben (wie es im Moment von ein paar großen Zentren dargestellt wird -> vrgl. Artikel), sondern auch das Outcome (Gehirnblutungen, BPD, usw.). verglichen wird. Da hat sich rausgestellt, dass die "Kleinen" nicht schlechter abschneiden wie die "Großen", zumindest in unseren Bundesland. Im übrigen ist es Fakt, dass durch den aktuellen Abrechnungsmodus die Frühchenmedizin ein sehr lukratives Geschäft ist. Wer welche Frühchen versorgen darf, entscheiden wohl die Krankenkassen, da diese das Ganze auch finanzieren.

    Also schönen Abend

    :daumen:
     
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